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Das Tagebuch bevor es losging...    


Wir schrieben das Jahr 2000, Anfang September. Mir blieben noch 3 Monate bis zum Abflug nach Santiago. Die Zeit raste, und es gab noch viel zu tun. Andererseits war auch bis dahin schon jede Menge passiert, nur viel zu spät kam mir die Idee, auch dies an dieser Stelle festzuhalten. So hab ich versucht, die wichtigsten Steps nachträglich wiederzugeben. Doch wo sollte ich anfangen? Ich musste etwas weiter ausholen:

März '99

-Santiago de Chile. Als ich von einer Geschäftsreise aus Sao Paulo zurückkehre, erfahre ich, daß die Firma geschlossen werden soll. Die Produktion der laufenden Saison soll zwar noch abgeschlossen werden, aber eine Designabteilung wird nicht mehr gebraucht, und ich stehe erneut auf der Strasse. Ich beschliesse, Chile wieder zu verlassen.

April '99

-Zeit im Überfluss, ich schaue mir den noch unbekannten Teil des Landes an. Ich kann doch nicht aus Chile weggehen, ohne Patagonien und Feuerland kennengelernt zu haben. In Ushuaia treffe ich Maggy, eine Kanadierin, die mit dem Motorrad bis Guatemala gekommen war. Dort hatte sie einen Unfall, das Motorrad liess sie im Stich, seither war sie weiter als Rucksacktouristin unterwegs. Und ich treffe auf dem inzwischen verschneiten Campingplatz auf ein deutsches Pärchen, welches per Motorrad bis Kanada will. In mir reift eine Idee, was die können, kann ich auch. Endlich habe ich wieder ein Ziel vor Augen, kann es kaum erwarten.

31. Mai '99

-Ich bringe La Joyita, mein Mopped, zu Fernando. Er wird versuchen, es zu verkaufen, während ich noch für 3 Wochen nach Mexiko fliege. Der Abschied fällt schwer, vermutlich werde ich meinen treuen Begleiter nicht wiedersehen, es fliessen die ersten Tränen.
-Ich bringe meine Katze Lucy, die ich vor 3 Jahren aufgelesen hatte, zu Bekannten. Immerhin, sie werde ich nach Deutschland mitnehmen, es ist kein Abschied für immer.
-Am Abend Wohnungsübergabe. Schon wieder kommen die Tränen, als ich mich von Don Jaime dem Mayordomo, von Pato dem Hausmeister, und von Señora Cecilia, die 3,5 Jahre lang meine Wäsche gewaschen hat, verabschiede.

Juni '99

-3 Wochen Urlaub in Mexiko.
-Zurück in Santiago komme ich für die letzte Woche bei Alberto unter. Fernando hat tatsächlich La Joyita verkauft, sie ist endgültig weg. *snief*
-Mit Lucy erledige ich die letzten Formalitäten beim Tierarzt. Stress bis zur letzten Minute. Besser so, so bleibt keine Zeit zum nachdenken.

30. Juni '99

-In Santiago hat es endlich wieder richtig heftig geregnet. Die Strassen stehen unter Wasser, die Anden zeigen sich in strahlendem Weiss, als ich mit Lucy zum Flughafen fahre. Wie werde ich all das vermissen! Schon wieder Tränen. Ich lasse 4 ereignis- und erfahrungsreiche Jahre in Chile hinter mir.

1. Juli '99

-Ankunft in Deutschland. Eine andere Welt, in die ich nicht gehöre. Leere macht sich in mir breit. Aber es soll ja nur für ein halbes Jahr sein, denn im Dezember will ich aufbrechen.

Juli '99

-Für den Anfang wohne ich bei meinen Eltern in Füssen.
-Ohne jegliche HTML-Kenntnisse, beginne ich, an der Homepage zu basteln.
-In München sehe ich mich nach Arbeit um, schliesslich muss ich mir das Geld für die Reise erst verdienen. Es klappt, Ende des Monats habe ich einen Arbeitsvertrag, und auch eine Wohnung in München ist gefunden.

August '99

-Die 1. Version der Homepage geht online. Die ersten mails zur Sponsorensuche gehen raus.

Sept. '99

-Ein herrlicher Spätsommer. Ich halte es nicht mehr aus, es muss wieder ein Motorrad her. Ich kaufe mir die XT 350. Ich habe ja noch den chilenischen Führerschein, mit dem ich ein halbes Jahr in Deutschland fahren darf. Länger will ich eh nicht hierbleiben.

Okt. '99

-Ein 1. positives feedback. Das E-Zine motorrad.net sagt mir zu, von meiner Reise zu berichten. Dennoch, das mit der Sponsorensuche läuft zäher, als ich erhofft hatte. Langsam muss ich einsehen, dass die Zeit zu knapp kalkuliert war. Ich finde mich damit ab, dass ich alles verschieben muss, und ein Jahr länger bleiben werde.

Nov. '99

-Ich beginne im Internet nach Information zu suchen und Bücher zum Thema Reisen, Motorrad und Lateinamerika zu lesen. Die Vorfreude wächst mit jedem Link, den ich finde, und jeder Seite, die ich lese.
-Über Thomas' Eintrag in meinem Gästebuch stosse ich auf MMM und finde jede Menge Gleichgesinnte. Wolfi erklärt sich spontan bereit, mir den abgerissenen Dekozug zu richten damit ich mir leichter tue beim Ankicken, dem täglichen Trauerspiel.

Dez. '99

-Weihnachten mal wieder im Winter. Das hatte ich in Chile ja schon vermisst, und geniesse es daher jetzt umso mehr.
-Im Büro fällt mir ein Prospekt in die Hände: auf Weihnachtspräsente verzichten zu Gunsten von Spenden für einen guten Zweck. Das bringt mich auf die Idee, auch meinem Projekt mehr Sinn zu geben, und ich mache mich auf die Suche nach einer Institution, die es wert ist, unterstützt zu werden.

Silvester

-Ein schönes Fest im Kreise von neuen Freunden. Ich bin sicher, es wird ein gutes Jahr!

Jan '00

-Der erste Sponsor scheint gefunden! GORE-TEX° will mir eine komplette Ausrüstung stellen.
-Der chilenische Führerschein läuft aus. Nicht nur, um hier in Deutschland legal fahren zu dürfen, sondern vielmehr weil ich den deutschen Führerschein brauchen werde, um einen internationalen zu bekommen, beschliesse ich, ihn umschreiben zu lassen. Dazu muss ich die Prüfungen nachmachen, das wird teuer, und war nicht einkalkuliert.
-Meine Homepage ist nicht Netscape-fähig, sie muss komplett überarbeitet werden. Marcus hilft mir dabei.

Ende
Feb '00

-Ich breche mir den Fuss. Über den Unfallhergang gibt es unterschiedliche Versionen. Die eine, dass ich die Treppe runterfiel, glaubt mir eh keiner, also bejahe ich nur die Frage, ob es mit dem Motorrad passiert sei. Jedenfalls, die Führerscheingeschichte muss verschoben werden.

März '00

-Nur eingeschränkt bewegungsfähig konzentriere ich mich wieder mehr auf die Homepage und bereite eine weitere Mailing-Aktion vor.
-Ich eröffne ein Depot-Konto und investiere das bisher Ersparte in Investmentfonds. Ein paar Tage später dann der Börsencrash. *Autsch!*

April '00

-Nun steht fest, dass ich zugunsten der Kindernothilfe fahren werde. Es gibt da noch etliche organisatorische Fragen zu klären, was das Spendenkonto betrifft, die Möglichkeit, Spendenquittungen auszustellen etc.

Mai '00

-Um wenigstens ein klein wenig mit der Technik vertraut zu sein, besuche ich einen 'Schrauberkurs für Frauen' (Bericht) an der VHS. Ein spassiges Wochenende.
-Von Desert bekomme ich den Hinweis, dass ein Münchner per Anzeige Mitfahrer für seine Südamerikareise sucht. Ich treffe mich mit diesem Gerhard, und es stellt sich heraus, dass wir fast die gleichen Pläne haben. Nur will er seine XT 600 von hier mitnehmen. Es kann durchaus sein, dass wir einige Teilstrecken gemeinsam fahren werden.

Juni '00

-Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Am 6. bestehe ich endlich die Führerscheinprüfung.
-Ein paar Tage später bekomme ich bei GORE-TEX° die Ausrüstung.
-Eine Journalistin kontaktiert mich, und will mit mir ein Interview für www.089.net machen. Spontan treffe ich mich mit ihr im Englischen Garten. Ein netter, unterhaltsamer Nachmittag.
-Ich bekomme eine Mieterhöhung, mit der ich nicht einverstanden bin und kündige den Vertrag zu Ende Juli. Ich muss da raus und muss mir für die restlichen Monate eine neue Bleibe suchen. Toscha bietet mir an, zu ihm zu ziehen.
-So kann ich doch noch mit in den geplanten Urlaub: 2 Wochen Pyrenäen mit dem Mopped, die mir als Training dienen sollen.

Juli '00

-Nach dem Urlaub muss der Umzug organisiert werden. Ich teile mein Hab und Gut auf in das, was ich nicht mehr brauche und zu meinem Bruder auf den Dachboden kommt, und das, was ich zu Toscha noch mitnehme.
-In der Arbeit mache ich endlich reinen Tisch. Ich kündige zum Jahresende, mit dem Resturlaub kann ich schon Ende November ausscheiden. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.
-Zwischenzeitlich wissen eigentlich alle Bescheid. Die meisten finden ziemlich mutig, was ich tue und so langsam glaube ich selber dran. Es gibt immer noch Momente, in denen ich Angst vor mir selber bekomme. Aber ich weiss, dass ich das richtige tue. Vielleicht das Richtigste in meinem Leben.
-Ich kriege eine e-mail von einem Michi aus Köln. Er hat meine Adresse von Gerhard, und auch er will zum Jahresende aufbrechen auf eine einjährige Reise durch Lateinamerika. Da waren es schon drei. Genau wie Gerhard will er seine TT350 nach Santiago verschiffen.
-Alexio vom Münchner Salsa-Club lädt mich zu seinem diesjährigen Sommerfest ein, und will einen Teil des Ertrages spenden.

August '00

-Das Interview auf www.089.net geht endlich online.
-Michi ruft öfter an, erzählt mir von seinen Vorbereitungen und schickt mir Unterlagen. Das macht mir bewusst, wie wenig Zeit nur noch bleibt, und dass auch ich mich langsam ranhalten muss.
-Ich krieg wieder ne e-mail, diesmal von Köhler-Trikotagen. Sie wollen mir die Funktionswäsche sponsern. Es ist wohl eine Pressemitteilung in der Fachzeitschrift "World of bike" erschienen.
-Am Wochenende vom 26./27. nehme ich an einem Offroad-Training (Bericht) von EnduroPro teil.
-Die Aktien steigen langsam wieder, der schmerzliche Verlust von 1000 Euro verringert sich.

Sept. '00

-Der Termin steht fest. Ich reserviere ein One-Way-Ticket für den 4. Dezember.
-Steffen schaut nach der XT und entdrosselt sie wieder. Jetzt fährt sie so gut wie überhaupt noch nie. Ich spiele mit dem Gedanken, sie doch mitzunehmen, statt mir drüben ein anderes Mopped zu suchen.

12. Sept. '00
noch: 83 Tage

-Michi ruft an. Er hat einen grossen Tank, der auf die XT passen könnte und will ihn mir schicken.
-Wolfi, Michi und Gerhard überzeugen mich schon fast, wirklich meine XT zu nehmen. In der Tat hätte das doch etliche Vorteile: selbst mit Transport ist es wesentlich günstiger als ein neues Mopped, ich kann es hier schon vorbereiten und ausrüsten, und ich bin schon damit vertraut. Also gut, ich glaub, ich mach das jetzt so.

16. Sept. '00
noch: 79 Tage

-Auf der Intermot bekomme ich von Köhler-Trikotagen die zur Goretex-Ausrüstung passende Funktionswäsche.
-Ich telefoniere mit Fernando, meinem 'Haus- und Hof-Exklusivmechaniker' in Santiago. Er hat vielleicht eine DR250 oder eine TTR für mich. Als typischer Latino meint er, Michis grosser Tank lässt sich auf jedes Mopped anpassen, das ist kein Problem, alles geht. Wusst ich's doch.

19. Sept. '00
noch: 76 Tage

-Genauso unschlüssig bin ich was das 'Carnet de passages' angeht. Soll ich oder soll ich nicht? Beim ADAC bekomme ich heute die Auskunft, dass manche Länder es offiziell zwar schon noch verlangen, aber laut Berichten von Reisenden würde es in den vergangenen Jahren nirgends mehr verlangt werden. Und bei chilenischen Kennzeichen bräuchte ich sowieso keines. Damit steht nun für mich fest: ich spar mir dieses Geld. Die DM 3000,- die für die Bürgschaft hinterlegt werden müssten, hätte ich eh nicht.

21. Sept. '00
noch: 74 Tage

-Endlich ist auch die Versicherung unter Dach und Fach. Das Büro Dr. Walter hat mir ein spezielles Paket geschnürt, und ich brauch mir keine weiteren Gedanken um mich, das Gepäck oder das Motorrad machen.
-Michis Tank ist angekommen. Cool! Der kommt auf jeden Fall mit nach Santiago, ob es nun die XT wird oder nicht. Notfalls kann Fernando ihn immer noch verkaufen.
-Der Impfplan muss eingehalten werden. Heute ist Hepathitis B dran.

27. Sept. '00
noch: 68 Tage

-Vom harten Kern von MMM bekomme ich zum Geburtstag noch n Schrauberkurs geschenkt. Am 16.10. geht's los, jeden Montag, bis zur Abreise...
-Die Kindernothilfe schickt mir ein offizielles Schreiben, das mir hoffentlich manchen Ärger unterwegs mit Behörden und Ämtern erleichtern wird.

29. Sept. '00
- 01. Okt. '00
noch: 64 Tage

-Schon praktisch, wie einem manchmal die Entscheidung abgenommen wird: Ich nutze das lange Wochenende, um Michi zwecks Reisevorbesprechung zu besuchen. Dabei lässt mich dann mein Goldstück 100 km vor Köln im Stich und bleibt mit Motorschaden liegen. Ich muss den ADAC zu Hilfe holen. Somit hat sich das Thema, die XT zu verschiffen, von selbst erledigt. Auch gut, is eh viel einfacher so.

02. Okt. '00
- 03. Okt. '00
noch: 62 Tage

-Zum Glück hat Michi die richtigen Freunde. Wir holen die XT in Limburg ab und können sie in Helmuts Werkstatt bringen. Dort bleibt sie vorerst, und ich muss schauen, wie ich wieder nach München komme.
-Auch der Rest vom Wochenende bleibt weiter so chaotisch und stressig, aber wir sind ein gutes Team, und haben noch unseren Spass dabei. Dass am Ende doch noch alles gut wird, geht natürlich auf Michis Konto, aber er hat ja auch Heimvorteil. Ausserdem, eine verpatzte Generalprobe steht doch für eine gelungene Premiere. Es kann also gar nix mehr schiefgehn.    ;)

06. Okt. '00
noch: 58 Tage

-Helmut hat sich die XT angeschaut und Michi überbringt die traurige Nachricht, dass mein Goldstück nun doch verstorben ist. Ich kann es kaum fassen, ich war wirklich zuversichtlich, dass sie wieder genesen würde. Ich hätte sie wohl doch etwas besser pflegen sollen, und auch mal das Öl wechseln, statt immer nur nachschütten. Naja, zu spät, war ein teures Lehrgeld diesmal, aber ich hab daraus gelernt.
-Auch die Hoffnung auf weitere Sponsoren muss ich so langsam aufgeben. Die Zeit wird knapp, und ich sollte mich nun wirklich um die restliche Ausrüstung kümmern. Daher ist am Nachmittag shoppen angesagt.
-Danach bringe ich den grossen Tank zu Gerhard, der ihn in seine Kiste mit dem Mopped packen wird. Ende Oktober müssen die Motorräder an die Spedition abgegeben werden, damit sie rechtzeitig im Dezember im Hafen von Valparaiso ankommen.

13. Okt. '00
noch: 51 Tage

-Ich hol mein Flugticket im Reisebüro ab. Jetzt hab ich's schwarz auf weiss. Yippieee!!!
-Silvia borgt mir ihr Auto mit dem Anhänger, und ich fahre über's Wochenende wieder nach Köln, um mein Goldstück zurück nach München zu holen.

14. Okt. '00
noch: 50 Tage

-Probepacken und -motorradbeladen mit Michi. Die Entscheidung, welcher Ruck- und welcher Packsack am geeignetsten sind, ist schnell getroffen, Michis Gepäck passt leicht hinein, und es lässt sich auch alles gut auf dem Mopped verstauen. Klasse! Wir sehen etwas klarer, ein erfolgreiches Wochenende also. Am liebsten würde ich ja schon gleich losfahren, als wir so vor der bepackten TT stehen. Aber es sind noch 7 Wochen, und die werden wir auch dringend brauchen.

16. Okt. '00
noch: 48 Tage

-Bei der Bank beantrage ich die Master- und die VisaCard, und lasse meinen Account für's Internetbanking freischalten. Für alle Fälle beantrage ich auch noch bei der Postbank ein gebührenfreies Konto, von dem man angeblich weltweit Geld abheben kann.
-Endlich komme ich auch mal zur Führerscheinstelle, wo ich meinen chilenischen Führerschein wieder abholen will, den ich damals zur Umschreibung abgeben musste. Zu meiner Verwunderung bekomme ich den aber nur im Austausch gegen den deutschen, den ich aber jetzt noch brauche. Das bedeutet, ich muss da kurz vor Abflug nochmal wieder hin, wenn ich den deutschen getrost abgeben kann. Ärgerlich, und 'ne ziemlich hohle Regelung, aber was soll's, kann man nix machen, ist nun mal so.

20. Okt. '00
noch: 44 Tage

-Ja ich weiss, ich bin mal wieder viel zu spät dran... ich hatte mir ja auch immer vorgenommen, mind. 2x/Woche so richtig schweisstreibend zum Salsa-tanzen zu gehen, aber, weiss auch nicht, irgendwie ist es immer nur beim Vorsatz geblieben. Damit ist aber jetzt Schluss! Ab sofort ist 'verschärftes' Fitnessprogramm angesagt, nachdem ich ja nun kein Mopped mehr habe, wird derweil aufs Fahrrad umgestiegen, und das jetzt (fast) jeden Tag, mind. ne Stunde.

24. Okt. '00
noch: 40 Tage

-So schmerzlich es auch ist, ich muss mich langsam an den Gedanken gewöhnen, dass ich mich von meiner Katze Lucy trennen muss. Es wird höchste Zeit, mich um ein neues Zuhause für sie zu kümmern.

27. Okt. '00
noch: 37 Tage

-Die XT kommt endgültig weg. Werner holt sie ab, er wird sie wieder herrichten, und seiner Frau zu Weihnachten schenken. Immerhin, wenigstens ihr wird's gutgehen. Jetzt brauch ich nur noch einen guten Platz für Lucy, dann kann ich beruhigt losziehen.

29. Okt. '00
noch: 35 Tage

-Ein trüber Novembertag, prädestiniert um den ganzen Papierkram zu erledigen, endlich die Lohnsteuerklärung fertig zu machen, und sämtliche wichtigen Dokumente zur Sicherheit in digitaler Form zu hinterlegen.

02. Nov. '00
noch: 32 Tage

-Das Tropeninstitut hier in München hat ziemlich... sagen wir mal, ungünstige Öffnungszeiten, nämlich MO-FR von 11-12.00, und nur MI und DO auch noch von 16.30-18.00. Aber heut hab ich es endlich geschafft, und bekomme dort meine Impfungen gegen Gelbfieber und Typhus, sowie eine Beratung zur Malaria-Prophylaxe.
Danach besorge ich mir auch die Reiseführer. Weil sowohl Gerhard als auch Michi die Handbooks von Footprint haben, entschliesse ich mich zu Lonely Planet.

03. Nov. '00
noch: 31 Tage

-Ich unterschreibe den Sponsorvertrag mit Ortlieb, und schicke ihn gleich zurück. Somit müssten nächste Woche die Gepäcktaschen und der Packsack eintrudeln.

04. Nov. '00
noch: 30 Tage

-Wieder Wochenende bei Michi in Köln. Eigentlich wollten wir unsere Ausrüstung, sein Zelt und die Schlafsäcke, testen. Nur leider sind die Schlafsäcke noch nicht geliefert, schade eigentlich, das Wetter wäre optimal gewesen.
-Trotzdem ist es ein erfolgreiches Wochenende. Ich muss nicht mal mein Trainingsprogramm unterbrechen, im Gegenteil, Michi scheucht mich ganz schön auf dem Rad durch die halbe Stadt zum Kartenladen, wo wir uns die einzelnen Landkarten vorknöpfen. Akribisch genau werden die zur Auswahl stehenden Karten miteinander verglichen, und aussortiert, bis wir die jeweils beste für uns gefunden haben. Die Vorfreude steigt natürlich wieder, und zu zweit macht es sogar noch mehr Spass.

07. Nov. '00
noch: 27 Tage

-Heut in 4 Wochen komme ich in Santiago an! Ich glaube, langsam bricht bei mir die Panik aus. Wobei meine grösste Sorge nach wie vor die Lucy ist. Vor allem, wo ich mir heut schon mal das Tierheim angeschaut hab. Schrecklich das!! *heul*

10. Nov. '00
noch: 24 Tage

-Bei Lauche & Maas bekomme ich die noch fehlenden Ausrüstungsteile wie Rucksack, Zelt, Benzinkocher und andere Kleinigkeiten.

14. Nov. '00
noch: 20 Tage

-Michi erzählt mir, dass man mit der Visa-Card auch weltweit und bargeldlos telefonieren kann. Ich ruf natürlich gleich da an und lasse meine Karte dafür freischalten.
°-Endlich hab ich auch den Platz für Lucy gefunden, sie wird sozusagen 'in der Familie' bleiben, denn sie geht nach Haus zu Toschas Kids, da wird sie bestens aufgehoben sein, und ich kann nun wieder beruhigt schlafen.

16. Nov. '00
noch: 18 Tage

-Der amerikanische Präsident ist immer noch nicht gewählt, daher steht der Dollar grad relativ günstig, und ich bestelle meine Travellerschecks.
-So langsam wird die Ausrüstung komplett, denn am Nachmittag trifft auch mein Schlafsack von Yeti ein.

18. Nov. '00
noch: 16 Tage

-Endlich werden auch die Satteltaschen und der Packsack von Ortlieb geliefert und so kann auch ich mal probepacken, und schauen, wie und ob ich mein ganzes Zeug da unterkrieg. Aber es sieht ganz gut aus, ich bringe alles recht gut unter. Welche Erleichterung!

20. Nov. '00
noch: 14 Tage

-Ein e-mail von Pepe aus Neuquen/Arg. Wir sollen unbedingt bei ihm vorbeischauen und ein paar Tage bleiben. Darauf kann er sich verlassen!

24. Nov. '00
noch: 10 Tage

°-Ein weiterer Lebensabschnitt geht zu Ende, es ist heut mein letzter Arbeitstag. Obwohl ich die Tragweite dieser Tatsache noch gar nicht richtig begreife, kann ich doch die Tränen kaum zurückhalten, als es in der Firma noch einen kleinen Umtrunk gibt. Von meinen Kollegen der daa AG bekomme ich zum Abschied neben einem Riesen-Blumenstrauss noch eine komplette Erste-Hilfe-Tasche für Motorräder geschenkt, von der wir natürlich alle hoffen, dass ich sie nicht wirklich brauchen werde.

26. Nov. '00
noch: 8 Tage

-Ein e-mail von Fernando aus Santiago: er hat 5 Motorräder für mich zur Auswahl. Das ist doch mal wieder ne erfreuliche Nachricht. Da wird ja wohl ein brauchbares für mich dabei sein... Ausserdem, bei der derzeitigen Wetterlage hier etwas schwer vorstellbar, soll es dort furchtbar heiss sein, 32° nämlich. Puhh!!

27. Nov. '00
noch: 7 Tage

-Mein erster 'Urlaubstag'. Trotzdem is noch nicht zu denken an lange ausschlafen. Es gibt noch jede Menge zu tun. Aber es geht richtig flott voran. Bei der Führerscheinstelle bekomme ich meinen internationalen Führerschein, und hol mir, wenn ich schon dort bin, auch gleich den chilenischen wieder ab. Muss ich halt diese Woche ohne den deutschen auskommen, was soll's.
-Dann zur Meldestelle, zur Bank, die letzten Schecks einreichen, zur Post, Nachsendeauftrag stellen, und zum Finanzamt. Letzteres allerdings vergeblich, die Vordrucke für die Steuererklärung gibt es erst Ende Dezember, wenn ich schon längst über alle Berge bin. Da muss ich mir wohl noch was einfallen lassen.
-Beim Optiker sind auch meine Brillen fertig. Hab mir extra nochmal neue Gläser geholt, und auch eine Sonnenbrille in meiner Stärke machen lassen.
-Ich kann also fast alle Tagesordnungspunkte streichen. Allerdings, während ich einen streiche, fällt mir schon der nächste ein, den es noch zu erledigen gilt. Irgendwie wird die Liste nie kürzer.

29. Nov. '00
noch: 5 Tage

-Es kostet Überwindung, aber irgendwann muss es einfach sein, ich bring Lucy weg. Es ist nicht viel Zeit heut, und das ist gut so.
-Ich packe meine endgültig letzten Sachen bei Thomas zusammen und bring sie wieder nach Landshut zu Rainier.

30. Nov. '00
noch: 4 Tage

-Ein letztes Mal zum Zahnarzt. Ist nochmal alles gut gegangen, obwohl die Termine schon knapp kalkuliert waren. Aber jetzt kann nix mehr schiefgehn.
-Kurzfristig bekomme ich noch einen Termin beim Friseur, wer weiss schon, wann meine Haare das nächste Mal unters Messer kommen.

01. Dez. '00
noch: 3 Tage

-Obwohl ich eigentlich zufrieden bin mit dem Zelt, das ich schon vor 3 Wochen gekauft hatte, tausche ich es noch aus gegen ein noch leichteres, und günstigeres, das ich später entdeckt habe. Ausserdem fehlt noch das Campinggeschirr. Das ganz kleine Set, auf das ich die ganze Zeit schon gewartet habe, ist immer noch nicht da, so muss ich doch die etwas grösseren Töpfe von 1,5 l nehmen.

02. Dez. '00
noch: 2 Tage

-Abschied bei den Eltern in Füssen. Dort steht auch noch eine Nähmaschine, worauf ich mir in letzter Minute noch eiligst aus einer alten Regenhose ein Paar Gamaschen schneidere.
-Natürlich muss ich mir auch noch das Video anschauen von meinem Bruder Adi, der gerade dabei ist, sich sein Haus zu bauen. Und am Abend kommt Bruder Nr. 2, Rainier, vorbei, und erzählt von Hütten im Bregenzerwald, die er sich dort angeschaut hat, weil er beabsichtigt, sich ganzjährig eine zu mieten. Während also der Rest der Familie sesshaft wird, zieht es mich hinaus in die weite Welt.

04. Dez. '00
noch: 0 Tage

-Noch die letzten Unterlagen vorbereiten und zur Post bringen, der Stempel mit meiner Unterschrift für die Vollmacht von meinem Bruder, mich in allen Angelegenheiten vertreten zu können, ist noch nicht fertig, und muss nachgeschickt werden.
-Das Geld muss noch richtig auf die diversen Konten verteilt werden.
-Die letzten Überweisungen müssen gemacht werden, vor allem die Spende an die Kindernothilfe. Und die letzten e-mails müssen raus.
-Dann endgültig packen. Pünktlich um 16.15 ist Wolfi da, der mich zum Flughafen bringt. Auch Manu ist wie verabredet an der S-Bahn, auch wenn wir uns erst per Handy verständigen müssen, um uns zu finden.
Und das war's, ab jetzt geht es dann hier weiter...auf dem Weg nach Chile

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