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ab sofort zu verkaufen: KLR 250, Jahr 1997, km ca. 65.000, in Venezuela/Kolumbien


vom 25. Januar 2002

Antje und Maru

Blick über Puerto Cabello

Fortin Solano

durch die Gassen von Puerto Cabello

die Kirche

relaxen in der Hängematte...

...und beim puzzlen

Cheri und Malka

unterwegs zum Strand

abends am Malecón

Playa Grande

Maru und Antje

eisgekühlte Drinks gefällig?

...

...

Stilleben im Sand

...

in den Gassen...

...von Choroni

...

...

...

...

...

...

...

.oO (Mittelamerika? nein-ja-nein...)

psssst!!

Herrliches Wetter, spektakuläre Fernsicht. Fast zu schade, Mérida unter diesen Bedingungen schon wieder verlassen zu müssen. Andererseits hab ich es heute überhaupt nicht eilig, ich kann die Fahrt mal wieder richtg geniessen. Unterwegs mache ich öfter Pause. Das tut auch Violeta ganz gut, so kann sie wenigstens ein bisschen abkühlen, denn sie wird mittlerweile selbst unterwegs ungewöhnlich heiss.
Bei Apartaderos gabelt sich die Strasse, und es gibt zwei Möglichkeiten, weiterzufahren. Nicht nur, weil auf dem Weg ein bekanntes, zum Hotel umfunktioniertes Kloster liegt, das ich ansteuern möchte, sondern vor allem Violeta und ihrer Temperatur zuliebe entscheide ich mich für die Variante über die Anden hinüber. Es geht an engen, tiefen Schluchten entlang, und mehrfach überwindet die Strasse Höhenunterschiede von bis zu 1.500 m. Bin ich am Morgen noch ohne Handschuhe losgefahren, so muss ich sie jetzt auf über 3.000 m doch wieder auspacken und überziehen. Ideale Bedingungen für Violeta, es geht ihr gut.
Schon bald komme ich an besagtes Hotel. Es liegt jedoch sehr einsam und abgelegen, und überhaupt ist es noch zu früh, um die Fahrt jetzt schon zu unterbrechen. Lieber fahre ich noch weiter, sicher gibt es unterwegs noch andere nette Möglichkeiten zum Übernachten.
Eine knappe Stunde später lasse ich die Andenkette hinter mir. Ich bin wieder unten, und hier im Tal ist es nur noch heiss. Über die Autobahn geht es zügig voran, doch selbst der Fahrtwind bringt kaum noch Abkühlung. Unter dem Schatten des einzigen Baumes weit und breit halte ich auf dem Seitenstreifen, um die Landkarte neu zurecht zu falten, und gleichzeitig Violeta abkühlen zu lassen.
Zwei weitere, venezolanische Motorradfahrer halten an, in der Annahme, dass ich Hilfe bräuchte. Da aber alles soweit in Ordnung ist, laden sie mich auf einen Kaffee ein, und wir verabreden uns an der Raststätte am Eingang des nächsten Ortes.
Obwohl sie vorausgefahren sind, ist aber keiner da, als ich kaum 10 Minuten später hier eintreffe. Ich warte eine Weile und trinke in der Zwischenzeit einen köstlichen Guayaba-Saft. Draussen tanke ich wieder voll, und kühle Violetas Motor noch mit dem Wasserschlauch. Nachdem sie immer noch nicht aufgetaucht sind, fahre ich schliesslich weiter. Schade zwar, sie haben eigentlich einen ganz netten Eindruck gemacht, aber es waren ja eh nur Chopper-Fahrer, was soll's also.
Hier in der flachen Steppe ist die Gegend nicht mehr sonderlich attraktiv, ich kann also ebenso gut die Autobahn nehmen, und komme wenigstens etwas schneller weiter. Lediglich an einem Kontrollposten werde ich nochmal aufgehalten, als sich einer der Polizisten meiner ziemlich intensiv annimmt. Dabei sind es nicht mal meine Papiere, die ihn stören. Ich kann ihn gerade noch davon abhalten, den ganzen Rucksack und die Satteltaschen zu inspizieren, denn er kann einfach nicht glauben, dass ich als Frau alleine mit dem Motorrad unterwegs, keine Feuerwaffe dabei haben soll.
Gegen 17.00 bin ich in Acarigua, nur noch knappe 200 km von Valencia entfernt. Das reicht für heute, und ich werde hier übernachten. Ich habe Glück und finde ein günstiges Hotel mit einfachem Zimmer, das aber immerhin über einen Ventilator verfügt, den ich gleich auf maximum einstelle. Und Violeta kann ich direkt im Innenhof vor der Zimmertür abstellen. Nun muss ich nur noch mit Antje telefonieren, um zu klären, dass ich bereits morgen, einen Tag früher als verabredet, in Valencia sein kann.

Sa., 26.01.2002
Es ist nicht mehr weit, ich kann mir getrost Zeit lassen, und fahre von Raststätte zu Raststätte, um Violeta abkühlen zu lassen. Da ich das Kühlwasser ja erst vor ein paar Tagen in Barichara gecheckt hatte, komme ich erst beim vierten Stopp auf die Idee, es nachzufüllen. Zu meiner Überraschung fehlt diesmal eine ganze Menge, wenn überhaupt noch welches drinnen war. Kein Wunder, dass Violeta so heiss wird!
Und in der Tat, das hat geholfen, der Temperaturzeiger steigt zwar immer noch recht hoch, aber nicht mehr so bedenklich wie bisher.
In Valencia angekommen fällt mir als erstes auf, dass hier kein Mensch die Ampeln beachtet, und an jeder Kreuzung einfach nur Chaos herrscht. Irgendwie fahre ich Richtung Zentrum, und halte schliesslich an einem beliebigen öffentlichen Telefon, um Antje Bescheid zu geben. Da ich keinen Schimmer habe, wo ich mich befinde, frage ich die Männer, die sich an der Licorería an der Ecke versammelt haben, nach dem genauen Standpunkt.
Etwas aufgeregt bin ich ja schon, denn obwohl Antje und ich uns schon seit langem aus dem Internet kennen, hatten wir uns bisher noch nicht persönlich getroffen.
Antje bietet mir an, mich abzuholen. In der Zwischenzeit wird die Menschentraube um mich herum immer grösser, und die Männer immer lästiger. Es fällt beinahe schon schwer, das Mopped mit dem Gepäck im Auge zu behalten, und ich bin heilfroh, als Antje und ihre Freundin Maru auftauchen und mich aus den Klauen der Meute befreien.
Die beiden geleiten mich durch die Stadt zu ihrer neuen Wohnung im Norden der 3-Millionen-Metropole. Hier sitzen wir bis spät in die Nacht beisammen, und haben uns soviel zu erzählen, dass wir darüber ganz vergessen, dass wir eigentlich am Abend ausgehen wollten.

So., 27.01.2002
Es ist fast wie zuhause. Wie an einem ganz gewöhnlichen Wochenendtag verbringen wir den halben Vormittag faul im Bett, und das anschliessende Frühstück dehnt sich tratschenderweise zum Brunch aus.
Am Nachmittag besuchen wir zunächst die bei den Einheimischen für ihre hausmännisch zubereiteten Delikatessen beliebte Hacienda La Bodeguita, landeinwärts in der weiteren Umgebung von Valencia.
Danach bleibt immer noch Zeit genug, um auch der Hafenstadt Puerto Cabello einen Besuch abzustatten. Hier fand Antje ihr erstes Zuhause, als sie 7-jährig mit ihrer Familie aus Norddeutschland in Venezuela ankam.
Von der aus dem 18. Jahrhundert stammenden Festung Fortin Solano aus hat man einen herrlichen Ausblick über die Stadt und die Küste. Auch die Altstadt ist gut erhalten geblieben. Die engen Gassen mit den bunten Häuserfassaden, den soliden Holzbalkonen und alten Strassenlaternen versetzen einen beim Spaziergang in eine andere Epoche. Dazu kommt noch die ständige, leichte Brise am Malecón (Uferpromenade) mit dem markanten Meeresgeruch, die zu der ganz eigenen Atmosphäre beiträgt.
Den Abend verbringen wir entspannt zuhause in der Hängematte, bis ich im Puzzle, an dem Antje und Maru gerade arbeiten, eine meiner Leidenschaften aus der Kindheit neu entdecke. Selbst die beiden Katzen Cheri und Malka sind nicht davon abzubringen, sich auf ihre Weise daran zu beteiligen.

Mo., 28.01.2002
Wochenanfang, das bedeutet Arbeitsalltag für Antje und Maru. Ich begleite die beiden in die Klinik ihres Geschäftspartners und Zahnarztes Dani. Hier hat Antje als selbstständige Zahntechnikerin ihr eigenes Laboratorium eingerichtet. So lerne ich nach und nach persönlich all das kennen, wovon Antje mir immer virtuell erzählt hat, seit wir uns vor etwa 4 Jahren im Chat getroffen hatten.
Am Nachmittag machen wir uns auf die Suche nach einer Werkstatt für Violeta, denn ich fürchte, dass es ihr auf Dauer nicht guttun wird, wenn sie ständig so heiss wird. Erst recht, wo ich ab jetzt durch heissere Gegenden mit fast schon unerträglich hohen Lufttemperaturen kommen werde.
Nachdem der Typ im ersten Laden, den wir anlaufen, ziemlich hilflos erscheint, macht Giorgio in der nächsten Werkstatt doch schon einen weitaus vertrauenswürdigeren und professionelleren Eindruck. Er bietet mir an, bis morgen Nachmittag den Grund des Übels erkennen zu können, wenn ich Violeta noch heute vorbeibringe.
So geschieht es denn auch. Wir holen Violeta zuhause ab, noch bevor ich um 17.00 meinen Termin bei Dani habe, der die Wurzelbehandlung abschliessen soll, die in Medellin begonnen wurde.

29.-31.01.2002
Inzwischen kenne ich ja die südamerikanische Arbeitsweise, und je weiter nördlich, umso chaotischer. Daher schaue ich schon gegen Mittag in der Werkstatt vorbei, um etwas Druck zu machen, damit ich am Nachmittag statt einer Ausrede, warum sie noch keine Zeit hatten, sich mein Mopped anzusehen, auch wirklich eine vernünftige Antwort bekomme. Doch zu meiner grössten Überraschung weiss Giorgio bereits, dass die Wasserpumpe nicht läuft, und ausgetauscht werden muss. Natürlich gibt es diese Teile in ganz Venezuela nicht, sie müssen auswärts besorgt werden. Welch erschütternde Nachricht!
So verbringe ich die nächsten 2 Tage überwiegend an Antjes PC, um im Internet die günstigste und schnellste Möglichkeit zu finden, an die Teile zu kommen. Doch mit den vagen Begriffen, die ich von Giorgio bekommen habe und nun auch noch von spanisch ins englische übersetzen muss, kann keiner der Händler etwas anfangen. Die wollen alle nur Nummern haben, welche ich mir also erstmal auf der Kawasaki-Seite (s. Link) zusammensuchen muss. Ob ich schliesslich das richtige bestelle, wird sich wohl erst herausstellen, wenn die Teile hier ankommen und ich sie in die Werkstatt bringe.
Nachdem ich die ersten Angebote vorliegen habe, geht es nun darum, wer mir das alles am schnellsten zukommen lassen kann. Hierauf bekomme ich keinerlei zuverlässige Antworten, das scheint vielmehr ein Glücksspiel zu sein. Die Entscheidung fällt nicht leicht, aber schliesslich bekommt Fred von Arrowhead Motorsports (s. Link) den Zuschlag, nicht zuletzt weil er berichtet, dass er gerade erst einem weiteren Reisenden Teile für dessen KLR 650 erfolgreich nach Peru geschickt hat. Ausserdem sichert er mir zu, den offiziellen Rechnungsbetrag unter US$ 100,- zu belassen, um so die sonst fällige Einfuhrsteuer vermeiden zu können.

01.-03.02.2002
Fred schreibt, dass er die Teile noch heute am Freitag bei Kawasaki in Santa Ana/California bestellt hat. Innerhalb der nächsten 2-5 Tage müssten sie bei ihm sein. Von dort wird er sie unverzüglich hierher nach Valencia schicken, per UPS oder Fedex. Das kann weitere 2-5 Tage dauern. Mir leuchtet zwar nicht ein, warum die Teile diesen Umweg machen müssen, und nicht direkt von Kalifornien aus nach Venezuela gesandt werden können, aber das ist wohl allgemein so üblich. Ich stelle mich also schon mal darauf ein, die nächsten 2 Wochen wartenderweise hier zu verbringen.
Immerhin, so können wir uns jetzt in aller Ruhe dem Wochenende widmen. Antje macht heute schon gegen Mittag Feierabend, und zu dritt fahren wir an den Strand. Das sind zwar eigentlich nur etwa 120 km, dennoch braucht man dazu gute 3 Stunden, da man erst die Küstenkordillere überqueren muss. Sie wird von dichtem Nebelwald überzogen, und ihre knapp 2.000 m hohen Gipfel verstecken sich meist in Wolken. Gerade rechtzeitig bevor uns von den unendlichen Kurven schlecht wird, erreichen wir den Badeort Choroní, ein kleines, koloniales Nest. Gleich dahinter liegt Puerto Colombia, am Rande der Playa Grande. Dieser Strand gehört laut meinem Reiseführer zu den schönsten der Karibik. Und in der Tat gibt es hier noch keine grossen Hoteltürme und -anlagen, man wohnt in einfachen Posadas, die oft noch kolonialen Charakter haben. So quartieren auch wir uns in einer solchen ein, und verbringen den restlichen Abend geruhsam am Malecón.
Wie alle anderen Venezolaner, die es am Wochenende scharenweise hierher verschlägt, ziehen auch wir am nächsten Vormittag mit Sonnenschirm, Klappstühlen und Kühltasche bepackt an den Strand. Etwas abseits vom grossen Getümmel suchen wir uns ein ruhigeres Plätzchen im Schatten der Palmen. Hier lassen wir uns nieder, und lassen uns bis in den späten Nachmittag hinein von der Sonne verwöhnen.
Trotz des Trubels um mich herum habe ich hier reichlich Zeit und Musse, um in Ruhe über die Weiterreise zu sinnen. Schliesslich wollte ich spätestens Ende März in Mexiko sein. Die unerwartete Panne kommt daher ziemlich ungelegen. Ich verliere hier jede Menge Zeit und auch Geld. Macht es daher überhaupt noch Sinn, weiter nach Mittelamerika zu fahren, wenn es nur noch darum geht, die Entfernungen so schnell wie möglich zu überwinden, um baldmöglichst anzukommen? Das ist für mich eigentlich nicht Sinn der Sache. Dennoch fällt es mir schwer, mich durchzuringen, und die Reise zu beenden. Ich schiebe die endgültige Entscheidung noch etwas auf.
Beim Spaziergang durch das verschlafen wirkende Dorf finde ich etwas Ablenkung und wir vertreten uns die Beine. Und am Abend sorgen eine Flasche Guarapita -eine köstliche Mixtur aus Caña, Zucker und Maracuyasaft- und die Trommler mit ihren Tamboren für Stimmung am Malecón.
Am Sonntag wollen wir schon früh am Nachmittag die Rückfahrt antreten, um dem grossen Rückreiseverkehr in die Ballungszentren zuvorzukommen. Damit es sich also überhaupt noch lohnt, trudeln wir schon etwas früher am Strand ein. Es ist noch schön ruhig, und ich versinke erneut in Gedanken, und langsam reift der Entschluss.

Mo., 04.02.2002
Bevor ich es mir noch einmal anders überlege, verkünde ich Antje und Maru schon beim gemeinsamen Frühstück zuhause am Küchentisch meine getroffene Entscheidung: ich werde die Reise in Kolumbien beenden.
Und um den Plan auch gleich in die Realität umzusetzen, mache ich mich nach dem letzten Zahnarzttermin umgehend auf die Suche nach möglichen Käufern für Violeta. Dabei stosse ich zufällig auf Toni, der einen Motorradverein leitet und mich gleich mit Beschlag belegt, als ich ihm von meiner Tour erzähle. Viel kann er zwar nicht für mich tun, aber er hat immerhin ein schwarzes Brett, wo ich einen Zettel aushängen könnte. Ich werde also in den nächsten Tagen noch einmal vorbeischauen.
Doch nicht nur für mich ist das heute ein entscheidender Tag, es ist ausserdem Jahrestag eines wichtigen Ereignisses in der Geschichte Venezuelas. Vor 10 Jahren versuchte nämlich der heutige Präsident Hugo Chavez einen Militärputsch, der jedoch schliesslich scheiterte. Während die Chavisten dies nun als Feiertag betrachten, ist es für die Mehrheit der Venezolaner, die darüberhinaus den Rücktritt des Präsidenten fordern, vielmehr ein Trauertag, da damals tausende von Menschen unschuldig ums Leben kamen. Daher binden sie schwarze Fahnen ans Auto, der Strom wird eine Stunde lang abgeschalten, und am Abend wird die live im Fernsehen übertragene Rede des Präsidenten Chavez überall von 'Caserolazos', dem ohrenbetäubenden Schlagen von Kochtöpfen begleitet. Es gibt kaum eine Wohnung in der gesamten Nachbarschaft, aus der nicht das stählerne Trommeln dröhnt, das eindringlich die Unzufriedenheit des Volkes mit der Politik seines Präsidenten bekundet.

05.-07.02.2002
Ich warte weiter geduldig auf die Teile, die bisher noch nicht einmal bei Fred, mit dem ich täglichen Kontakt per email habe, eingetroffen sind.
Der Alltag wird lediglich von der Ankündigung unterbrochen, dass in den nächsten Tagen wegen Arbeiten an den Leitungen das fliessende Wasser von 8-12 Uhr und später wieder am Nachmittag abgestellt wird. Noch ist das aber keineswegs beunruhigend, wir haben ausreichend Vorrat gesammelt und sind bestens darauf eingestellt.

Fr., 08.02.2002
Es gibt immer noch keine Neuigkeiten von Fred.
Spät am Nachmittag fahren wir bei Toni vorbei. Ich hänge nicht nur den vorbereiteten Zettel für den Verkauf des Moppeds an sein schwarzes Brett, sondern erzähle ihm auch vom derzeitigen Problem mit der Wasserpumpe. Daraufhin bestellt er mich noch einmal für morgen früh um 10.00 her, wenn auch sein Mechaniker hier sein wird, damit der sich das Ganze ansehen kann.

Sa., 09.02.2002
Wir sind zwar eine Stunde zu spät dran, aber Rogelio, der Mechaniker, ist selbst auch noch nicht viel länger hier. Soviel zur venezolanischen Pünktlichkeit.
Als erstes stellt Rogelio fest, dass die Wasserpumpe durchaus funktionieren würde, wenn das Wasser zirkulieren würde. Dass es das nicht tut, liegt wiederum am verstopften Thermostat, wie sich als nächstes herausstellt. Rogelio braucht keine 5 Minuten, um das Problem zu erledigen.
Ausserdem erklärt er mir, dass der Schalter, den man mich wegen zu starker Korrosion hat bestellen lassen, den Ventilator ja gar nicht einschalten kann, wenn er den dazu notwendigen Strom nicht bekommt, weil die Batterie längst leer ist. Den Ventilator brauche ich sowieso kaum, allenfalls in der Stadt, wo kein Fahrtweind für Kühlung sorgt, weil ich nur langsam vorankomme und an den Ampeln stehenbleiben muss.
Ist es zu fassen, da hat man mich doch tatsächlich sämtliche Teile umsonst bestellen lassen!! Ich beschliesse, mich nicht aufzuregen. Immerhin hat die Aktion ja auch ihr Gutes, hat sie doch dazu beigetragen, eine wichtige und vernünftige Entscheidung treffen zu können. Und wenn die Ersatzteile die USA noch nicht verlassen haben, kann ich wahrscheinlich immerhin den weiteren Versand noch stoppen.
Zuhause angekommen stürze ich mich gleich an den PC, um die entsprechende Mail zu versenden. Doch zu spät, Fred ist mir zuvorgekommen. Er freut sich, mir berichten zu können, dass die Teile gestern per UPS nach Venezuela verschickt worden sind. So ein Mist!! Obwohl Violeta also eigentlich schon wieder fahrtüchtig ist, muss ich dennoch noch weiter warten, bis die Teile hier angekommen sind!! Mein Aufenthalt bei Antje und Maru geht in die dritte Woche. Die Ärmsten schlagen sicher drei Kreuze, wenn sie endlich wieder ihre Ruhe haben.


fliessend Wasser

mitten in der Stadt?

Sonntagsspaziergang...

...durch den Stadtpark

nächstes Level: 4000 Teile

So., 10.02.2002
Bis fast gegen Mittag erholen wir uns vom misslungenen Abend. Eigentlich wollten wir zum Tanzen gehen, aber weder die Musik noch die Mitternachtseinlagen waren nach unserem Geschmack. Und das ist noch gelinde ausgedrückt.
Mittlerweile wird auch die Sache mit dem Wasser langsam nicht nur lästig, sondern auch echt problematisch. Die offiziellen Arbeiten sollten eigentlich inzwischen erledigt sein, trotzdem müssen wir immer wieder überrascht feststellen, dass es mal wieder kein Wasser gibt. Und wer weiss wielange?! Mal scheint es an der hauseigenen Wasserpumpe zu liegen, dann wiederum gibt es angeblich in der ganzen Stadt kein Wasser. Wie auch immer, in der Wohnung stapelt sich inzwischen sämtliches Geschirr, das darauf wartet, endlich gespült werden zu können. Während wir uns damit behelfen, in der Zahnklinik, die über einen eigenen Wassertank verfügt, das wertvolle Nass in sämtlichen aufzutreibenden Kanistern und Flaschen zu holen, beobachten wir unterwegs, wie andernorts das Wasser per Tankwagen verteilt wird.
Am Nachmittag fahren wir nach Caracas. Dort wollen wir das malerische Viertel El Hatillo besuchen. Doch so weit kommen wir gar nicht. Ein kilometerlanger Stau verhindert die Zufahrt. Und wir erfahren, dass er durch eine Karnevalsveranstaltung verursacht wird. Es hat also gar keinen Sinn, hier weiter zu warten. Wir kehren um, und treffen uns stattdessen zum Essen mit ein paar Freundinnen von Antje und Maru.

11.-12.02.2002
Am Montag und Dienstag muss Antje nicht zur Arbeit, es ist schliesslich Karneval. Während fast ganz Venezuela diese Tage am Strand verbringt, wollen wir uns diesen Stress ersparen und ziehen es vor, in Ruhe zuhause zu bleiben. Wir spazieren durch den Stadtpark von Valencia oder entspannen beim nächsten Puzzle, das mit seinen 4.000 Teilen nur sehr langsam Gestalt annehmen will.

Mi., 13.02.2002
Auf der Homepage von UPS erfahre ich, dass mein Paket inzwischen in Caracas eingetroffen ist. Es kann also nicht mehr lange dauern. Es wird Zeit, den Fahrradtacho wieder zu richten. Denn zu allem Überfluss hat man mir in der Werkstatt auch noch den Signal gebenden Magneten verloren. Aber halb so schlimm, wozu gibt es schliesslich Kühlschrankpins?! Antje ist bestens ausgestattet, und mit einer kleinen elektrischen Fräse kann sie den benötigten Magneten von der Figur trennen. Da es uns zu unstabil erscheint, ihn nur mit Kleber an der Schraube am Rad zu befestigen, nimmt sie sich dessen am Mittwoch im Labor an. Mit Hilfe von Acryl vereint sie Schraube und Magnet zu einem festen Ganzen, das ich nun nur noch aufzuschrauben brauche. Und wirklich, es funktioniert!!!

Do., 14.02.2002
Endlich ist es soweit, das Warten hat ein Ende, das Paket mit den eigentlich nicht mehr benötigten Ersatzteilen ist da!! Nun kann ich also endlich morgen weiterfahren.




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