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vom 20. Januar 2002

... Derselbe Beamte, der mir schon bei der ersten Begegnung weitergeholfen hat, erklärt mir auch jetzt, wo ich meinen Einreisestempel bekomme: 4 Strassenblöcke geradeaus, dann rechts, nochmal 5 Blöcke weiter, und nochmal rechts. Er hat sich zwar um einen Block verzählt, aber ich finde trotzdem ohne Umwege zum Büro. Hier muss ich nur ein Turi-Visum ausfüllen, das gestempelt wird, und fertig. Für's Mopped gibt's nix. Hmmm, ob das wohl wirklich seine Richtigkeit hat??!
Naja, wenige Kilometer weiter an der Polizeikontrolle begnügt man sich mit den Papieren, die ich vorweisen kann. Es wird also schon alles in Ordnung sein. Ich beschliesse, mir erst wieder Gedanken dazu zu machen, wenn ich bei der Ausreise Probleme bekommen sollte.
Was mir in Venezuela als erstes auffällt, sind die fetten, uralten Ami-Schlitten, die die Landschaft nicht nur mit ihren Abgasen sondern schon allein durch ihr Aussehen vergiften. Mir sind sie schon deswegen ein Dorn im Auge, weil sie die gesamte Spurbreite für sich alleine beanspruchen, und daher schwerer zu überholen sind. Ich kann nicht mehr davon ausgehen, bei Gegenverkehr gegebenenfalls noch zwischen beide Fahrzeuge zu passen. Die kolumbianische Überholmanier taugt hier nicht.
Ausserdem herrscht hier eine andere Uhrzeit, es ist bereits eine Stunde später. So ist es bereits früher Nachmittag, als ich San Cristóbal erreiche.
An einer Ampel frage ich die Leute im Wagen neben mir nach dem Weg ins Zentrum. Ich soll ihnen folgen, sie geleiten mich zum besten Hotel der Innenstadt. Sehr nett und hilfsbereit, die Venezolaner!
Es ist trotzdem schwierig, eine Unterkunft zu finden, denn ich bin gerade rechtzeitig zum Beginn des jährlichen Volksfestes eingetroffen, und die meisten Hotels sind bereits ausgebucht.
Zwei Stunden später, in denen ich die Stadt bei brütender Mittagshitze in meiner Moppedkluft abklappere, bekomme ich endlich ein Zimmer in einer Absteige, die offenbar mehr als Stundenhotel funktioniert. Denn ganz offensichtlich geleitet eine Dame des 'öffentlichen Dienstes' einen älteren Herrn in das Zimmer, vor dessen Tür Violeta parkt, die ich gerade dabei bin, abzuladen.
Was soll's, mein Zimmer ist sauber, ich habe einen Ventilator, und will eh nur eine Nacht hier verbringen.
Ich bin halb am verdursten. Doch erst muss ich einen Bankautomaten finden, der mich mit venezolanischen Bolivares versorgen kann. Beim dritten Versuch hab ich Glück, und mein nächster Weg führt ins Restaurant, wo ich eine Flasche Sprudel fast in einem Zug austrinke. Nach einer weiteren Flasche und einem stärkenden Salat geht es mir schon wieder besser.
Um 18.00, nachdem die gröbste Hitze vorbei ist, findet der traditionelle Stadtmarathon anlässlich des Volksfestes statt. Über 600 Leute nehmen daran teil, und die beiden Hauptverkehrsachsen, die sie durchlaufen müssen, sind für den Verkehr gesperrt.
Ein angenehmer Aspekt der Zeitverschiebung ist die Tatsache, dass es um 19.00 immer noch hell ist, im Gegensatz zu Kolumbien, wo es um 18.00 bereits dunkel wird.

Mo., 21.01.2002
Bis lange nach Mitternacht war es laut, irgendwo tropfte ständig Wasser, und es war heiss. Ich konnte lange nicht einschlafen.
Entsprechend spät wache ich am Morgen auf, mal davon abgesehen, dass ich mich noch nicht an die neue Uhrzeit gewöhnt habe. So bin ich erst gegen 10.00 startbereit.
Aber es läuft ganz gut, über die Autobahn kommt man ganz gut voran, und nach 70 km erreiche ich schon bald La Fría. Es wird immer heisser, und trotz des Fahrtwindes bin ich um Violetas Temperatur besorgt. An einer Raststätte lasse ich das Kühlwasser ab, um festzustellen, wieviel überhaupt noch drin ist. Es ist ein halber Liter, an mangelndem Kühlwasser kann es also schon mal nicht liegen.
Neben mir hält ein alter Pick-Up, der auch so seine technischen Probleme hat. Seine Insassen nehmen es aber gelassen, sie scherzen mit mir und schenken mir eine Guayaba. Auch die Tankstellenwärter sind sehr zuvorkommend und helfen, wo sie können.
Schliesslich fahre ich weiter, und muss wenig später erschreckt erkennen, dass es immer noch 180 km sind bis Mérida. Weia, das ist weiter als ich dachte, ich hätte mal nicht so lange Pause machen sollen an der Tanke. Aber wenn es weiter so gut läuft, -ich kann leicht mit 90-100 km/h dahinrauschen-, dann kann ich in 2,5-3 Stunden ankommen.
Von wegen! Wenig später dasselbe Spiel von vorgestern, nur diesmal weiss ich gleich Bescheid: der Reifen ist wieder platt.
Erneut hab ich Glück im Unglück, und kann an einer Finca halten. Ich stelle Violeta im Schatten eines Baumes ab, und nähere mich dem Haus, vor dem ein paar Leute draussen im Schatten sitzen.
Oh oh, ich erschrecke nicht schlecht, als ich bemerke, wie einer von ihnen, ziemlich dunkelhäutig, mit einer Machete auf den Knien dasitzt und mich schräg mit zusammengekniffenen, blitzenden Augen mustert. An wen mag ich hier geraten sein?! Ich schlucke zweimal, bevor ich ihn um einen Holzbock bitte. Er scheint auch nicht sonderlich aufgeschlossen, und mein Anliegen lässt ihn offensichtlich ziemlich kalt. Schliesslich erhebt sich der Alte neben ihm, und trottet langsam hinüber zum Holzschuppen. Ich komme mir vor wie im Film. Aber ich bekomme was ich wünsche. Mehr aber auch nicht. Sie lassen mich mit meinem Problem alleine.
Pah, als hätte ich ihre Hilfe nötig! Von wegen! Ich komme auch ganz gut alleine zurecht. Das hoffe ich zumindest.
Und in der Tat lässt sich die Schraube heute leicht bewegen, und schnell habe ich das Rad ausgebaut. Klasse, ich sag's doch, alles geht! Ich wünsche mir lediglich, ich wäre etwas leichter bekleidet, bei über 30° schwitze ich doch etwas in meiner Kluft.
Wieder bleibt mir nichts anderes übrig, als den Leuten mein Gepäck zu überlassen, während ich mich auf den Weg mache die 5 Minuten zurück zur letzten Tankstelle. Mit dem Rad bepackt stehe ich an der Strasse und warte. Und warte. Und warte. Keiner hält es für nötig, anzuhalten. Alle fahren hupend und winkend an mir vorüber. Sehr nett!
Erst der etwa Zehnte erbarmt sich und hält an. Zugegeben, mit der Schnecke, mit der er unterwegs ist, braucht er, im Gegensatz zu den anderen, nicht so heftig auf die Bremse zu treten, um zum stehen zu kommen.
An der Tankstelle sitzt der Reifenflicker in seinem Schaukelstuhl im Schatten und wartet auf Arbeit. Er macht schon einen profesionelleren Eindruck als der letzte in Kolumbien. Erst schleift er den alten Flicken ab, dann muss der Einriss vulkanisiert werden, was auch immer das auf deutsch heissen mag. Jedenfalls, das dauert eine Weile, die ich nutze, um in der Zwischenzeit nebenan einen Happen zu essen. Als ich zurückkehre, ist bereits alles fertig, und an der Tankstelle finde ich auch schnell jemanden, der mich wieder an den Ort des Unglücks bringt.
Unterwegs plagen mich Horrorvisionen, ich stelle mir vor, wie ich mein Gepäck nur noch ausgeplündert vorfinde und die Leute nur darauf warten, um sich nun auch mich vorknöpfen zu können.
Doch nichts dergleichen passiert, es ist alles friedlich. Jetzt geht es an den Endspurt, ich baue das Rad wieder ein. Das geht leichter als ich dachte, ich hätte mir das umständlicher vorgestellt. Allerdings wundere ich mich etwas, wie weit die Achse auf der einen Seite herausragt. Und auch die Bremse, sie greift nicht. Ausserdem gefällt mir der Abstand zwischen der Nabe und der Gabel nicht. Das sieht aus, als fehlte da ein Teil. Aber da war sonst nichts, ich hab extra beim Ausbau aufgepasst, nichts zu verlieren...hmmmm... ob ich es wage und die Männer im Haus frage, ob sie sich auskennen? Da kam grad einer mit einem Roller an, ihn werd ich bitten, sich die Angelegenheit anzusehen.
Auch ihm erscheint der Abstand etwas seltsam, besonders gut kennt er sich allerdings auch nicht aus. Als wir jedoch feststellen, dass das Rad sich gar nicht drehen lässt, dass es blockiert, sind wir uns einig, dass da definitiv was nicht in Ordnung ist. Er erklärt sich bereit, in den nächsten Ort zu fahren, um dort den Mechaniker zu holen. Es würde nicht länger als 20 Minuten dauern.
Über eine halbe Stunde warte ich in der prallen Sonne. Die Zeit vertreibe ich mir, indem ich überall da, wo ich mit dem Rad gewesen bin, nach dem eventuell verlorenen Teil suche. Aber da ist nirgends was.
Fast glaube ich schon nicht mehr, dass noch wer kommen wird, und beginne, mich mit dem Gedanken anzufreunden, hier zu campen, als ein Mopped daherkommt und hier wendet. Es ist der Mechaniker. Und er bestätigt meinen Verdacht, dass da was fehlt. So ein Mist. Und jetzt?
Meine einzige Hoffnung ist im Grunde, dass das Teil beim Flicken an der Tankstelle abgefallen ist. Wenn ich es in einem der Fahrzeuge verloren habe, die mich mitgenommen haben, dann habe ich verloren. Aber die anderen beiden -inzwischen ist auch der andere mit dem Roller wieder da- geben nicht auf und suchen eifrig im Laub ums Mopped herum. Also versuche auch ich es noch einmal, überquere nochmal die Strasse und suche im Gestrüpp. Und, es ist nicht zu fassen, da liegt es auf einmal!! Welch ein Glück, ohne dieses simple Metallteil hätte ich ein ziemliches Problem.
Doch nun ist die Angelegenheit schnell erledigt, und der Mechaniker José will nicht einmal ein Geld haben.
Nachdem ich den halben Nachmittag hier verbracht habe, kann ich es vergessen, heute noch bis Mérida zu gelangen. Ich bleibe in El Vigía, wo ich nach einer weiteren halben Stunde ankomme. Im Hotel Suiza bekomme ich ein Zimmer mit Bad, TV, Ventilator und Eiswasser. Es ist heiss hier, selbst auf der Strasse und in Shorts komme ich mir noch vor wie in einer Sauna.
Ich hab den ganzen Tag noch nichts gegessen, und sollte was zu mir nehmen. Schon allein bei dem Gedanken an ein Fleischgericht wird mir fast schlecht, ich hole mir stattdessen in einer Frutería lieber eine grosse Portion erfrischender Tizana, -kleingeschnipselter, saftiger Fruchtsalat-, und ziehe mich damit unter den Ventilator auf mein Zimmer zurück.

Di., 22.01.2002
Ich bin schon näher an Mérida als ich vermutet hatte, und nach nicht einmal 2 Stunden bin ich schon da.
Kaum muss ich an den ersten Ampeln stehen bleiben, schon klettert Violetas Temperatur wieder in den roten Bereich. Ich halte daher an einer Tankstelle um sie abkühlen zu lassen. In der Zwischenzeit mache ich mich im Reiseführer schlau, wo ich am besten nach einem Zimmer suche. Es gibt jede Menge von Hotels und Posadas, Mérida ist ein Muss für jeden Venezuela-Besucher.
Trotz ihrer Grösse von knapp 200.000 Einwohnern ist die Stadt sehr übersichtlich, und ich finde leicht zu den gesuchten Adressen. Umso schwieriger ist es, eine Unterkunft zu bekommen. Die Herrschaften Geschäftsführer haben keine geregelten Bürozeiten und sind nicht anzutreffen. Erst in der Posada Alemania (s. Link) habe ich Glück. Allerdings ist es hier so voll, dass ich mit zwei weiteren Gästen ein enges Dreibettzimmer teilen muss. Eigenes Bad haben wir auch keines. Das alles überzeugt mich nicht wirklich, aber es ist besser als nichts. Und noch bevor ich lange darüber nachdenken kann, hilft mir schon Ricardo, das Mopped über die beiden hohen Stufen in den Eingang zu bringen.
Ich halte mich gar nicht lange auf, ziehe mich nur um und steige in meine Shorts, dann gehe ich auf Stadtbesichtigung. Dabei entdecke ich ein nagelneues Hotel, das nach 4 Sternen aussieht. In der Lobby riecht es noch nach frischer Farbe, und der Rezeptionist erklärt mir, dass sie den Betrieb erst vor einem Monat aufgenommen haben. Um mit dem Geschäftsführer zu sprechen, solle ich am Abend nach 20.00 wiederkommen.
Nun brauche ich nur noch ein I-Cafe. Das ist kein Problem, wie es sich für ein Touristenzentrum gehört, sind diese auch hier reichlich gesät.
Am Abend lässt sich Geschäftsführer des Hotel Mistafi leicht von meinem Vorschlag überzeugen. Ich bekomme für die nächsten 3 Nächte ein luxuriöses Doppelzimmer mit schön grossem Bett für mich alleine. Für diese Nacht hole ich nur schnell das nötigste, kleine Gepäck, den Rest lasse ich vorerst in der Posada. Da ich dort meinen eigenen Schlüssel habe, und die Leute ständig ein und aus gehen, wird es schon nicht auffallen, wenn ich die Nacht nicht hier verbringe.
Lieber mache ich es mir in meiner Suite vor dem Fernseher gemütlich, und habe meine Ruhe. Es ist schon ein etwas eigenartiges Gefühl, diesen riesigen Palast mit dem ganzen Luxus für mich alleine zu haben, denn ich bin momentan der einzige Gast.

Mi., 23.01.2002
Schon früh werde ich vom Klopfen und Hämmern der Arbeiter über mir geweckt, denn die weiteren Stockwerke sind noch gar nicht ganz fertig.
Ich sollte eh nicht so spät aufstehen, denn ich will heute mit der Seilbahn hinauf auf den Pico Espejo. Das sollte man am frühen Morgen machen, wegen der starken Nebelbildung, die normalerweise gegen Mittag einsetzt.
Doch erst muss ich noch Violeta und mein restliches Gepäck holen. Als ich in den Innenhof trete, kommt mir gleich Ricardo entgegen und frägt, ob alles in Ordnung sei. Hat er also doch gemerkt, dass ich die Nacht über nicht hier war. Es ist halb so schlimm, er hat durchaus Verständnis für die Erklärung, die ich ihm abgebe, und hilft auch wieder, Violeta auf die Strasse zu bringen. Eine Stunde später ist alles erledigt, und ich kann mich den angenehmeren Dingen widmen.
Es ist heute zwar seit dem Morgen schon etwas bewölkt, aber wer weiss, wie das Wetter morgen sein wird. Nur wenige Strassenblöcke vom Stadtzentrum entfernt liegt die Talstation der höchsten und längsten Seilbahn der Welt. Auf 12,5 km Länge überwindet sie einen Höhenunterschied von 3.100 m, und führt in 4 Etappen auf 4.765 m hinauf. Am Anfang hat man einen herrlichen Blick über das enge Tal und die Stadt, ganz oben hat man, sofern es die Wolken zulassen, einen majestätischen Rundblick auf die verschneiten Gipfel der fünf weissen Adler, alle knapp unter 5.000 m hoch.
Den letzten Abschnitt, den man auch extra zahlen muss, hätte ich mir heute jedoch schenken können. Auf halber Fahrt tauchen wir in dichte Wolken ein, die keinerlei freie Sicht mehr zulassen. Oben spüre ich dann auch die Auswirkungen des raschen Anstiegs, mir ist schwindelig. Ausserdem ist es saukalt. Da man eh nichts sehen kann, und es sogar zu schneien beginnt, bin ich heilfroh, als die nächste Bahn nach einer halben Stunde endlich wieder abwärts führt.
Mittlerweile hat es sich auch unten bewölkt, und selbst auf 1.635 m ist es in der Stadt unfreundlich kühl und es nieselt. Ideale Bedingungen, um sich nach dem Essen aufs Zimmer zurückzuziehen und endlich die letzten Tage für die Homepage aufzuarbeiten.

Do., 24.01.2002
Es gibt zwar mehrere lohnende Ziele in der näheren Umgebung von Mérida, aber ich vertrödele den Tag in der Stadt. Ich besuche den etwas abgelegenen Mercado Central, danach gönne ich mir ein Eis in der Heladería Morocoto, die aufgrund der Vielzahl ihrer Eissorten im Guiness-Buch der Rekorde steht. Geschmacklich überzeugt mich das Eis allerdings nicht besonders.
Inzwischen ist es definitiv zu spät für irgendeinen weiteren Ausflug, und ich lasse den venezolanischen Alltag an der Plaza Bolivar auf mich einwirken.




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