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vom 05. August 2001

Canon del Pato

Hostal Bracamonte

Máncora Beach

faul in der Hängematte

die Zimmer von Sunset Residence...

...mit einmaliger Aussicht

Michi und ich haben uns an der Plaza verabredet, um gemeinsam frühstücken zu gehen. Kaum zu glauben, aber ich bin doch tatsächlich schon vor ihm hier! Längst schon unterhalte ich mich mit dem Bergführer, der neben mir auf der Parkbank sitzt, bevor Michi endlich daherkommt.
Auch zur Weiterfahrt wollen wir uns anschliessend wieder an der Plaza treffen. Diese ist allerdings wegen des sonntäglichen Umzugs abgesperrt, und wir müssen an die nächste Ecke ausweichen. Während ich noch Violeta belade und auf Michi warte, entsteht wieder ein nettes Gespräch mit den umstehenden Nachbarn, die auf einmal mehr an uns als am Umzug interessiert sind. Es sind zwar immer dieselben Fragen, aber es ist doch auch immer wieder nett, sich so einfach mit den Leuten unterhalten zu können. Doch es wird Zeit, aufzubrechen.
Die ersten 50 km bis Huallanca führen uns durch den spektakulären Canon del Pato, mit seinen 1.000 m hohen, steil aufragenden Felswänden und den 35 Tunnels. Das enge Tal ist eben breit genug für den Fluss, der es durchquert, und die Strasse, die parallel zu ihm aus dem Fels gehauen wurde.
Besonders angenehm fährt es sich hier nicht, die Tunnels sind stockfinster, ich hab jedesmal den Eindruck in ein schwarzes Loch hineinzufahren. Drinnen kann ich auch trotz Fernlicht nicht das Geringste erkennen, ausser irgendwann einen hellen Punkt, das andere Ende des Tunnels, das sich langsam nähert. Endlich wieder draussen, kann ich erneut nichts sehen, weil ich trotz Sonnenbrille zu stark vom Tageslicht geblendet werde. Und kaum hat sich das Auge wieder daran gewöhnt, wartet bereits der nächste dunkle Schlund.
Daher bin ich ganz froh, als wir schliesslich in Huallanca ankommen. Nur wird es leider keineswegs besser. Bis zur Küste mühen wir uns jetzt über eine nervige Rüttelpiste hinunter. Dabei wäre die Piste an und für sich gar nicht mal so übel. Schlimm wird es erst durch den Gegenwind, der dem von Patagonien fast den Rang abläuft. Er sorgt zwar hier bei der Hitze für ganz angenehme Temperaturen, erhöht aber dadurch keineswegs den Fahrspass. Im Gegenteil, es dauert nicht lange und ich bin total entnervt. Mir sitzen eh noch die 3 letzten Tage in den Knochen. Ich kann einfach nicht mehr, ich will endlich ankommen.
Aber immer weiter geht es über die staubige Piste, ohne jeglichen Anhaltspunkt, wie weit es denn wohl noch ist. Eigentlich müssten wir uns nun doch schon langsam der Küste nähern, aber am Horizont ist noch lange nichts vom Meer zu erkennen, immer weiter reiht sich ein Hügel an den anderen, so weit das Auge blicken kann. Das ist hart!
Endlich, als ich irgendwann an einer Gabelung nach dem rechten Weg frage, bekomme ich von der netten Frau die Auskunft, dass es nur noch 10 km sind bis zur Asphaltstrasse. Sie ahnt nicht, welche Freude sie mir mit dieser Nachricht bereitet. Das Stück schaffe ich jetzt auch noch, und selbst das Benzin, das sich langsam dem Ende zuneigt, müsste nun noch reichen.
Tatsächlich fahren wir nach 180 km in Santa ein. Arg viel zu bieten hat der Ort nicht. Nachdem die ersten beiden Hostals in der Nähe der Plaza uns doch zu schäbig sind, für das, was sie kosten sollen, lassen wir uns erst beim dritten Hostal nieder, direkt an der Panamericana.
Nachdem wir nun wieder am Meer sind, hab ich Appetit auf ein Cebiche, das spezielle Fischgericht. Aber nicht mal das gibt es hier! Ich muss mich mit simplem Hühnchen begnügen.

06.08.2001
Das Wetter hier an der Küste hätte ich mir schon etwas angenehmer vorgestellt. Es ist neblig und unfreundlich kalt, als wir uns am Morgen auf die Moppeds schwingen und gen Norden weiterfahren wollen.
Zunächst bleibt es aber beim Wollen, denn selbst Violeta streikt unter diesen Bedingungen. Es ist doch nicht zu fassen, aber obwohl wir jetzt wieder auf Meereshöhe sind, will sie partout nicht anspringen!! Nicht mal anschieben geht auf Anhieb, sie lässt sich nur äusserst mühsam und mit vereinten Kräften in Bewegung setzen.
Zum Glück haben wir heute nur eine kurze und ruhige Etappe vor uns, über die Panamericana, der Hauptverbindung von und nach Lima, dennoch gerade mal so breit wie jede mittelprächtige deutsche Landstrasse.
Genauso wie an allen schäbigen kleinen Orten, die sich entlang der Panam gebildet haben, fahren wir auch an Trujillo gleich vorbei, und sind kurz danach gegen Mittag im verschlafenen Nest Huanchaco. Wenig später liegen wir bereits am hauseigenen Pool des schön angelegten Hostal Bracamonte (s. Link). Den ganzen Nachmittag verbringen wir hier faul in der Sonne liegend. Hier lässt es sich aushalten, und erst gegen Abend raffen wir uns auf, um uns den Ort anzuschauen, der uns ebenso auf Anhieb sympathisch ist.

07.08.2001
Dass es hier morgens neblig ist und die Sonne erst nach Mittag hervorkommt, damit haben wir uns bereits abgefunden. Das trifft sich sogar ganz gut, so kann ich die Zeit am Vormittag zum Schreiben nutzen, denn immer noch habe ich eine Menge nachzuholen.
Ich merke gar nicht wie die Zeit vergeht, und so ist es bereits nach 15.00, als ich von der Arbeit auf- und auf die Uhr schaue. Die Sonne zeigt sich immer noch nicht. Sie bleibt heute leider den ganzen Tag verschwunden. Schade zwar, aber es ist immerhin trotzdem angenehm warm. Zumindest im Vergleich zu den letzten Wochen und Monaten.
Nicht nur der Hunger treibt uns nun in den Ort. Zu gerne würden wir die hier typischen Caballitos de Totora, -wie diese kleinen Schilfboote genannt werden, auf denen die Fischer wie auf Pferden über die Wellen reiten-, in Aktion sehen. Aber genau wie gestern schon ist auch heute der Wellengang zu stark, und sie bleiben alle am Strand aufgereiht.

08.08.2001
Mitten in der Nacht wache ich mit heftigen Bauchschmerzen auf, und bin immer wieder froh, dass das Klo nicht weit weg ist. Die leckeren gefüllten Kartoffeln, die wir am Nachmittag bei einer Senora an einem der Stände im Ort gegessen haben, kommen wieder zum Vorschein. Mir ist hundeelend. Erst gegen Morgengrauen fühle ich mich langsam besser und kann nochmal einschlafen.
Daher stehe ich erst eine Stunde später als gewöhnlich auf. Das ist nicht weiter schlimm, wir haben wieder nur eine kurze Etappe vor uns, denn bis Chiclayo sind es auch nur etwa 200 ruhige Kilometer.
Die haben wir so schnell hinter uns, dass wir beschliessen, noch heute bis Piura weiterzufahren. Das sind nochmal 200 km, wenn alles so läuft wie bisher, dürften wir gegen 18.00 dort ankommen.
Nach einer Pause an einem der Strassenrestaurants geht's weiter. Auf einmal höre ich ein seltsames Geräusch am Mopped. Klingt, als hätte sich was im Rad verfangen. Ich halte lieber an und schaue nach, was da los ist.
Zu erkennen ist nichts. Ob es wohl aus dem Motor kam? Denn nun lässt Violeta sich auch endgültig nicht mehr starten. Vielleicht ist die Steuerkette übergesprungen? Wie auch immer, hier an Ort und Stelle, mitten im Nichts der Wüste, werden wir das nicht rausfinden. Ich muss schauen, dass sie in eine Werkstatt kommt. In beide Richtungen halte ich die vorbeirauschenden Fahrzeuge an. Die meisten halten auch an, aber die wenigsten können mir helfen. Entweder sind sie schon vollbeladen und haben keinen Platz mehr, oder sie fahren nicht weit.
Allzu lange müssen wir aber nicht warten, dann hab ich doch noch Glück. Die beiden Fahrer eines Kleinlasters machen zwar nicht den vertrauensseligsten Eindruck, aber sie sind bereit, mich bis Piura mitzunehmen. Was soll's, wer weiss, wann der nächste anhält, und sicher sind sie ganz nett. Für den Gefallen wollen sie 50 Soles haben. Viel zu teuer eigentlich, aber das realisiere ich erst zu spät, jetzt hab ich schon eingewilligt. Immerhin haben die beiden alles dabei, was man braucht, ein Brett, über das Violeta recht leicht auf die Ladefläche zu schieben ist, und ein Seil, mit dem sie richtig festgezurrt werden kann. Ich steige in die Fahrerkabine mit ein, Michi folgt uns auf seinem Mopped hinterher.
Mit dem Laster geraten wir nun auch in meine bisher einzige Polizeikontrolle in Peru. Der Polizist entschuldigt sich noch fast dafür, dass er uns anhalten muss. Er will nur die Fahrzeug- und die Frachtpapiere sehen, dann weist er noch darauf hin, dass auch der Beifahrer sich anschnallen muss. Fast will er uns schon weiterfahren lassen, als er noch erkennt, dass der Auspuff zur falschen Seite gelegt ist. Ein neues Gesetz besagt nämlich, dass er nach links gehen muss. Das zeigt uns der Polizist, wieder fast entschuldigend, schwarz auf weiss, und empfiehlt dem Fahrer, es baldmöglichst ändern zu lassen. Dann wünscht er uns eine gute Weiterfahrt. Keine Spur also von den unfreundlichen, herrischen Polizisten, von denen wir schon so oft gehört haben, und die kleinlich genau nach irgendwelchen Verfehlungen suchen, um einem Geld abknöpfen zu können. Auf dem Motorrad sind wir bisher noch überhaupt nicht angehalten worden.
Im Dunkeln fahren wir in Piura ein. Meine Retter sind aus Lima und kennen sich hier leider auch nicht aus. Wir überlegen gerade, wie wir am besten eine Werkstatt ausfindig machen, als ein ganzer Pulk von an der Strasse stehenden Motorrädern darauf hinweist, dass wir wohl schon eine gefunden haben.
Beim Abladen müssen wir lediglich aufpassen, dass wir das laut piepend und frei über die Ladefläche laufende Küken nicht zertreten oder überfahren. Aber alle packen mit an, auch die Mechaniker, die schon neugierig sind, was sie da erwartet, und so hat Violeta schnell wieder sicheren Boden unter den Rädern.
Genauso schnell ist auch der Rest erledigt. Der Mechaniker erklärt mir, dass heute sowieso nichts mehr passiert, er wird sie sich gleich morgen in der Früh anschauen. Ich kann meine Sachen in der Werkstatt lassen und nehme nur den Rucksack und die Wertsachen mit. Michi folgt nun dem Taxi, das mich ins Zentrum bringt, wo wir uns eine Unterkunft suchen.
Wie es uns schon beinahe zur Gewohnheit geworden ist, wollen wir auch diesmal im besten Hotel der Stadt gleich an der Plaza absteigen. Zu unserer Überraschung aber geht das heute leider nicht, wir sind zu spät angekommen, es ist keiner mehr da, der das entscheiden könnte, erst morgen früh wieder. Das nutzt uns jetzt wenig, und so laufe ich ein Hotel nach dem andern ab, erfolglos, hier in Piura müssen wir doch tatsächlich für die Übernachtung bezahlen!

09.08.2001
Um halb zehn stehen wir in der Werkstatt, und der Mechaniker hat das Übel bereits gefunden. Einer der beiden Kipphebel ist einfach in der Mitte zerbrochen, genau am Gewinde. Ein solches Ersatzteil gibt es hier natürlich nicht. Das ist aber nicht weiter tragisch, er kann das kaputte Teil wieder schweissen lassen. Genauso wie die Nockenwelle, die ich schon in Cuzco habe schweissen lassen, und die schon wieder völlig abgenutzt ist. Morgen zur selben Zeit könne ich Violeta wiederhaben. Fein, das klingt gut, ich hatte mich schon fast auf einen längeren Aufenthalt hier eingestellt.
Piura hat zwar 320.000 Einwohner, aber ausser ein paar wenigen übriggebliebenen Kolonialhäusern gibt es hier nicht viel zu sehen. Eis schleckend beobachten wir in aller Ruhe das bunte Treiben an der Plaza. Und nach der Mittagspause ist Michi erfolgreich, er findet endlich eine neue Hose, die ihm sogar lang genug ist.
Beinahe zufällig schauen wir nach dem Abendessen in die auf dem Rückweg zum Hostal liegende Diskothek. Dort bleiben wir bis weit nach Mitternacht hängen, die Musik ist gut, und zu uns gesellen sich schon bald zwei Peruaner. Während ich kaum noch eine Atempause bekomme, weil sie mich ständig abwechselnd zum Tanz auffordern, muss der arme Michi sich in der Zwischenzeit anhören, wie sie sich gegenseitig schlecht machen, obwohl sie einander gar nicht kennen. Endlich mal wieder ein richtig unterhaltsamer Abend.

10.-12.08.2001
Gespannt, wie es denn nun Violeta geht, fahren wir noch vor dem Frühstück in die Werkstatt. Und da steht sie schon, blitzblank und strahlend, sieht aus wie neu. Der Mechaniker erklärt, dass jetzt alles wieder in Ordnung sei, die Teile seien geschweisst, ausserdem hätte er die Dichtung gerichtet, aus der das Öl ins Kühlwasser trat, und Benzin würde nun auch keines mehr austreten. Die kurze Probefahrt bestätigt den ersten guten Eindruck. Violeta hat wieder mehr Power, und klappert endlich nicht mehr so laut. Dennoch, der Mechaniker mahnt, den Kipphebel möglichst in Quito durch einen neuen zu ersetzen, und bis dahin höchstens noch mit 80 km/h zu fahren, um ihn nicht übermässig zu belasten. Das ist nicht weiter tragisch, denn schneller fahr ich eh nur ganz selten.
Auf der langweiligen Panamericana fällt es allerdings schon etwas schwer, sich an diese Bedingung zu halten. Aber was sein muss, muss sein. Schliesslich soll Violeta mich in ein paar Monaten noch nach Mexiko bringen, und heute immerhin in den Badeort Máncora, unsere letzte Station, bevor wir in Ecuador einreisen.
Ein paar Kilometer ausserhalb vom Ort, an der alten Panamericana, finden wir die Máncora Beach Bungalows (s. Link), eine herrliche Anlage, direkt am Meer gelegen. Das Rauschen des Wassers begleitet uns hier die nächsten zwei Tage lang, ob wir nun genüsslich in der Hängematte auf unserer eigenen Terrasse liegen oder im Schatten der Palmen. Wir brauchen die Anlage eigentlich kaum zu verlassen, nur das Restaurant, -natürlich auch mit Blick auf's Meer-, das wir am ersten Abend in Anspruch nehmen, ist uns eigentlich zu teuer. Daher versorgen wir uns zum Frühstück selber mit Müsli auf unserer Terrasse, ansonsten fahren wir zum essen in den Ort. Allerdings bloss um festzustellen, dass das auch nicht viel billiger kommt.
Bei einer solchen Gelegenheit aber treffen wir den Italiener Jean Luca, der seit 3 Monaten hier lebt. Er lädt uns ein, unsere letzte Nacht in seinem Haus, der Sunset Residence zu verbringen. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen, wenngleich der lästige Wechsel die genüssliche Nachmittagsruhe gewaltig stört. Ich muss Violeta doch tatsächlich 2 km weit bewegen! Immerhin springt sie auf Anhieb und ohne grosse Anstrengung an. Welch erfreuliche Überraschung!
Wir bereuen den Umzug keineswegs, denn wir bekommen im ersten Stock ein Luxuszimmer mit Balkon zum Strand hin, fast könnte man von hier in den kleinen Pool unter uns springen. Das Bett scheint fast breiter als lang zu sein, und überhaupt ist alles sehr geschmackvoll hergerichtet, wie es sich für einen echten Italiener gehört. Am liebsten würden wir noch ein paar Tage länger hier bleiben. Aber die Zeit rennt uns davon, und Ecuador ruft.

13.08.2001
Ein letztes Frühstück auf dem Balkon, mit Blick auf's rauschende Meer. Jean Luca schläft noch, als wir um halb zehn startklar sein, und so können wir ihm nur noch einen Gruss und ein Dankeschön ausrichten lassen, bevor wir dieses Paradies tatsächlich verlassen.
Fast geht mir unterwegs noch das Benzin aus, als doch noch rechtzeitig eine Tankstelle auftaucht, an der ich auch meine letzten peruanischen Münzen loswerden kann.
Je näher wir der Grenze kommen, umso mehr verdüstert sich der Himmel, es fallen sogar vereinzelte Tropfen. Zum Glück bleibt es aber dabei.
Wir erreichen den Grenzort Huaquillas, und werden gleich von einer ganzen Horde Jungs überfallen, die uns alle bei den Zollformalitäten behilflich sein wollen. Keine Chance, ihnen begreiflich zu machen, dass wir durchaus alleine zurecht kommen. Auf Schritt und Tritt sind sie um uns herum wie lästige Fliegen, und bestehen darauf, uns von einem Posten zum nächsten zu leiten.
Es ist in der Tat nicht ganz einfach, die einzelnen Gebäude zu finden, die vom Ortsanfang zum -ende an der Strasse entlang verteilt liegen. Als erstes erreichen wir die peruanische Zollkontrolle, wo wir gleich alles, die Moppedpapiere und den Pass im Stempel, auf einmal erledigen können...


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