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unterwegs in




vom 04. Juli 2001

unser Bus

die Gräber von Ninamarca

der Nebelwald

die erste Lodge

bunte Bäume

das Indiodorf,...

...seine Häuser,...

...und seine Leute

unser Boot in Atalaya

der Koch Leo bei der Arbeit

Abendessen im Freien

Indios unterwegs

nächtliche Begegnung

endlich wieder Sonne

unser Nachtlager...

...in der Machiguenga-Lodge

im Baum

auf dem Floss

der See Salvador von oben

vergeblich gespäht

Rückfahrt im Truck

Irgendwie bekomme ich es geregelt, heute sogar ausnahmsweise mal früher aufzustehen als Michi. Das muss auch sein, schliesslich muss ich noch wieder Ordnung in meinen Krempel bringen, und packen. Trotz alldem stehen wir rechtzeitig genug kurz nach 6.30 im Büro von Caiman S.A.C., wo wir noch unsere Wertsachen versiegelt deponieren können. Samuel hat uns, die wir kein Fernglas besitzen, ein solches mitgebracht, das er uns für die Dauer der Tour leihweise zur Verfügung stellt.
Insgesamt sind wir 8 Teilnehmer, die auch schon fast alle da sind. Wir warten nur noch auf die letzte Mitreisende, die fast direkt vom Inka-Trail zu uns hinzustösst. Unser Safari-Bus steht schon bereit, es muss nur noch alles aufgeladen werden. Nicht nur unsere eigenen Rucksäcke müssen mit, sondern die komplette Küche, mit reichlich Lebensmitteln, ausserdem Zelte, Tische, Stühle und Matratzen, alles muss mit, und wird im und auf dem Bus verstaut. Geht aber alles ganz fix, das sind schliesslich alles geübte Profis hier.
Damit die lange Fahrt nicht allzu eintönig wird, halten wir unterwegs kurz und sehen uns die Gräber von Ninamarca an. Diese stammen noch aus der Pre-Inka-Zeit, und nur wichtige Personen wurden hier beigesetzt. Leider wurden aber die Gräber von Plünderern ausgeraubt, Mumien konnten daher keine mehr gefunden werden.
Auch in dem für seine folkloristische Tradition bekannten Ort Paucartambo machen wir Pause. Hier bekommen wir das erste von unserem Koch Leo zubereitete Mittagessen serviert, bevor wir durch den Ort schlendern, und uns von Samuel den Brunnen an der Plaza erklären lassen. Jede einzelne der darin aufgestellten Figuren repräsentiert nämlich jeweils einen speziellen Tanz, die alle am Jahresfest Mitte Juli aufgeführt und getanzt werden.
Am anderen Ende des Dorfes werden wir anschliessend wieder von unserem Bus aufgelesen, und wir verlassen nun die Teerstrasse. Vor uns liegen knappe 100 km schlechter Schotter, bis wir am Nachmittag Tres Cruces, den höchsten Punkt auf 3.600 m, erreichen. Bisher war die Landschaft eher trocken, und die Vegetation nicht sonderlich reichlich, und von hier oben blicken wir jetzt die andere Seite hinab auf den dichten Nebelwald. Welch ein Kontrast!! Von Süden kommen die patagonischen Winde her und stossen hier auf die Anden, wodurch ein Wirbel entsteht, der die tiefhängenden Wolken mit sich bringt.
Ab hier geht's abwärts, die enge Strasse steht der bolivianischen Strecke von La Paz in die Yungas in nichts nach, sie ist genauso eng, ausgesetzt und steil. An vielen Stellen sind Stücke der Strasse bereits herausgebrochen, vorangegangenen Erdrutschen zum Opfer gefallen.
Das letzte Stück laufen wir zu Fuss, bereits im Schein der Taschenlampen. Wir geniessen die selbst jetzt am Abend noch angenehm warme Temperatur, und lauschen den noch unbekannten Geräuschen des nächtlichen Waldes. Gerne würden wir so noch weiterlaufen, aber viel zu früh erreichen wir knappe 2.000 m tiefer gegen 19.00 unser erstes Nachtlager, die Lodge San Pedro. Wir haben nur kurz Zeit, uns in den zugewiesenen Doppelzimmern auszuspannen, da ruft Leo schon wieder zum kräftigenden Abendessen. Lange harrt keiner mehr aus danach, wir sind doch alle etwas geschlaucht, und freuen uns auf das einfache, aber bequeme Bett.
Schlafsack braucht man bei diesem Klima hier wirklich nicht, und auch dass Michi und ich ausgerechnet das Zimmer ohne Moskitonetze erwischt haben, ist nicht weiter tragisch, auf dieser Höhe hier gibt es noch kene Mücken. Angeblich.

05.07.2001
Die Vögel beginnen ihren Tag bei Sonnenaufgang. Um sie beobachten zu können, müssen wir also noch früher raus. Samuel weckt uns eine ganze Stunde vorher, denn noch dazu haben auch andere Gruppen das gleiche vor wie wir, und wir wollen ihnen zuvorkommen, um die besten Beobachtungsplätze zu bekommen. Im Dunkeln steigen wir nur schnell in unsere Klamotten, dann stolpern wir, noch halb im Schlaf, zur Plattform, einem getarnten Aussichtsposten. Trotz aller Eile sind wir doch nicht die ersten, dennoch können Michi und ich noch einen guten Platz in der ersten Reihe ergattern.
Nun heisst es still sitzen und warten.
Unglaublich, aber fast auf die Minute pünktlich finden sich mit den ersten Sonnenstrahlen gegen 6.00 auch die ersten Gallitos de las Rocas ein. Nach und nach werden es immer mehr, und etwa eine Stunde lang veranstalten die Männchen ihren rituellen Tanz, um den Weibchen den Hof zu machen. Mit ihrer roten Haube auf dem Kopf sind sie zwar auch von weitem nicht zu übersehen, aber mit dem Fernglas können wir sie wirklich hautnah beobachten.
Genauso schnell wie sie begonnen hat, ist die Aufführung auf einmal auch wieder vorbei. Das war's, jedenfalls für heute, denn das Schauspiel wiederholt sich tagtäglich. Unglaublich, aber an jedem einzelnen Tag des Jahres kommen diese wunderschönen Vögel zur genau gleichen Zeit an genau diesen Ort, um um die Gunst der Weibchen zu hoffieren!
Zurück in der Lodge, wartet Leo bereits mit dem fertigen Frühstück auf uns. Alles ist perfekt organisiert, und jede Minute wird genutzt. Während der Rest der Crew das gesamte Zeug wieder in den Bus lädt, laufen wir schon mal zu Fuss voraus. Samuel erklärt uns die unterschiedlichen subtropischen Bäume und Pflanzen. Wir entdecken exotische Vögel, die sich im Dickicht des dichten Laubes verstecken, und so manch anderes Getier. Da ist zum Beispiel der Lonely Man, eine riesige Ameise, die immer nur allein unterwegs ist, und die mit ihrem Gift durchaus in der Lage ist, einen Menschen umzubringen.
Doch, oh je, auf einmal beginnt es unvermittelt zu regnen. Wir sind zwar hier im Regenwald, aber trotzdem, es ist schliesslich jetzt Trockenzeit, mit dem Regen konnte also keiner rechnen. Und niemand von uns, ausser Michi versteht sich, hat sein Regenzeug dabei. Schon bald sind wir alle nass bis auf die Haut, da hilft auch nichts, dass wir am Strassenrand unter dem weit überhängenden Laub Schutz suchen, während wir auf den Bus warten. Der lässt sich diesmal ordentlich Zeit. Der immerhin wenigstens warme Regenschauer ist schon fast wieder vorbei, als uns der rettende Bus endlich einholt.
Drinnen im Trockenen streifen wir als erstes die nassen Kleider ab und im Nu haben wir unser ordentlich sauberes, fahrendes Zuhause in einen bunten, schmuddeligen Zirkuswagen verwandelt, mit der ganzen Wäsche, die wir zum Trocknen aufgehängt haben.
Haben Michi und ich bisher noch bedauert, diese herrliche Strecke nicht mit dem Moto fahren zu können, so sind wir jetzt doch erleichtert, dass wir die nunmehr glitschige und schlammige Piste nicht selber befahren müssen, und uns die Umgebung in aller Ruhe und im Trockenen durch's Fenster betrachten können.
Die Sonne scheint bereits wieder durch die Wolken, als wir gegen Mittag unsere nächste Station, das Dorf Pilcopata, erreichen. Hier werden wir unsere 2. Nacht verbringen. Vorerst aber haben wir noch volles Programm. Kaum ist der Letzte aus dem Bus gestiegen, marschiert Samuel schon voraus. Über schlammige Pfade stapfen wir durch den feuchten Regenwald, bis wir nach einer knappen halben Stunde eine Lichtung an einem Bach erreichen. Hier lassen wir uns erschöpft nieder und lassen uns von Leo das mitgeschleppte Mittagessen, ein köstliches Risotto, servieren. Zum Nachtisch gibt's frische Früchte, Mandarinen und Granadillas. Damit wissen wir zunächst gar nichts anzufangen, und müssen uns erst zeigen lassen, wie man die schält und dann das Fruchtfleisch ausschlürft. Sieht etwas unappetitlich aus, schmeckt aber überraschenderweise total lecker.
Leo und sein Assistent Valentin haben ihre Pflicht erfüllt, und kehren wieder zurück, während für uns noch lange nicht Schluss ist. Immer tiefer geht es in den Wald hinein, bis wir nach 2 Stunden auf einmal auf das Eingeborenen-Dorf Huacaria hinabblicken. Im Gegensatz zu vielen weiteren Stämmen, die hier völlig isoliert und von unserer 'Zivilisation' verschont und unangetastet im Busch ihr eigenes Leben leben, hat das Volk der Machiguenga, das wir hier besuchen, bereits vollen Kontakt zu uns 'Outsidern'. Die meisten sprechen mittlerweile auch spanisch. Der Schamane, der Dorfoberste, empfängt uns freundlich und stellt uns sein Dorf, seine Leute und deren Hütten vor. Er zeigt uns die Pfeile, die sie in sorgfältiger Kleinarbeit aus Bambusrohren fertigen, und demonstriert uns, wie sie zielsicher zur Jagd eingesetzt werden.
Weil sie selber nicht darüber reden wollen, wohlwissend, dass wir dafür wohl kaum Verständnis aufbringen würden, erklärt Samuel uns später, wie diese Leute all ihr Wissen erwerben über die unendlich vielen Heilpflanzen, über ihre Web- und Flechttechniken, mittels derer sie perfekt regelmässig aussehende Taschen herstellen, und auch über uns Outsider, die wir in einer so total anderen, fremden Welt leben. Schon allein das medizinische Wissen wäre viel zu reichhaltig, um es von Generation zu Generation und nur mündlich zu übertragen. Vielmehr trinken die Schamanen während ihrer Zeremonien einen besonderen Wein, durch den sie dann Visionen bekommen, von denen sie lernen.
Auch ihre Küche sollen wir kennenlernen, dazu wurden extra Yukkas und Palmenherz vorbereitet. Mit letzterem können wir uns gleich anfreunden, die Yukka ist etwas trocken und gewöhnungsbedürftig, aber auch nicht schlecht.
Zum Abschluss zeigen sie uns noch ihren Swimming-Pool, eine kleine Bucht mit Sandstrand am Flussufer. Die Jungs, Samuel, Dwaine und Michael, nutzen die Gelegenheit zum Baden, wir anderen haben mindestens genauso viel Spass beim Zuschauen.
Nun wird es aber Zeit, uns zu verabschieden, und den Rückweg anzutreten. Wir sind so erledigt und daher dankbar, dass uns der Bus ein Stück entgegengekommen ist, und uns die letzte halbe Stunde Fussmarsch erspart. Vor der halb zerfallenen Brücke am Ortseingang müssen wir allerdings wieder aussteigen, zu riskant ist es, sie mit dem vollen Bus zu befahren. Selbst zu Fuss ist sie nicht ganz ungefährlich, besonders jetzt im Halbdunkel der Dämmerung muss man schon achtgeben, wo man seinen Fuss hinsetzt, um nicht durchzubrechen.
Wie nicht anders zu erwarten, wartet auch diesmal bereits das Abendessen, als wir endlich am Hostal ankommen. Und während manche von uns danach noch auf ein Bier ins nahegelegene Lokal gehen, gönne ich mir noch eine erfrischende Dusche. Heisses Wasser gibt's hier natürlich keines, aber selbst das kalte Wasser ist erträglich lauwarm.

06.07.2001
Es regnet in Strömen, als ich in aller Herrgottsfrüh noch vor dem Sonnenaufgang vom Krähen eines Hahnes geweckt werde. 'Sicher nur ein kurzer Schauer', denke ich, und dreh mich nochmal rum. Aber es regnet immer noch genauso heftig, als Samuel uns um 7.00 weckt, und uns im Regenwald, der gerade seinem Namen alle Ehre macht, willkommen heisst. Zum Glück haben wir es heute nicht so eilig, die zurückzulegende Etappe ist nicht so lang, und auf eine ausgedehnte Wanderung am Nachmittag hat bei dem Wetter sicher eh kaum einer Bock. So warten wir erst einmal in Ruhe ab, bis der Regen etwas nachlässt, damit wir unser Zeug einigermassen trocken in den Bus bringen können.
Wie aus Kübeln schüttet es schon wieder, oder immer noch, als wir nach einer Stunde Fahrt im Hafenort Atalaya ankommen, auf nur noch 350 m über Meereshöhe. Hier sollte eigentlich unser Bootsmann Felipe und sein Assistent Rani schon auf uns warten und mit dem Boot bereitstehen. Stattdessen warten wir nun auf sie. Das ist momentan nicht weiter schlimm, es ist das gleiche Spiel wie schon am Morgen, wir müssen sowieso wieder abwarten, bis es trockener wird, um alles Gepäck ins Boot umladen zu können.
Die Zeit vergeht, Felipe kommt immer noch nicht, es muss improvisiert werden. An Ort und Stelle bereitet Leo uns unser Mittagessen zu, und Samuel beschliesst dann, sein eigenes Boot zu nehmen, das hier am Ufer liegt. Alle helfen wir mit und nutzen die Regenpause, um schnell alles Zeug, die Zelte, die Matratzen, die Tische und Stühle, unsere Rucksäcke und die Küche, bestehend aus Kocher, ausreichend Gas, riesigen Töpfen, vielen Tellern und Tassen, und natürlich reichlich Proviant, vom Bus ins Boot zu verladen. Nicht ganz einfach, bei dem nassen und glitschigen Abhang zum Ufer.
Kaum haben wir abgelegt, kommt uns schliesslich Felipe entgegen. Flink tauscht er den Platz mit unserem 'geborgten' Bootsmann, und weiter geht die Fahrt eine Stunde lang durch den Regen flussabwärts, bis wir an unserer Lodge Buena Vista ankommen.
Wir bringen nur schnell unsere Rucksäcke auf die Zimmer der auf Pfählen stehenden, 2-stöckigen Holzhütte, und können uns noch kurz in den zwar im Freien, aber dennoch trocken und gemütlich unter dem schützenden Strohdach installierten Hängematten ausruhen und den Regen beobachten, der immer noch nicht nachlassen will.
Wir lassen uns davon aber noch lange nicht abschrecken, in die volle Regenmontur gepackt kann uns das Wasser ja nichts anhaben, und wir brechen auf zur nächsten Wanderung über schmale Pfade durch den Busch. Zum Glück hat Samuel eine Machete dabei, die erweist sich als äusserst praktisch, weil er uns damit an rutschigen Stellen Stufen in die Erde schlagen kann. Das erleichtert das Laufen doch ungemein, schlammig ist es trotzdem immer noch genug. Tiere finden wir leider keine, auch die verkriechen sich wohl lieber ins Trockene. Nur die Bäume stehen weiter fest an ihrem Platz, und so begegnen wir immerhin einem der riesigen, bis zu 80 m hohen Kapok-Bäumen mit den starken, weit verzweigten und verschlungenen Wurzeln.
Wer immer noch nicht genug hat vom Wasser, kann nach der Rückkehr noch im Fluss baden gehen, zum Abschluss des Tages. Abendessen gibt's dann beim Mondschein auf der Veranda, um uns herum zirpen die Grillen, und quaken die Frösche. Zumindest glauben wir das, bis Samuel uns aufklärt, dass das Papageien sind, die ganz ähnliche Laute von sich geben.
Vor dieser Geräuschkulisse schlafen wir wenig später auch ein, umhüllt von den schützenden Moskitonetzen.

07.07.2001
Wir sind begeistert und gleich hellwach, denn heute gibt's zum Frühstück köstliches Müsli mit tropischen Früchten. Während wir so dasitzen, müssen wir nur leider auch erkennen, dass das Wetter nicht viel besser aussieht als gestern. Schwere Wolken hängen tief in den Bäumen. Wir kommen aber zunächst nicht mehr dazu, weiter darüber nachzudenken. Wir haben noch nicht zu Ende gefrühstückt, da taucht gegen 7.30 auch schon die Gruppe mit den Nachzüglern auf, die heute zu uns dazustossen soll. Bloss, das sind ja viel mehr als die angekündigten vier Leute!! Wie sollen wir alle in einem einzigen Boot Platz haben?!
Die Aufregung legt sich schnell wieder, als sich beim Näherkommen herausstellt, dass Werner, ein weiterer Führer dabei ist, sodass wir zumindest beim Wandern in zwei angemessen kleine Gruppen aufgeteilt werden können, und dass Don Hugo, der Besitzer von Caiman S.A.C., selber auch mitgekommen ist, um auf einen Sprung vorbeizukommen und nach dem Rechten zu sehen. So sind es doch nur 6 Neuankömmlinge.
Und was kaum einer für möglich gehalten hätte, wir passen doch tatsächlich alle leicht und bequem in das eine Kanu. Wenngleich das Besteigen nicht ohne die ersten nassen Füsse abgeht. Da alle auf einmal ins Boot wollen, bekommt dieses irgendwann zuviel Schräglage, und das Brett, das als Brücke zum Ufer dient und auf dem gerade die Italienerin Monica steht, rutscht vom Bootsrand ab und klatscht mit ihr ab ins Wasser. Das macht aber eh nicht viel Unterschied, denn mittlerweile regnet es schon wieder, und wir werden alle genauso nass. Heute müssen wir sogar die Sitzbänke mit einer Plastikfolie abdecken, denn sie sind mit unseren Matratzen ausgepolstert, auf denen wir kommende Nacht auch schlafen werden. Die sollten nach Möglichkeit nicht nass werden.
Ein paar Stunden weiter flussabwärts setzen wir Brigitte in einem Eingeborenendorf aus, wo sie die nächsten Tage mit dem Schamanen verbringen will. Erst am letzten Tag werden wir sie wieder hier abholen, um nach Cusco zurückzufahren.
Immer weiter geht es den Fluss Alto Madre de Díos hinab, der aufgrund des anhaltenden Regens richtig viel und braunes Wasser führt. Wir kommen daher problemlos voran, und setzen kaum auf. Dennoch vergehen weitere Stunden, auch das Mittagessen gibt's an Bord, von hinten nach vorne werden die lecker gefüllten Teller durchgereicht.
Am Nachmittag halten wir zum Tanken in Boca Manu, wo wir gleichzeitig eine letzte Gelegenheit zum Einkauf haben. Gar nicht so einfach, hier von Bord zu gehen. Der Abhang ist nämlich ordentlich steil, und verflixt glitschig, wenngleich es inzwischen zu regnen aufgehört hat. Ich brauche eh nichts, ich ziehe die bequemere Variante vor, und warte im Boot auf die Weiterfahrt. Wir biegen jetzt ab und fahren den Manu-Fluss hinauf, der hier einmündet. Nun ist es nicht mehr weit, nur noch eine knappe Stunde, bis wir bei Dunkelheit Limonal erreichen. Hier wollen wir am Strand zelten. Eigentlich.
Doch kaum sind wir alle an Land, da fallen schon wieder die ersten Tropfen. So wird leider nichts aus der Nacht unter freiem Himmel am Strand. Sicherheitshalber verlegen wir die Zelte ins Trockene, zwischen die Pfähle, auf denen die Ranger-Station des Nationalparks steht.
Um uns noch etwas die Füsse zu vertreten, schliesslich sind wir den ganzen Tag auf dem Wasser gewesen, machen wir uns gleich noch auf zu einer nächtlichen Wanderung. Durch den dunklen, schwarzen Dschungel stapfen wir alle hinter Samuels Taschenlampe hinterher, lassen in Ermangelung von optischen Eindrücken die Geräusche auf uns wirken. Fast ein bisschen unheimlich. Von irgendwo oben in den Baumkronen hören wir irgendwelche Affen schreien. Und zum ersten Mal machen wir hier intensive Bekanntschaft mit den Moskitos. Da hilft auch die lange Kleidung nichts, die lästigen Biester stechen da einfach hindurch. Zum Glück hab ich meinen Mückenschutz dabei, damit kann ich wenigstens für eine kurze Weile das Schlimmste verhindern.
Samuels geschulter Blick entdeckt das Nest einer Tarantel, und er schafft es, ein Männchen daraus hervorzulocken. Wenig später begegnen wir einer Wolfsspinne. Beide Arten können den Menschen zwar gehörig beissen, können ihm aber weiter nichts antun, sie sehen einfach nur eklig aus.
Ein Rascheln im nahen Laub hinter uns lässt uns plötzlich umschauen, aber nur Michi bekommt als einziger das flüchtende Gürteltier zu sehen.
Er ist es auch, der im Schein seiner nervigen Stirnlampe, welche die Moskitos natürlich noch mehr anzieht, den kleinen grünen Frosch erspäht, der sich verängstigt an seinen Ast klammert. Wir bewundern ihn eine Weile, bis es ihm doch zuviel wird und er eilig davonhüpft. Auch wir ziehen weiter. Und stehen auf eimal vor einem umgefallenen Baumstamm, der sich über einen Abgrund spannt. Ungläubig schauen wir Samuel an, aber es ist tatsächlich sein Ernst, er will wirklich mit uns da hinüber!
Also gut, Samuel macht uns geschickt vor, wie es geht, wir sammeln all unseren Mut und überqueren einer nach dem anderen den nassen, glatten Stamm. Ich mach es Mariana nach, die erfolgreich eine ganz andere Technik ausprobiert. Auf dem Hosenboden und auf allen Vieren kriechend ist es doch weitaus einfacher. Zunächst. Doch das hat fatale Folgen. Vermutlich durch die Feuchtigkeit angezogen, entdecken die Moskitos in Scharen die nunmehr nasse Hose, und stechen fröhlich und unaufhörlich hindurch. Daher bin ich ganz froh, als es wenig später an der Zeit ist, umzukehren.
Wieder kommen wir an unsere Brücke. Diesmal fassen wir uns alle bei der Hand, bilden eine Schlange, und arbeiten uns langsam vorwärts. Wenn jetzt einer fällt, dann zieht er alle anderen mit hinunter. Aber es geht zum Glück alles gut. Sicher erreichen alle die andere Seite.
Am Zeltplatz ist schon alles vorbereitet, die heisse Suppe brodelt im Topf, und wir können uns gleich an die längst aufgestellten Tische und Stühle setzen. Ich kann das Essen aber schon gar nicht mehr richtig geniessen, kann kaum noch ruhig auf dem Hocker sitzen bleiben, so unerträglich wird jetzt das Jucken der Mückenstiche. Bevor ich mich ins Zelt zurückziehe, lasse ich mir von Samuel eine lindernde Salbe geben, damit ich wenigstens in Ruhe einschlafen kann, ohne mich ständig irgendwo kratzen zu müssen.

08.07.2001
Wieder ist an ein Ausschlafen nicht zu denken. Bereits um 5.00 wird neben unseren Zelten die Küche angeschmissen, Leo bereitet wohl schon das Mittagessen vor. Wir selber können noch eine Weile liegenbleiben, und müssen erst um 6.00 raus.
Nach dem Frühstück besuchen wir kurz das Museum in der Ranger-Station, wo wir unter anderem auf einige Verhaltensregeln hingewiesen werden, und wo wir uns registrieren müssen, um in die nächste Zone weiterfahren zu dürfen. Der gesamte Nationalpark ist nämlich eingeteilt in:
- die Zona Curltural, mit den Dörfern der Nativos, und die man uneingeschränkt besuchen kann,
- die Zona Reservada, die nur mit offizielller Genehmigung dem Tourismus zugänglich ist
- und die Zona Restringida, wo noch Eingebborene ohne jeden Kontakt zur Aussenwelt leben, und die man nur zu wissenschaftlichen Zwecken und mit Sondergenehmigung betreten darf.
Eine Stunde später sind wir soweit, wir haben unsere Genehmigung, und es ist bereits schon wieder alles im Boot verstaut. Es geht weiter flussaufwärts.
Heute ist uns endlich das Wetter wieder wohlgesonnen, wir haben blauen Himmel und die Sonne brennt. Sie sorgt nicht nur für gute Laune bei uns, sondern lockt auch die Tiere hervor. Überall begegnen wir den grossen Schildkröten, die sich wie Dominosteine in einer Reihe aufstellen, und ihren Kopf der Sonne entgegenstrecken, jeweils auf dem Panzer des Vordermannes aufliegend.
Aber nicht nur sie, die weissen und die schwarzen Kaimane nehmen ebenfalls liebend gerne ein Sonnenbad. Faul liegen sie wie Mikado-Stäbchen überall am Flussufer verstreut. Es sind so viele, dass uns ihr Anblick schnell vertraut ist, und sie uns keine Angst mehr einflössen können. Ausserdem klärt uns Samuel auch noch auf, dass zwar ein Jaguar ihnen bei dem Versuch den Fluss zu durchqueren, durchaus zum Opfer fallen kann. Der Mensch hingegen steht allenfalls dann auf ihrer Speisekarte, wenn er sich ihrem Nest mit den auszubrütenden Eiern zu sehr nähert. Spätestens jetzt haben wir jeglichen Respekt vor ihnen verloren. Nun kann uns nichts mehr aufhalten. Wir brauchen dringend eine erfrischende Abkühlung, legen an einem kleinen Strand an, verscheuchen damit noch eines dieser Exemplare ins Wasser, und stürzen uns gleich hinterher ins kühle Nass.
Die Sonnenfliegen sind es, die uns schnell wieder aus dem Wasser vertreiben, denn auch sie scheinen von nasser Haut magisch angezogen zu werden, und stechen gnadenlos zu. Keiner bleibt verschont, und wir flüchten freiwillig zur Weiterfahrt ins Boot, wo wenig später Essensausgabe stattfindet. Auf dem Speiseplan steht heute Risotto mit einheimischem Gemüse und knusprigem Hähnchenschenkel.
So gesättigt, halten nun manche unter dem schattenspendenden Bootsdach ihre Siesta. Wir anderen halten auf der immer noch weiter flussaufwärts gehenden Fahrt Ausschau nach wilden Tieren. So entdecken wir ganze Gruppen von Affen, die sich von Baumkrone zu Baumkrone schwingen, und viele unterschiedliche Vögel, wie zum Beispiel die Guacamayos, die grossen bunten Papageien mit ihrem langen Schwanz, die anmutig und immer paarweise über uns hinwegfliegen. Wir sind wirklich froh über das Fernglas, denn damit können wir alles hautnah beobachten und betrachten, was wir mit blossem Auge bestenfalls als dunklen Schatten erkennen würden. Die ganze Zeit schon durchforstet Michi damit angestrengt das Ufer. Und auf einmal schlägt er Alarm, er hat einen Jaguar entdeckt, der gerade aus dem Gebüsch ans Ufer tritt.
Der scheint es überhaupt nicht eilig zu haben und schreitet weiter stolz und gemütlich am Wasser entlang. Sofort wird der Motor abgestellt, und zusammen mit dem Capitan Felipe führen Samuel und Werner das Boot so geschickt an ihn heran, dass wir ihn fast eine halbe Stunde lang beobachten können. Mit den imitierten Lauten eines Jaguarweibchens gelingt es Felipe, den Burschen zu täuschen und seinen Blick direkt in unsere Kameras zu locken. Nun scheint er richtig neugierig geworden zu sein, es ist nicht mehr auszumachen, wer jetzt eigentlich wen beobachtet. In aller Ruhe lässt er sich am Strand nieder und harrt der Dinge, die da kommen. Viel können wir ihm aber offenbar nicht bieten, denn nach einer Weile wird es ihm doch zu dumm, und er stolziert wieder weiter. Mit einem Schlag seiner riesigen Tatze räumt er lässig störende Äste ganz einfach aus dem Weg, und verabschiedet sich dann mit einem letzten Blick über die Schulter zurück, bevor er schliesslich wieder im Busch verschwindet. Er scheint es regelrecht genossen zu haben, im Mittelpunkt zu stehen, und uns lassen all die Kaimane auf der weiteren Fahrt nach dieser einzigartigen Vorführung nun endgültig kalt.
Fast den ganzen Tag sind wir heut im Kanu gesessen und haben uns den Urwald bequem vom Fluss aus angesehen. Doch damit ist jetzt wieder Schluss, denn am späten Nachmittag, -es ist zum Glück nicht mehr so unerträglich heiss-, gehen wir nochmal an Land, und stürzen uns mitten hinein ins Getümmel. Hoch oben über uns in den Bäumen rascheln die Blätter, eine Gruppe Affen begleitet uns auf unserer Wanderung tiefer und tiefer in den Dschungel hinein, bis wir nach einer guten halben Stunde gerade rechtzeitig an einen Steg kommen. Von hier aus können wir den herrlichen Sonnenuntergang über dem See Salvador bewundern, den wir morgen mit dem Katamaran befahren.
Für den Rückweg brauchen wir bereits wieder unsere Taschenlampen, in dem dichten Wald, der schon tagsüber nur wenig Licht durchlässt, wird es sehr schnell finster. Am Fluss müssen wir nur kurz auf unser Boot warten, das in der Zwischenzeit bereits alles Gepäck abgeladen hat, und nun auch uns endlich zur Casa Machiguenga, unserer Lodge bringt, nur noch wenige Minuten entfernt.
Selbst im Dunkeln ist es hier richtig schön!! Der Weg durch den Dschungel zu den einzelnen Schlafhütten ist mit Scheiben von Holzstämmen ausgelegt, und beidseitig von Fackeln gesäumt. In der Türöffnung der offenen, auf Pfählen stehenden Bambushütten hängt ein dicker Vorhang. Drinnen liegen in jedem Zimmer auf dem Boden zwei Matratzen, darüber hängt jeweils ein Moskitonetz, eine Kerze erhellt das Zimmer.
Um 20.00 treffen wir uns wieder alle vorne in der Hütte mit dem Speiseraum zum Abendessen. Doch zuvor gibt es nach soviel Praxis noch die theoretische Dschungellektion. Werner erläutert uns die komplizierte Lebensweise der Guacamayos, dieser unglaublich schönen und grossen Papageien. Ein einziger solcher Vogel braucht 4 qkm Urwald, um sich ernähren und leben zu können. Nun sind diese Vögel aber monogam, und solange nicht einer der Partner stirbt, sind sie immer paarweise unterwegs. Somit beanspruchen sie zusammen ganze 8 qkm für sich. Daher achten sie schon selbst darauf, dass sie sich in Grenzen halten, indem sie immer nur 2 Eier legen, wovon schliesslich nur ein Vogel überlebt. So wäre eigentlich ein vorzügliches Gleichgewicht geschaffen, wenn da nicht der Mensch dazwischen käme. Zum einen wird ihr Lebensraum durch die Abholzung und die zunehmende Besiedlung immer weniger, zum anderen werden sie gefangen, um an Zoos und auch in private Hand verkauft zu werden. So sind bereits heute viele Arten vom Aussterben bedroht. Eine Art gilt bereits jetzt als ausgestorben, obwohl es noch 2 Stück davon gibt. Die befinden sich jedoch leider im Besitz eines amerikanischen Multimillionärs.
So nett auch ein solch bunter und exotischer Vogel irgendwo zuhause im Käfig anzusehen sein mag, hier im Dschungel, wo er zuhause ist und sich wohlfühlt, und wo er in Freiheit fliegen und leben kann, ist er nochmal so schön anzuschauen.
Nach dieser Botschaft, die wir mit auf den Weg bekommen, redet auch Samuel uns noch ins Gewissen. Er berichtet uns, wie die beiden Matsiguenka-Dörfer Yomibato und Tayakome hier am Manufluss mitten im peruanischen Tieflandregenwald des Amazonasgebiets beobachteten, wie immer mehr Touristenboote den Fluss heraufkamen, in ihren Lebensraum. Sie fühlten sich dabei von den weissen Outsidern mit denselben neugierigen Augen betrachtet wie alle übrigen Bewohner dieser Gegend, die Affen, Kaimane, Schlangen und viele bunte Vögel. Und sie mussten mitansehen, wie die Tour-Anbieter aus Cusco den Manu-Park für sich einnahmen, und dabei noch die Nativos ausnutzten, um sie allenfalls als billige Arbeitskraft einzusetzen. Die wirtschaftliche Situation der Matsiguenka-Dörfer, die durch den wachsenden Kontakt zur Aussenwelt auch immer mehr finanzieller Mittel bedürfen, blieb jedoch in ihrer Armut völlig unverändert. Also begannen die Führer der beiden Dörfer darüber nachzudenken, wie auch ihr Volk an dem Geschäft teilhaben könnte, damit von dem vielen Geld, das die Touristen für ihre Ausflüge an den Manu zahlen müssen, auch etwas davon in die Dörfer geleitet würde. Dabei entstand die Idee, ein Unternehmen zu gründen, und 8 Bootsstunden flussabwärts ihrer Dörfer begannen sie mit dem Bau der Casa Machiguenga, die im Januar 1999 ihre ersten Besucher empfing. Da viele Tour-Anbieter dieses Haus als Konkurrenz betrachten, gibt es nur wenige, darunter Caiman S.A.C., die dieses wichtige Projekt unterstützen, das auch von internationalen Organisationen gefördert und betreut wird. Denn es soll nicht nur dem Tourismus und der damit verbundenen Verbesserung der wirtschaftlichen Situation dienen. Es soll auch zum Erhalt und zur Stärkung der Traditionen beitragen, und alljährlich kommen die Abschlussklassen der Grundschulen hierher, um auch Wesentliches zur eigenen Herkunft und Geschichte zu erfahren. Damit kann in optimaler Weise an die Weitergabe der verloren gegangenen mündlichen Überlieferung durch die 'Geschichtenerzähler' angeknüpft werden, wie sie der peruanische Autor Mario Vargas Llosa in seinem gleichnamigen Roman beschreibt.
Ein interessantes Projekt, das zum Nachdenken anregt, und zu dem es noch viel zu erläutern gäbe, aber die köstlich duftende Suppe, die uns gerade serviert wird, erinnert uns schnell wieder an unseren Hunger.
Die kühle und erfrischende Dusche nach dem Essen muss ich im Dunkeln nehmen, denn Licht gibt es im Bad zu dieser Stunde keines mehr. Dafür flackert immer noch die Kerze im Schlafraum.

09.07.2001
Gleich nach dem aus Spiegelei und fritierten Bananen bestehenden Frühstück bei Sonnenaufgang um halb sieben brechen wir auf zur nächsten Wanderung. Das Boot bringt uns an dieselbe Stelle wie gestern, aber über einen anderen, längeren Trail laufen wir in 2 Stunden zur Anlegestelle am See. Hier nehmen wir den hölzernen Katamaran, mit dem wir lautlos übers Wasser paddeln, auf der Suche nach den Riesenottern. Schon jetzt am Morgen ist es hier drückend heiss. Schutzlos sind wir hier, mitten auf dem See, der Sonne ausgesetzt. Aber tapfer halten wir durch, und konzentrieren uns auf jede Bewegung im Wasser und am Ufer. Wir sehen wieder Schildkröten, ganz aus der Nähe diesmal, und noch mehr fremdartige Vögel. Doch die Riesenotter, die wir sehen wollen, zeigen sich uns nicht.
Ein klein wenig enttäuscht kehren wir zum Mittagessen zur Lodge zurück. Und kaum ist der letzte Teller geleert, geht es auch schon wieder weiter. Wir kommen uns langsam vor wie bei der Bundeswehr. Ständig werden wir auf Trab gehalten, es ist uns keine Ruhepause zum Entspannen vergönnt. Wenigstens ist es angenehm kühl hier im Schatten des Waldes, wo das Sonnenlicht kaum noch bis zu uns durchdringen kann. Wir marschieren diesmal zum Beobachtungsposten, der an einem der 40 m hohen Bäume entlang aufgestellt ist. Von hier oben haben wir eine hervorragende Aussicht über den See, und wir halten geduldig Ausschau nach einem Lebenszeichen der Otter. Aber wieder haben wir kein Glück.
Wir geben aber noch lange nicht auf. Wir versuchen es weiter auf einem Pfad am Otorongo-See entlang. Wir müssen am Ufer bleiben, denn hier sind Boote auf dem See verboten, um die Tiere nicht zu stören. Ein paarmal glauben wir, einen der Otter abtauchen zu hören. Aber entweder haben wir uns getäuscht, oder wir sind einfach nur zu langsam, zu sehen bekommen wir jedenfalls auch diesmal leider keinen.
Das ist immer noch kein Grund, die Hoffnung bereits aufzugeben. Es gibt noch eine letzte Chance. Da wir zwei Gruppen sind, haben wir um 16.00 nochmal die Erlaubnis, den Katamaran zu benutzen. Inzwischen ist es nicht mehr ganz so heiss, und wir können heute direkt vom Wasser aus den Sonnenuntergang beobachten. Das ist aber auch schon alles. Die Riesenotter zeigen sich uns auch weiterhin nicht. Schade. Da ist es auch nur ein schwacher Trost, dass die japanische Filmcrew, die 3 Tage lang nach ihnen gesucht hat, auch nicht erfolgreicher war als wir.
Ein zweites Mal verbringen wir die Nacht in der Casa Machiguenga, wo die Pause gerade mal zum Duschen reicht, bevor das Abendessen schon wieder auf uns wartet.

10.07.2001
Endlich dürfen wir mal wieder richtig lange ausschlafen, Frühstück gibt's heute erst um 7.00 Uhr. Allerdings müssen wir bis dahin schon alles gepackt haben, denn wir ziehen heute wieder weiter. So langsam müssen wir uns wieder auf den Rückweg machen, und wir fahren jetzt flussabwärts zunächst erneut nach Boca Manu.
Bei der Abfahrt ist es noch angenehm kühl, doch schon bald wird es wieder unerträglich heiss, und wir sind alle dankbar für den erfrischenden Regenschauer gegen Mittag, als wir gerade dabei sind, unseren Reis mit Hähnchenschenkel zu verspeisen.
Ich habe zwar auch nichts anderes gegessen als alle anderen, aber irgendetwas ist mir offenbar nicht sonderlich gut bekommen, und mein Magen, der sonst eigentlich immer recht hart im Nehmen ist, rebelliert. Und das ausgerechnet heute, wo wir stundenlang und ohne Pause im Boot sitzen werden!
Irgendwann muss ich doch um Auszeit bitten, und zu meiner Erleichterung können wir gleich an einem kleinen Sandstrand halten, wo nicht nur ich mich eilig in die Büsche schlage. Das Schlimmste hab ich nun überstanden, etwa eine Stunde später halten wir sowieso in Limonal, wo wir uns wieder aus der reservierten Zone abmelden müssen. Und von hier ist es auch nur noch eine halbe Stunde bis Boca Manu, wo wir eine längere Pause einlegen.
Das war's zum Glück, mein Magen ist wieder friedlich, und ich kann die weitere Fahrt, über den Madre de Dios abwärts wieder richtig geniessen.
Ausser den bereits bekannten Tieren lässt sich sonst niemand blicken. Bis Michi auf einmal wieder Alarm schlägt. Er hat sich vorgenommen, heute eine Schlange zu sehen, und tatsächlich will er am Ufer eine riesige Anaconda entdeckt haben, mindestens 15 cm dick!! Alle sind wieder hellwach, aber die Schlange verwandelt sich schnell in einen nassen Baumstamm, der im Wasser schwimmt.
Der Tag hat hier im Dschungel genau 12 Stunden, um 18.00 geht die Sonne unter, und im Dunkeln erreichen wir die Lodge von Blanquillo. Der Weg zu den Unterkünften ist von Öllampen gesäumt, zwischen denen wir hindurchmarschieren, bis wir auf einmal vor einem riesigen Gebäude stehen. Wie schon das Matsiguenka-Haus ist auch dieses ganz aus Palmenholz errichtet. Unter der hohen Dachkonstruktion sind durch Bambuswände jeweils 2 Betten zusammen abgetrennt.
Diesmal gehen Samuel und Werner vor dem Essen noch mit uns unsere Checkliste durch, in der wir all die Tiere und Pflanzen ankreuzen können, denen wir unterwegs begegnet sind. Das sind doch ganz schön viele, auch wenn die Otter jetzt nicht dabei sind. Und immerhin haben wir den Jaguar gesehen, das muss gefeiert werden, daher gibt es heute sogar 2 Flaschen chilenischen Wein zum Essen.

11.07.2001
Ein letzter Höhepunkt steht auf dem Programm, wir wollen uns die Collpa de los Guacamayos ansehen. Dazu müssen wir wieder noch vor Sonnenaufgang fertig gepackt haben. Mit dem Boot werden wir zu einem Katamaran gebracht, auf dem eine getarnte Aussichtshütte steht. Das Floss wird an einem Seil den Fluss hinabgleiten gelassen, bis zu der Stelle, an der die Papageien an die Lehmwand am Fluss herabkommen werden. Hier legen wir Anker, um diese Show zu beobachten. Während wir auf den Beginn der Vorführung warten, bekommen wir hier unser Frühstück serviert.
Nach und nach finden sich auch langsam die ersten Papageien ein. Ihnen fehlen in ihrer normalen Nahrung irgendwelche Mineralien, die sie hier im Lehm finden. Daher kommen sie allmorgendlich hierher, um diesen Mangel auszugleichen. Erst sammeln sie sich in den Baumkronen, beobachten und inspektionieren die Umgebung, bis sie sich sicher genug fühlen, um in die Wand zu gehen. Die kleinsten der Papageien sind als erstes dran, man nimmt an, dass die anderen in der Zwischenzeit auf sie aufpassen. Mit ihrer grünen Farbe sind sie mit blossem Auge kaum von den Blättern der Bäume zu unterscheiden, nur ihr blauer Kopf sticht hervor. Von weitem sieht es aus, als würden die Bäume Blüten tragen, aber mit dem Fernglas sehen die Vögel zum Greifen nahe aus.
Fast übergangslos ist die nächstgrössere Papageienart an der Reihe. Erst danach sammeln sich die bunten und grossen Guacamayos in den Bäumen. Etwa 20 Stück von ihnen finden sich heute ein. Aber irgendetwas scheint sie erschreckt zu haben, denn sie kommen nicht herunter in die Wand. Zumindest nicht, solange wir da sind, denn wir werden schon vorzeitig von unserem Boot wieder abgeholt. Aus unserer Gruppe werden nämlich ein paar Leute per Flugzeug nach Cusco zurückkehren, und wir müssen zusehen, sie rechtzeitig zu Mittag am kleinen Flughafen von Boca Manu abzusetzen.
Mit einer Stunde Verspätung kommen wir am Flughafen an, die kleine Propellermaschine hat zum Glück solange gewartet. Wir winken noch hinterher, als der kleine Flieger über die Wiese hoppelt und sich in die Lüfte hebt, dann setzen auch wir unsere Rückreise fort.
In Boca Manu müssen wir das Boot wechseln, das gesamte Gepäck muss umgeladen werden, ausserdem verabschieden wir uns hier schon von unserem Bootsmann Felipe und seinem Assistenten Rani.
Als es zu dämmern beginnt, suchen wir uns einen schönen Platz am Strand, wo wir unsere Zelte aufschlagen. Noch bevor wir damit fertig sind, ist es schon wieder völlig dunkel. Werner hat ein Feuer angefacht, an dem wir nach dem Essen noch lange sitzen und den Tieren um uns herum lauschen.

12.07.2001
Unser letzter Tag. Gegen 15.00 müssten wir in Atalaya sein, wo wir in den Bus steigen, der uns noch heute Nacht bis Cusco bringen wird.
Aber der Fluss ist gewachsen, die Strömung, gegen die wir ankämpfen müssen, ist stärker geworden, noch dazu sind wir recht schwer beladen. Wir kommen nur langsam voran, und schon mit etwas Verspätung erreichen wir das Dorf, wo wir Brigitte wieder abholen.
Wenig später kommen wir an die nächste Stromschnelle. Das Boot bewegt sich auf einmal überhaupt nicht mehr vorwärts. Im Gegenteil, wir werden vom Fluss in die entgegengesetzte Richtung mitgerissen. Da bleibt uns schliesslich nichts anderes übrig, als von Bord zu gehen.
Immer noch hat unser neuer Bootsmann Mühe, das Kanu gegen die Strömung voranzubringen, aber mit Samuels und Werners Hilfe gewinnt er schliesslich doch den Kampf gegen den Fluss. Wir können wieder zusteigen, wenngleich wir dazu durchs Wasser waten müssen, denn an dieser Stelle kann das Boot nicht anlegen.
Als wir um 14.00 den ersten Ort erreichen, wo die Strasse endet, bestellt Samuel per Funk unseren Bus hierher, anstatt erst in Atalaya auf uns zu warten. Denn vor uns wird der Fluss noch rauher, da hätten wir mit unserem Boot keine Chance, heil und trocken durchzukommen.
Während wir die 2 Stunden abwarten, die der Bus hierher benötigt, nehmen wir ein letztes Bad im Fluss, Leo spült das ganze Geschirr, und die Zelte können im Freien trocknen.
Auf einmal ziehen dunkle Wolken auf, am Horizont blitzt es bereits. Wir haben gerade noch Zeit, uns und unseren Krempel in Sicherheit zu bringen, als es wie aus Kübeln zu schütten beginnt. Der Bus ist inzwischen längst überfällig. Eine Nachfrage per Funk ergibt, dass er kurz hinter Atalaya in einem zu durchquerenden Fluss steckengeblieben ist. Er wird uns also nicht mehr abholen können. Was nun?
Samuel und Werner heuern einen Truck an, und helfen noch, ihn zu entladen. Dann wird die Ladefläche mit unseren Matratzen ausgelegt, auf denen wir es uns bequem machen können.
Im Dunkeln treten wir die Weiterfahrt an. Zum Glück hat der Truck eine dichte Plane, sodass wir schön im Trockenen sitzen, während es draussen immer noch regnet. Ansonsten bekommen wir hier drinnen nichts mit von dem, was sich draussen abspielt. Nur das Holpern, mal schwächer mal stärker, weist auf den Zustand der Strasse hin.
Nach gut 3 Stunden Fahrt sind wir wieder in Pilcopata, wo wir schon unsere zweite Nacht verbracht hatten. Ein weiterer Aufenthalt hier war zwar nicht geplant, aber es ist bereits alles organisiert, und wir kommen in denselben Zimmern unter. Auch das Abendessen ist geregelt, unser Koch Leo hat heute abend frei, wir werden im Restaurant verköstigt. Angeblich ist sogar bereits ein neuer Bus aus Cusco unterwegs hierher.

13.07.2001
Aus den restlichen Eiern und Bananen hat Leo noch einmal ein Frühstück gezaubert. Dann erscheint tatsächlich der Bus, und nach etwa 8 Stunden fast ununterbrochener Fahrt ohne weiteren Vorkommnisse ist die Odyssee zu Ende, wir sind wieder in Cusco.
In unserem Hotel ist alles klar, unser Zimmer ist noch für uns reserviert, das Gepäck steht noch genauso da, wie wir es hinterlassen haben, und angeblich bekomme ich am Abend sogar die fehlenden Wäschestücke wieder.
Doch zunächst müssen wir einen Happen essen, nachdem alle Vorräte verzehrt waren und es unterwegs nichts mehr gegeben hat. Der anschliessende Blick in die Mailbox führt nur zur bereits bekannten Fehlermeldung. Wir können unsere Post also mal wieder nicht einsehen. Und natürlich ist auch meine Wäsche nicht wieder aufgetaucht. Mit der Waschfrau einige ich mich auf 20 Soles, die sie mir zahlen wird, und die nächste Ladung, mit dem ganzen dreckigen Zeug aus dem Dschungel, bekomme ich umsonst gewaschen. Damit kann ich leben, finanziell hab ich sicher kein schlechtes Geschäft gemacht, aber der Verlust schmerzt natürlich trotzdem.


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