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vom 25. Juni 2001

Blick auf Cusco

Sacsayhuaman...

...mit den riesigen Felsquadern

4 Tage altes Lama-Baby

der Zug nach Aguas Calientes

Machu Picchu

kitschig, aber wahr





Aguas Calientes

Trachten...

...am Markt von Pisac

die Ruinen von Pisac,...

...fast wie Machu Picchu

Schon wieder werden wir verwöhnt und bekommen zum Frühstück im Hostal Pacifico noch Spiegelei dazu.
Die weitere Strasse ist durchgehend asphaltiert, und das 40 km entfernte Juliaca ist die nächste Stadt, durch die wir kommen. Fanden wir in Puno die Rikschas, diese Fahrradtaxis, noch lustig und interessant, so werden sie hier zur echten Plage und Verkehrsbehinderung. Ich bin froh, als wir auf der anderen Seite wieder aus der Stadt hinausfahren.
Wenig später nehmen wir den Abzweig auf eine Nebenstrasse nach Lampa, in der Hoffnung, damit dem Asphalt ausweichen zu können. Dieser führt aber recht lange noch weiter, fast glaube ich schon nicht mehr daran, als die Strasse schliesslich doch noch in eine Piste übergeht. Das koloniale Dorf, das wir gegen Mittag erreichen, trägt auch den Beinamen 'Ciudad Rosada', weil fast alle Häuser rötlich gestrichen sind. Ein netter Anblick.
Obwohl auf der Landkarte eigentlich fetter eingezeichnet als die bisherige Strecke, ist die weitere Strasse nur noch ein Feldweg, der sich gelungen durch das herrliche Tal schlängelt. Endlich sind wir mal wieder ganz alleine, nicht ein Fahrzeug begegnet uns. Es sind nur ein paar Bauarbeiter unterwegs, die versuchen, den durch die Regenfälle malträtierten Weg wieder zu ebnen. Die dazu benötigte Erde schleppen sie in Sandsäcken herbei.
Wieder auf der Hauptstrasse überlegen wir erst noch, ob wir auch die nächste Nebenstrecke fahren sollen, durch einen Canyon und an einem See entlang. Aber die trotz des schönen Wetters zu dieser Tageszeit bereits tief sinkenden Temperaturen wirken sich doch arg negativ auf den Fahrspass aus. Wir wollen eigentlich nur noch so bald wie möglich ankommen, und dazu eignet sich nunmal die Asphaltstrasse am besten. So erreichen wir noch bei Tageslicht Sicuani, wo wir uns für die Nacht eine billige Bleibe suchen. Der bekannte Markt, den wir zu sehen hofften, findet leider nur sonntags statt. So begnügen wir uns uns mit einem Besuch im I-Cafe, und starten hier einen weiteren Versuch, an unsere Mails zu kommen. Aber wir bekommen dieselbe Fehlermeldung wie bisher, und kommen nicht mal auf die gesuchte Startseite. Und das nun schon seit Tagen! Selbst Michi, der sonst immer am lautesten über PC, Internet und E-mail geschimpft hat, kriegt auf einmal fast die Krise, dass er so von der Aussenwelt abgeschnitten ist.

26.06.2001
Bis Cusco sind es nur noch 150 km, das Wetter ist ok, also lassen wir den Tag gemütlich an. Es läuft auch alles ganz gut, die Strasse ist nagelneu, sie sind gerade mal dabei, die weissen Linien zu ziehen. Sehr befahren ist die Verbindung trotzdem nicht, sie wird eigentlich überwiegend für den Viehtrieb genutzt. Bepackte Esel, Kühe, Lamas und Schafe werden von den Bauern und ihren Hunden darauf entlang geführt.
Das Wetter schwingt auf einmal um, der Himmel sieht nicht gut aus, er ist schon wieder schwer bewölkt, und wir bekommen schon bald ein paar erste Regentropfen ab. Zum Glück bleibt es aber trocken, und gegen Mittag erreichen wir Cusco, die kulturelle Hauptstadt von Peru. Als wir an der Plaza stehen, um uns zu orientieren, werden wir gleich von allen Seiten belagert von Menschen, die uns alle was andrehen und verkaufen wollen, sei es nun eine Unterkunft, einen Ausflug, oder nur Postkarten und Zigaretten. Keine Ahnung wie, aber irgendwie schaffen wir es, uns von dieser Menschentraube zu befreien, und kommen schliesslich im Hotel Cahuide unter.
Den Nachmittag verbringen wir in der Stadt. Auf der Suche nach einer günstigen Möglichkeit, den Manu-Nationalpark besuchen zu können, klappern wir sämtliche Anbieter ab. Auch der Ausflug nach Machu Picchu will organisiert sein. Es gibt also jede Menge zu tun, und am Abend sind wir von der Hetze total erledigt.

27.06.2001
Gleiches Programm wie gestern. Wir suchen immer noch nach einem erschwinglichen Ausflug in den Regenwald, und stürzen uns gleich am Morgen wieder ins Gewühl. Das ist schon allein deswegen anstrengend, weil man ununterbrochen von Strassenverkäufern für Souvenirs, Bonbons, Zigaretten, Postkarten und ähnlichem verfolgt wird. Die Kellner wollen mit ihren Speisekarten hungrige genauso wie nichthungrige Turisten anlocken. Die Schuhputzer weisen ständig auf die ihrer Meinung nach total verdreckten Schuhe hin. Mit schüttelndem Kopf laufen wir durch die Gegend und erklären andauernd, dass wir nichts brauchen, dass die Schuhe gerade erst frisch geputzt wurden, dass wir sowieso nicht rauchen, etc.etc.
Aber so langsam gewöhne ich mich schon daran, muss mich eh auf andere Dinge konzentrieren. Auf der Suche nach weiteren Tour-Anbietern stehen Michi und ich plötzlich im Innenhof eines Hostals vor 4 deutschen Motorrädern. Wir treffen u.a. Robert und Claudia, denen wir schon in Potosí begegnet waren. Sie erzählen, dass sie gerade von einem solchen Trip in den Dschungel zurückgekommen sind, und sind ganz begeistert davon. Das macht uns natürlich noch heisser darauf.
Die Stimmung wird jedoch schnell getrübt, durch die schreckliche Nachricht, die sie noch haben. Wir erfahren, dass Klaus Mertmann, den wir in San Pedro und später nochmal kurz in Uyuni getroffen hatten, vor zwei Wochen auf dem Weg von Arequipa nach Juliaca tödlich verunglückt ist. Er stiess frontal mit einem Pick-Up zusammen, der im falschen Moment zum Überholen ausscherte.
Ich kann es kaum fassen, und weiss gar nicht, was ich sagen soll. Gerade gestern hab ich noch an ihn gedacht, und mich gewundert, dass wir schon solange nichts mehr von ihm gehört haben. Er müsste ja eigentlich auch jetzt hier in der Gegend sein, dachte ich.
Die anderen wurden wohl per e-mail von einem seiner Freunde angeschrieben, und waren daraufhin an der Unfallstelle, wo sie ihm auch ein Kreuz haben aufstellen lassen. Es ist einfach unfassbar, und ich möchte an dieser Stelle seinen Angehörigen und Freunden mein Mitgefühl aussprechen. Lange haben wir ihn ja nicht gekannt, aber wir haben ein paar nette Stunden zusammen verbracht, und er war einer von 'uns', die wir hier alle per Motorrad den Kontinent bereisen.
Die tragische Geschichte geht uns nicht mehr aus dem Kopf, aber wir müssen weiter. Mit den andern vier verabreden wir uns für den Abend zum Essen. Um 14.00 werden wir etwas abgelenkt, da werden wir zur City-Tour abgeholt, für die wir einen persönlichen Führer bekommen haben. Er bringt uns zu den vier wichtigsten Ruinen vor den Toren der Stadt. Am beeindruckendsten davon ist Sacsayhuaman mit den riesigen, tonnenschweren Felsblöcken, aus denen diese Festung erbaut wurde. Die Anlage erscheint auch heute noch riesig, obwohl nur noch 20% der einstigen Struktur stehen. Die eingefallenen Spanier haben den Grossteil der Steine abgetragen, um daraus ihre neuen Kirchen zu bauen.
Aber auch die kleineren Ruinen sind nicht uninteressant, wie z.B. Qenko mit ihren geheimnisvollen, symbolischen Gravuren, und den im zickzack verlaufenden Kanälen, die dem Ort seinen Namen gaben. Diese sollen für rituelle Opfergaben benutzt worden sein, und möglicherweise ist hier Blut durchgeflossen. Überhaupt lernen wir noch eine Menge über die Inkas und ihre Lebensweise.

28.06.2001
Kein festes Programm heute, wir haben also den ganzen Tag Zeit, um endlich die Ausflüge zu fixieren. Doch zunächst stärken wir uns bei einem ordentlichen Frühstück auf dem Balkon eines Cafes direkt an der Plaza de Armas. Ich geniesse es, gemütlich und in aller Ruhe hier in der warmen Sonne zu sitzen, ohne ständig von der Meute unten in den Strassen belästigt zu werden. Noch dazu leisten wir uns ausnahmsweise mal ein richtiges Luxus-Frühstück, mit köstlichem Pfannkuchen und Obstsalat. Wir lassen es uns richtig gutgehen, und leben wie Gott in Frankreich.
Wenig später ist auch alles Organisatorische so gut wie unter Dach und Fach. Bei EcoServiceTours (s. Link) buchen wir die 2-tägige Fahrt nach Machu Picchu und Aguas Calientes. Dazu müssen wir nur noch die Zugtickets am Bahnhof besorgen, und am Abend bekommen wir die Bustickets und den Voucher fürs dortige Hostal.
Bei Caiman S.A.C. schreiben wir uns für die neuntägige Dschungeltour ein, die am kommenden Mittwoch starten wird. Es müssen dazu nur noch ausreichend Leute zusammen kommen.
Unterwegs besorgen wir schliesslich noch die Karten fürs Konzert am Samstag. Am Wochenende findet nämlich das Festival Internacional de Cusco statt, das können wir uns doch nicht entgehen lassen.
Welche Erleichterung, nun endlich alles geregelt zu haben! Ab jetzt ist wieder Urlaub angesagt, denn die letzten 3 Tage waren schon ziemlich stressig.

29.06.2001
Schon um 7.00 früh werden wir vom Taxi abgeholt, der uns zum Bahnhof bringen soll. Der Taxler scheint aber noch verschlafener zu sein als wir, denn bei einem Übrholmanöver schert er zu früh wieder ein und streift voll die überholte Strassenkehrmaschine. Trotz ganz offensichtlich eigener Schuld diskutiert er noch lautstark und lange mit dem Stadtarbeiter. Uns bleibt nichts anderes übrig, als ein anderes Taxi zu nehmen, wenn wir den Zug nicht versäumen wollen.
Hier vor dem Bahnhof herrscht schon lebhafter Tumult. Alle wollen wie wir nach Machu Picchu. Wir lernen kurz unseren Führer kennen, der aber gleich wieder in der Menge verschwindet. Momentan brauchen wir ihn aber auch noch nicht, unsere numerierten Plätze im bequemen Turi-Zug haben wir schnell gefunden.
Erstaunlicherweise fährt der Zug fast pünktlich ab. Aus Cusco windet er sich pendelnderweise nach oben hinaus, bevor es durch das Urubamba-Tal entlanggeht. Zunächst sieht die Landschaft noch aus wie in den Alpen, doch schon bald wird die Vegetation reicher und wir kommen in den Urwald.
Am berühmten km 88 steigen die ganzen Trekker aus, die in 2-4 Tagen den Inka-Trail für sündhaft teures Geld hinaufwandern werden. Die peruanische Regierung hat nämlich dieses Jahr den Eintrittspreis mehr als verdoppelt.
Das Tal wird immer enger, die Berge, die neben uns aufragen, immer höher, bis wir in Aguas Calientes mit etwa einer Stunde Verspätung ankommen. Keine Ahnung, wo wir diese Zeit verloren haben.
Hier steigt man um in den genauso wie alles andere total überteuerten Bus, der uns in 20-minütiger Fahrt die Serpentinenstrasse hinaufbringt zur alten Inka-Stadt.
Ich war zwar vor ein paar Jahren schon mal hier, aber diese Aussicht vom höchsten Punkt hinab auf die Ruinen ist immer wieder überwältigend. Genauso wie die Vorstellung, wie diese Leute damals mit nur primitivsten Werkzeugen diese Stadt hier oben auf dem Bergrücken errichten konnten. Und man frägt sich immer wieder, was wohl geschehen sein mag, dass der Ort einfach verlassen, aufgegeben und vergessen wurde. Es gibt darüber viele verschiedene Theorien, aber genaues weiss niemand. Tatsache ist nur, dass vor Ankunft der Spanier im 16. Jhdt. der sterbende Inka sein Reich unter seinen beiden Söhnen Atahuallpa und Huascar aufteilt. Beide wollen aber über das gesamte Reich herrschen und beginnen einen Bürgerkrieg. Atahuallpa besiegt schliesslich den in Cusco regierenden und von seinem Volk geliebten Huascar. Das Volk richtet sich daher gegen den nun alleine herrschenden Atahuallpa. In der Zwischenzeit dringen die Spanier immer weiter vor, angeführt von Pizarro. Er nutzt die angespannte politische Lage aus, die Krieger der Inkas sind immer noch geschwächt, und sowieso den berittenen und mit Feuerwaffen ausgestattenen Spaniern unterlegen. Daher ist es für Pizarro ein Kinderspiel, Atahuallpa gefangen zu nehmen, und schliesslich auch umzubringen. Dieser Akt wiederum versöhnt das immer noch um den verlorenen Inka Huascar trauernde Volk, das nun glaubt, die Spanier kämen als Freunde. Unter dem nun regierenden, noch jungen Halbbruder Manco gewinnen sie immer mehr Macht, bis dieser drei Jahre später merkt, was Sache ist und in welcher Absicht die Spanier wirklich gekommen sind. Er will ihnen ihre inzwischen erworbenen Rechte wieder entziehen. Doch zu spät. Bei einer letzten Schlacht in Sacsayhuaman kommt zwar Pizarro ums Leben, denoch gewinnen die Spanier, und die Inkas müssen flüchten. Sie ziehen sich zunächst nach Ollantaytambo und schliesslich in den Dschungel bis Vilcabamba zurück. So wird angenommen, dass auf diesem Weg des Rückzugs wohl auch Machu Picchu eilig verlassen wird. Aber vieles bleibt natürlich immer noch ein Geheimnis.
Unser Führer erklärt uns die einzelnen Bereiche der Anlage, die landwirtschaftlichen Terrassen, der Friedhof, der heilige Platz, der Sonnentempel mit den Altaren, die königlichen Gräber etc.etc. Das Ganze dauert über 2 Stunden, und während die meisten danach schon gleich wieder zurück zum Zug müssen, haben wir noch etwas Zeit, um uns in aller Ruhe einen gemütlichen Platz zu suchen, von wo aus wir den Sonnenuntergang beobachten.
Mit dem letzten Bus fahren wir zurück nach Aguas Calientes, wo wir unser Hostal Machu Picchu aufsuchen und unser reserviertes Zimmer beziehen. Das Hostal liegt direkt am Fluss, und nach dem Abendessen, das wir in einem der Restaurants direkt am Bahnsteig einnehmen, schlafen wir selig ein, mit dem Rauschen des Wassers im Hintergrund.

30.06.2001
Unser Zug geht erst um 16.30 zurück nach Cusco. Wir haben also jede Menge Zeit. Schon morgens ist es angenehm warm, und so frühstücken wir im Freien, wieder am Bahnsteig. Anschliessend schlendern wir durch den kleinen Ort, der mit seinen ganzen Souvenirständen aus den Nähten zu platzen droht. Etwas abseits des Zentrums suchen wir nach mehr Ruhe, und auf einmal stehen wir am Eingang zu den heissen Quellen. Wenn wir schon mal hier sind, dann nutzen wir auch die Gelegenheit, und gehen zum Baden. Es ist eine echte Wohltat, die unterschiedlich heissen Wasserbecken, dazu die von oben wärmende Sonne, und das Ganze mittendrin unten im schmalen Tal, wo man sich winzig klein vorkommt, so wie um uns herum sich die dicht bewaldeten Berge hoch hinaus erheben. So hoch, dass die Sonne schon kurz nach Mittag dahinter verschwindet, und alles in den Schatten taucht.
Da wechseln wir doch lieber ins nächstgelegene Restaurant, denn wenn wir erst einmal im Zug sitzen, dann werden wir für heute nichts mehr zu essen bekommen, denn in Cusco werden wir erst so spät ankommen, dass wir vom Bahnhof gleich zum Konzert fahren. Wenn der Zug mal bloss keine Verspätung hat heute!! Immerhin fährt er schon mal fahrplanmässig los.
Ohne grosse Verzögerung kommen wir auch in Cusco an! Nun geht das Gerangel ums Taxi los. Die meisten Taxler versuchen nämlich bei den Turis ihr Glück und verlangen einfach den doppelten Preis. Aber nicht mit uns! Der dritte Fahrer ist schliesslich bereit, uns für 2 Soles, dem normalen Fahrpreis, zum Konzert zu fahren.
Nachdem wir den Sicherheitsbereich durchlaufen haben und nach unerlaubten mitgebrachten Gegenständen durchfilzt worden sind, staunen wir nicht schlecht, als wir das riesige Gelände betreten. Wir sind hier auf einem richtig professionellen Open-Air, das den Vergleich mit Europa nicht zu scheuen braucht. Eine schöne Showbühne mit grosser Videoleinwand, drum herum unzählige Stände mit Getränkeausschank und Imbissbuden. Die Bühne wird gerade umgebaut für den Auftritt der Argentinierin Natalia Oreira. Erst danach tritt die Gruppe Mosca Tse Tse auf. Die Menge gröhlt und jubelt. Die Stimmung steigt stetig, mit jedem Lied, das sie anstimmen. Gruppenweise hüpft und springt das Publikum total durchgeknallt auf und ab, und hin und her. Niemand bleibt verschont, alle Umstehenden werden mitgerissen. Auch wir können uns dem Zirkus nicht entziehen, und müssen mitmachen. Nur kann ich dem leider nichts spassiges abgewinnen, ich konzentriere mich nur noch darauf, bei dem Gedränge, Geschubse und Gezerre nicht das Gleichgewicht zu verlieren und auf beiden Füssen zu bleiben, und hoffe nur noch darauf, dass der Reigen bald ein Ende haben möge. Schade eigentlich, denn die Musik ist wirklich gut. Aber vom Publikum total genervt, flüchten wir nach diesem Auftritt. Uns reicht's, wir warten die letzte Band gar nicht mehr ab, und laufen zu nächtlicher Stunde zu Fuss durch die Strassen und Gassen zum Hotel zurück.

01.07.2001
Beim Frühstück treffen wir schon wieder auf die anderen Moppedfahrer, die sich inzwischen noch mehr vermehrt haben. Dazugestossen sind Jürgen und Dirk, die sich auf Weltreise befinden zugunsten von Polio. Den Spanier Mario haben sie in Bolivien kennengelernt, woraufhin der sich spontan eine 250-er Honda gekauft hat und sich ihnen angeschlossen hat, obwohl er bisher noch nie auf einem Motorrad gesessen hatte. Silke, die derzeit in Antofagasta (Chile) ein Praktikum macht, und mit der ich früher schon gemailt hatte, ist bloss auf ein Treffen hier, weil sie vielleicht Claudias Mopped kaufen wollte. Das hat sich zwar längst erledigt, aber nun kann sie wegen dem Erdbeben in Arequipa nicht zurück, immer noch sind die Strassen dort blockiert.
Silke mietet sich heute ein Mopped, denn die vier beabsichtigen einen ähnlichen Ausflug wie Michi und ich. Sie starten bloss früher, weil sie sich unterwegs noch die Ruinen ansehen, die wir bereits kennen. Aber das Endziel ist dasselbe, wir wollen alle ins 30 km entfernte Pisaq, zum Sonntagsmarkt, der angeblich sehr interessant sein soll. Tatsächlich gibt es jede Menge zu entdecken und zu bestaunen. Zum Glück kann ich auf dem Mopped eh nichts mitnehmen, sonst würde ich hier mein ganzes Geld in Kunsthandwerk investieren.
Stattdessen fahren wir noch weiter zu den Ruinen, die ähnlich wie Machu Picchu auf einem Bergsattel liegen. Nur laufen hier längst nicht so viele Turisten rum, und es geht viel geruhsamer zu. Daher treten wir auch erst den Rückzug an, als die ersten Regentropfen fallen. Wir halten nur nochmal am Markt, um dort eine Kleinigkeit zu essen. Wir bekommen aber eine solch grosse Portion serviert, dass nicht mal Michi sie ganz schafft, obwohl dieses undefinierbare vegetarische Irgendwas wirklich köstlich schmeckt.
Zum Glück hat der Regen es sich nochmal überlegt, und es bleibt trocken. Sonst wäre ich heute ziemlich nass geworden, denn ich hab für den kurzen Ausflug in die nahe Umgebung mal ganz auf meine Ausrüstung verzichtet, und bin in normaler Strassenbekleidung unterwegs.

02.07.2001
Mit Dirk, Robert und Claudia haben wir uns für 9.00 verabredet. Dirk kennt eine ganz gute Werkstatt, zu der er uns alle führen will. Violeta klappert schon lange ziemlich fürchterlich, und Claudias Mopped klingt ganz ähnlich.
Die Werkstatt hat allerdings noch zu, und der Mechaniker ist auch telefonisch nicht zu erreichen, obwohl sein Nachbar uns die Nummer gibt. Die nächste Werkstatt, die wir finden, macht alles andere als einen vertrauenswürdigen Eindruck, und wir wollen schon fürs erste aufgeben, erstmal frühstücken, bevor wir einen weiteren Anlauf starten. Auf dem Weg zurück ins Zentrum begegnen wir aber einheimischen Moppedfahrern, die uns zu Moto Cupallca schicken, ein paar Blöcke weiter.
Dieser Mechaniker macht von Anfang an einen kompetenten Eindruck. Bei Claudia bestätigt er unseren Verdacht der zu langen Steuerkette und empfiehlt, den Spanner zu verlängern. Nachdem er sich Violeta angehört hat, schliesst er hingegen eher auf einen Defekt an der Ölpumpe. Wir sollen am Abend wiederkommen, bis dahin hätte er sie sich angeschaut und könne genaueres sagen. Erst aber knöpft er sich Claudias Mopped vor, die beiden haben es schliesslich eiliger, sie wollen morgen schon mit Michael und Franca weiter nach Nazca fahren.
Nun haben wir uns unser Frühstück aber wirklich verdient, und danach müssen wir eigentlich nur noch ein paar Dinge für unseren Dschungeltrip erledigen. Wir müssen Kopien vom Pass machen lassen, und wir brauchen noch Mückenschutz.

03.07.2001
Der erste Weg führt wieder in die Werkstatt, nachdem wir gestern doch nicht mehr dort waren. In der Tat ist die Ölpumpe der Schadensauslöser, die Kipphebel und die Nockenwelle sind wegen Ölmangel total verschlissen. Das stellt aber weiter kein Problem dar, kann man alles wieder dranschweissen. Kostenpunkt: ca. DM 100.-, das kann ich verkraften. Bis ich aus dem Dschungel wiederkomme, ist sie wieder fertig. Das wäre also auch erledigt.
Fehlt nur noch die Wäsche, die ich gleich in der Früh abgegeben habe. Ursprünglich hiess es, ich bekäme sie um 13.00 wieder, nun muss ich noch bis 17.00 warten.
Bei Caiman S.A.C. erfahren wir, dass wir um 19.00 ein Briefing haben, in dem wir schon mal unseren Führer Samuel kennenlernen, und wo alle Fragen zur bevorstehenden Tour geklärt werden. Samuel erscheint auf Anhieb sehr sympathisch, spricht perfekt englisch, -was mich persönlich allerdings nicht sonderlich begeistert-, und er will vor allem wissen, was sich ein jeder von uns von dieser Tour verspricht, damit er unterwegs auch auf die unterschiedlichen Interessen eingehen kann.
Nun wird's zeitlich aber langsam eng. Ich muss noch packen, es wird 17.30, meine Wäsche ist immer noch nicht da. Angeblich kommt sie jetzt erst um 19.30. Toll, da bin ich nicht mehr im Haus, und muss die Packerei auf nachher verschieben. Der neue Zeitplan entspricht nicht ganz meiner Vorstellung, aber was soll ich machen!
Auf der Strasse begegnen wir Jürgen und Dirk, und wir verabreden uns für 23.00 in einer Diskothek an der Plaza. Ich bin schon ewig nicht mehr ausgegangen, und freu mich schon richtig darauf. Aber erst gehen wir noch zum essen, und ich muss noch ins I-Cafe.
Als ich danach im Hotel meine Wäsche wieder bekomme, ist sie doch tatsächlich nicht komplett, es fehlen ein paar Teile! Und das gerade jetzt, wo ich für längere Zeit nicht da sein werde. Ich gebe zwar in der Rezeption Bescheid, aber ich glaube nicht wirklich daran, die Sachen nochmal wiederzusehen.
Was soll's, jetzt ist erstmal Dancing angesagt!! Eigentlich will ich gar nicht lange bleiben, denn ich hab immer noch nicht gepackt, und morgen müssen wir ganz früh raus. Aber die Musik ist zu gut, es macht total Spass, ich kann jetzt noch nicht hier weg. Egal, dass im Hotelzimmer das Chaos herrscht und überall mein Zeug verstreut liegt, das räume ich jetzt eh nicht mehr auf, ich bleibe einfach noch ne Weile hier. Um halb drei stehle ich mich schliesslich durch die einsamen Strassen zurück ins Hotel, wo Michi schon lange schläft.


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