zur startseite

kindernothilfe

ausrüstung

guestbook
portrait vorbereitungen
die tour
links

Chile
Argentina
Bolivia

Ecuador
Colombia
Venezuela

unterwegs in




vom 22. Juni 2001

Hostal Pacifico

die Uros

Schilfsbootsfahrt

die Gesichter der Boote

Schilf und Fisch

Zuhause auf Amantaní

unser Essen

unsere Gastgeber

Männer auf Taquile

die bunten Röcke

Wieder mal sind wir bereits gewarnt und wissen, dass bei der Einreise vor allem von Motorradreisenden Gebühren verlangt werden, die aber illegal sind und in des Zöllners eigenen Geldbeutel fliessen. Also sind wir schon gespannt, was uns nun hier erwartet.
Wie immer zunächst Passkontrolle. Hier müssen wir lediglich etwas warten, weil gerade zwei Reisebusse abgefertigt werden. Sowas kann dauern. Aber zu unserer Überraschung sind wir früher als erwartet schon an der Reihe. Das übliche Prozedere: erst Zettel für's Turi-Visum ausfüllen, dann Stempel in den Pass, bevor wir weiter geschickt werden zur Zollkontrolle gegenüber. Die wissen erst gar nicht, was wir von ihnen wollen, wir müssen sie erst darauf aufmerksam machen, dass wir mit Motos einreisen wollen. Damit haben wir ihr Interesse geweckt, sie sind aber lediglich an unserer Reisestory interessiert, woher wir kommen, wie lange schon unterwegs, bis wohin, etc.etc., der übliche Fragenkatalog. Selber müssen wir dann ein Antragsformular ausfüllen, mit allen möglichen Daten das Mopped betreffend. Nun dauert es eine Weile, weil wir ein weiteres, sehr wichtig aussehendes Papier ausgestellt bekommen, welches in Ermangelung von Blaupapier jeweils zweimal geschrieben werden muss. Dieses Papier sollten wir bei künftigen Kontrollen innerhalb des Landes immer vorzeigen, so erklärt man uns. Und damit sind wir auch schon entlassen. Freundlich wünschen uns die Beamten noch viel Glück und eine gute Fahrt. Das war's, keine Gebühren, keine Schikane, nichts dergleichen.
Brav halten wir uns auf dem weiteren Weg an alle uns bekannten Verkehrsvorschriften und Geschwindigkeitsbegrenzungen, denn auch von den peruanischen Verkehrspolizisten haben wir schon so einiges gehört. Nichts Gutes. Auch sie sollen einem illegale Bussgelder abknöpfen wollen, ob man nun wirklich gegen irgendeine Regel verstossen hat oder nicht.
Es dauert auch gar nicht lange, da geraten wir in eine erste Kontrolle. Und prompt werden ausgerechnet wir an den Strassenrand gewunken.
Oh oh, jetzt sind wir sicher fällig. Wir wissen nun zwar, dass es illegal ist, Bargeld zu verlangen, aber wir wissen nicht, wie man sich wohl erfolgreich dagegen wehrt!
Zu unserer Verblüffung wollen die beiden aber nichts dergleichen von uns. Auch sie sind nur neugierig. Sie schütteln uns die Hand, und verabschieden uns fröhlich. Unsere Frage, wie weit es noch bis Puno sei, beantworten sie scherzhaft damit, dass wir die fehlenden 40 km leicht in 10 mins geschafft haben würden. Wieder mal können wir die Schauermärchen über die peruanischen Beamten überhaupt nicht bestätigen. Ob es vielleicht was damit zu tun hat, dass ich ein chilenisches Kennzeichen habe?
Wie auch immer, inzwischen hat sich der Himmel vor uns besorgniserregend verdüstert, und es sieht schwer nach Regen aus. Darauf sind wir gar nicht eingestellt. Mal von dem warmen Niesel im Regenwald abgesehen, können wir uns gar nicht mehr erinnern, wann es das letzte Mal richtig geregnet hat. War das in Patagonien? So ohne die Sonne ist es gleich auch wieder bitterkalt. Kein Wunder, schliesslich haben wir nun auch offiziell seit gestern Winter. Schon wieder frieren mir fast die Finger ab. Immerhin ist die Strasse asphaltiert, und wir sind tatsächlich bald in Puno, wenn es auch etwas länger als 10 mins gedauert hat.
Erneut kommen wir recht luxuriös unter im Hostal Pacifico. Die voll mit Holz getäfelten Zimmer haben privates Bad und sogar Kabel-TV, und, was noch viel schöner ist, sie duften nach Weihnachten und Schihütte. Die neuen und guten Betten mit den warmen Decken verstärken diesen Eindruck noch. Hier bleiben wir!
Unsere Motos kommen im Hinterhof unter, und stehen zum Glück unter Dach. Wir haben nämlich noch nicht mal unser ganzes Zeug abgeladen, da beginnt es auf einmal heftig zu graupeln und zu schneien!! So gerade eben sind wir also noch rechtzeitig ins Trockene gekommen, welch ein Glück! Bei dem Wetter gibt es nichts Gemütlicheres, als sich aufs Zimmer ins warme Bett zu verkriechen.
Ganz bleibt uns das miese und für diese Jahreszeit -die Trockenzeit- völlig untypische Wetter aber leider nicht erspart. Wir müssen nochmal hinaus, denn wir brauchen peruanisches Geld und müssen heut noch den Ausflug für morgen auf die Schilfinseln organisieren. Und was sein muss, muss sein.
In den Strassen riecht es überall nach Moder, nach nasser Wolle. Kein Wunder, so schnell wie der Schauer losbrach konnten die ganzen Händler all ihre Wollsachen gar nicht in Sicherheit bringen.
Nachdem wir einen Bankautomaten gefunden haben, der uns wenn auch etwas widerwillig, schlussendlich doch die gewünschte Menge an peruanischen Soles ausspukt, können wir bei EcoAdventure Trips günstig und unerwartet einen 2-tägigen Ausflug buchen. Damit ist alles geregelt, wir können beruhigt zum gemütlichen Teil des Abends übergehen. Nach dem Essen legen wir zum ersten Mal auf dieser Reise einen dekadent gemütlichen Fernsehabend im Bett ein, und ziehen uns irgendeine amerikanische Schnulze rein. Muss auch mal sein.

23.06.2001
Langsam artet das alles in Stress aus. Schon wieder müssen wir zeitig aufstehen, um 8.15 werden wir abgeholt. Zuvor gibt es noch Frühstück im Hostal.
Die Bootsfahrt ist diesmal kürzer, nach einer knappen Stunde erreichen wir die berühmten Schilfinseln der Uros. Wirkliche Eingeborene gibt es heutzutage zwar nicht mehr, die einstigen Uros haben sich mit den anderen Kulturen vermischt. Aber die Bewohner der Insel haben sich bis heute ihre alte Lebensweise erhalten. Es gibt hier insgesamt etwa 40 Inseln, allesamt aus reinem Schilf errichtet, etwa 1 m dick ist dieser schwimmende Untergrund, auf dem die Leute ihre Schilfhütten erbaut haben. Sie leben total einfach, es gibt hier kein Klo, das geht alles direkt in den See, woraus sie auch ihr Trinkwasser nehmen. Dennoch blieben die Uros von den Epidemien der Cholera verschont, von denen ganz Peru einst heimgesucht wurde. Offenbar vermag das Schilf das Wasser wieder zu reinigen. Genauso wie es gut sein soll für die Zähne, denn statt Zahnpasta zu benutzen, essen die Uros vom Schilf.
Überwiegend leben die Leute hier vom Fischfang, und auch ihre Boote bauen sie aus Schilf. Michi und ich gönnen uns den Spass, in einem solchen Boot zur nächsten Insel mitzufahren. Lautlos gleitet es über den Titicacasee, und wir wollen eigentlich gar nicht mehr zurück ins schnellere, aber viel lautere Motorboot.
Nachdem wir auch auf der 2. Insel Zeit genug hatten, uns mit Andenken zu versorgen, lassen wir schliesslich die Schilfinseln hinter uns, und fahren weiter, auf den offenen See hinaus. Nach 3 Stunden erreichen wir die Insel Amantaní, wo unsere Gastgeber schon am Landesteg auf uns warten. Wir werden nämlich die Nacht auf dieser Insel verbringen, und werden dazu bei einheimischen Gastfamilien untergebracht. Noch hier im Hafen erfolgt gleich die Aufteilung auf alle Familien. Michi und ich werden einer alten, kleinen Oma zugeteilt. Sie spricht wie alle älteren Frauen hier kein spanisch, nur quechua. Das macht die Verständigung leider etwas schwierig. Das seltsame Begrüssungswort, welches uns unser Führer vorher extra beigebracht hat, haben wir natürlich schon wieder vergessen. Stattdessen hat das alte Tantchen schon etwas gelernt, und auf ihr Kommando 'Vamos' trotten wir ihr hinterher auf dem Weg zu ihrer Hütte, und versuchen ihr zu folgen. Aber sie ist in ihren alten, offenen Sandalen noch ganz schön fit und trittsicher, ich tue mich schwer, mit ihr Schritt zu halten, und komme ganz schön ins Schnaufen, wie es so den Berg hinan geht. Hier gibt es weder Autos noch Strassen, nicht mal Fahrräder, es geht über schmale Pfade und Stufen, über Terrassenfelder und über Mauern aus aufgeschichteten Steinen, immer weiter bergan, bis wir schliesslich zuhause ankommen. Im oberen Stock dieses von Geranien bewachsenen Hexenhäuschens weist sie uns unser Zimmer zu, in dem ich soeben noch aufrecht stehen kann. Die Tür dazu reicht mir nicht mal bis zur Schulter.
Da stehen wir nun, unsere Oma ist unten irgendwo verschwunden. Und nun? Angeblich soll es hier ein Mittagessen geben. Wir warten einfach mal ab, was passiert, setzen uns vor der Tür in die Sonne, und geniessen die Wärme und den herrlichen Ausblick von hier über die Felder hinweg auf den See, während wir das Geschehen unter uns beobachten.
Da erscheint Raúl, der 12-jährige Sohn, er stellt sich uns vor, spielt uns auf seiner Panflöte 'Frere Jacques' vor und erklärt uns den weiteren Ablauf. In der Tat gibt es gleich hausgemachtes Mittagessen, bestehend aus einer köstlichen Suppe, danach Reis, Bratkartoffeln und Spiegelei, zum Abschluss eine Tasse Muna-Tee. Man taucht einfach ein paar Spitzen dieses Strauches ins heisse Wasser. Riecht sehr intensiv, schmeckt ein bisschen wie Minze, nur noch viel besser, und soll auch gesünder sein als Coca. Jedenfalls schmeckt alles vorzüglich, und wir könnten noch ewig hier in der Sonne sitzen, so ruhig und beschaulich ist hier alles. Zumindest für uns, denn für die Bewohner, die alles andere als wohlhabend sind, ist das Leben hier ziemlich hart. Sie leben hauptsächlich von der Landwirtschaft, unsere Familie besitzt 6 Schafe und ein paar Hühner. Sie haben zwar sogar einen Fernseher, der nutzt ihnen nur leider gar nichts, weil es seit 3 Jahren schon keinen Strom mehr gibt auf der ganzen Insel.
Das alles erzählt uns Hilda, die 24-jährige Tochter. So alt kann also die Oma eigentlich noch gar nicht sein. Auch Hilda läuft in alten, kaputten Sandalen, und auf dem Rücken trägt sie im Bündel noch ihren 2-jährigen Sohn. Trotzdem ist auch sie trittsicherer als wir, und wieder kommen wir kaum hinterher, als sie uns pünktlich um 16.00 zur Plaza geleitet, wo sich die ganze Gruppe wieder trifft.
Als nächstes steht der Besuch des Tempels Pacha Tata an. Hierher kommen die Indios nur einmal im Jahr, zu San Sebastian am 20. Januar, um ihre Zeremonien abzuhalten. Heute beobachten wir hier nur noch den Sonnenuntergang, der wirklich schön ist, aber wir müssen zusehen, dass wir rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit wieder unten sind, denn Michi und ich haben keine Taschenlampe dabei.
Raúl holt uns wieder ab und führt uns durch das Insellabyrinth zurück nach Hause. Anlässlich des heutigen Festes von San Juan gibt es nach dem Essen am Abend Musik und Tanz im Dorf. Mittlerweile ist es richtig dunkel, und zum Glück hat Michi seine Mini-Maglite gefunden, damit können wir immerhin in etwa erkennen, wo wir hintreten, während Hilda überhaupt keine Probleme hat, völlig im Dunkeln über Stock und Stein zu laufen.
Die Musiker verspäten sich so sehr, dass wir schon fast glauben, dass das Fest wohl ausfällt. Aber dann geht's auf einmal richtig zur Sache in dem nur von ein paar Kerzen erleuchteten 'Festsaal'. Die etwa 6-jährigen Mädels in ihren Trachten werden nicht müde, uns arme Turis zum Tanz aufzufordern. Wir bekommen kaum noch eine Verschnaufpause, bis Michi genug hat, und wir noch vor 22.00 schon wieder den Heimweg antreten.

24.06.2001
Auch heute ist wieder um 8.00 Abfahrt. Rechtzeitig um 7.00 bringt Raúl uns das Frühstück, trockenes Brot und Muna-Tee.
Die (gar nicht so) alte Oma, der Michi zum Abschied 10 Soles (6 DM) Trinkgeld gibt, fällt ihm zum Dank fast um den Hals, wenn er nicht so gross wäre. Dann bringt sie uns zurück zum Hafen, wo langsam auch alle anderen eintrudeln.
Eine gute Stunde dauert die Überfahrt zur nächsten Insel, Taquile.
Auch hier haben die Einwohner ihre besonderen Traditionen beibehalten, die sich in ihrer Kleidung widerspiegeln. Immer noch erkennt man die unverheirateten Mädchen an den bunten Röcken und an ihrer Art, das typische lange Kopftuch zu tragen, während die verheirateten Frauen schwarze Röcke tragen. Die ledigen Männer erkennt man an den Mützen mit der weissen Spitze, und die verheirateten tragen eine bunte Mütze. Ausserdem ist es nur den verheirateten Männern erlaubt, den speziellen Beutel für die Coca-Blätter, die sich die Männer zum Gruss austauschen, zu tragen. Die Ledigen tun die Blätter einfach in ihre Mütze.
Aber das ist noch nicht alles. Hier scheinen auch die Rollen vertauscht zu sein, denn nur den Männern ist es erlaubt, zu weben und zu stricken. Daher sieht man sie auch überall strickenderweise herumstehen und -sitzen, wenn sie sich zum Plausch an der Plaza treffen. Schliesslich gelten hier immer noch die 3 Inka-Gesetze, von denen eines lautet: du sollst nicht faul sein. Auch die anderen beiden, 'man soll nicht lügen' und 'nicht stehlen', werden wohl eingehalten, denn es gibt hier keine Polizei und keine Hunde.
Dass die Leute wirklich nicht faul sind und in viel besserer körperlicher Kondition sind als unsereiner, wird uns eindeutig wieder klar, als es zum Abstieg an den Hafen geht. Hier führen über 500 Stufen hinunter, oder hinauf. Uns Touristen kann man die wohl bergauf nicht zumuten, weswegen die Ausflugsboote ihre Leute im Ausweichhafen absetzen und im echten Hafen abholen. Die Einheimischen hingegen schleppen alles, was auf der Insel an Gütern ankommt, in ihren Tüchern auf dem Rücken über diese Treppen nach oben. Unglaublich!!
Den Nachmittag verbringen wir an Bord, denn über 3 Stunden dauert die Rückfahrt an Land. Vom Mini-Bus werden wir zum Hostal zurückgebracht, wo wir diesmal ein noch schöneres Zimmer bekommen, mit breiter Fensterfront und Ausblick vom Bett aus über die ganzen Lichter der Stadt. Hier sehen wir auch im Fernsehen die ersten Bilder des schweren Erdbebens in Arequipa, von dem wir aber auf dem See gar nichts mitbekommen haben. Das gibt den letzten Ausschlag, dort nicht hinzufahren, und uns gleich weiter nach Norden nach Cusco zu begeben.


zur ersten etappe zur vorigen etappe zurück zur übersicht
zur nächsten etappe


start portrait kindernothilfe vorbereitungen ausrüstung die tour links back to top