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unterwegs in




vom 16. September 2001

die Vulkanstrasse

auf dem Markt von Sto. Domingo

meine Cabana

Fischer...

...und Pelikane...

...am Strand

die Flussmündung

in der Hitze des Morgens

pura vida

Beim Frühstück eröffnet mir Michi überraschend, dass er in Quito bleiben will, um einen Spanischkurs zu belegen. Einerseits kann ich ihn durchaus verstehen, hatte es mich selber schon ziemlich genervt, dass er nach inzwischen mehr als acht Monaten immer noch nur wenig versteht, geschweige denn selber zum Ausdruck bringen kann. Ihn selbst muss das noch bedeutend mehr stören. Andererseits muss da wohl mehr dahinterstecken, so plötzlich wie er sich das überlegt hat.
Anyway, es ist seine Entscheidung, und die muss ich akzeptieren. Es ist sicher wirklich am besten so, auch wenn wir uns in letzter Zeit wieder richtig gut verstanden haben und die Trennung jetzt nicht ganz leicht fällt, nach so langer Zeit zusammen. Denn zwar würde auch mir eine Reisepause sicher gut tun, aber ich kann mir einen längeren Aufenthalt in Quito leider nicht leisten. Ich werde wie geplant heute noch weiterfahren, und wir werden künftig getrennte Wege gehen, nachdem wir es also gerade bis zur Mitte der Welt noch gemeinsam geschafft haben.
An den neuen Gedanken, ab jetzt alleine unterwegs zu sein, muss ich mich erst noch gewöhnen, und die Aufbruchstimmung sinkt zunächst gegen Null. Manches werde ich auch neu organisieren müssen. Als erstes telefoniere ich mit Ricardo, um ihn nach Marcels Hostal zu fragen, wo Michi sich für die nächste Zeit einquartieren möchte. Ich hingegen will heute noch wenigstens bis Santo Domingo fahren, auf halbem Weg zur Küste. Ricardo hat dort ein Hotel, wo ich unterkommen kann.
Ein letztes gemeinsames Essen in unserem Stammlokal, danach noch fertig packen, dann setzen wir uns -eigentlich wie immer, aber irgendwie doch ganz anders- auf die Moppeds und fahren los. Zunächst noch gemeinsam, denn ich begleite Michi noch zu seinem neuen Zuhause.
Hier wartet nun endgültig der Moment des Abschieds. Wir machen's kurz, wünchen uns einander Glück für die weitere Reise, und den Tränen nahe werfe ich noch einen letzten Blick auf Michis Stadtplan, ich muss mich ja jetzt alleine zurechtfinden. Dann geb ich Gas, und lasse Michi hinter mir zurück.

Es ging alles so schnell, dass ich mir gar nicht sicher bin, ob ich wirklich schon begriffen habe, was eigentlich gerade passiert ist, und was es für die restliche Reise bedeutet. Aber ich habe zum Glück nicht viel Zeit zum Nachdenken, ich muss mich auf den Verkehr konzentrieren. Ich muss nach Süden aus der Stadt, zunächst die ersten 30 km auf der Vulkanstrasse, über die wir bereits nach Quito gekommen waren. Und diesmal erkenne ich auch, woher sie ihren Namen hat. Gleich mehrere schneeweisse Kegel strecken sich dem blauen Himmel entgegen. Welch eine Landschaft! Schade, dass Michi das jetzt nicht sehen kann.
Rechts von mir jedoch, dort, wohin ich bald abbiegen muss, hängen ziemlich tief bereits besorgniserregend unfreundliche, dunkle Wolken. Ich fahre voll ins schlechte Wetter hinein. es dauert auch gar nicht lange, bis es zu regnen beginnt, und ich wieder mitten in einer dichten Nebelsuppe stecke. Trotz dieser widrigen Umstände überkommt mich ab und zu ein Gefühl der totalen Freiheit, das sich noch mit dem Schmerz der Trennung abwechselt. Ich weiss noch nicht recht, ob ich weinen oder lachen soll. Ich finde es schon schade, dass wir die Reise nicht gemeinsam fortsetzen können, aber vielleicht ist das auch genau der kick, den ich brauchte, um mir wieder Auftrieb zu geben, nachdem ich des Reisens in letzter Zeit etwas müde geworden war.
Ich geniesse die herrliche Aussicht, wenn der Nebel sich zwischendurch lichtet und einen Blick auf das tiefe, grüne Tal zulässt, in das ich hinunter muss. In diesen Momenten kann man sich durchaus vorstellen, dass diese jetzt vom Regen glänzende Strasse bei schönem Wetter einer der Höhepunkte von Ecuador sein kann. Nur leider halt nicht jetzt.
Erst weiter unten, als es auch schon wieder flacher wird, kommt die Sonne fast schon wieder durch. Jedenfalls ist es dementsprechend heiss, auch wenn man sie nicht sehen kann.
Nach 150 km liegt Santo Domingo vor mir, ich finde auf Anhieb die Umgehungsstrasse nach Quevedo, an der das Hotel von Ricardo liegt. Als ich in die Einfahrt fahre, werde ich bereits erwartet, und nach hinten geführt, wo man mir in seinem privaten Haus ein Gästezimmer zuweist. Ich werde sogar noch bekocht, ansonsten habe ich hier meine Ruhe und jede Menge Zeit zum Nachdenken. Ich werde mir überlegen müssen, was ich in der nächsten Zeit machen möchte. Ein paar Tage am Strand werden sicher guttun. Und dann, danach?

Mo., 17.09.2001
Ich beschliesse, heute noch hier zu bleiben, mir den Ort anzusehen, und auf Ricardo zu warten, der wie gewöhnlich am Dienstag herkommen will.
Also nehme ich einen öffentlichen Bus in die Stadt, frühstücke in einer Konditorei bei leckerem Kuchen, Kaffee und Brombeersaft, bevor ich durch die Stadt streife. Interessant wiederzuentdecken, dass auch das Alleinreisen durchaus seinen Reiz hat, und festzustellen, dass ich meine Umgebung wieder bewusster und aufmerksamer wahrnehme.
Ich schlendere über den Markt, und lange sitze ich an der Plaza Principal, wo über mir ein Vogelgezwitscher herrscht wie im tiefsten Dschungel. Es herrscht auch ein wunderbar angenehmes Klima. Zwar sieht es aus, als wenn es jeden Moment zu regnen anfangen würde, -wer weiss, vielleicht tut es das ja auch bald-, aber man getrost in Sandalen und T-Shirt rumlaufen, und ohne dass es gleich so unerträglich heiss ist.

Di., 18.09.2001
Als ich gleich am Morgen mit Ricardo telefoniere, erklärt er mir, dass er heute noch nicht kommen wird. Demnach brauche ich nicht weiter auf ihn zu warten. Also dann, auf an den Strand!! Diese Aussicht macht Laune, schnell packe ich zusammen und mache mich auf den Weg.
Unterwegs fällt mir ein, dass Violeta eigentlich wieder frisches Öl braucht. An ein paar Läden halte ich an, aber nirgends bekomme ich, was Violeta braucht. Ich werde bereits etwas nervös, stelle aber erleichtert fest, dass sie vorerst noch genug hat und die Angelegenheit nicht ganz so dringend ist, wie ich befürchtet hatte.
Bis Esmeraldas sind es 185 km über eine ausgezeichnete Asphaltstrasse und durch tropische Landschaft. Je weiter ich komme, umso heisser wird es.
Kurz nach Mittag bin ich in Atacames, Ecuadors Hauptbadeort, 30 km hinter Esmeraldas. Die Suche nach einem Quartier ist nicht ganz leicht. Immerhin kann ich Violeta auf dem Parkplatz eines der Hotels stehen lassen, während ich mich auf die weitere Suche nach einem Zimmer mache.

Am Ende bekomme ich nicht nur ein Zimmer, sondern bei Cabanas Los Bohios eine gemütliche kleine Hütte, in der ich alles habe, was ich brauche, ein breites Bett, Dusche mit von Natur her lauwarmem Wasser, TV, Ventilator und Moskitonetz in den Fensteröffnungen.
Danach wird es endlich Zeit für den Strand. Meinen Hunger stille ich am Malecón im deutschen Restaurant Der alte Fritz, wo ich den Inhaber Martin treffe und bis fast um 21.00 hängenbleibe, zusammen mit 2 Stuttgarter Studenten. Martin erzählt, dass er vor ein paar Jahren seinen sicheren Job bei der Deutschen Bank aufgab, um hierher zu seiner jetzigen Frau zu ziehen, die er damals gerade erst im Urlaub kennengelernt hatte.

Mi., 19.09.2001
Ich frühstücke am Strand, flirte mit dem gutaussehenden und zuvorkommenden Kellner und geniesse es, wieder mit 'mi reina', 'mi princesa', 'belleza' oder ähnlichem angesprochen zu werden.
Bei einem ausgiebigen Spaziergang am Strand entlang, bei dem ich tütenweise Muscheln sammeln könnte, habe ich jede Menge Zeit zum Nachdenken. Dabei kommt mir die Idee, bereits von hier aus zu versuchen, meine nächste Unterkunft in Quito zu organisieren. Mal sehen, ob sich im dortigen Oro Verde dieselbe Aktion von Guayaquil wiederholen lässt.
Dazu muss ich ein Schreiben aufsetzen, das ich denen zufaxen könnte. Die Vorlage dazu hab ich im Web, also muss ich als erstes ein I-Cafe aufsuchen. Das dürfte kein Problem darstellen, Internet-Service soll es im Ort geben, der ist sicher schneller als der hier an der Playa. Doch selbst nach einer halben Stunde ständigen Probierens kommt keine Verbindung zustande. Zum Glück gibt es noch einen zweiten Internet-Dienst. Auch hier ist die Verbindung nicht die schnellste, aber es funktioniert immerhin. Man wird ja bescheiden mit der Zeit. Ich kann am Ende also ausdrucken, was ich brauche. Damit marschiere ich nun zur Telefonzentrale. Allerdings nur, um mir erklären zu lassen, dass es hier keinen Fax-Dienst gibt, dazu müsste ich in den Laden gegenüber.
Ok, bloss, auch das geht nicht ohne weiteres. 5-6 Mal lässt die Verkäuferin sich von der Sekretärin den Fax-Ton geben, ohne dass der Apparat das Papier einziehen will. Wahrscheinlich würde sie morgen noch hier stehen und es weiter probieren, wenn ich ihr nicht die Blätter entreissen und genervt den Laden verlassen würde, auf der Suche nach einem anderen Fax-Gerät. Ein solches gibt es, allerdings im selben Laden, wo schon die Internet-Verbindung nicht geklappt hatte. Oh je!! Doch zu meiner Überraschung gehen die 4 zu verschickenden Blätter gleich durch. Jedenfalls machte es diesen Eindruck. Eine telefonische Nachfrage beim Empfänger ergibt jedoch, dass nur 2 Blätter dort angekommen sind. Die fehlenden werden nochmal verschickt, und wieder kommt nur die Hälfte auf der anderen Seite an.
Sicherheitshalber telefoniere ich zum Abschluss selber nochmal mit der Sekretärin, die mir nun mitteilt, dass es in Quito gar kein Hotel Oro Verde mehr gibt, das hiesse nun anders, und sie könne mir die entsprechende Telefonnummer geben. Oh mein Gott, der ganze Spass nochmal von vorne!!
Und es läuft auch diesmal nicht viel besser. Am Ende bin ich total entnervt, noch nirgends war bisher eine Verbinung mit einem anderen Teil der Welt derart schwer gewesen. Und dabei war es diesmal noch nicht mal international!
Leider bin ich immer noch nicht fertig. Ich muss meinen weiteren Aufenthalt in Atacames sicherstellen. In der Cabana kann ich nur noch die kommende Nacht bleiben, ich muss mich also erneut auf die Suche nach einem Quartier machen. Die Auswahl hat sich inzwischen natürlich reduziert, und in den 3 Häusern, wo ich gestern schon auf später vertröstet wurde, ist auch heute nichts auszurichten. Beim Strandspaziergang war mir aber noch ein Komplex aufgefallen, wo ich noch nicht angeklopft hatte. Hier im Hotel La Aldea (s. Link) wirkt der Zeitungsartikel Wunder, man hat sofort ein offenes Ohr für mich, und ich bekomme ein Zimmer direkt am Pool, in dem ich bis Montag bleiben kann.

20.-23.09.2001
Gleich am Morgen noch vor dem Frühstück packe ich meine Sachen und ziehe um. Danach will ich nur noch in aller Ruhe meinen Strandurlaub geniessen. Es vergehen ein paar ruhige Tage am Meer und etwas lebhaftere, aber dennoch nicht ganz ausfüllende Nächte an den Bars am Strand. Weiterer genaueren Schilderung bedarf es dazu nicht.
Etwas Abwechslung kehrt erst wieder am Samstag Mittag ein, als ich nochmal einen langen Spaziergang am Strand mache, bis ganz ans nördliche Ende, wo eine kleine Flussmündung den Strand in zwei Hälften teilt. Ich bin schon wieder auf dem Rückweg, als ein junger Bursche auf mich zukommt und mir Zeichen macht, den Kopfhörer abzunehmen. Ich halte das erst noch für die übliche Anmache, als dann aber noch jemand zweites hinzukommt, und der erste schnell ein Messer zückt, mit dem er mich bedroht. Meine Überraschung und den Schrecken ausnutzend, machen sie sich flugs daran, sich dessen zu bemächtigen, was eigentlich mir gehört. Sie nehmen mir die Armbanduhr, den Walkman und den Rucksack ab, und machen sich damit aus dem Staub.
Erst jetzt komme ich dazu, zu reagieren, und rufe ihnen noch nach, dass sie mir doch lassen sollen, was ihnen selber keinen Nutzen bringt und was ich dringend brauche. Ich glaube, sie wären sogar wirklich darauf eingegangen, wenn sich nicht gerade eine Marinepatrouille auf dem Mopped nähern würde. Nun ist natürlich alles zu spät, und sie rennen davon. Ich halte daraufhin die Patrouille auf und schicke sie hinter den beiden her, aber zu zweit auf einem 125-er Mopped und im Sand haben sie keine Chance gegen die anderen beiden Barfüssigen, die längst den Fluss durchquert haben und nicht mehr einzuholen sind. Die Marineros machen sich aber auf den Weg, die Gegend von der anderen Seite her zu durchforsten. Ich solle später in ihrem Hafenbüro vorbeischauen, ob sich was ergeben hat.
So langsam bekomme ich wieder einen klaren Kopf und überlege, was ich wohl alles im Rucksack gehabt habe: da waren ein paar Musikcassetten, die mir ohne Walkman natürlich auch nichts mehr nutzen, mein Geldbeutel, mit nur wenig Bargeld, aber mit zwei Kreditkarten, jeder Menge Visitenkarten und meinem chilenischen Ausweis, den ich aber auch nicht unbedingt brauche, ebenso wie mein Motorradschlüssel. Und zum Glück habe ich diesmal nur die normale Fotokamera, und nicht die Digi-Cam dabei gehabt. Das müsste eigentlich alles gewesen sein.
Was nun? Als erstes muss ich ins Dorf, um per Telefon die Visa-Karte sperren zu lassen. Danach will ich bei der Polizei Anzeige erstatten. Martin vom Alten Fritz meint jedoch, dass ich mir das schenken könne, die Polizei hätte eine miserable Dienstauffassung, sie hätten alle ständig eine Fahne, und wenn sie überhaupt was machen wollten, dann nur gegen Geld.
Das macht neugierig, das will ich selber erleben. Ich hole nur schnell meinen Pass und nehme auch den Zeitungsartikel mit, falls nötig kann ich damit vielleicht etwas Druck machen.
Als ich am Komissariat ankomme, steht tatsächlich der Beamte nur in Shorts rum, wie irgendein Badegast. Er entschuldigt sich aber kurz und geht sich gleich umziehen, um mich in Uniform empfangen zu können. Und nachdem ich ihm den Vorfall geschildert habe, organisiert er einen Wagen, und mit einem weiteren Beamten machen wir uns auf den Weg, um die Gegend nach den Tätern abzusuchen. Ob sie wohl wirklich glauben, noch irgendwas zu finden? Vermutlich würde ich die beiden nicht mal wiedererkennen, wenn sie direkt vor mir stünden.
Zurück im Büro setzt er routiniert die Anzeige auf , und wenige Minuten später halte ich das Original in Händen, das ich hoffentlich erfolgreich bei der Versicherung einreichen kann.
Zum Glück hält sich der gesamte Schaden in Grenzen, und ich habe daraus hoffentlich meine Lektion für die Zukunft gelernt, ohne jedoch dabei allzu misstrauisch zu werden und mich nunmehr alleine nirgendwohin zu wagen. Und vielleicht finde ich ja das eine oder andere meiner Sachen wieder auf dem berüchtigten Mercado de los Ladrones, wo nur Diebesgut zum Verkauf angeboten wird, in Quito, wohin ich morgen zurückfahren will.
Den letzten Abend verbringe ich in einer Strandbar mit Simón, bei dem ich inzwischen mehrfach gefrühstückt habe. Schon beim ersten Mal hatte er mich sehr zuvorkommend bedient, und heute hat er mich zum Abendessen eingeladen. Er lässt es sich nicht nehmen, selber für mich zu kochen, bevor er sein Lokal dem Personal überlässt und wir zum Tanzen gehen.


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