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vom 20. August 2001

blankgeputzte Stiefel

erste Asche

grau in grau

Gruppenbild an der Kaskade in Baños

Zuckerrohrstände

Blick auf den friedlichen Vulkan

Blick auf Baños

Wasserfall,...

...und Wasserfurt...

...auf dem Weg nach Puyo

Hosteria El Troje

Von Ríobamba aus fährt der berühmte und spektakuläre Zug über die 'Nariz del Diablo' (Teufelsnase) Richtung Guayaquil. Mal sehen, ob wir es geregelt bekommen, dass die Moppeds im Zug mitfahren können, und dass uns bei dem Ausflug ein Paar Kinder eines Projektes der Kindernothilfe begleiten dürfen. Ein Mail mit dem Vorschlag ist schon an die Direktorin der KNH Ecuador, -von denen ich annehme, dass sie in Guayaquil sitzen-, gegangen. Bleibt abzuwarten, was sie dazu meint, aber da eh das meiste vermutlich von Ríobamba aus organisiert werden müsste, wollen wir schon mal dorthin.
Die Fahrt über die gut ausgebaute und asphaltierte, sogenannte Vulkanstrasse verläuft ruhig und entspannt, es sieht aus wie im Voralpenland, nur die Täler sind tiefer und weitläufiger.

So erreichen wir früh am Nachmittag schon Ríobamba, wo wir 2 Nächte bleiben wollen. Nur die Suche nach einer adäquaten Bleibe ist nicht auf Anhieb erfolgreich, wir müssen eine Weile warten, bis wir die zuständigen Leute antreffen. Ich nutze die Zeit, und lasse mir an der Plaza endlich mal wieder meine Stiefel richtig putzen. Obwohl der kleine Bub hervorragende Arbeit leistet, bin ich mit dem Ergebnis nur bedingt zufrieden. Denn, sauber wie sie nun sind, passen sie gar nicht mehr zum restlichen Outfit, und der Kontrast macht nur noch deutlicher, wie dreckig alles andere ist. Aber was soll's, sicher dauert es nicht lange, bis auch die Stiefel wieder eingesaut sind.
Es wird schon fast dunkel, bis wir endlich ganz zentral im Ríobamba Inn unterkommen.

21.08.2001
Während Michi zum 2. Mal sein Radlager wieder richtet, führt mich gleich mein erster Weg ins Internet. Und tatsächlich finde ich eine Nachricht von Señora Nelly, der Direktorin der KNH. Sie findet die Idee genial, und ich solle sie anrufen, ihr Büro haben sie in -welch Überraschung- Riobamba. Klasse, da kann ich gleich mit ihr ein persönliches Treffen vereinbaren.
Michi ist mittlerweile fertig, und kommt auch mit. Señora Nelly empfängt uns herzlichst, und mit ihr zusammen verplanen wir den Anfang der kommenden Woche. Sie übernimmt selbst fast die gesamte Organisation. Sie wird ein Bulletin für die Presse schreiben und will sich um die Zugtickets für die Kinder kümmern. Mir bleibt nur noch, den Ort für die am Montag geplante Pressekonferenz zu bestätigen, die ich gedenke, in der besten Hostería im Ort zu halten, wo ich auch unterkommen möchte.
Das scheint ja alles wunderbar zu klappen. Auch bei der Eisenbahn läuft alles nach Plan, wir bekommen das OK für die Moppeds. Den Rest kann ich getrost per Telefon und Email von Baños aus erledigen, wo wir die nächsten Tage verbringen wollen.
In der Zeitung lesen wir vom seit 2 Wochen äusserst aktiven Vulkan Tungurahua bei Baños, von seinen Ausschüttungen, den kilometerhohen Rauchfahnen, den verheerenden Aschenregen und den lauten Explosionen. Das geophysische Institut war nahe dran, Alarmstufe rot auszulösen, was eine Evakuierung der ganzen Stadt bedeutet hätte. Aber noch ist es nicht soweit.
Wir sind begeistert, und lassen uns davon keineswegs abschrecken. Im Gegenteil, jetzt müssen wir da natürlich erst recht hin. Sicherheitshalber besorgt Michi schon mal Staubmasken, um angeblichen Atembeschwerden entgegenzuwirken.

22.08.2001
Eigentlich wissen wir zwar bereits, dass die direkte Strasse, über die man Baños gewöhnlich nach 65 km schon erreicht, aufgrund des Vulkanausbruchs unpassierbar geworden ist. Wir wollen uns das aber trotzdem wenigstens mal anschauen.
Etwa 30 km vor Baños treffen wir auf die erste Asche am Strassenrand. Je weiter wir kommen, umso breiter reicht dieser Teppich auf beiden Seiten in die Strasse hinein. Irgendwann ist nur noch eine schmale Spur frei, und wenig später gibt es kein Ausweichen mehr, wir fahren durch die Asche weiter. Die Landschaft wird immer gespenstischer, bald kommen wir uns vor wie in einem S/W-Film. Die gesamte Umgebung ist von Asche bedeckt, die Wälder, die Wiesen und die Felder. Alles, was einst grün und bunt war, ist nur noch grau und dunkel.
Es fährt sich allerdings ganz gut auf der cm-dicken, vom kürzlichen Regen angefeuchteten Aschenbahn. Jedoch nur, bis wir tatsächlich an die erste von angeblich 2 Stellen kommen, an der die Strasse völlig weggebrochen ist. Michi meint zwar, beide Moppeds ohne Gepäck da durchbringen zu können, aber ich kehre trotzdem lieber um. Wer weiss, wie die nächste Stelle aussieht, wenn uns sowieso schon alle anhalten, um uns zu sagen, dass es kein Durchkommen gibt.
Dafür müssen wir nun einen ziemlich grossen Umweg in Kauf nehmen, denn eine kürzere Querverbindung, die auf unserer Karte eingezeichnet ist, ist ebenso unzugänglich. Auch hier ist, das aber scheinbar schon länger, ein Stück der Strasse bis zum steil aufragenden Felsen hin abgebrochen. Erst müssen wir also zurück nach Ríobamba, und von dort zunächst nach Ambato. Mir ist es Trost genug, dass wir auf diese Weise wenigstens ohne weitere Schwierigkeiten und Hindernisse ans Ziel kommen werden.
Es dauert jedoch gar nicht lange, bis ich eines besseren belehrt werde. Erst wundere ich mich noch, dass an einer Gabelung ausnahmslos alle anderen Fahrzeuge, selbst die grossen Überlandbusse, den kleinen Abzweig nehmen, während wir auf der offensichtlichen Hauptstrasse bleiben. Kurz danach erkennen wir, dass es sich dabei um eine nicht ausgeschilderte Umleitung gehandelt hat, denn an beiden Enden einer Brücke ist die Strasse über die ganze Breite aufgerissen. Busse und Autos kommen hier tatsächlich nicht weiter, aber für uns dürfte das Bisschen etwas uneben aufgehäufte Erde und Steine kein Problem darstellen.
Violeta hingegen sieht das mal wieder anders. Die erste Hürde nimmt sie noch bereitwillig, am anderen Ende der Brücke aber sucht sie sich mal wieder einen anderen als den von mir gewünschten Weg. Ich ahne es zwar bereits, kann aber dennoch nicht mehr verhindern, dass sie dabei etwas zu weit nach rechts abfällt, Kontakt mit der zu hohen Begrenzungskante aufnimmt, umkippt und mich nach rechts abwirft in den Stacheldraht, nicht ohne mir den Fuss zwischen sich und der scharfen Kante einzuklemmen. Violeta mag es ganz bequem finden, ich hingegen kann mich aus dieser etwas ungünstigen Position nur mit Michis Hilfe befreien. Wie gewöhnlich ist ansonsten weiter nichts passiert, lediglich die Ärmelnaht meiner GORE-TEX-Jacke ist aufgerissen. Das muss der Stacheldraht gewesen sein. Es ist aber nichts, was sich nicht wieder richten liesse.
Für heute war das zum Glück endgültig das letzte Hindernis. Lediglich das Wetter schlägt um, schön brav entsprechend der Tatsache, dass in dieser Gegend Juli und August die beiden Monate mit den höchsten Niederschlägen sind. Auf dem Weg hinauf zur relativ niedrigen Passhöhe wird es schlagartig dunkel und diesig, richtig unheimlich. Der Regen lässt nicht lange auf sich warten, und begleitet wird er von entsprechend niedrigen Temperaturen, auf die wir gar nicht mehr eingestellt sind. Michi hält an und zieht sein Regenzeug über. Doch schon in Ambato, das wir nach knappen 70 km erreichen, ist es bereits wieder trocken.
Von hier aus sind es jetzt noch 35 km bis Baños. Auf der gesamten Strecke ist weit und breit vom Vulkanausbruch nichts zu erkennen. Und nicht einmal ein einziges kleines Rauchwölkchen hilft uns, den Vulkan zwischen all den umliegenden Bergen zu identifizieren, als wir in Baños einfahren.

Der Ort verdankt seinen Namen den heissen Quellen, die heilende Kräfte besitzen sollen und zum Baden genutzt werden. Direkt gegenüber checken wir im Hotel Sangay an, wo uns das Rauschen des benachbarten Wasserfalls ständig begleitet.
Als wir am Abend nach dem Essen aus dem Zentrum zurückkommen zum Hotel, fällt uns das auf einmal bunte Treiben im Thermalbad auf. Bis 22.00 kann man sich hier in den Becken entspannen. Eine ausgezeichnete Idee, auch wir steigen in diese riesige Freiluftbadewanne, und geniessen das angenehm heisse Wasser vor dieser herrlichen Kulisse mit dem angestrahlten Wasserfall, umgeben von tropischer Vegetation. Dieser Genuss lässt alle Strapazen schnell wieder vergessen.

23.08.2001
Wir gönnen uns heute ein leckeres Frühstück im empfehlenswerten Cafe Rico Pan, wo Michi ein Mädel der Bedienung grüssen soll von einem weiteren deutschen Moppedfahrer, den wir vor Monaten auf der Halbinsel Valdez in Argentinien getroffen hatten. Sie ist aber leider auf Urlaub momentan.
Anschliessend macht Michi sich mit dem Moto auf den Weg, den Vulkan zu beobachten, der aber den ganzen Tag kein Lebenszeichen von sich gibt.
Ich habe es lieber gemütlich, und schlendere durch den Ort. Der wirkt ziemlich verschlafen und ausgestorben, es ist kaum etwas zu sehen von den Touristen, die wohl normalerweise scharenweise hierherpilgern. Kann es denn wirklich sein, dass der Vulkan sie alle verängstigt hat?
Wie auch immer, die Ruhe tut gut, und es ist hier angenehm warm. Was will man mehr? Lediglich als wir am Abend ausgehen, würde ich mir doch etwas mehr Leben wünschen. Im angeblich besten Lokal der Stadt hängen nur ein paar einzelne Gestalten herum. Seinen Ruf verdankt der Schuppen auch sicher nicht seiner Musik, die dem aussen angebrachten Schild mit der Aufschrift 'Salsothek' kaum gerecht wird. Gelangweilt verabschiedet Michi sich vorübergehend, er zieht es vor, den Vulkan auch bei Nacht zu beobachten, in der Hoffnung, ihn beim Feuerspeien zu erwischen.
In der Zwischenzeit lerne ich William kennen, unverkennbar ein einheimischer Aufreisser, aber das macht gar nichts, mit seinen tänzerischen Fähigkeiten rettet er mir doch noch den ansonsten trüben Abend. Als Michi wiederkommt, wollen wir alle zusammen das Lokal wechseln, aber auch im nächsten Laden ist nicht mehr los. Also belassen wir es dabei, und geniessen stattdessen lieber den Luxus unserer grosszügigen Suite.

24.08.2001
Michi hat immer noch nicht genug, heute will er zum Basislager des Vulkans wandern, von wo aus die Trekker normalerweise losziehen, um zum Krater zu steigen. Derzeit ist aber das Refugio die Endstation, und selbst dort herrscht bereits Alarmstufe orange. Auch wenn sich der unberechenbare Vulkan in den letzten Tagen total friedlich gibt, mit einem heftigen Ausbruch muss jederzeit gerechnet werden.
Da sich der Gipfel ab Mittag in Wolken zu hüllen pflegt, will Michi in aller Herrgottsfrüh schon los. Ohne mich. Ausserdem sieht man den Vulkan selber ja wohl besser von irgendwo gegenüber. Ich schlafe also erstmal aus, frühstücke gemütlich im Hotel, erst danach gehe auch ich etwas zum Wandern. Allerdings nur in der nahen Umgebung. Über die Hängebrücke gelangt man auf der anderen Seite vom Fluss auf den dem Vulkan gegenüberliegenden Hügel. Von hier aus hat man bereits eine ganz gute Aussicht auf den Tungurahua, er ist nur etwas arg weit weg.
Es ist noch nicht zu spät, ich könnte es noch rechtzeitig schaffen auf den hoch über der Stadt angelegten Mirador (Aussichtspunkt). Die 500 Stufen dorthin sind allerdings ganz schön anstrengend, und so ziehen doch schon die ersten Wolken auf, als ich endlich oben ankomme. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn die Aussicht über die Stadt und das gesamte Tal ist fast noch beeindruckender als die auf den Vulkan.
Nach dem enttäuschenden Versuch von gestern Abend, starten wir heute, -inzwischen Freitag, also Wochenende-, einen zweiten Anlauf auf die Nachtlokale. Aber auch dieser verläuft keineswegs unterhaltsamer als gestern. Was das Nachtleben angeht, kann man Baños wohl getrost vergessen.

25.08.2001
Gelangweilt vom Vulkan, der sich uns einfach nicht in Aktion zeigen möchte, wollen wir heute hinab in den Busch fahren, wohin eine angeblich grandiose Strecke führen soll. Wir erwarten daher eine Piste ähnlich der La Paz-Coroico, oder Cuzco-Atalaya. Die Landschaft mit den tiefen Schluchten und den zahlreichen Wasserfällen ist zwar grandios, aber lediglich 20 km der Strecke führen noch über Schotter, der Rest ist asphaltiert, keine Spur mehr von Dschungelabenteuer. Darüber bin ich zugegebenermassen heute keineswegs traurig, denn unausgeschlafen wie ich bin, fühle ich mich alles andere als wohl auf Violeta, sodass selbst die flache Wasserfurt zum unüberwindbaren Hindernis wird. Wo ich sonst ohne mit der Wimper zu zucken durchfahren würde, ist heute nichts zu machen, erst recht, nachdem das Auto vor mir kurz steckengeblieben ist. Michi muss aushelfen.
Nach 65 km sind wir in Puyo. Hier löschen wir nur unseren Durst mit einem der erfrischenden Fruchtsäfte, und machen einen kurzen Spaziergang durch den Ortskern. Länger halten wir es nicht aus in dieser feuchtschwülen Hitze, wir flüchten lieber zurück wieder nach oben ins angenehmere Klima. Inzwischen hab ich auch Violeta wieder etwas besser im Griff, diesmal kann ich die Wasserfurt immerhin alleine bewältigen.
Zum Abendessen gehen wir wieder ins schon gestern entdeckte Casa Hood. Das gute Essen und die gemütliche Atmosphäre haben es schnell zu unserem Lieblingslokal werden lassen. Zudem zeigen sie jeden Abend kostenlos einen Film. Heute steht Como agua para chocolate, die tragische, aber schön erzählte Geschichte einer verbotenen Liebe in Mexiko. Eine uns willkommene Abwechslung zum tristen Nachtleben. Dagegen hat auch Freddy keine Chance, einer der Barkeeper des Lokals von gestern Abend. War mir gar nicht aufgefallen, und es lag sicher nicht in meiner Absicht, denn dafür tanzte er nicht gut genug, aber irgendwie muss ich es ihm angetan haben, denn am Nachmittag schaute er extra im Hotel vorbei, um mich nochmal für heute Abend einzuladen. Ich ziehe jedoch das Kino vor. Ausserdem sollte ich auch etwas darauf achten, am Montag wieder fit zu sein, schliesslich werden wir da volles Programm haben.

26.08.2001
Nach dem letzten Frühstück in der fast schon zu unserem Zuhause gewordenen Casa Hood machen wir uns auf den Weg zurück nach Ríobamba, allerdings auf getrennten Wegen. Denn Michi bildet sich ein, unbedingt den unpassierbaren Ascheweg zu nehmen. Soll er ruhig, wenn er das braucht. Ich hingegen nehme denselben Weg, den wir hergekommen sind, über Ambato, und wie erwartet komme stehe ich nach knappen 2 Stunden vor der Tür der Hostería El Troje (s. Link).
Da Michis Weg viel kürzer ist als meiner, müsste er eigentlich schon lange vor mir angekommen sein. Ist er aber nicht, wie ich gleich an der Rezeption erfahre.

Erst eine halbe Stunde später taucht er auf. Nachdem er erst sein Mopped versenkt hat und wieder mühsam ausbuddeln musste, ist er schliesslich doch dieselbe Strecke gefahren wie ich. Er braucht halt immer noch etwas länger, bis er begreift, dass er Ortskundigen ruhig Glauben schenken kann.
Wir bekommen ein urgemütliches Zimmer mit Kamin und Sitzecke davor. Den Nachmittag verbringen wir faul in der Anlage der Hostería. Neben Hallenbad und Sauna unterhält sie ihre Gäste mit einem Mini-Zoo. Ein paar Lamas, eine Riesenschildkröte und zwei Guacamayos, denen die Flügel gestutzt wurden, fristen hier ein eher tristes Dasein. Nur den Pfauen, die sogar ab und zu ihren farbenprächtigen Fächer öffnen, scheint es ganz gut zu gehen, und insgesamt lädt die weitläufige und grosszügige Anlage durchaus zum Verweilen ein.

Sie gilt für die meisten als kulturelle und kultivierte Hauptstadt von Ecuador, und ihr kolonialer Altstadtkern stellt eines der sehenswertesten Reiseziele des Landes dar. In den engen Pflastersteingassen mit den noblen Fassaden, den schmiedeeisernen Geländern der Balkone und den frischgestrichenen Kirchenportalen scheint die Zeit irgendwie stehengeblieben zu sein. Und jeder Sonntag verfügt quasi über eine eigene Kirche, denn es gibt deren 52 in der Stadt. Die beeindruckendste ist sicher die neue Kathedrale, die bis zu 10.000 Gläubigen Platz bietet. Sie sollte ursprünglich das grösste sakrale Bauwerk Lateinamerikas werden, aber ein architektonischer Fehler wusste dies angeblich zu verhindern. Die Cuencanos aber schwören darauf, dass es sich sehr wohl um die grösste Kirche des Kontinents handelt. Erbaut wurde sie vom schwäbischen Geistlichen Juan Bautista Stiehle, der auch die Pläne für den Wiederaufbau der 1893 von einem Erdbeben zerstörten Stadt entwarf, bevor er 6 Jahre später hier in seiner Wahlheimat verstarb.
Beim nachmittäglichen Spaziergang entlang am Río Tomebamba, der die Stadt in die nördliche Altstadt und das südliche moderne Cuenca teilt, können wir beobachten, wie einige fleissige Dienstmädchen ihre kunterbunten Wäschestücke im grasbewachsenen Ufer zum Trocknen auslegen.
Nun ist heute bekanntlich Samstag, und wir sind in einer Stadt mit reichlich Nachtleben. Michi kneift zwar, er glaubt mal wieder eine anrückende Erkältung zu spüren und legt sich lieber ins Bett, aber ich bin nicht mehr aufzuhalten, ich werde heute ausgehen, jawohl! Noch dazu, wo die in unserem Reiseführer empfohlene Salsothek nur ein paar Strassenblöcke weit weg ist.
Als ich kurz vor 23.00 eintreffe, bin ich noch alleine mit 7 weiteren Gästen. Aber schnell füllt sich das Lokal, die Stimmung steigt, und es zieht alle auf die Tanzfläche. Obwohl, wie ich später erfahre, der Zutritt eigentlich nur paarweise gestattet ist, bekomme ich trotzdem diverse Tanzpartner ab. Die allerdings nur mässig gut tanzen. Bis ich auf Eddy treffe. Wir passen wunderbar zusammen, und verlassen die Tanzfläche allenfalls noch, um uns kurz an einer Caipirinha zu erfrischen. Doch schon lockt der nächste Rhythmus. Die Zeit vergeht im Flug, und natürlich erscheint es uns viel zu früh, als um 2.00 schon Zapfenstreich ist. Das war mit Abstand der beste Abend, seit ich unterwegs bin, und Eddy ist nicht davon abzubringen, mich noch nach Hause zu begleiten. Mehr verrat ich an dieser Stelle nicht.
Den Sonntag verbringe ich ziemlich faul und etwas gelangweilt überwiegend im Bett und vor dem Fernseher, mal abgesehen von einem weiteren Spaziergang durch die Stadt, die aber ziemlich ausgestorben wirkt. Vor der Kathedrale treffen wir auf 2 bis zum Ende der Messe wachehaltende Polizisten. Sie laden Michi ein, auf ihre neue 400-er Suzuki Z aufzusitzen, die wir im Vorbeigehen bewundern. Die gesamte Polizei ist mit diesen teuren Geländemoppeds ausgerüstet, und sie sind immer zu zweit darauf unterwegs, einer fährt, der andere schiesst. Eine halbe Stunde lang unterhalten wir uns mit den beiden über Gott und die Welt, über sie und über uns, bis die Messe zu Ende ist und der Trubel beginnt, als die halbe Stadt aus der Kirche strömt.


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