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unterwegs in




vom 13. August 2001

am Pool der Hosteria Ruinas de Quinara

die Umgebung von Vilcabamba

Grün soweit das Auge reicht

hoch zu Pferde...

...über Stock und Stein

Flussdurchquerung

koloniale Bauten...

...in Cuenca

...Weiter geht es, und nach 4 km, mittlerweile mitten im Ort, kommen wir an eine weitere Kontrolle. Man will unsere Papiere sehen, vergleicht sie mit den Moppeds, das war's, mehr ist hier nicht. Für die Stempel, die wir brauchen, müssen wir noch woanders hin. Man schickt uns zum Zoll, ein paar Blöcke weiter. Durch eine lebhafte, geschäftige Marktstrasse, vollgestopft mit Handkarren, Fahrrädern und natürlich Fussgängern, geht es weiter in den Ort hinein. Ein motorisiertes Fahrzeug scheint eher die Ausnahme zu sein, entsprechend schwer ist es, sich durch das Gewusel einen Weg zu bahnen, noch dazu nach der nächsten Kontrolle Ausschau haltend, und obendrein umzingelt von den hilfsbereiten Buben, die alle vor und neben uns herlaufen, und dafür dann auch noch auf ein Trinkgeld von uns hoffen.
Kein Wunder, dass wir das unscheinbare Gebäude der ecuadorianischen Zollkontrolle fast übersehen. Michi bleibt bei den Moppeds und kann sich der Buben schliesslich entledigen, indem er ihnen erzählt, dass wir sowieso kein Bargeld, nur Kreditkarten dabei haben. Ich erledige in der Zwischenzeit die Formalitäten für die Moppeds. Eilig hat's hier keiner, erstmal muss ich warten, bis der zuständige Beamte aus seiner Mittagspause zurückkehrt, dann müssen zunächst Fotokopien von all unseren Papieren und Ausweisen gemacht werden, erst danach bekommen wir problemlos einen Stempel in den Pass, mit einer Erlaubnis für 60 Tage.
Erst jetzt bemerkt Michi, dass wir uns bereits längst in Ecuador befinden. In der Tat hat kein Schlagbaum oder ähnliches auf einen Grenzübertritt hingewiesen. Lediglich ein grosses Schild hat uns in Ecuador willkommen geheissen, allerdings ausschliesslich auf spanisch, weswegen es Michi wohl nicht wahrgenommen hat.
Wir sind immer noch nicht fertig. Am Ortsausgang befindet sich dann die Einwanderungsbehörde, bei der wir erst noch den Stempel für uns selber bekommen werden. Aber wir brauchen eine Pause, nach den letzten Tagen der Ruhe ist dieser Trubel hier einfach zuviel für uns. Wir gönnen uns ein Mittagessen an einem der Strassenstände.
Hier in Ecuador gilt wieder, wie schon in Argentinien, der Dollar als Landeswährung. Wir sind schon neugierig auf die Preise, die uns hier erwarten. Und auf Anhieb lassen wir uns bescheissen, als wir nach dem Preis für das Menü fragen. Zwar überlegt der Alte verdächtig lange, dennoch merken wir erst später, dass er uns 0,20- auf den üblichen Preis von 1,- draufschlägt.
Erst als wir den letzten Grenzposten endlich hinter uns haben, tritt wieder Ruhe ein. Und wir haben die Zeit und Musse, festzustellen, dass die Landschaft wieder richtig grün und vielfältig geworden ist. Je weiter wir kommen umso tropischer wird das Klima.
Michi will nach Loja und weiter nach Vilcabamba, wo schon die Truppe von www.2-mad.com, die wir in Cuzco getroffen hatten, recht lange hängengeblieben ist. Nach Loja geht es nach Südosten ab und wieder voll in die Berge, es liegt auf 2.100 m Höhe. Von den Bergen habe ich eigentlich inzwischen die Nase voll, Küste und Strand, Fiesta, Salsa und Pisco Sour wären mir eigentlich lieber. Am Abzweig überlege ich, ob ich nicht gleich nach Guayaquil weiterfahren soll. Aber wer weiss, was ich versäume, lieber fahre ich doch mit und schau mir das erst mal an.
Es dauert gar nicht lange, da geht es schon los mit den Kurven, hinauf auf einen Bergsattel, vorbei an einer Kaffeeplantage, hinab, und wieder hinauf. Immerhin alles Asphalt, und kein Vergleich mit den letzten Serpentinen in Peru. Es lässt sich alles einwandfrei fahren. Trotzdem, bis Loja kommen wir heut nicht mehr, und so bleiben wir in Balsas, einem kleinen, touristisch völlig uninteressanten Nest irgendwo unterwegs.
Beim Schlendern durch den Ort und auch beim Abendessen im Freien fällt uns auf, dass Ecuador gar nicht so ärmlich wirkt wie man vermuten würde. Der Indio-Anteil unter der Bevölkerung ist wesentlich geringer, vielmehr sieht das hier nach einem buntgewürfelten, aus allen Teilen der Welt hervorgerufenen Völkergemisch aus. Die Leute sind sauber und ordentlich gekleidet, und auch die Häuser und Gebäude sind nicht zu vergleichen mit den Lehm- und Blechhütten von Peru. Und das alles, obwohl über 60% der Bevölkerung als arm zu bezeichnen sind, wovon wiederum ein gutes Drittel unter dem Existenzminimum dahinvegetiert.

14.08.2001
Die verbleibenden 150 km nach Loja führen über eine anfänglich von Schlaglöchern geprägte Asphaltstrasse. Später wird diese von einem brandneuen, noch schwarzen Teerband abgelöst. Dabei durchfahren wir unterschiedlichste Klimazonen, im Tal ist es fast schon unerträglich heiss, während es oben in den Bergen äusserst windig und kalt ist.
Immer wieder werden wir dabei von Polizei- oder Militärkontrollen aufgehalten, die jedesmal mindestens unseren Pass, oft aber auch die Moppedpapiere sehen wollen.
In Loja selbst machen wir nur kurz Pause an der Plaza, und fahren dann gleich weiter die letzten 45 km hinab nach Vilcabamba, in einem weit verzweigten Talkessel auf nur mehr 1.700 m Höhe.
'Más anos a la vida y más vida a los anos' (mehr Jahre dem Leben und mehr Leben den Jahren) steht auf einem Schild am Ortseingang. Tatsächlich sind angeblich über ein Dutzend Bewohner des seelenruhigen Dorfes bereits über 100 Jahre alt. Das kommt nicht nur vom stabilen, infektionsfreien Klima, sondern auch das freundliche, mitleidige Desinteresse am Rest der Welt spielt dabei eine Rolle. Das Leben vergeht stressfrei und sorgenlos. Und vor jedem Haus hängt mindestens eine Hängematte.
Wir lassen uns auch hier zunächst auf einer Parkbank an der Plaza nieder, und konsultieren unseren Reiseführer nach einer geeigneten Unterkunft. Das Hostal Ruinas de Quinara (s. Link) klingt nicht schlecht. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wo es liegt.
In dem Moment hält vor uns ein Auto, der Fahrer frägt, ob wir eine Unterkunft suchen. Es stellt sich heraus, dass er der Geschäftsführer eben jenen Hostals ist, wo wir gerade hinwollen, und nachdem er uns den Weg erklärt hat und uns die gesamte Anlage gezeigt hat, dürfen wir 2-3 Tage hierbleiben. Cool, denn hier gibt es alles, was das Herz begehrt: im tropischen Garten einen Pool, einen Sportplatz, Jacuzzi, Billard und Tischtennis. Ausserdem Sauna, ein türkisches Bad, einen Massageraum, in dem man sich verwöhnen lassen kann, einen Videoraum, Internet. Und alle Zimmer haben TV und eine Stereoanlage.
Endlich habe ich also die Gelegenheit, meine CD's anzuhören, wovon zumindest eine schon mal ziemlich enttäuschend ist.
Das kann meine Stimmung aber keineswegs trüben, denn um 19.00 gibt's Abendessen. Auf der Terasse sitzen alle Gäste gemeinsam an einem langen Tisch, wie eine grosse Familie. Bedauerlich nur, dass die Hauptverständigungssprache mal wieder nur englisch ist. Und bezeichnend, dass eine Amerikanerin sich bei der einzigen Französin am Tisch erkundigt, ob sie denn auch genügend gleichsprachige Reisende treffen würde, um sich unterhalten zu können.
Ansonsten sind wir begeistert, denn wir sind hier mitten im Schlaraffenland gelandet. Wir bekommen alles vorgesetzt, noch während des köstlichen Essens kommt ein junger Bursche vorbei, der tägliche Reitausflüge anbietet. Wir bräuchten bloss die Hand zu heben, und alles wäre geregelt.
So einfach wollen Michi und ich es uns nun aber doch nicht machen. Wir wollen uns sowieso nachher den Ort noch ansehen, gleichzeitig wollen wir uns dabei erkundigen, was sonst noch an Pferdeausflügen angeboten wird. Reiten wollen wir eh erst übermorgen, da brauchen wir jetzt noch nichts zu überstürzen.
Das Internet kostet ganze $ 3,- im Hostal, im Vergleich zu den Preisen in Peru ist das doch ziemlich viel. Das I-Cafe im Ort ist aber auch nicht günstiger, wie wir schnell herausgefunden haben. Unverrichteter Dinge treten wir daher wieder auf die Strasse.
Dabei stossen wir auf Marios Mopped, das hier geparkt ist. Von ihm selber gibt's aber weit und breit keine Spur. So warten wir eine Weile in Sichtweite auf einer Parkbank. Fast schon wollen wir ihm eine Nachricht hinterlassen, als auf einmal ein Fremder auf das Mopped zugeht und aufsitzt. Als wir ihn nach Mario fragen, erklärt er uns, dass der ihm das Mopped verkauft hat, weil er jetzt mit Jürgens BMW weiterfährt, nachdem dieser sich beim Fussballspielen den Arm gebrochen hatte und vorübergehend nach Hause geflogen ist. Dirk und Mario sind wohl mittlerweile in Guayaquil.

15.08.2001
Um 8.30 versammeln sich wieder alle am Tisch zum hervorragenden Frühstück, zu dem es frischen Fruchtsaft, Müsli, Rührei, köstlichen ecuadorianischen Kakao und selbstgebackenes Brot mit feinster Marmelade gibt. Von all dem sind wir am Ende so vollgestopft, dass wir zunächst etwas ruhen müssen, bevor wir uns sportlich betätigen können.
Während ich mit der Bearbeitung der Homepage beschäftigt bin, setzt Michi sich an den Pool und vertieft sich in seine neue Lektüre, den Ecuador-Führer, den wir in der Hausbibliothek entdeckt haben. Davon ist er den ganzen Tag nicht mehr loszulösen, weder zum Tischtennis noch zum Badminton ist er zu bewegen.
Anfänglich macht es mir nichts aus, mich stattdessen an den Pool in die Sonne zu legen, obwohl sie heute meist hinter vorüberziehenden Wolken versteckt bleibt. Es scheint jeden Tag gegen Mittag zuzuziehen und zu regnen, falls man die wenigen, erfrischenden Tropfen überhaupt als Regen bezeichnen kann. Seit Máncora war das jedenfalls bisher immer so.
Der Nachmittag verstreicht, leider ohne dass wir auch nur eines der vielfältigen Angebote der Anlage genutzt hätten. Denn mit Michi ist nach wie vor nicht zu rechnen, aber was soll's, alleine mache ich mich schliesslich noch auf zu einer kleinen Wanderung in die nahe Umgebung.
Das Essen hingegen lässt er sich nicht entgehen, er sitzt bereits mit den anderen am Tisch, als ich nach einer guten Stunde zurückkehre. Den Verdauungsspaziergang machen wir wieder zusammen, wir müssen noch ins Zentrum, um den Reitausflug für morgen zu organisieren.
Ich traue meinen Ohren kaum, als Michi danach tatsächlich doch noch eine Partie Tischtennis vorschlägt. Es ist zwar schon dunkel, und der Platz nur mässig ausgeleuchtet, aber es reicht für ein paar kurze Ballwechsel.

16.08.2001
Für 10.00 haben wir die Pferde für unseren 4-stündigen Ausritt bestellt, und pünktlich ist unser Führer mit ihnen zur Stelle. Er holt uns direkt an der Hostería ab. Wir haben extra um ruhige Pferde gebeten, und tatsächlich macht Pepe keinerlei Aufstand, als ich versuche, aufzusitzen. Wir bekommen noch kurz erklärt, wie wir die Zügel bedienen, und schon geht es in die Prärie.
Hinter dem Ort geht es anfangs über einen breiten Feldweg dahin, schön langsam im Schritt. Dabei ist Pepe fast schon zu ruhig, denn es ist nicht dazu zu bringen, sich etwas schneller zu bewegen. Zumindest scheint er beschlossen zu haben, meine Kommandos geflissentlich zu ignorieren. Vor unserem Führer Pablo scheint er mehr Respekt zu haben, denn ihm gehorcht er sofort, obwohl der allenfalls 12 Jahre alt ist.
Mit Pablos Hilfe also geht es nun im Trab weiter, ab und zu verfällt Pepe sogar in leichtes Galopp. Somit kommen wir nun zwar etwas schneller voran, bloss, ich kann leider Pepes Rhythmus überhaupt nicht folgen, und werde gnadenlos im harten Sattel auf- und abgeworfen.
Wir kommen schliesslich an einen Aussichtspunkt, von wo aus man einen herrlichen Blick über das gesamte Tal hat, und wo wir daher kurz Pause machen. Ich bin heilfroh, absteigen zu können, obwohl ich meine Beine kaum noch spüre. Mit dem Mopped wären wir wesentlich leichter hierher gekommen. Immerhin, eine Stunde haben wir bereits geschafft.
Jetzt geht es vom Weg ab, einen schmalen, steilen Trampelpfad hinauf. Hier hätten wir mit den Moppeds keine Chance mehr, und auch die Pferde kommen nur langsam und vorsichtig voran. Auf ihrem Rücken lässt es sich so aber ganz gut aushalten, meinetwegen könnten wir die restlichen 3 Stunden so weiterlaufen.
Aber nein, ich hab's befürchtet, die Erholung war nur von kurzer Dauer, denn wir haben lediglich die direkte Verbindung über den Hügel drüber genommen. Auf der anderen Seite geht es genauso steil wieder hinunter, bevor wir erneut auf den Feldweg einbiegen, wo die Pferde wieder in einen schnelleren, und für mich schmerzhafteren Schritt verfallen. So sehr ich mich auch bemühe, es gelingt mir nur selten und immer nur kurz, fest in den Steigbügeln zu stehen und die Schläge abzufangen.
Ich kann daher noch froh sein über die insgesamt recht abwechslungsreiche Strecke. Mal folgen wir dem grosszügigen Feldweg, dann wiederum geht es richtig durch's schlammige Gelände, zweimal durchqueren wir sogar einen Fluss.
Trotz allem bin ich heilfroh, als wir endlich wieder vor der Hostería stehen, und ich mich auf meine eigenen Füsse stellen kann, auch wenn die mich kaum noch tragen können. Alles tut weh, jede Bewegung fällt schwer, und sitzen kann ich auch kaum noch. Ich fühle mich auf einen Schlag um Jahrzehnte gealtert. Den ruhigen Nachmittag am Pool und die anschliessende Massage hab ich mir nach dieser Folter jedenfalls redlich verdient.
Welch ein Genuss, im Massageraum empfängt mich gleich beruhigende, fast schon einschläfernde Musik, und es duftet nach Marzipan.
Die Masseuse erkennt auch gleich das Übel, es ist nicht zu übersehen, ich habe einen grossen, dick geschwollenen, blauen Fleck genau am Steissbein. Das käme, weil ich so dünn wär, die meisten anderen wären halt an der Stelle besser gepolstert, scherzt sie. Ich finde das nicht besonders lustig, und da der ja nun ganz neu ist, kann er nicht schuld sein an meinen Rückenschmerzen der letzten Tage. Vielleicht kommen die von all den Knoten, die ich im Schulterblatt hab. Mit einer einzigen Sitzung sind die aber leider nicht zu beseitigen. Dennoch tut die halbe Stunde Verwöhnung total gut, zwar fühle ich mich danach noch nicht wie ein neuer Mensch, aber immerhin schon wesentlich besser.

17.08.2001
Zwar fühle ich mich heute morgen längst nicht mehr so miserabel wie gestern, aber ein erster Sitztest auf dem Mopped verheisst nichts Gutes. Jeden noch so leichten Schlag, sei es durch ein Loch oder einen Hubbel, werde ich unterwegs deutlich zu spüren bekommen. Aber da muss ich jetzt durch, ich werde die Zähne halt zusammenbeissen müssen. Falls es gar nicht gehen sollte, kann ich nach den ersten 50 km immer noch in Loja bleiben, wo wir schon bei der Herfahrt nur durchgefahren sind.
Aber eigentlich wollen wir heute bis Cuenca kommen. Über die Panamericana dürften die 250 km in ein paar Stunden erledigt sein. Dachten wir. Daher staunen wir nicht schlecht, als hinter Loja die gut asphaltierte Strasse in eine nasse, schmierige und holprige Lehmpiste übergeht, die an manchen Stellen schon fast als schlammig zu bezeichnen ist. Noch dazu regnet es, von allen Seiten werden wir also eingeweicht, und es dauert nicht lange bis wir aussehen wie Schweine, die sich im Dreck gewälzt haben.
So kommen wir natürlich auch bei weitem nicht so schnell voran wie wir gehofft hatten. Wenn die Strasse nicht wieder besser wird, und es sieht nicht danach aus, dann schaffe ich das heute nicht mehr bis Cuenca.
Zum Glück hat die Sauerei nach etwa 50 km bei ein Ende, und wir fahren weiter über guten und trockenen Asphalt, denn hier regnet es auch nicht mehr. Daher kommen wir doch schon recht früh am Nachmittag nach Ona, wo wir schon eventuell zu übernachten gedachten. Es sind aber nur noch 80 km bis ans Ziel, die gehen jetzt auch noch.
Tatsächlich halten wir um 16.30 im Zentrum von Cuenca. Es wimmelt nur so von Hotels, die Auswahl fällt schwer, schlussendlich entscheiden wir uns für's Apart Suites Hotel, in dem wir ein Zimmer bekommen, das dreimal so gross ist wie meine letzte Münchner Wohnung, mit riesigen Betten und einem Kühlschrank voller süsser Köstlichkeiten.
Ich schaffe es heute gerade noch in ein nahegelegenes Restaurant, bevor ich mir und meinen gepeinigten Knochen etwas Erholung im Bett und vor dem Fernseher gönne.

18.-19.08.2001
Michi hofft mal wieder auf Originalersatzteile für sein Mopped. Er macht sich auf die Suche nach dem ecuadorianischen Generalimporteur von Yamaha, der laut seiner Liste, die er sich vor seiner Abreise hat zuschicken lassen, hier in Cuenca zu finden sein müsste. Aber Michi bekommt natürlich nichts, ausser einer neuen Birne für sein Licht.
Schon lange begleite ich ihn auf diesen nervigen Ausflügen nicht mehr, in der Zwischenzeit bin ich lieber im I-Cafe fleissig. Erst als das alles erledigt ist, knöpfen wir uns die Stadt vor.

Sie gilt für die meisten als kulturelle und kultivierte Hauptstadt von Ecuador, und ihr kolonialer Altstadtkern stellt eines der sehenswertesten Reiseziele des Landes dar. In den engen Pflastersteingassen mit den noblen Fassaden, den schmiedeeisernen Geländern der Balkone und den frischgestrichenen Kirchenportalen scheint die Zeit irgendwie stehengeblieben zu sein. Und jeder Sonntag verfügt quasi über eine eigene Kirche, denn es gibt deren 52 in der Stadt. Die beeindruckendste ist sicher die neue Kathedrale, die bis zu 10.000 Gläubigen Platz bietet. Sie sollte ursprünglich das grösste sakrale Bauwerk Lateinamerikas werden, aber ein architektonischer Fehler wusste dies angeblich zu verhindern. Die Cuencanos aber schwören darauf, dass es sich sehr wohl um die grösste Kirche des Kontinents handelt. Erbaut wurde sie vom schwäbischen Geistlichen Juan Bautista Stiehle, der auch die Pläne für den Wiederaufbau der 1893 von einem Erdbeben zerstörten Stadt entwarf, bevor er 6 Jahre später hier in seiner Wahlheimat verstarb.
Beim nachmittäglichen Spaziergang entlang am Río Tomebamba, der die Stadt in die nördliche Altstadt und das südliche moderne Cuenca teilt, können wir beobachten, wie einige fleissige Dienstmädchen ihre kunterbunten Wäschestücke im grasbewachsenen Ufer zum Trocknen auslegen.
Nun ist heute bekanntlich Samstag, und wir sind in einer Stadt mit reichlich Nachtleben. Michi kneift zwar, er glaubt mal wieder eine anrückende Erkältung zu spüren und legt sich lieber ins Bett, aber ich bin nicht mehr aufzuhalten, ich werde heute ausgehen, jawohl! Noch dazu, wo die in unserem Reiseführer empfohlene Salsothek nur ein paar Strassenblöcke weit weg ist.
Als ich kurz vor 23.00 eintreffe, bin ich noch alleine mit 7 weiteren Gästen. Aber schnell füllt sich das Lokal, die Stimmung steigt, und es zieht alle auf die Tanzfläche. Obwohl, wie ich später erfahre, der Zutritt eigentlich nur paarweise gestattet ist, bekomme ich trotzdem diverse Tanzpartner ab. Die allerdings nur mässig gut tanzen. Bis ich auf Eddy treffe. Wir passen wunderbar zusammen, und verlassen die Tanzfläche allenfalls noch, um uns kurz an einer Caipirinha zu erfrischen. Doch schon lockt der nächste Rhythmus. Die Zeit vergeht im Flug, und natürlich erscheint es uns viel zu früh, als um 2.00 schon Zapfenstreich ist. Das war mit Abstand der beste Abend, seit ich unterwegs bin, und Eddy ist nicht davon abzubringen, mich noch nach Hause zu begleiten. Mehr verrat ich an dieser Stelle nicht.
Den Sonntag verbringe ich ziemlich faul und etwas gelangweilt überwiegend im Bett und vor dem Fernseher, mal abgesehen von einem weiteren Spaziergang durch die Stadt, die aber ziemlich ausgestorben wirkt. Vor der Kathedrale treffen wir auf 2 bis zum Ende der Messe wachehaltende Polizisten. Sie laden Michi ein, auf ihre neue 400-er Suzuki Z aufzusitzen, die wir im Vorbeigehen bewundern. Die gesamte Polizei ist mit diesen teuren Geländemoppeds ausgerüstet, und sie sind immer zu zweit darauf unterwegs, einer fährt, der andere schiesst. Eine halbe Stunde lang unterhalten wir uns mit den beiden über Gott und die Welt, über sie und über uns, bis die Messe zu Ende ist und der Trubel beginnt, als die halbe Stadt aus der Kirche strömt.


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