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vom 22.-24. Dezember 2001

Die ersten Tage verbringen wir mit Stadtbesichtigung. Francisco zeigt mir die Candelaria, die koloniale Altstadt von Bogotá mit viel bohèmschen Flair, und das Wohnviertel, in dem er aufgewachsen ist.
An Heiligabend sind wir bei seiner Mutter zum Mittagessen eingeladen, und so lerne ich seine Familie kennen. Am Abend laufen wir durch die festlich beleuchteten Strassen. Viel ist aber nicht los, nach und nach schliessen alle Lokale, und so verbringen wir den verbleibenden Abend bescheiden aber gemütlich bei Kerzenschein auf unserem Zimmer im Platypus.

Di., 25.12.2001
Wir erkunden weiter die Stadt, schlendern durch das Centro Internacional, und wollen schliesslich hinauf auf den Berg Monserrate, eine der touristischen Höhepunkte der Stadt. Über die Avenida Circunvalar, die sich längs dutch die Stadt am Berg entlangschlängelt, begeben wir uns zur Talstation der Seilbahn.
Wir sind schon in deren Sichtweite, als ich plötzlich hinter mir Schritte höre. Im ersten Moment denke ich noch, da will jemand an mir vorbei. Instinktiv halte ich den Rucksack, den ich lose über die Schulter hängen habe, fester. Das nutzt jedoch nicht viel, denn als ich mich im nächsten Moment umdrehe, um nach dem Rechten zu sehe, erkenne ich sofort, dass mit den 4 Typen, von denen jeder ein gezücktes Messer in der Hand hält, nicht zu spassen ist und wir zu zweit keinerlei Chance haben. Der eine, der bereits nach meinem Rucksack gegriffen hat, hebt schon bedrohlich den Arm, und es ist ihm deutlich anzusehen, dass er gnadenlos zustechen würde, wenn er nicht aus freien Stücken bekommt, was eigentlich nicht ihm gehört. In Anbetracht dieser Tatsache überlasse ich ihm, in dem Moment noch mehr aus Schreck als aus Vernunft, mein Hab und Gut, womit sich die vier Taugenichtse sogleich aus dem Staub machen. Es ging alles so schnell, dass auch Francisco keinerlei Zeit blieb, zu reagieren. Was sicher auch besser war. Denn jeglicher Versuch, sich gegen derlei Banditen zur Wehr zu setzen, endet garantiert blutig.
Das ist natürlich nur ein schwacher Trost, und wenngleich ich mittlerweile doch recht abgebrüht bin und derlei Geschehnisse als fast völlig normal hinnehmen kann, so steigt doch die Wut in mir hoch, als ich zusammenfasse, was ich alles dabei hatte. Neben dem mittlerweile zweiten Rucksack, und dem dritten Geldbeutel, der mir auf diese Weise abhanden kommt, und der gerade mal $ 15.000,- (DM 15.-) enthielt, waren es überwiegend Dinge ohne grossen materiellen Wert, die mir persönlich aber umso wichtiger waren: da war mein Tagebuch, das ich seit der Einreise nach Ecuador nicht nur mit persönlichen Eindrücken sondern auch mit allen statistischen Daten füllte, und leider hatte ich auch den ältesten der Pinguinfamilie dabei, der sich von Violetas Cockpit gelöst hatte. Der kleine Frosch aus Ecuador kam gar nicht erst dazu, seinen Platz daneben einzunehmen. Auch mein kleiner Kulturbeutel mitsamt Inhalt war mir mit den Jahren ans Herz gewachsen.
Doch weitaus schlimmer noch ist der Verlust der Digitalkamera, mit deren Fotos ich während eines ganzen Jahres die Homepage gespeist hatte und die somit ein wichtiger Begleiter war. Ohne sie wird die Weiterreise nicht mehr dieselbe sein.
Die Lust auf den Ausflug hat man uns somit gründlich verdorben, wir ziehen uns ins Hotel zurück. Als wir hier berichten, was uns widerfahren ist, erklärt man uns, dass man diesen Ausflug nur am Wochenende unternehmen könne, unter der woche ist es einfach zu riskant. Heute ist zwar ein Feiertag, aber einer jener, den die Familien meist in Ruhe zu Hause verbringen, und daher wie geschaffen für Überfälle dieser Art. Ausserdem kann fast ein jeder der Gäste hier von ähnlichen Erfahrungen berichten. Kaum einer, der bisher ungeschoren davon kam, und dem noch nichts gestohlen wurde. Da ist die Australianerin, die in Ecuador innerhalb einer Woche vier Mal überfallen wurde, und das englische Pärchen, das auch auf dem Weg zum Monserrate unangenehm überrascht wurde. Und mehr als einer wurde nachts im Zentrum Opfer eines Überfalls...
Ich will nichts dergleichen mehr hören, und um uns abzulenken, gehen Francisco und ich später ins Kino. Auch in Kolumbien ist Harry Potter ein grosser Erfolg, den wir uns nicht entgehen lassen wollen, vor allem nachdem ich in Peru bereits die ersten drei Bände gelesen habe.
Nachdem wir während des Films tatsächlich das Geschehene vergessen können, holt uns auf dem Rückweg durch die verlassenen Strassen in der Finsternis der Nacht die Realität wieder ein. Fast schon wie von einer Paranoia besessen, fühle ich mich von jedem sich bewegenden Schatten verfolgt und bedroht. Ich bin heilfroh, als wir unbehelligt ankommen und die Tür hinter uns ins Schloss fällt.

26.-30.12.2001
Als erstes muss ich natürlich wieder Anzeige erstatten. Wie bereits gehabt, gibt es lediglich ein Formular, das den Verlust, nicht aber den Diebstahl von Dokumenten oder persönlichen Gegenständen bestätigt. Unglaublich, wie diese Art von Delikten offensichtlich bewusst ignoriert wird!!
Ansonsten wird in den folgenden Tagen unsere Zeit überwiegend von der Suche nach einer neuen Kamera beansprucht. In den entsprechenden Vierteln laufen wir die zahlreichen, sich aneinanderreihenden und ganze Strassenzeilen füllenden An- und Verkaufsläden ab, die dafür bekannt sind, Diebesgut zu führen. Wieder ist es unglaublich, was sie alles anbieten. Unmengen von Walkmans und Fotokameras liegen in den Schaufenstern aus. Digitalkameras gibt es jedoch bisher nur sehr wenige. Meine eigene ist leider (noch) nicht dabei, und auch sonst ist keine brauchbare aufzutreiben.
Eine ganz neue, ungebrauchte, fällt aus Kostengründen aus, die kosten hier beinahe doppelt soviel wie in Deutschland!! Ich werde wohl zumindest in der nächsten Zeit auf digitale Bilder verzichten müssen, falls ich überhaupt noch weiterreisen werde. Die Lust daran ist mir nicht zuletzt aufgrund dieser letzten Vorfälle doch etwas vergangen, und ich bin am Überlegen, ob ich nicht eine Weile -ein paar Wochen oder Monate- mit Francisco hierbleiben soll.

Mo., 31.12.2001
Silvester. Ich erinnere mich an letztes Jahr, als ich mit Gerhard und Michi den Jahreswechsel an einem einsamen, schäbigen Strand in Chile verbrachte, und ich habe die feste Absicht, mich heuer besser zu amüsieren. Die Voraussetzungen dafür stehen gut, ich bin in bester Gesellschaft, und ich befinde mich in der Hauptstadt Kolumbiens. Die Leute hier verstehen es angeblich zu feiern, und ich bin schon gespannt, was sie an Silvester zu bieten haben.
Weil wir erst noch zum Essen gehen wollen, machen Francisco und ich uns schon recht früh auf den Weg. Dabei müssen wir feststellen, dass sämtliche Lokale im Zentrum bereits geschlossen haben oder dabei sind, zu schliessen. Ein einziges Lokal entdecken wir, das bis 1.00 geöffnet haben wird. Aber es ist noch völlig leer, ohne einen einzigen Gast.
Wir beschliessen, in die Zona Rosa, das Ausgehviertel weiter im Norden der Stadt, zu fahren. Doch auch hier dasselbe Bild. Ausnahmslos alle Lokale haben geschlossen, die Strassen sind total ausgestorben. Aus einer kleinen Cafetería dringt noch Musik. Hier bekommen wir immerhin noch eine Kleinigkeit zu essen.
Es bleibt uns tatsächlich nichts anderes übrig, als zurück ins Zentrum zu fahren und mit der inzwischen wirklich einzigen, geöffneten Taberne vorlieb zu nehmen. Es ist mittlerweile nach 22.00, und neben einem weiteren Pärchen sind wir immer noch die einzigen Gäste. Wir lassen uns unsere gute laune nicht von dem traurigen Anblick des leeren Lokals verderben, und nutzen die Gelegenheit, die Tanzfläche ganz für uns alleine zu haben.
So nähert sich langsam Mitternacht. Francisco befürchtet nun, dass sich auch die Taxis rar machen werden, und will daher lieber rechtzeitig, also noch vor Mitternacht, den Heimweg antreten. Auch ich habe keine Lust, ausgerechnet heute zu Fuss durch die ausgestorbene Candelaria laufen zu müssen. So kommt es, dass wir schon um 23.45 wieder auf unserem Hotelzimmer sind.
Aus dem Nachbarhaus unterhält uns die Party-Musik bis in den frühen Morgen, zu Mitternacht ertönen die Kirchenglocken und die Nationalhymne, ansonsten ist es still. Keinerlei Feuerwerk, das ist hierzulande verboten. Einen derart stillen Jahreswechsel hätte ich in einer Stadt wie Bogotá, eine der grössten von Südamerika, wirklich nicht erwartet. Wie traurig!!

Mo., 01.-14.01.2002
Die Tatsachen, dass Fernandos Brief mit dem neuen Fahrzeugschein aus Chile immer noch nicht angekommen ist, und dass ich überlege, mir eine neue Digi-Cam aus Deutschland schicken zu lassen, was auch eine Weile dauern würde, tragen zu dem Entschluss bei, dass ich wirklich eine Zeitlang hierbleiben will, zumindest bis ich alles geregelt habe. Also wollen Francisco und ich uns für diese Zeit eine möblierte Wohnung suchen. In den nächsten Tagen knöpfen wir uns die Anzeigen in den Zeitungen vor und schauen uns ein paar der Angebote an. Es ist jedoch nichts Akzeptables dabei, und da wir es doch etwas eilig haben, das auf Dauer zu teure Hotelzimmer verlassen zu können, müssen wir uns mit einem Zimmer zufrieden geben, das wir zunächst für einen Monat anmieten.
Als ich mit Violeta in unser neues Zuhause umziehen will, will sie partout mal wieder nicht anspringen. Ich übe mich in Geduld, schliesslich ist sie jetzt fast eine Woche lang nicht bewegt worden. Doch alles Kicken nutzt nichts. Ob es wohl wieder an mangelndem Benzin liegt? Sicher hat sie bei dem Horrortrip bei der Ankunft in der Innenstadt wesentlich mehr verbraucht als sonst. Ich mache mich also mal wieder mit Kanister bewaffnet auf den Weg zur nächsten Tankstelle. Das hätte ich mir allerdings auch sparen können, denn es ist nicht des Rätsels Lösung. Ich weiss nicht weiter, und muss Hilfe suchen. Don Manuel, der Hotelbesitzer, schickt mich 2 Häuser weiter zum Parkplatz, dort gäbe es jemanden, der sich mit Motorrädern auskennen würde.
Arg viel Vertrauen habe ich zwar nicht in ihn, wie er so in seinen Badeschlappen daherkommt, aber solange er sich nur die Zündkerze ansehen will, kann er noch nicht viel falsch machen. Nur gut, dass ich mir in Salta/Argentinien den richtigen Schlüssel dazu besorgt habe. Damit lässt sich die Zündkerze nach einer Weile doch erfolgreich herausnehmen, trotz des beengten Platzes unter dem Tank. Und in der Tat, sie ist völlig nass, kein Wunder, dass Violeta trotz Anschiebens bei Gefälle nicht anspringen konnte. Dem ist schnell abgeholfen, mithilfe eines Feuerzeugs wird die Kerze wieder getrocknet, und auf den ersten Tritt springt Violeta an. Zum Glück war es nichts Gravierenderes.
Um dem Mief der Grosstadt etwas zu entfliehen, fahren wir am Samstag ins nahegelegene Chía, ein kleines, ruhiges Dorf und beliebtes Ausflugsziel der Bogotaner. Die einzige Attraktion ist im Grunde das Restaurant Andres Carne de Res, das schon allein aufgrund seiner Dekoration einen Besuch wert ist. Das Essen ist sicher auch hervorragend, allerdings nicht für unseren Geldbeutel gedacht. Wir begnügen uns mit dem Augenschmaus, und ich bedaure erneut den Verlust meiner Kamera.
Noch etwas weiter entfernt ist Zipaquirá, wohin wir am Sonntag fahren, um hier die berühmte Catedral de Sal zu besuchen. In einem stillgelegten Stollenabschnitt des Salzbergwerks wurde in den 50er Jahren ein Kircheninnenraum herausgehauen, der jedoch vor ein paar Jahren wegen Einsturzgefahr geschlossen wurde. Vor kurzem wurde ein eher abstrakt gehaltener, aber dennoch vor allem wegen seiner monumentalen Grösse imposanter Neubau der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Selbst nach ein paar Tagen fühle ich mich in unserem Zimmer immer noch überhaupt nicht wohl, es hat nichts von der Unabhängigkeit einer eigenen Wohnung, und ist im Grunde auch nichts anderes als ein weiteres Hotelzimmer. Einen ganzen Monat halte ich es hier nicht aus, und beschliesse schon bald, doch in Kürze weiterzureisen, auch wenn am 09.01. die Friedensgespräche zwischen der FARC und der Regierung gescheitert sind, und landesweit mit heftigen Unruhen und Terroranschlägen seitens der Guerrilla zu rechnen ist.


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