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vom 17. Dezember 2001

kolumbianische Küche

Tiberio...

...in seiner Werkstatt

Mauricio und Macky...

...im Pueblo Paisa

Blick auf Medellin

Mateo mit Helm

Medellin trifft München

Abschied im Morgengrauen

Es regnet, und ich muss die Abfahrt etwas verschieben. Gegen 11.00 ist es trocken genug, um aufbrechen zu können. Die Fahrt geht über die Autopista del Cafe, an deren Ausbau fast entlang der gesamten Strecke gearbeitet wird.
Als ich am Nachmittag in Medellin ankomme, beschliesse ich spontan, gleich als erstes Tiberio in seiner Werkstatt aufzusuchen, noch bevor ich mich um ein Zimmer kümmere. Die Orientierung ist trotz des im Grunde übersichtlichen Strassensystems nicht ganz einfach. Wie in allen Städten Kolumbiens tragen die Strassen keine Namen, sondern sind stattdessen durchnumeriert. Die Längsstrassen heissen 'calle', und die Querstrassen 'carrera'. Eine vollständige Adresse besteht aus 3 Nummern: die ersten beiden geben die Kreuzung der beiden Strassen an, an der sich das gesuchte Haus befindet, und erst die letzte Nummer ist die Hausnummer. Somit sollte Tiberios Werkstatt in der Carrera 40/16-43 schnell gefunden sein. Nur leider ist das Schachbrettmuster nicht immer konsequent durchgezogen, oder die Fahrtrichtung der Einbahnstrassen lenkt einen unfreiwillig in eine andere Richtung, und so dauert es doch etwas länger, bevor ich endlich Violetas schon wieder heissgelaufenen Motor abstellen kann.
Drinnen werde ich bereits erwartet, und Tiberio schickt mich als erstes ins Bad, um mir den Dreck aus dem Gesicht zu waschen. Mit dem offenen Helm ist es unvermeidbar, dass ich schnell ausschaue wie ein Schornsteinfeger nach getaner Arbeit.
Nachdem ich wieder halbwegs wie ein normaler Mensch aussehe, erkläre ich Tiberio bei einer Tasse herrlichen kolumbianischen Kaffees Violetas Probleme, und Tiberio stellt mich seinen beiden Freunden vor, die in der Zwischenzeit aufgekreuzt sind, und mit denen er nächstes Jahr in 6 Monaten bis Alaska und wieder zurück fahren wird. Es entsteht eine angeregte Unterhaltung, bis es für mich höchste Zeit wird, mir endlich ein Zimmer zu suchen, bevor es draussen völlig dunkel ist. Doch Mauricio (s. Link), einer der beiden Freunde, kommt mir zuvor und lädt mich zu sich nach Hause ein. Das klingt verlockend, und ich nehme die Einladung gerne an. Wir warten nur noch auf seine Frau Macky, die uns hier abholen wird, und während Violeta bei Tiberio in der Werkstatt bleibt, verladen wir mein gesamtes Gepäck auf den Pick-Up, dann machen wir uns auf den Weg.
Ich staune nicht schlecht, als wir nach etwa einer halben Stunde ankommen. Etwa 30 km ausserhalb der Stadt haben die beiden ein herrliches Haus auf einem riesigen Grundstück mitten im Grünen. Bereits im Dunkeln ist es beeindruckend, wie wird es erst bei Tageslicht erscheinen!!
Von unterwegs aus wurde bereits per Handy die Haushälterin informiert, und als wir ins Haus treten, ist das Gästezimmer schon für mich hergerichtet, und auch das Essen wartet bereits.

Di., 18.12.2001
Mauricio und Macky nehmen sich meiner voll an. Am Frühstückstisch planen wir den Tagesablauf. Ich selber habe nur noch zwei Anliegen: ich muss zum Zahnarzt und ich brauche einen neuen Helm. Macky ist Kinderzahnärztin und hat somit natürlich alle erforderlichen Kontakte. Gleich macht sie mit einer Kollegin von ihr noch für heute einen Termin für mich aus.
Am Vormittag begleite ich Macky bei ihren Erledigungen in der Stadt, und zu Mittag sind wir bei Freunden zum Essen eingeladen. Weil es zeitlich fast etwas eng wird, nehme ich von dort aus ein Taxi zum Zahnarzt.
Mein Problem ist jedch etwas komplexer, und Frau Doktor kann nicht sehr viel ausrichten. Sie schickt mich zu einem weiteren Kollegen, bei dem sie mir für morgen einen Termin besorgt.
Eine halbe Stunde später sind Macky und Mauricio wieder zur Stelle um mich abzuholen, und sie führen mich durch die Innenstadt. Am Abend chauffiert uns Mauricio im Pick-Up durch die Stadt, zu viert machen wir es uns auf der offenen Ladefläche gemütlich, um den alumbrado, die Weihnachtsbeleuchtung, besser bewundern zu können. Ein typischer, fast obligater kolumbianischer Abendausflug oder Spaziergang in der Weihnachtszeit, denn jedes Jahr wird die Stadt mit neuen bunten und fantasiereichen Designs erhellt.

Mi., 19.12.2001
Zunächst begleitet Macky mich um 10.30 zum Zahnarzt, einem alten Kollegen von ihr, den sie seit Jahren nicht gesehen hat, und mit dem sie in alten Zeiten schwelgt, während er mich behandelt.
Danach treffen wir uns mit Mauricio, der mich für den Rest des Tages in seinen Fittichen hat. Wir fahren zu Tiberio in die Werkstatt. Violeta ist bereits fertig, und bereit für eine Probefahrt. Mauricio tauscht das Auto gegen Mackys Roller, der in der Garage seiner Mutter steht. So fahren wir gemeinsam die 30 km hinaus nach Hause. Von hier, von El Retiro aus drehen wir noch eine weitere Runde und besuchen den Ort La Ceja mit seiner antioquenischen Architektur.
Viel weiter geht nicht, denn dahinter auf der anderen Seite des Hügels begibt man sich wieder in brisantestes Guerrilla-Gebiet, um das sich die beiden stärksten Gruppen, die FARC und die ELN, ständig zanken. Gleichzeitig lassen sich die Paramilitärs von den Anwohnern bezahlen, um dafür zu sorgen, dass die Guerrilla nicht weiter vordringt und ihr Gebiet noch weiter ausbreitet.
Eigentlich wäre dies der direkteste Weg nach Bogotá, den ich auch ursprünglich zu nehmen gedachte. Doch Tiberio und Mauricio haben mir das strengstens untersagt, die Ecke ist einfach zu riskant, während man hingegen die Strecke über Manizales bedenkenlos fahren kann. Somit ist es gar nicht so schwer, sich einigermassen sicher durch Kolumbien zu bewegen. Man muss sich nur auskennen, und wissen, welche Gebiete man besser meidet. Die Schwierigkeit besteht nur darin, dass die Gefahrenzonen recht schnell wechseln können. Aber die Einheimischen wissen meist recht gut über die aktuelle Lage Bescheid, und sowohl Mauricio (e-mail) als auch Tiberio (e-mail), der ausserdem eine Motorradwerkstatt führt, helfen jederzeit gerne weiter, und freuen sich, jedem Interessierten die positiven Seiten dieses herrlichen Landes näherzubringen.
Anyway, Violeta läuft einwandfrei, welche Wohltat, und welche Erleichterung!
Den Rest des Nachmittags verbringen wir vor dem PC, und über den Bildbänden und Landkarten von Kolumbien, um meine sichere Weiterreise zu planen und mich mit wertvollen Hinweisen zu den Sehenswürdigkeiten zu versorgen. Fast vergessen wir dabei, dass wir bei weiteren Freunden zum Abendessen eingeladen sind.
Ist Mauricios Haus schon nicht zu verachten, so ist das von dem befreundeten Spanier, der in Medellin ein Reisebüro hat und hier mit seiner Frau und den 3 Kindern lebt, erst recht ein Palast. Nicht nur von aussen, auch von innen kommt es einem kleinen Schloss gleich, und unwillkürlich frage ich mich, ob soviel Luxus wirklich nötig ist, wenn man gleichzeitig von soviel Armut umgeben ist.
Die Gesellschaft ist entsprechend steif. Die Frauen tauschen den neusten Klatsch aus und erzählen von ihren letzten materiellen Errungenschaften. Eine von ihnen erklärt, sie wolle sich jetzt auch einen PC mit kompletter Ausstattung, mit Lautsprechern, Mikrofon und Webcam zulegen. Auf die Frage, wozu sie das denn bräuchte, wo sie doch von Computern keinerlei Ahnung hat und nicht einmal eine Tastatur bedienen kann, weiss sie keine Antwort ausser der, dass man das heute schliesslich haben muss. Und als Macky erzählt, dass sie nur ungern ein Einkaufszentrum besucht, wird sie gefragt, wozu sie denn ihr Geld verdienen würde, wenn sie es nicht für all die tollen und sündhaft teuren Sachen ausgeben würde, die es dort zu kaufen gibt.
Obwohl auch dies ein äusserst interessanter Einblick in die Sitten und Gebräuche der kolumbianischen Gesellschaft ist, fühle ich mich nicht sonderlich wohl in dieser Welt. Daher bin ich heilfroh, als wir gegen 11.30 als erste die inzwischen durch Alkohol etwas aufgelockertere und zu derben Witzen höflich lachende Runde verlassen.

Do., 20.12.2001
Das Pflichtprogramm ist überwiegend erledigt, somit steht der heutige Tag fast völlig zur freien Verfügung. Mauricio und Macky führen mich auf den Cerro Nutibara, von dem aus man einen herrlichen Blick über die Stadt hat. Ausserdem beherbergt der Hügel das Pueblo Paisa, die Rekonstruktion eines typischen antioquenischen Dorfes. Der zentrale Platz ist von einer Kirche und den weiss gekalkten Häusern mit den Balkonen umgeben.
Sie sind nicht davon abzubringen, mich anschliessend erneut zum Mittagessen einzuladen, bevor Mauricio sich mit mir auf die Suche nach einem neuen Helm macht. Gar keine leichte Aufgabe, wie sich schnell herausstellt. Ich hatte schon befürchtet, dass ich sämtliche Ansprüche an Design und Farbe würde zurückstecken müssen, aber dass keiner der renommierten Läden Grösse S vorrätig hat, damit hatte ich nun auch wieder nicht gerechnet. Fast wollen wir schon aufgeben, als wir schliesslich beim 5.Anlauf, einem kleinen unscheinbaren Laden, fündig werden. Ganz neu haben sie gerade gestern den Cross-Helm der Marke Grex, die angeblich aus derselben Fabrik wie Nolan stammt, hereinbekommen. Trotz des Rabatts, den Mauricio für mich heraushandeln kann, wollen sie noch ganze 290.000,- (DM 290.-) dafür haben. Ein stolzer Preis dafür, dass ich künftig auf ein herunterklappbares Visier verzichten soll. Aber ich habe offensichtlich keine andere Wahl. Ich verfluche noch einmal die rücksichtslosen Diebe, und schadenfroh tröste ich mich damit, dass ihnen mein schöner Klapphelm wegen seiner kleinen Grösse gar nichts nutzen wird, und versuche, dem neuen Helm seine positiven Seiten abzugewinnen: er sieht ja ganz gut aus, und ist ausserdem wesentlich leichter als der alte. Und immerhin kann ich nun die schwarze Billigschüssel getrost an Mateo vermachen.
Seit Tagen schon erwartet Mauricio weiteren Besuch aus Deutschland, und um 19.00 holt er nun Manfred aus Freising am Flughafen ab. Wie klein doch die Welt ist! Beim Abendessen feiern wir gleichzeitig Manfreds Ankunft und meinen Abschied, da ich morgen früh Medellin verlassen werde.

Fr., 21.12.2001
Es ist endlich soweit, heute geht es auf nach Bogotá, wo ich mit Francisco verabredet bin. Obwohl ich es nach den paar netten Tagen mit Mauricio und Macky eigentlich gar nicht mehr so eilig habe, wegzukommen, steht der Wecker auf 5.30. Eine knappe Stunde später, es ist noch gar nicht richtig hell draussen, bin ich startklar. Der Abschied fällt schwer, in kurzer Zeit habe ich echt gute Freunde hier gewonnen. Aber vielleicht trifft man sich ja unterwegs wieder, es kann gut sein, dass sie mich auf ihrem Weg nach Alaska irgendwann einholen.
Erst muss ich ja zurück nach Manizales, wo ich hergekommen bin. Zweimal fahre ich auf kilometerlange Staus auf, jeweils durch einen Unfall hervorgerufen, der ein Vorbeifahren an den betroffenen, beides Mal frontal zusammengestossenen LKWs unmöglich macht. Mit dem Mopped habe ich zum Glück keinerlei Probleme, und kann daran vorbeifahren. Alle anderen stecken hier sicher für mindestens 2 Stunden fest.
An dem Erdrutsch kurz vor Manizales scheitere allerdings auch ich. selbst Moppeds kommen hier nicht durch, und ich muss umkehren, um genau wie alle anderen die Umleitung zu nehmen.
War bisher das Wetter einwandfrei, so wechselt es schlagartig, als ich nun Richtung Bogotá abbiege. Der Himmel ist mit dunklen Wolken verhangen, und ein kurzer, dafür aber umso heftigerer Graupelschauer sorgt dafür, dass ich richtig nass werde, bevor ich mich in kältere Regionen in den Parque de los Nevados hinaufwinde, und hier im Nebel der Wolken versinke. Bei klarem Wetter hat man von hier aus angeblich eine tolle Aussicht auf den verschneiten Gipfel des Nevado del Ruiz, heute ist aber davon natürlich nichts zu erkennen. Ich friere bitterlich, nur im T-Shirt unter der Jacke, aber ich gönne mir keine Pause. Eine zu lange Strecke habe ich noch vor mir, und bei dem regen LKW-Verkehr durch das Auf und Ab und die sich aneinanderreihenden Kurven kommt man nur langsam voran.
Auch das am Río Magdalena gelegene Guaduas, ein wegen seiner angenehmen Temperaturen und üppigen Vegetation beliebtes Ausflugsziel, nutze ich lediglich, um schnell zu tanken. Ich muss zusehen, noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen.
Nach gut 10 Stunden Fahrzeit erreiche ich endlich die Hauptstadt Bogotá. Dank Mauricios Hinweisen finde ich mich ganz gut zurecht, ich muss nur den beiden Hauptachsen folgen, die das Zentrum mit dem Norden verbinden. Das Chaos beginnt erst, als ich mich der gesuchten Adresse nähere, und von der breiten mehrspurigen Avenida abbiegen muss. Die engen Strassen sind total verstopft, überwiegend von einer Unzahl von Bussen und Kleinbussen. Mittlerweile ist es dunkel geworden, mein Licht funktioniert nicht, und ich stecke mittendrin, zwischen den Bussen, die selber jede noch so kleine Lücke nutzen, um so langsam zentimeterweise vorzurücken, und an deren stinkenden Abgasen ich fast zu ersticken drohe. Noch dazu sind die dunklen Strassen in einem miserablen Zustand, in diesem Stop-and-Go falle ich von einem Schlagloch ins nächste, und muss dabei aufpassen, nicht den Boden unter den Füssen zu verlieren, und gleichzeitig mich nicht vom nächsten Bus neben mir ausstechen zu lassen. Ein einziger Kampf! Noch dazu muss ich weiter nach der Adresse suchen, und entweder lenkt mich wieder die Richtung der Einbahnstrasse um oder die gnadenlosen Busfahrer lassen mich nicht rechtzeitig abbiegen. Damit nicht genug, Violeta läuft wieder heiss, und mehr als einmal geht sie mir inmitten diesen Chaos einfach aus. Ich bin der Verzweiflung nahe, und fix und fertig, als ich 2 Stunden später endlich vor dem Hotel Platypus (s. Link) stehe, wo man uns ein Zimmer reserviert hat.
Mit geschlagenen 12 Stunden und dabei 560 zurückgelegten km war dies die längste und auch eine der härtesten Etappen der ganzen bisherigen Reise. Ich bin heilfroh, als Violeta endlich -mehr mit Hilfe des freundlichen Personals als durch eigene Kraft- sicher und trocken im Innenhof abgestellt ist. Ich will nur noch unter die Dusche, und was essen, danach falle ich totmüde ins Bett. Francisco wird erst gegen 1.00 ankommen, solange kann ich nicht mehr warten.


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