zur startseite

kindernothilfe

ausrüstung

guestbook
portrait vorbereitungen
die tour
links


Argentina
Bolivia
Peru
Ecuador
Colombia
Venezuela

unterwegs in




vom 19. Januar 2001

Ventisquero Yelcho,...

...hängender Gletscher

Michis Geburtstag

Besuch zum Frühstück

durch den Queulat-Regenwald

Gletscher Queulat

auf dem Weg nach Coyhaique

morgendlicher Gast

Auffahrt auf's Schiff...

...im Puerto Chacabuco

Evangelistas, ehemals Condor aus Aschendorf/Ems

Laguna San Rafael

Eisberge

Chin-Chin, Whisky on the Rocks aus dem Meer

am Gletscher

Rückkehr zum Schiff

Gegen 10.00, also mit nur wenig Verspätung, legt die Fähre bei strahlend blauem Himmel in Chaiten an. Violeta stellt sich mal wieder tot. Nur gut, dass die Fähre lang genug ist, um sie darauf mit Hilfe der Schiffsarbeiter anschieben zu können.
Nun geht es auf die Carretera Austral, die Verlängerung der Panamericana, und wir stellen uns auf etliche 100 km Schotter ein. Aber was ist denn das?! Gleich hinter Chaiten beginnt ein breites, dunkles Asphaltband! Das darf ja wohl nicht wahr sein, die wollen aus dieser wunderschönen Naturstrasse eine Autobahn machen!! Das passt ja wohl überhaupt nicht in diese Landschaft! Da haben wir ja direkt noch Glück, rechtzeitig genug hergekommen zu sein. Selbst die bereits fertige Trasse ist immer noch von Baustellen unterbrochen. Allerdings passiert auch an genau einer solchen das nächste Malheur. Wir müssen ziemlich lange warten, bis an der einspurigen Strecke der gesamte Gegenverkehr durchgezogen ist, und wir grünes Signal bekommen. Gerhard ist wohl ob der Hitze etwas ungeduldig geworden und hat es zu eilig, weiterzukommen. Er dreht etwas zu sehr am Gas, und beim Versuch, das schlenkernde Mopped abzufangen, überholt ihn sein Hinterreifen. Gegen die Fahrtrichtung kommt er fast zu stehen, kippt aber im letzten Moment doch noch um. Wir sind beide gehörig erschrocken, aber als wenn nichts gewesen wär, stellt er sein Mopped wieder auf und fährt davon, während ich mich erst wieder vom hilfsbereiten Bauarbeiter anschieben lassen muss.
Auch als der Asphalt nach ein paar km ein Ende hat, kommen wir erstaunlich gut voran. Entweder hat sich der Zustand der Strasse gebessert, oder ich hab in der Zwischenzeit doch ein bissl was dazugelernt, seit ich vor 3 Jahren die Strecke schon mal gefahren war, damals mit wesentlich mehr Respekt. Jedenfalls erreichen wir nach 55 km schon bald den Campingplatz Yelcho de la Patagonia, wo Michis Oveja Negra in der Einfahrt steht und auf uns wartet. Das hat ja einwandfrei geklappt!
Nach den Geburtstagswünschen und ersten Erzählungen erfahren wir, dass Michi fast seine Fähre in Hornopiren versäumt hätte, weil protestierende Fischer genauso wie auf Chiloe brennende Strassenbarrikaden errichtet hatten. Seine Einreise nach Argentinien hingegen ging problemlos über die Bühne, allerdings bloss unter Vorlage des Carnet de Passage. Den werde ich mit meinem chilenischen Kennzeichen ja wohl nicht brauchen.
Nun richten auch Gerhard und ich uns häuslich ein. Wir sind allerdings noch zu erschlagen von der langen Nacht, um Michi bei der Wanderung zum Gletscher Yelcho zu begleiten. Erstmal brauchen wir eine anständige Dusche, dann inspizieren wir die Umgebung und bestaunen die herrliche Lage des Platzes an dem mit schneebedeckten Gipfeln und herabstürzenden Gletschern umgebenen See. Schliesslich schlafen wir in der wohligen Sonne ein.
Bevor ich aber einen Sonnenstich bekomme, mache ich lieber noch was Sinnvolles, lege das 2. Schrauber-Event ein und geb dem Gummi meiner Soziusfussraste, die ich zum Glück doch noch nicht entsorgt hab, eine neue Aufgabe. Ich schneide es zurecht und schraube es unter meine rechte Fussraste, wo es den Kickstarter rechtzeitig abbremst und für ausreichend Abstand sorgt, damit ich mir künftig den Fuss nicht mehr anhauen kann. Der abschliessende Test verläuft positiv, es funktioniert. Genial!!
Am Abend will uns Michi zur Feier des Tages zum Essen einladen, aber weit und breit gibt es hier kein Restaurant, ausser dem doch etwas sterilen Lokal der Hotelanlage, zu der auch der Campingplatz gehört. Wenn es auch an Atmosphäre mangelt, so ist das Essen doch ganz lecker, und im Preis inbegriffen ist sogar der Wein, sodass wir immerhin noch auf Michis Geburtstag anstossen können.

20.01.2001
So langsam sollten wir gelernt haben, dass ein blauer Himmel und Sonnenschein hierzulande keine Garantie sind für anhaltend schönes Wetter. Schon bald hat sich der Himmel wieder zugezogen, die Gipfel und der Gletscher zu dem wir heute zu dritt wandern wollen, verschwinden in den Wolken und es fallen die ersten Tropfen. Die Wanderung fällt aus. Zum Glück war Michi gestern schon da und hat ein paar Bilder geschossen, sodass Gerhard und ich uns wenigstens eine Vorstellung davon machen können, was wir mal wieder versäumen. Enttäuscht packen wir unser Zeug zusammen und ziehen weiter.
Im nächsten Ort, dem ca. 30 km entfernten Villa Santa Lucia wollen wir uns mit Proviant versorgen. Keine leichte Aufgabe, denn der erste Laden hat kaum noch was da, und die Inhaberin vom 2. Laden ist gerade zu Tisch gegangen. Das Nötigste, um die nächsten Tage überleben zu können, bekommen wir erst im 3. Laden. Aber auch hier sind die Regale fast leer, denn der Versorgungs-LKW kommt nur einmal die Woche und ist inzwischen überfällig.
Weiter geht's durch eine grandiose Landschaft von Urwald und Gletschern, über die auch nicht das trostlose graue Wetter, das wir irgendwie nicht loswerden, hinwegtäuschen kann. Kurz vor Villa Vanguardia finden wir am Rio Frio, der seinem Namen alle Ehre macht, einen angemessenen Platz zum Wildcampen. Bei der Auffahrt auf die Wiese schmeisse ich vor Schreck noch kurz Violeta um, weil sich vor mir plötzlich wie aus dem Nichts ein Loch auftut, das mich von der Grösse her leicht hätte verschlucken können. Schnell bauen wir unsere Zelte auf, denn ein Blick nach oben verheisst nichts Gutes, und in der Tat schaffen wir es noch soeben, uns ins Trockene zu retten. Nur der Hund, der sich zu uns gesellt hat, und uns ganz mitleidig anschaut, muss leider draussen bleiben.

21.01.2001
Der Hund bleibt die ganze Nacht und hält Wache. Einmal sitzen wir fast senkrecht im Zelt, als er mitten in der Nacht laut bellend einen seiner Artgenossen verjagt. Trotzdem hat er sich dafür zumindest eine halbe Semmel verdient, die er sich beim Frühstück selber von Gerhards Teller holt.
Das Wetter ist wieder einigermassen ok, wir kommen gut voran. In La Junta halten wir zum Tanken und decken uns gleich mit reichlich Proviant ein, denn der dazugehörige Laden ist erstaunlich gut sortiert.
Auch Puyuhuapi lassen wir hinter uns, obwohl es inzwischen schon wieder leicht zu nieseln beginnt. Nach weiteren 20 km finden wir die Stichstrasse, die zum Ventisquero Colgante führt. In der Hoffnung, morgen mal wieder Sonne zu haben und wenigstens diesmal zum Gletscher wandern zu können, beschliessen wir, uns an dem hier eingerichteten Campingplatz niederzulassen. Noch während wir unsere Zelte aufstellen, macht sich ein Loch auf in der dichten Wolkendecke, und gibt den Blick frei auf den mächtigen Gletscher, wie er da zwischen den Felsen hängt. Wenig später marschieren wir, aus gutem Grund aber wieder in unser Regenzeug verhüllt, noch den halben km zur Lagune, in die der Gletscher wohl mündet.
Zum Glück finden wir trotz des Regens wenigstens noch genug trockenes Holz, um im Kamin, mit dem ein jeder Platz ausgerüstet ist, ein wärmendes Feuer zu entfachen.

22.01.2001
Wie kann es anders sein: Wir wollen zum Gletscher, aber es hat sich eingeregnet. Mal wieder fällt die Wanderung aus, genauso wie die vorangegangenen, und auch wie schon vor 3 Jahren.
Aber erneut lassen wir uns täuschen, denn viel zu früh geben wir auf und fahren weiter, obwohl es am Horizont schon heller wird. Zunächst aber schifft es noch, als wir aufbrechen. Vor uns liegt der Queulat-Nationalpark. Von einer bis auf 500 m hinaufführenden, wunderschönen Serpentinenstrasse aus hat man angeblich herrliche Aussichten auf den darunterliegenden Regenwald. Uns zeigt sie sich aber nur wolkenverhangen und nass. Genauso wie schon vor 3 Jahren. Ich bin daher ziemlich gefrustet, schon wieder solch ekliges Wetter hier anzutreffen. Damals führte ich den Regen auf die bereits zu fortgeschrittene Jahreszeit zurück, inzwischen glaube ich, dass es hier wirklich 370 Tage im Jahr regnet. Mittlerweile bin ich nur noch genervt: ich seh nichts aus dem nassen Visier, mein Gepäck rutscht ständig vor und quetscht mich hinter dem Tankrucksack ein, das Wasser kann also nicht mehr ablaufen, sammelt sich im Schritt und sickert irgendwann durch die Hose, die Handschuhe sind auch schon feucht, mich friert. Und das ausgerechnet, wo die Strecke wieder anspruchsvoller wird. Das ist zuviel für mich. Was will ich eigentlich hier? Aber nachdem ich nun schonmal hier bin, muss ich jetzt da durch. Es wird schon gehen, irgendwie. Nur, unter diesen Bedingungen bin ich natürlich nicht mehr zu überreden zum Abstecher nach Puerto Cisnes. Michi fährt da alleine hin, und wird später nachkommen.
Zu allem Überfluss müssen Gerhard und ich auch noch eine Zwangspause einlegen, als ein entgegenkommender LKW nicht zur Seite fährt und Gerhard zum Ausweichen in den losen Schotter am Strassenrand zwingt. Da verbiegt er sich an einem Stein sein Bremspedal. Immerhin kann er es recht schnell wieder richten. Meine Stimmung schliesst sich dem zunehmend besser werdenden Wetter leider nicht an, und ich bin froh, als wir endlich Mañihuales erreichen und eine Pause einlegen. Hier holt uns nicht nur Michi wieder ein, sondern auch die Zivilisation, denn hier ist die Strasse wieder breit asphaltiert. Dennoch entschliessen wir uns für die alte Schotterstrasse nach Coyhaique, wo wir auch bald einen netten Platz zum Übernachten finden, wieder gleich am Wasser. Es ist hier nur ziemlich windig. Die argentinische Pampa lässt wohl schon mal grüssen.
Nur gut, dass wir noch ein paar Vorräte übrig haben, denn hier gibt es wieder weit und breit keine Möglichkeit zum Einkaufen. Den restlichen Reis kippen wir in die letzte Packung Hühnersuppe, und streuen den übrigen Parmesan darüber. gar nicht mal schlecht!
Ich bin heute nicht mal mehr für einen Spaziergang zu haben und verkrieche mich bald in mein kuscheliges Zelt.

23.01.2001
Neuer Tag, neues Glück. Die Sonne scheint, es geht mir wieder gut. Ohne Frühstück fahren wir die fehlenden 50 km bis Coyhaique. Hier schlagen wir unser Basislager für die nächsten Tage auf. Wir checken e-mails, geben die Wäsche zum Waschen, und Gerhard lässt seine Plane vom Zelt in der Schneiderei ändern. Beides können wir erst morgen wieder abholen, aber das reicht uns locker. Vorher wollen wir eh nicht weiter.
Am Campingplatz -endlich mal wieder mit heisser Dusche, es wurde höchste Zeit dazu-, finden Gerhard und ich auch wieder neue Spielgefährten. Da gibt es den Sultan, einen jungen, wuscheligen Hund und für mich 2 kleine graue Kätzchen. Vor ihnen müssen wir wieder unser Essen retten, obwohl wir heute viel zu viel gemacht haben. Mir wird davon richtig schlecht.

24.01.2001
Endlich mal wieder lange ausschlafen, denn unser Zeug bekommen wir erst gegen Mittag. Michi muss leider die unangenehme Erfahrung machen, dass in der Wäscherei ab und zu etwas abhanden kommt. Ihm fehlen 2 Kleidungsstücke, was gleich fast 50% seiner Ausrüstung ausmacht. Das ist natürlich tragisch. Leider taucht auch dann nichts auf, als wir nochmal hinfahren. Ihm bleibt nur zu hoffen, dass der Finder ehrlich genug ist, die Teile zurückzugeben, und Michi sie übermorgen, wenn wir wieder hier sein werden, abholen kann.
Unser grosses Gepäck können wir derweil am Campingplatz lassen, und nur mit dem Daypack ausgerüstet machen wir uns auf den Weg nach Pto. Aysen, das sind ca. 60 asphaltierte km. Ich merke, dass ich tatsächlich schon etwas besser um die Kurven komme. Wow, macht auf einmal richtig Spass!
Bei Sonnenschein ist Pto. Aysen sogar ein richtig nettes Örtchen, ganz anders, als ich es in Erinnerung habe. Wahnsinn, was das Wetter doch immer wieder ausmachen kann!
Viel zu früh erreichen wir den Hafen Pto. Chacabuco, und müssen jede Menge Zeit totschlagen, bis wir um 19.30 an Bord dürfen. Wir suchen uns ein nettes Plätzchen, lassen uns die warme Sonne auf den Bauch scheinen und beobachten von oben das geschäftige Treiben im Hafen. Ein grosser Frachter läuft aus, um jede Menge Container gefüllt vermutlich mit chilenischem Lachs, in der ganzen Welt zu verteilen. Da liegt auch ein grosses norwegisches 'Traumschiff' in der Bucht. Richtig klein wirkt daneben unser Schiff, die Evangelistas der Gesellschaft Navimag (s.Link), die auch schon an der Leine liegt. Uns fällt auf, dass sie vorher 'Condor' geheissen hat, und in Aschendorf/Ems zuhause war. Sie hat in Deutschland wohl nicht mehr den Vorschriften entsprochen und ist kurzerhand hierher verscherbelt worden.
Gegen 21.00 legen wir ab in Richtung Laguna San Rafael. An Bord gibt es gleich Abendessen und anschliessend ist Fiesta angesagt. Michi und Gerhard machen nur leider schon bald schlapp.

25.01.2001
Schon recht früh werden wir über Lautsprecher vom Kapitän geweckt, damit wir auch noch alle frühstücken können, bevor wir gegen 7.30 in die Lagune einfahren. Aus der Entfernung sieht der Gletscher wenig beeindruckend aus. Aber es werden die Rettungsboote ausgesetzt, mit denen wir zwischen den abgebrochenen, dahintreibenden Eisbergen hindurch so nah es geht an den etwa 30 m hohen Gletscher herangefahren werden. Schon allein die in Blau- und Grüntönen schimmernden Eisberge versetzen uns in Staunen. So richtig faszinierend sind aber erst die grossen Brocken, die laut donnernd abbrechen und ins Wasser stürzen, und dabei riesige Wellen auslösen. Das muss man einfach gesehen haben, ein unvergessliches Erlebnis, das seinesgleichen sucht!! Darauf muss angestossen werden, natürlich mit Whisky on the Rocks, mit frisch aus dem Wasser gefischten Eiswürfeln.
Am frühen Nachmittag treten wir die Rückfahrt an. Bis zum Sonnenuntergang kann man von Deck aus hautnah miterleben, wie der Käpt'n sein Schiff durch die enge, verwinkelte Fjordlandschaft navigiert. Aber ich kenn das ja schon, und vertreibe mir die Zeit mit der digitalen Aufarbeitung der letzten Tage. Ausserdem muss ich meine Hose flicken, in die ich mir bei einem unserer Lagerfeuer ein Loch reingebrannt hab. Ich nähe mir einen Flicken in der Form von Violetas Kleeblatt drüber. Macht richtig Arbeit. Erstaunlich, wofür man sich so unterwegs wieder alles Zeit nimmt! Zuhaus würd mir das nicht mal im Traum einfallen.


zur ersten etappe zur vorigen etappe zurück zur übersicht

zur nächsten etappe


start portrait kindernothilfe vorbereitungen ausrüstung die tour links back to top