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vom 6. Januar 2001

Vulkan Villarrica

am See Panguipulli

Vulkan Choshuenco

Valdivia

Seelöwe

Fischmarkt

Fischmarkt

Lago Ranco

ausgestellte Überbleibsel...

...aus alten Pionierszeiten

Futrono

Frühstück...

...in Dona Clara's Küche

am Campingplatz...

..in Entre Lagos

auf dem Vulkan

Panorama

Gipfelstürmer

Hurra, die Sonne scheint wieder, als wir morgens aus dem Zelt kriechen. Eine Bergtour auf den ca. 2800 m hohen Vulkan Villarrica ist aber immer noch nicht möglich, daher beschliessen wir weiterzufahren. Wir wollen an den Seen entlang ins 150 km entfernte Riñihue, bis auf die ersten 50 km alles unasphaltiert. Das wird spannend, meine erste Schottertour mit Gepäck! Eigentlich bin ich mit der Route nicht ganz einverstanden, denn auf meiner Karte ist ein Teil davon nur gestrichelt eingezeichnet, aber die beiden wollen mir nicht glauben, dass man da nicht durchkommt. Also gut, notfalls müssen wir halt 15 km zurückfahren.
Es klappt hervorragend. Das Wetter bleibt gut, die Landschaft ist herrlich, und die Piste ist in einwandfreiem Zustand. Sogar ich schaffe es mitunter, mit knapp 100 km/h darüber entlangzubrettern. Nur einmal muss ich mal wieder meinen ganzen Mut zusammennehmen, als in einer engen Kurve die Strasse weggebrochen war, und es ziemlich schlammig abwärts und um die Ecke geht. Aber alles geht! Lediglich die Beschilderung lässt mal wieder zu wünschen übrig. Während Michi sich lieber auf seinen Kompass verlässt, frage ich sicherheitshalber vorbeikommende Einheimische nach dem Weg. Diese erzählen uns dann auch gleich, dass die Strasse tatsächlich nicht durchgängig befahrbar ist. Immerhin erfahren wir es noch rechtzeitig genug, und an der nächsten Gabelung müssen wir den See halt in der anderen Richtung umfahren. So kommen wir schliesslich nach Panguipulli. Dort hat ein Milchbauer einen kuscheligen kleinen Campingplatz hinterm Haus eingerichtet.
Wir haben uns gerade häuslich niedergelassen und einigermassen stadtfein gemacht, um uns den Ort anzusehen und zum Essen zu gehen, als es schon wieder zu regnen anfängt. Wir verbringen den ganzen Abend in einem Lokal an der Hauptstrasse, vergeblich darauf wartend, dass der Regen wieder aufhört. Bei diesen Wetterverhältnissen habe ich mich schnell mit meinem neuen Regenzeug angefreundet, mittlerweile gehe ich nirgends mehr ohne es hin. Nur Gerhard hat seines nicht dabei. Daher rennt er nun, mit nacktem Oberkörper, voraus. Als Michi und ich aber am Campingplatz ankommen, völlig im Dunkeln, ist Gerhard noch nicht da. Seltsam! Er trifft erst etliche Minuten später ein, weil er voll am Platz vorbei und viel zu weit gelaufen ist.

07.01.2001
Inzwischen hat es aufgehört zu regnen, ich werde geweckt von einem Wirrwarr von Vogelgezwitscher und Entengeschnatter, und komme mir vor wie mittendrin im Zoo. Vom Bauern bekommen wir zum Frühstück echte, noch kuhwarme frische Milch serviert. Schmeckt total lecker.
Wir wollen heute an die Küste nach Valdivia, etwa 120 km, halb Asphalt, halb Schotter, schön am Fluss entlang. Nur einmal noch erwischt uns ein kräftiger Schauer. Gut, dass ich ich einen wasserdichten GORE-TEX°-anzug habe. Michi und Gerhard kramen ihr Regenzeug hervor. Kaum haben sie es aber übergezogen, kommt schon wieder die Sonne hervor. Insofern meint es das Wetter schon noch gut mit uns, als wir bisher noch nicht wirklich im Regen fahren mussten.
Auf einer Anhöhe mit Blick auf den 2400 m hohen Vulkan Choshuenco machen wir Mittagspause. Die Sonne brennt schon wieder richtig heftig.
In Valdivia angekommen, irren wir ewig umher, bis wir endlich den recht zentralen Camingplatz finden. Und wieder das gleiche Spiel: kaum haben wir unsere Zelte aufgestellt, fängt es wieder kräftig an zu schütten. So sehr, dass wir uns per Taxi ins nahegelegene Zentrum fahren lassen. Den Heimweg können wir aber schon wieder zu Fuss antreten.

08.01.2001
Heute können wir ausschlafen. Gerhard hat gestern noch seine Tante Elisabeth telefonisch erreicht, und sie hat uns für heute Nachmittag zu sich nach Hause eingeladen. Also frühstücken wir erst einmal gemütlich unter unserem Sonnenschirm, mit frischen, gerade vom Baum über unseren Zelten herabgefallenen Äpfeln. Danach besichtigen wir die Altstadt mit dem Fischmarkt und ein paar dort gestrandeten Seelöwen direkt an der Flussmündung, bevor wir uns auf den Weg machen zu Gerhards Tante.
Interessant, was sie alles zu erzählen weiss. Sie kann uns viele gute Tipps geben, denn sie organisiert Touren entweder in die nahe Umgebung oder auch quer durch ganz Chile, ganz individuell nach den jeweiligen Wünschen. Wer daran interessiert ist, kann sich gerne ihre Homepage (s. Link) anschauen, und sich per email an sie wenden.
Bisher blieb es den ganzen Tag trocken, und auch das Abendessen, Gerhards Wurstnudeln, schaffen wir noch soeben, bevor der Regen erneut losgeht.

09.01.2001
Valdivia zeigt sich uns nun von seiner typischsten Seite. Hier regnet es im Jahr 2300 mm. Auch heute hat es die ganze Nacht durchgeregnet und es stürmt am Morgen immer noch mächtig. Ich will eigentlich am liebsten gar nicht raus aus meinem Zelt. Aber irgendwann muss es einfach sein. Das Frühstück fällt unangenehm nasskalt und ungemütlich aus. Gerhard verkriecht sich dazu lieber wieder in sein Zelt. Recht hat er! Ist es wirklich Sommer hier??!
Wir sind alle einer Meinung, die geplante Tagestour nach Corral zu den spanischen Festungen wieder mal ausfallen zu lassen und stattdessen lieber ins Landesinnere an den Lago Ranco zu flüchten.
Noch während wir unser nasses Zeug zusammenpacken, lässt der Sturm langsam nach. Bis wir startklar sind, hat auch der Regen aufgehört, und wir fahren wieder, welch Wunder, im Trockenen. Von der herrlichen Landschaft, in der wir uns hier befinden, ist allerdings trotzdem nichts zu sehen, sie bleibt hinter dunklen Wolken versteckt. Lustlos fahren wir die 105 km nach Futrono dahin, wir ziehen diesmal sogar die Asphaltstrasse dem Schotterweg vor.
Endlich an unserem Ziel angekommen, beschliesse ich, dass ich erstmal genug habe vom Campen, und suche uns eine günstige Unterkunft. Die anderen beiden sind recht leicht zu überzeugen, und so landen wir im Rincón Arabe. Die Zimmer sind nicht wirklich schön, aber Señora Clara empfängt uns sehr freundlich mit Pisco Sour, und wir haben immerhin Aussicht über den See, einen Ofen und heisses Wasser im Bad. Welche Wohltat!! Wir heizen gleich richtig ein, um uns wieder einigermassen aufzuwärmen.
Nach einer erholsamen Siesta erkunden wir den Ort, der noch den Eindruck einer Westernstadt vermittelt, aber kräftig am Wachsen ist. Am Ortsende ist ein kleiner Park eingerichtet, in dem zur Erinnerung alte Maschinen aus vergangenen Pionierszeiten aufgestellt sind. Michi und Gerhard sind total verzückt und können sich gar nicht sattsehen an der alten Technik, während mir etwas das Verständnis fehlt, was es da so ausgiebig zu studieren gibt.
Wir essen noch in einem der zahlreichen Lokale im Ort, danach machen wir es uns in unserer warmen Stube gemütlich, und fallen schliesslich in die viel zu weichen Betten.

10.01.2001
Die Nacht blieb trocken, und der Morgen schenkt uns einen fast blauen Himmel. Wir scheinen es geschafft zu haben, wir haben unser erstes Tiefdruckgebiet überstanden.
Wir dürfen in der gemütlichen, durch einen alten mit Holz betriebenen Herd gewärmte Küche frühstücken, und bekommen auch noch von der selbstgemachten, köstlichen Himbeermarmelade zu kosten. Gleich danach brechen wir auf. Endlich können wir die Tour wie geplant fortsetzen. Wir wollen den Lago Ranco ganz umfahren, das sind 71 km reiner Schotter, in Topzustand. Das Fahren macht endlich wieder richtig Spass. Ein Hauch wärmer nur, und ich könnte ewig so durch die Prärie rauschen.
Wir machen kurz Halt am Salto Pinahue, einem der wenigen in Chile, die über 2 aufeinanderfolgende Stufen hinabstürzen.
Kurz hinter dem Ort Ignao biegen wir ab und fahren querfeldein zum nächsten See, dem Lago Puyehue. An einem plätschernden Bach machen wir ausgiebige Mittagspause. Aber wohl noch nicht lang genug für Violeta, die mal wieder bockig ist und nicht anspringen will. Und so bekomme ich von Michi meine 2. Lektion, diesmal 'wie steige ich vom Mopped ab, wenn ich keinen Boden unter die Füsse bekomme'. Michi will mich von hinten über den leicht erhöhten Strassenrand zurück auf die Fahrbahn schieben. Allerdings wohl etwas zu ungestüm, denn damit schubst er mich direkt nach rechts in den Strassengraben, Violeta kippt um, und ich lande sachte im Gestrüpp. Bis ich mich daraus wieder befreit habe, habe ich wohl leider versäumt, wie auch Michi seine TT seitlich ablegt, vor Schreck oder aus Solidarität, wer weiss. Jedenfalls ist nichts passiert, es geht fröhlich weiter und wir kommen nach weiteren 78 km nach Entre Lagos.
Hier finden wir einen der bisher schönsten Campingplätze, direkt am See, und mit Aussicht auf den Vulkan Casa Blanca dahinter. Wir sind die einzigen Gäste, die restlichen Touristen haben sich wegen des Wetters längst weiter nach Norden zurückgezogen. Wir scheinen die einzigen Deppen zu sein, die weiter nach Süden wollen.
Zur Feier des gelungenen und regenfreien Tages gibt es am Abend Lachs und Rotwein, und zum Nachtisch 'Bananen-Joghurt-Marmelade-Split. Sogar das Essen schmeckt bei dem Wetter und den Ausblicken viel besser!! Vom aufmerksamen Campingwärter bekommen wir am Abend, als es nach dem herrlich roten Sonnenuntergang doch ziemlich frisch wird, eine Tonne mit wärmendem Holzfeuer hingestellt. So gut ging es uns schon lange nicht mehr!!

11.01.2001
Diesmal ist die Nacht saukalt, das muss am sternenklaren Himmel liegen, aber mit dem Yeti-Schlafsack macht mir das fast gar nichts aus. Und zum ersten Mal werde ich am Morgen von einfallenden Sonnenstrahlen geweckt. Der Himmel ist strahlendblau, keine Wolke verdeckt die Aussicht auf den Vulkan. So gheart des, wenn Engel reisen!!
Wir sind übrigens froh über den Turistel, den chilenischen Reiseführer, den uns Gerhards Tante mitgegeben hat. Ich hab ihn zwar auch zuhause, hab ihn dort aber aus Gewichts- und Platzsparmassnahmen absichtlich liegen lassen, in der Annahme, mit dem Südamerika-Handbuch ausreichend informiert zu sein. Dem ist aber bei weitem nicht so, erst im Turistel entdecken wir unsere heutige Tagestour, die bis an die Schneegrenze auf 1400 m mögliche Auffahrt zum insgesamt 1940 m hohen Vulkan Casa Blanca. Die Piste dahin ist ganz gut befahrbar, wenn auch etwas schlechter als die von gestern. An der Schranke zu den letzten 4 km muss Eintritt gezahlt werden, und Gerhard und ich tun uns schwer, uns gegen die zeternden und schimpfenden Kassierer zu wehren und ihnen vorzuschwindeln, dass wir eigentlich nichts zu tun haben mit dem vorausgefahrenen 'schwarzen Schaf', das ohne anzuhalten einfach durchgerast ist.
Das allerletzte Stück muss ich dann leider zu Fuss gehen, mir fehlt der Schwung durch den teilweise recht tiefen, weichen Lava-Schotter, und ich bleib stecken. Diesmal kann ich mich aber von alleine befreien.
Von hier oben haben wir ein unbeschreibliches Panorama über die Bergwelt der Cordillera mit den unzähligen Vulkanen. Wir wissen schon gar nicht mehr, welcher denn nun welcher ist.
Recht früh am Nachmittag sind wir wieder unten im Ort, nach insgesamt 105 gefahrenen km. Das reicht für heute. Hier brennt die Sonne richtig heiss, und ich kann nochmal meine Shorts und den Badeanzug rauskramen, die ich schon ganz nach unten im Rucksack verstaut hatte. Bei dem Wetter kann ich es nun auch riskieren, die längst überfällige Wäsche zu waschen, bevor ich mich faul in die Sonne an den See lege.


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