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vom 29. April 2001

zum Paso San Francisco

die Wüste Atacama

die Goldmine La Pepa,...

...von Antonio einsam bewacht

zurück durch die Wüste

Panne in der Wüste

Richtung Paso San Francisco: ...

...bunte Hochtäler,...

...gefrorene Teiche und Guanacos,...

...Salzseen,...

...verschneite Gipfel,...

...Schnee auf der Piste.

Laguna Verde am Abend

heisse Wohltat

morgendlicher Dampf bei Minusgraden

Laguna Verde am Morgen

Von Vallenar aus stehen uns jetzt nur noch 150 km Panamericana bevor. Auch wenn das Wetter heute nicht ganz so schön ist, und es leicht nieselt, müsste das recht schnell zu schaffen sein. Inzwischen lässt sich auch meine Gangschaltung meistens wieder ganz normal betätigen. Es lag wohl wirklich nur am zu hohen Ölstand. Auch die seltsamen Geräusche am Vorderrad sind verstummt. Schon bald erkenne ich den Grund dafür: mein Tacho zeigt schon wieder nichts mehr an. Diesmal hat wohl der Schneckenantrieb seinen Geist aufgegeben. So ein Mist, jetzt bin ich wieder genauso schlau wie vorher!!
Wir sind jetzt schon in der Región de Atacama, um uns herum nur kahle und trockene Hügel, die sich eng aneinander- und hintereinanderzwängen. Mit ihren weichen Formen schauen sie aus, als hätte man ihnen eine grau-braune Decke übergeworfen. Copiapó erreichen wir gegen Mittag. Diesmal geben uns die Carabineros frei Bahn, der 4.747 m hohe Paso San Francisco wäre offen und in guten Konditionen. Fein, dann also nichts wie los, bevor es auch hier zu spät ist! Michi lässt noch schnell seinen neuen Reifen aufziehen, den er sich schon in Santiago gekauft hat. Zusätzlich zu dem schönen 3,5 l-Kanister, den ich mir bereits in Santiago besorgt habe, organisiere ich mir hier noch einen weiteren von 4 l, denn vor uns liegt eine Etappe von rund 500 km ohne Tankstelle!! Proviant haben wir genug, es kann also losgehen.
Nach wenigen Kilometern verlassen wir nun den Asphalt und biegen ein auf den Camino Internacional Richtung Argentinien. Die Schotterstrasse mitten durch die Wüste Atacama, die trockenste der Welt, ist wirklich sehr gut gepflegt, und zu fahren wie eine Autobahn, mal abgesehen von den Eseln und Mulis, die öfter mal auf der Piste stehen und zum Anhalten zwingen.
Wir wollen allerdings nicht dem Hauptweg folgen, sondern wollen eine Nebenstrecke fahren, an der es oben an einer Laguna ein Refugio geben soll, in dem wir übernachten wollen. Der Weg ist sogar ausgeschildert, es stimmt mit den Angaben auf unserer Karte überein, und wir biegen nach rechts ab Richtung El Volcán. Natürlich ist diese Piste etwas schmäler und nicht ganz so gut, aber auch nicht wirklich schwer zu fahren. Sie folgt anfänglich einem schmalen Tal, und gewinnt dann schnell an Höhe. Was uns aber nicht auffällt, weswegen wir uns zunächst den Leistungsabfall der Moppeds nicht erklären können. Irgendwas brodelt und kocht, vermutlich das Kühlwasser, das war bisher noch nie passiert. Ich verfluche noch Fernando, in dem Glauben, dass er wieder irgendwas vermurkst hat. Aber Michi und seinem schwarzen Schaf geht es ganz ähnlich, oder sogar ärger. Michi hält an, um seinen Luftfilter auszubauen. Ich fahre schon mal weiter voraus, die Piste wird schmäler, von Wasserrillen zerfurcht und unwegsamer. Aber es kommt uns noch ein Jeep mit einem Pärchen, offensichtlich auch Turisten, entgegen. Also ist das ja wohl schon der richtige Weg.
Zweimal bleibe ich dann mitten im Hang stecken. Beim ersten Mal geht noch alles gut, nur das Anfahren am Berg muss ich noch etwas üben. Danach wird es noch steiler, und gerölliger, es ist nun doch nicht mehr so leicht zu fahren, Violeta tut sich schwer und keucht, ich muss zurückschalten in den 1. Gang. Das schaffe ich nicht schnell genug, der Motor geht aus, und - doing - schon kippt Violeta um, und ich lieg mit ihr am Boden. Der linke Spiegel und einer der Pinguine sind ab, sonst ist nichts passiert. Nur das wertvolle, eh schon knappe Benzin! Es läuft fröhlich aus dem Tank und versickert zwischen dem Geröll!! Ich kann nicht länger auf Michi warten und muss handeln. Also schnell das Gepäck ab und dann versuchen, sie aufzurichten. Das schaffe ich sogar auch, wenn auch erst beim 4. Versuch. Natürlich komme ich dabei hier oben, inzwischen müssen wir uns wohl schon auf über 3.000 m Höhe befinden, ganz schön ins Schnaufen. Jetzt geht alles nur noch gaaaanz laaangsam.
Wenn die Taschen nun schon mal ab sind und ich somit leicht an mein Werkzeug komme, dann baue ich am besten auch gleich jetzt meinen Luftfilter aus. Gesagt, getan, ganz langsam halt. So vergeht die Zeit, es beginnt zu dämmern. Für die letzten 70 km haben wir 3 Stunden gebraucht. Bis wir wieder fahrbereit sind, ist es schon fast dunkel. Kalt ist es auch geworden. Aber zum Refugio kann es nicht mehr weit sein, höchstens 25 km, das schaffen wir ja jetzt wohl auch noch, denn auf Zelten haben wir bei den Temperaturen keine grosse Lust. Ohne Luftfilter fahren die Moppeds jetzt zwar wieder ganz gut, trotzdem kommen wir nicht besonders schnell voran, und bald fahren wir einsam und fast blind durch die finstere Nacht. Im Schein unseres schwachen Lichtes ist natürlich nicht viel zu erkennen, und es ist nicht ganz einfach, den richtigen Weg auszumachen. Wenn das mal alles gut geht!! Immer öfter sind neben uns helle Flecken zu erkennen. Ob das Schneefelder sind?
Da, auf einmal tauchen 2 Lichter vor uns auf. Da kommt uns tatsächlich noch ein Auto entgegen!! Die Insassen bestätigen uns, dass es nur noch 3 km sind bis zum Refugio. Das lässt wieder hoffen. Also weiter.
Auf einmal stehen wir vor einer Schranke, und etwas weiter weg flackert durch ein Fenster ein schwaches Licht. Hier muss es sein. Es kommt auch gleich jemand her, der uns nun aber erklärt, dass das hier das Campamento der Goldmine La Pepa wäre, weiter ginge der Weg nicht, und ein Refugio gäbe es hier auch nicht. Ojee, so ein Scheiss, wir haben uns also doch verfahren!! Er bietet uns aber an, die Nacht über hier zu verbringen, er könne uns ein Zimmer zur Verfügung stellen. Die Einladung nehmen wir natürlich erleichtert an. Auch er freut sich riesig über den unerwarteten Besuch, fristet er doch seit Wochen schon hier oben ein einsames Dasein. Er ist hier, um die letzten Überreste der zum Verkauf stehenden Mine zu bewachen, nachdem schon alles geklaut wurde, was nicht niet- und nagelfest ist. Die ganze Industrieküche mit 3 grossen Backöfen zum Brotbacken, 3 grosse Generatoren, sämtliche sanitären Anlagen, Satellitenschüssel, Fernseher, Heizkörper, etc, alles weg. Unglaublich, aber wahr! Auch das Zimmer, wo wir unterkommen, ist völlig leer, selbst ein Stück vom Teppichboden fehlt.
All das und noch viel mehr erzählt er uns bei einer heissen Tasse Kaffee, im Licht des Kerzenscheins, denn Licht gibt es hier keines. Und nur selten hat er Gelegenheit, sich mit jemandem zu unterhalten. Ein echt hartes Leben, das er hier führt, für mich wär das nix!!

30.04.2001
In aller Herrgottsfrüh macht Michi sich an seinem Mopped zu schaffen, um es höhentauglicher zu machen. Ich mummele mich noch solange in meinen warmen Schlafsack. Danach erkenne ich jetzt bei Tageslicht erst so richtig, in welch verheerendem Zustand das Gebäude ist. Die Fenster sind eingeschlagen, Türen fehlen, es ist kaum noch mehr als ein Rohbau. Hier harrt Antonio manchmal bis zu 45 Tagen aus, und sein einziger Kontakt sind die Minenarbeiter, die 8 km weiter direkt an der Mine leben, und ab und zu vorbeikommen, wenn sie ihre Funde ins Tal fahren.
Nach dem Frühstück bedanken wir uns für Antonios Gastfreundschaft, und machen uns wohl oder übel auf den Weg zurück nach Copiapó. Denn durch die 70 km Irrweg, die wir auf jeden Fall auch wieder zurück müssen, haben wir nicht mehr genug Sprit, um vom Abzweig diesmal richtig Richtung Argentinien weiterzufahren.
Bei Sonnenschein erleben wir jetzt auch die ganze Pracht der uns umgebenden, bei der Hinfahrt im Dunkel der Nacht versunkenen Landschaft. Aber auch der Weg wirkt jetzt fast erschreckender, so nah am Abhang entlang. Und die hellen Flecken sind tatsächlich Schneefelder. Trotzdem kommen wir ohne weitere Probleme voran, und vorbei an der wirklich richtig unangenehm steilen Stelle, wo es mich gestern geschmissen hat. Danach wird es zum Glück wieder einfacher. Und auch wärmer. Bald sind wir wieder in der Wüste. Wir glauben schon, das Schlimmste hinter uns zu haben, als Michis Mopped auf einmal streikt, hier inmitten der Sanddünen. So ein Mist. Ob er irgendwas falsch gemacht hat? Es läuft nur noch mit Choke und ohne Gas. Aber halt auch nicht weit. Da stehen wir nun. Ratlos. Bis ihm irgendwann einfällt, dass es vielleicht doch nicht so intelligent war, beim Düsenwechsel die Originaldüse einfach in der Schwimmerkammer lose liegen zu lassen. Bei dem gerade herrschenden Sandsturm ist er allerdings zu faul, um den Schaden in seiner sonst so penibel ordentlichen Manier richtig zu beheben. Stattdessen meint er, es würde reichen, das Mopped kurz auf die Seite zu legen und zu schütteln. Funktioniert auch tatsächlich. Ganze 100 m weit! Es hilft nichts, die Düse muss raus. Während Michi also mal wieder ackert, mache ich in der Zwischenzeit gemütlich Pause.
Für heute reicht uns das dann, daher wollen wir über Nacht in Copiapó bleiben und verschnaufen, bevor wir den 2. Anlauf auf den Paso San Francisco nehmen werden. In der Turi-Information, wo wir uns nach einer günstigen Unterunft erkundigen, erfahren wir von dem Pärchen im Jeep. Sie sind auch wieder hier gelandet, und haben berichtet, dass sie uns begegnet wären.
Auch diesmal können wir die Moppeds wieder im Innenhof abstellen, und der Käfig mit den singenden Wellensittichen und einem Kanarienvogel ist sogar noch grösser als letztes Mal.

01.05.2001
Ok, zweiter Versuch. Diesmal haben wir ja den ganzen Tag Zeit, das sollte reichen, um die ca. 250 km bis zur grenze zu schaffen. Ausserdem wollen wir diesmal doch lieber den direkten Weg nehmen.
Der Pass ist Einsamkeit pur, 460km ohne jegliche Versorgungsmoeglichkeit, höchstens 2 andere Fahrzeuge am Tag. Durch Hochtäler mit gelben Viehweiden, vorbei an zugefrorenen Pfützen und flüchtenden Guanacos arbeiten wir uns nach oben, und wie schon gestern gewinnen wir wieder schnell an Höhe. Nur heute ist das kein Problem mehr, nach den gestrigen Umbauten laufen die Moppeds einwandfrei. Nach einem weiteren Anstieg liegt vor uns auf einmal die Ebene mit dem Salar de Maricunga. Ein herrlicher Anblick!! Hier befindet sich auch die chilenische Grenzstation, wo wir mal wieder unseren Papierkram abwickeln müssen. Die Grenzer geben mir noch ein Geschenk mit, vermutlich ein Karton Wein, den ich dem Beamten auf argentinischer Seite mitnehmen soll. Auch das noch, als hätte ich nicht schon genug Gepäck mit mir rumzuschleppen. Aber es wird schon gehen, schliesslich kann ich die ersten Liter Sprit schon vom Kanister in den Tank umfüllen, das macht's auch schon wieder leichter.
Im Osten sehen wir vor uns die schneebedeckten Riesenberge wie der Ojos del Salado, mit fast 6.900m der zweithöchste Berg Amerikas. Allerdings wirken die Berge keinesfalls so mächtig, weil wir selber so hoch sind. Das Altiplano ist so was wie eine gewaltige, nur leicht hügelige Ebene, aus der dann immer wieder die 6.000-er wachsen. Meist rundliche Berge, lange erloschene Vulkane.
Wenig später begegnen wir dem ersten Schnee, der zum Glück nur am Rand der Piste liegt. Aber, oh oh, ich hab mich zu früh gefreut, bald bedeckt der Schnee immer wieder die ganze Breite der Piste. Ausweichen unmöglich. Ich muss da durch. Es geht auch, irgendwie, nur ein paarmal komme ich ins Schleudern, aber das kenne ich ja schon so ähnlich von der Ruta 40. Bloss, wenn der Schnee noch mehr wird, dann fahr ich nicht weiter, dann kehr ich wieder um.
Wird er aber nicht, im Gegenteil, er lässt seltsamerweise wieder nach, obwohl wir immer noch höher kommen. Eine Weile geht es ständig heftig auf und ab, wie auf der Achterbahn, und dann erschlägt uns erneut das Panorama, als wir über eine Kuppe kommen und die Laguna Verde unvermittelt vor uns liegt. Der Anblick ist so überwältigend, dass wir erst mal anhalten und auf uns einwirken lassen müssen. Hier gibt es sogar eine kleine, unbewohnte Hütte um eine Therme herum, darin wollen wir unser Nachtlager aufschlagen.
Dass wir uns bereits auf 4.700 m Höhe befinden, ist uns allerdings mal wieder gar nicht bewusst. Erstmal geniessen wir nur stundenlang das heisse Bad, während es draussen immer kälter wird. Mit der Zeit merken wir langsam, dass wir wohl doch ein paar Meter zu hoch sind. Und ohne jegliche Akklimatisation. Ich bekomme tierische Kopfschmerzen, Michi wird es richtig übel, und beide haben wir gar keinen Appetit mehr. Selbst das Essen wäre zu anstrengend, wir wollen uns bloss noch hinlegen und schlafen. Aber nicht mal das geht, wir liegen einfach nur wach, leidend, und ohne einschlafen zu können.
Dann sitzen wir auf einmal senkrecht in unserem Schlafsack, viel zu schnell haben wir uns aufgerichtet, als wir plötzlich ein blubberndes Geräusch gleich neben uns hören. Was ist das??! Vor Schwindel taumelnd taste ich nach der Taschenlampe. Was auch immer es gewesen ist, es ist weg, bevor wir es entdecken können. Nur noch die nassen Spuren sind zu erkennen, weg von Michis gefüllter Riesentasse, aus der das Viech am Fruchtsaft geschlabbert hat. So gross wie die Tasse ist, kann es keine Maus gewesen sein, die wäre da gar nicht hoch gekommen. Wie auch immer, wir müssen vorsichtiger sein, Michis Lebensmittel, das sind immer noch so viele als würde er eine 3-monatige Expedition unternehmen, liegen alle offen auf dem Boden herum. Das muss alles in Tüten und nach oben an den Nagel. Oh Gott, ist das anstrengend! Und dann noch die Kopfschmerzen, dass mir fast der Schädel platzt!
Damit nicht genug, seine Moppedtaschen müssen auch weg, am besten raus ans Mopped, denn da ist ne Salami drin. Als ich die Tür nach draussen aufstosse, werde ich fast geblendet von dem hellen Licht, das der Halbmond abgibt. Woww, welche Aussicht, der See und die Berge, die sich in dem fahlen Licht im Wasser spiegeln!! Trotzdem flüchte ich mich wieder hinein, so schnell es halt geht, denn draussen ist es mächtig kalt.

02.05.2001
Es war die bisher längste Nacht der ganzen Reise, ich habe kaum schlafen können, habe nur darauf gewartet, dass es endlich Morgen wird. Aber ich habe sie überlebt, und ausnahmsweise freue ich mich richtig, als endlich die Sonne aufgeht. Trotzdem vergeht noch jede Menge Zeit, bevor ich mich endlich aus dem warmen Schlafsack wage. Überhaupt passiert immer noch alles in Zeitlupe, wir bewegen uns wie auf dem Mond. Obwohl es eisig kalt ist. Bei -10° ist der Saft in Michis Tasse ist gefroren. Auch das Wasser in den Flaschen müssen wir erst wieder mit dem Kocher auftauen, und erwecken uns selbst mit einem heissen Tee wieder zu etwas Leben.
Draussen erwartet uns ein Bild wie aus einem Märchen. Eine Winterlandschaft mit wolkenlosem Himmel, im glatten Wasser spiegeln sich die verschneiten Berge, um den See herum steigt überall am Ufer aus der Erde der Dampf des heissen Wassers auf. Einfach traumhaft!! Dafür alleine hat sich schon jede Mühe gelohnt. Obwohl die Sonne rasch aufwärmt, ist es für ein ausgiebiges Frühstück trotzdem noch zu kalt. Ausserdem, so wie wir hier bei jeder Bewegung nach Luft japsen, brauchen wir auch so lange genug, bis wir unsere 7 Sachen beisammen haben und weiterfahren können. Violeta springt auch nicht freiwillig an, sondern nur mit Michis Hilfe. Gerade mal 500 m kommen wir an die letzte chilenische Grenzstation. Von hier ist es nur noch ein Klacks, nach knappen 20 km erreichen wir ganz unspektakulär die Passhöhe, auf 4.747m...


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