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unterwegs in




vom 12. Juni 2001

Alpaca

La Paz

unsere Nobelhütte...

...von aussen

Vitamine am Morgen

Nüsse, Nüsse und noch mehr Nüsse

abends in der Peña...

...folkloristische Tänze...

..aus den verschiedenen Regionen

Frühstück am Markt

Christi Himmelfahrt

auf dem Weg zum Kesselrand

schon fast oben

Aussicht von ganz oben

Illimani

Los Yungas

staubige Angelegenheit

afro-bolivianische Kultur

kleine Bolivianerin in...

...Coroico

Ein letztes Frühstück mit Coca-Tee und den Pasteles de Queso vorne an der belebten Kreuzung, dann ziehen wir wieder weiter.
Die Fahrt nach La Paz verläuft unspektakulär. Die Strasse ist gut ausgebaut und asphaltiert, die Landschaft wenig beeindruckend. Recht schnell geht es wieder hinauf auf über 3.000 m, der höchste Punkt sind knappe 4.500 m. Nur ein paar Alpacas lockern die kahle, braune Berglandschaft auf. Bis auf einmal, etwa 140 km vor La Paz, eine ganze Kette weisser, schneebedeckter Gipfel vor uns auftaucht. Das muss die Cordillera Real sein. Da wird einem allein schon vom Hinschauen kalt!!
Eigentlich wollten wir in einem Ort kurz vor La Paz übernachten und erst morgen am Vormittag in die Metropole hineinfahren, aber die Dörfer unterwegs wirken alles andere als einladend. Wir sind ausserdem ganz gut vorangekommen, es ist erst halb fünf, als wir in das Einzugsgebiet von La Paz kommen. Oliver hatte uns schon vor dem chaotischen Verkehr gewarnt, wir sollten nicht zur Rush-Hour hinunterfahren. Das schaffen wir allemal.
La Paz befindet sich, eingebettet in einen gewaltigen Bergkessel, auf 3.600 m über Meeresspiegel. Wir nähern uns von oben, über 4.000 m hoch, und blicken auf einmal über den Kesselrand auf das Häusermeer tief unter uns. Beeindruckend, aber auch ein wenig beängstigend, besonders nach allem, was wir bereits darüber gehört hatten.
Also gut, dann mal los, wir stürzen uns in das Gewusel. Wir wissen auch schon, wo wir hinwollen, man hatte uns schon die Residencial Rosario (s. Link) empfohlen, die Strasse haben wir schnell gefunden. Zumindest auf dem Stadtplan. In echt müssen wir mitten auf der Strasse zwei nicht ganz einfache Kehrtwendungen machen, bevor wir uns in die richtige Richtung weiterbewegen, und dann doch recht schnell am gewünschten Ziel ankommen. War gar nicht so schlimm, eigentlich fahren die Leute hier noch recht zivilisiert. Unangenehm sind im Grunde nur die arg steilen Strassen.
Drinnen, an der Rezeption, stellt sich schnell heraus, dass diese Luxusabsteige nicht für unseren Geldbeutel ist. Aber ein kurzer Plausch mit dem Geschäftsführer ermöglicht uns doch ein paar Tage Aufenthalt. Sogar unsere Moppeds dürfen in der edlen Halle parken. Das Hostal stammt noch von 1935, wurde zwar renoviert, aber das Gebäude selber, ein schönes altes Kolonialhaus, die Keramik- und die Holzböden sind noch original von damals. Wir bekommen ein Zimmer mit eigenem Bad, brauchen weder die eigenen Handtücher noch unsere Seife oder Shampoo. Es ist alles da. Selbst eine elektrische Heizung hat das Zimmer. Hier lässt es sich wirklich aushalten!! Hätten wir nicht so einen Hunger, wir würden gar nicht mehr rausgehen.

13.06.2001
Nach der feinen Dusche mit mal wieder richtig viel und richtig heissem Wasser, machen wir uns auf der Suche nach dem Markt, wo es gewöhnlich das typisch bolivianische Frühstück gibt.
Beim anschliessenden Bummel durch die Stadt passiert dann das nächste Attentat. Von hinten werden wir mit irgendeiner ekligen Masse beschossen. Und gleich kommt auch schon jemand her, der bemüht scheint, uns zu helfen. Erst will er uns zu einem Hotel lotsen, wo wir Wasser zum Waschen bekommen könnten. Als wir nicht darauf eingehen, marschiert er erst mal davon. Wir gehen daraufhin doch zu dem Hotel, und als wir hier im verlassenen Eingang stehen, ist auch er, und ein paar andere, die sicher alle unter einer Decke stecken, auf einmal wieder da, und will uns mit Papiertaschentüchern die Jacken abwischen. Wir lassen ihn aber gar nicht erst zu nah an uns ran, denn wenn man nun nicht acht gibt, weil man gerade dabei ist, seine Sachen wieder zu säubern, ist im Nu die Tasche -oder was man sonst so dabei hat- weg. Wir kannten den Trick zum Glück schon von Andrea, der dabei zum 2. Mal ihr letztes Hab und Gut gestohlen wurde.
Als ich wenig später die riesigen Nusshaufen fotografieren will, fährt mir doch noch ein gehöriger Schreck durch die Glieder. Ich kann die Kamera in meinem Rucksack nicht mehr finden! Sollten wir etwa doch nicht genug aufgepasst haben??! Zum Glück hat sie sich aber nur in einem der Nebenfächer versteckt gehabt, es ist also nichts weiter passiert.
In der Pena, die wir am Abend besuchen, sitzen wir zunächst ganz alleine. Kurz bevor die Show beginnt, besetzen doch noch 4 neue Gäste einen weiteren Tisch. Die Show, die uns geboten wird, ist zwar ziemlich touristisch aufgemacht, wie überhaupt das ganze Lokal, aber sie ist dennoch sehr gut und ihr Geld durchaus wert. Aus den 3 verschiedenen Regionen des Landes -dem Altiplano, den Valles und dem Amazonas-, bekommen wir die jeweils typische Musik und Tänze, in den entsprechenden Kostümen vorgeführt. Ausserdem probieren Michi und ich zum ersten Mal Lama-Fleisch. Es schmeckt gar nicht schlecht, allerdings auch kaum anders als ein gutes Steak.

14.06.2001
Wir werden von der Tatsache überrascht, dass heute Feiertag ist, nämlich Christi Himmelfahrt. Das scheint hierzulande ein sehr wichtiges Fest zu sein, denn es findet in der Kathedrale eine Messe mit anschliesender Prozession durch die Innenstadt statt. Dazu haben mehrere Polizei-, Militär- und wer-weiss-was-noch-für-Orchester Stellung genommen, flankiert von einer ganzen Brigade von Militärwachen. Daran teilzunehmen scheinen nicht nur alle kirchlichen Wichtigkeiten, allesamt weisse Spanier übrigens, sondern auch sämtliche politischen Autoritäten samt ihrer Familien.
Eigentlich waren wir ja auf dem Weg zur Bücherei Gisbert, wo es angeblich ganz gute Karten von Bolivien geben soll. Bloss, es ist nunmal Feiertag, und somit stehen wir vor verschlossener Tür. Jegliches Shopping fällt also für heute aus.
Als Alternativprogramm machen wir uns auf den mühsamen Weg zu Fuss an den Stadtrand. Über unzählige Treppen und steile Wege arbeiten wir uns langsam nach oben. Auf dieser Höhe ist eine solche Wanderung immer noch anstrengend, auch wenn wir uns mittlerweile ganz gut akklimatisiert haben. Aber wir werden mit einer herrlichen Aussicht über die Stadt und den hoch hinausragenden Gipfel des Illimani belohnt. Ausserdem stellen wir fest, dass hier gar nicht unbedingt die Ärmsten wohnen. Hier stehen richtige Häuser aus Beton und Ziegeln, viele davon ganz neu, und oft sogar noch gar nicht fertig.
Den Weg zurück wieder hinunter ins brodelnde Gewühl haben wir schnell hinter uns gebracht, es ist gar nicht so weit, wie es beim Aufstieg geschienen hat. Es bleibt noch Zeit genug, um uns nach einer erholenden Pause im Luxus unseres Hostals ins I-Café zu setzen.
Trotz Feiertag finden wir eines mit einer relativ schnellen Verbindung von 256 kb/s. Inzwischen weiss ich, dass es in Bolivien wichtig ist, auf die Geschwindigkeit zu achten. Hier ist das Internet noch sehr teuer, und preislich gestaffelt je nach Übertragungsgeschwindigkeit. Daher begnügen sich viele I-Cafés mit einer niedrigen Übertragung, was aber kaum jemanden zu stören scheint. Nur ich kriege immer fast die Krise, wenn nix weitergeht.
Fast 2 Stunden verbringen wir vor dem Rechner, und uns knurrt der Magen, als wir wieder auf die Strasse treten. Wir gehen gleich weiter ins nahegelegene Restaurant El Lobo, wo wir schon am ersten Abend waren. Angenehm aufgefallen war uns das Lokal nicht nur wegen des guten Essens und der interessanten Aussicht vom 1. Stock aus auf die belebte Kreuzung, sondern auch deshalb, weil sie überschüssiges Essen und heisse Suppe an die Armen von der Strasse verteilen.

15.06.2001
Um nicht zuviel Zeit zu verlieren, teilen wir uns nach unserem Frühstück -wie gewohnt im Markt- auf, und ich besorge Michi seine ersehnte Karte in der Buchhandlung. Er hingegen geht gleich zurück ins Hotel, um seine siebenundsiebzig Sachen schon mal zusammenzupacken, die er alle schön säuberlich im Bad verteilt hat, weil ihm in aller Herrgottsfrüh in den Sinn gekommen war, noch seine mit ausgelaufenem Motoröl getränkten Packtaschen zu waschen.
Als wir dabei sind, die Motorräder für die Weiterfahrt zu bepacken, kommt der Geschäftsführer nochmal daher und schenkt mir eine kleine Tonfigur mit bolivianischer Flagge, die sich zu den Pinguinen am Cockpit gesellen soll. Eine nette Geste zum Abschied.
Wir wollen heute in die Yungas, das Urwaldgebiet am Rand des Amazonas. Der Rezeptionist zeichnet uns auf dem Stadtplan genau den Weg ein. Wir fahren über die Puente de los Americas, die grosse Brücke, die über die tiefe Schlucht mitten in der Innenstadt führt. Ab hier geht es nur noch geradeaus, und erstaunlich schnell erreichen wir den Stadtrand. Wir müssen uns nur noch durch eine kirchliche Prozession kämpfen, die in unserer Richtung marschiert, die ganze Breite der Strasse einnimmt und vorübergehend den gesamten Verkehr blockiert. Ausser uns, wir lassen uns dadurch nicht aufhalten und marschieren mit, unwesentlich schneller als deren Schrittempo.
Dann lassen wir die Stadt endgültig hinter uns. Aber es geht immer noch bergan, weitere 12 km bis zur Cumbre, auf 4.700 m. Es ist ganz schön frisch hier oben, und immer wieder ist die Strasse von Eiszapfen gesäumt. Wenig später beginnt die berühmt-berüchtigte Yungas-Strasse. Auf ca. 65 km überwindet eine aus der senkrechten Felswand gehauene, schmale, einspurige Piste die 3.500 Höhenmeter hinab in den Urwald. Es soll die gefährlichste Strasse von ganz Amerika sein, jährlich über 100 Tote auf gerade einmal 30 km. Höhenangst sollte man vorzugsweise hier nicht haben. Ausserdem herrscht hier gewöhnungsbedürftiger Linksverkehr, damit der bergab fahrende und zum Ausweichen verpflichtete Fahrer aus dem Fenster direkt auf die Kante sehen kann, um sich so nah wie möglich und so fern wie nötig am Abgrund halten zu können.
Ich hab mächtig Respekt vor diesem Weg, denn wir hatten schon so etliche Schauergeschichten darüber gehört. So soll vor kurzem eine Schweizer Radfahrerin abgestürzt sein, und ein paar Tage später soll es 15 Tote gegeben haben, als ein Mini-Bus nur knapp den sicheren Rand verpasste.
Ab und zu wage auch ich einen kurzen Blick neben mich diesen Abgrund hinunter auf die Piste, die irgendwo da unten im Urwald verschwindet. Oh Schreck, geht das tief hinunter!! Ich lasse es besser, lieber schaue ich geradeaus auf den Weg vor mir. Der ist zum Glück in gutem Zustand, und lässt sich problemlos fahren. Nur einmal kippt Violeta wieder um. Beim Anfahren aus einer Ausweichstelle bin ich vor lauter Vorsicht mal wieder zu langsam, noch fast im Stand kriegt Violeta Schräglage, und ich kann sie nicht halten. Michi kehrt um und kommt zurück, um mir beim Aufrichten zu helfen. Er muss allerdings dem ihm gerade entgegenkommenden Bus Platz machen. Denn obwohl rein theoretisch der ansteigende Verkehr Vorfahrt hat, nehmen sich viele Fahrer rücksichtslos einfach das Recht des Stärkeren. So steht Klein-Michi mit einem Fuss am Abgrund, während er wartet, wie Big-Bus in aller Ruhe anhält, um erst noch ein paar Flaschen an dem auf die Piste stürzenden Wasserfall zu füllen. In der Zwischenzeit ergiesst sich natürlich wieder jede Menge Benzin über den Tankrucksack, bevor es in der Erde versickert. Da aber nicht mal mehr 50 km vor uns liegen, ist es diesmal nicht weiter dramatisch.
Weiter geht's also, es wird zunehmend wärmer und grüner. Vögel zwitschern und Grillen zirpen, es riecht immer mehr nach warmer, modriger Urwaldluft. Eine angenehme Abwechslung nach der langen Zeit im eisigen und kahlen Altiplano.
Noch 2 kleine Wasserfurten, dann geht es die letzten 7 km wieder bergauf, denn unser Ziel, das Örtchen Coroico liegt idyllisch auf einer Bergkuppe.
Schliesslich haben wir es geschafft, wir haben die gefährliche Strasse also überlebt, wir sind nur ziemlich eingestaubt. Aber das nehme ich gerne in Kauf, denn bei Regen wollte ich diese Lehmpiste sicher nicht fahren!!
Ganz zentral kommen wir unter in einem geräumigen Zimmer einer Residencial, die auch einen schönen, grossen Innenhof hat mit reichlich Blumen und reichlich Platz für unsere Moppeds. Wir kommen uns vor wie im Paradies.
Beim Spaziergang durch den Ort können wir uns gar nicht sattsehen an den Ausblicken auf das herrliche Panorama rings um uns herum. Für 5 Bolivianos, das sind gerade mal 2 Mark, bekommen wir ein ganzes Abendessen im Comedor Popular, eine der hierzulande üblichen 'Kantinen', wo jede Köchin ihre eigene kleine Küche mit Tisch und ein paar Stühlen oder Bänken davor hat.
So gesättigt machen wir uns auf den Weg zum Basketballfeld. Denn anlässlich des an diesem Wochenende stattfindenden IV. Festival del Café -in Coroico wird nämlich u.a. Boliviens bester Kaffee angebaut- gibt es heute Abend eine Pena unter freiem Himmel.
Die ersten beiden Gruppen sind ziemlich schlecht, wir ärgern uns schon fast, dafür überhaupt Eintritt gezahlt zu haben, auch wenn es kaum der Rede wert ist. Selbst das lokale Publikum ist enttäuscht von deren Vorstellung und buht sie aus. Aber dafür werden wir voll entschädigt von der afro-bolivianischen Trommel- und Tanzgruppe aus dem Nachbardorf Tocana. Dort leben 30 Familien, allesamt Nachkommen der zum Silberabbau nach Potosí eingeführten Sklaven aus dem Congo, die sich nach ihrer Freilassung natürlich wieder ein ihnen angemesseneres Klima gesucht haben und sich nun hier dem Coca-Anbau widmen.
Auch die zum Schluss auftretende, anscheinend national bekannte Gruppe Rijchari ist sehr gut. So gut, dass sie eine Zugabe nach der anderen geben müssen, und dass ich mir unbedingt noch eine Cassette von ihnen besorgen muss. Daher erkundige ich mich am Ende noch beim DJ nach dem Namen der CD. Bei der Gelegenheit lernen wir Claudio kennen, ein Italiener mit schweizer Akzent, der vor ein paar Jahren hier hängengeblieben ist, und dem Coca etwas zu sehr verfallen zu sein scheint.

16.06.2001
Wir können nicht widerstehen und nach dem Frühstück im Comedor gönnen wir uns in der deutschen Backstube noch ein leckeres Stück richtig deutschen Apfelkuchen. Dabei lernen wir den Inhaber Hans kennen, der schon seit 20 Jahren hier lebt. Und im Gegensatz zu Claudios Ausführungen können wir denen von Hans auch folgen und können jetzt die Hintergründe des Coca-Konfliktes besser verstehen. Die Bauern haben also das Recht, auf 12.000 ha Coca anzubauen. Nun haben die USA aber mittels Satellitenfotos festgestellt, dass 1.700 ha zuviel bebaut werden. Das darf nicht sein!! Also hat die bolivianische Regierung, die aufgrund ihrer Schulden an eine kurze Leine gebunden ist, den Bauern angeboten, ihnen die überschüssigen ha abzukaufen. Die Bauern hingegen, gar nicht dumm, bebauen nun in aller Eile weiteres Land, welches sie zu gekommener Zeit für gutes Geld verkaufen wollen. Somit geht der Schuss nach hinten los, denn natürlich ist man ihnen auf die Schliche gekommen, das Angebot wurde zurückgezogen, und statt weniger gibt es nun mehr mit Coca bebautes Land. Das gebrochene Versprechen wiederum verärgert die Bauern derart, dass sie die Strassen und Wege versperren, indem sie einfach einen grossen Graben ausheben. Und schon ist die Hauptverbindungsstrasse für den gesamten Transport von Holz, Früchten, Gemüse und natürlich Kaffee unpassierbar. So geschehen hier vor einem Jahr, drei Wochen lang.
Und nun ist ganz aktuell das halbe Festival geplatzt, denn eigentlich sollten alle Nachbarkommunen daran teilnehmen. Die mussten aber kurzfristig absagen, weil das Militär schon einmarschiert ist. In der Region von Cochabamba hat es sogar bereits Ausschreitungen mit Verletzten und Toten gegeben.
Tatsächlich sind über die Hälfte der vorbereiteten Ausstellungsstände leer, als wir uns später die Messe auf dem Fussballfeld ansehen.
Am Nachmittag beginnt es überraschend zu regnen. Aber nicht nur deswegen ist Michi schneller als erwartet von seinem Ausflug zurück. Sein schwarzes Schaf bereitet mal wieder rätselhafte Probleme. Noch während er versucht, diese im Hof der Residencial zu beheben, fahren Andreas (AT) und Antje (BMW F650) aus Münster vor. Sie kommen gerade von Norden und erzählen, dass sie arge Probleme mit der tief verschlammten Piste hatten, und statt drei Tagen zehn gebraucht haben für die Route, die wir eigentlich Richtung Titicacasee nehmen wollten. Das vergessen wir dann wohl lieber ganz schnell wieder.
Gemeinsam schlendern wir am Abend zum Essen, und schliddern dabei über das schmierig glatte, nasse Kopfsteinpflaster. Wie mögen nur da erst die Pisten aussehen! Ich will es lieber gar nicht erst erfahren.

17.06.2001
Die Regenpause in der Nacht und somit die Hoffnung auf besseres Wetter war nur von kurzer Dauer. Am Morgen werden wir vom Prasseln des Regens geweckt. So eine Scheisse. Zum einen fällt somit mein geplanter Reitausflug durch den Busch regelrecht ins Wasser, zum anderen verheisst das nichts Gutes für unseren Rückweg nach La Paz. Nachdem es nun nicht nach vorne weitergeht, müssen wir erst über die Yungas-Strasse wieder zurück. Einen anderen Weg gibt es nicht. Arg lang verschieben und auf trockenes Wetter warten können wir auch nicht, denn es werden immer mehr Gerüchte laut, dass die Strasse genau wie letztes Jahr wieder zu blockiert werden soll. Wir müssen daher zusehen, rechtzeitig hier wieder rauszukommen, bevor es zu spät ist und wir wochenlang festsitzen, inmitten der Gefechte. Es bleibt uns also gar nichts anderes übrig, als morgen zurückzufahren, egal, wie nun das Wetter sein wird.
Da ist aber noch das andere Problem. Michis Mopped läuft immer noch nicht wieder. Daher steht Michi gleich in der Früh schon auf, um sich auf Fehlersuche zu begeben. Ich bleibe derweil noch liegen, es regnet sowieso, es gibt keinerlei Grund, so früh schon aufzustehen. Zumindest, bis es kurz darauf an der Tür klopft, und man mir Bescheid sagt, dass Michi gerade die Treppe hinuntergestürzt sei.
Weia, das klingt nicht gut, es wird ihm doch wohl nichts Ernsthaftes passiert sein?! Und tatsächlich, oh Schreck, da liegt er immer noch auf dem Boden. Scheint aber schlimmer auszusehen als es ist, er erklärt, er hätte sich nur hingelegt, weil er sonst fast das Bewusstsein verloren hätte. Offenbar ist er recht heftig aufs Steissbein gefallen, aber es wär nicht so tragisch. Er steht sogar auch schon wieder auf. Puhhh, scheint ja wirklich nochmal gut gegangen zu sein.
Auf den Schreck hin frühstücken wir erst einmal. Danach ist Michi wirklich nicht mehr aufzuhalten, auch nicht von den nun doch stärker werdenden Schmerzen, er macht sich endgültig an seinem Mopped zu schaffen. Andreas, der sonst auch nichts mit dem verregneten Tag anzufangen weiss, leistet ihm dabei Gesellschaft. In ihm hat Michi endlich mal wieder einen interessierteren Zuhörer gefunden.
Ich ziehe es vor, fast den ganzen Tag lesenderweise im warmen Bett zu verbringen. Ist gar nicht so schlecht, mal wieder so ein totaler Gammeltag. Nur bei dem Gedanken an die nasse Todesstrasse ist mir doch nicht ganz wohl. Die kann ja heiter werden, wenn schon die Treppe so glatt ist, dass man darauf ausrutscht!


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