kindernothilfe

ausrüstung

guestbook

zur startseite
portrait vorbereitungen
die tour
links


Das Training am 26./27. August 2000


Wenn frau ein Jahr lang durch Südamerika will, noch dazu auf dem Motorrad, das sie obendrein noch nicht einmal richtig beherrscht, dann sollte sie sich wohl zumindest etwas darauf vorbereiten. Vernünftig wie ich nun mal bin, will ich also vorher noch ein Offroad-Training machen. Und wo sonst könnte ich dafür besser aufgehoben sein als beim Team von EnduroPro?!
Ein Termin ist schnell und kurzfristig gefixt, Ende August soll es soweit sein, die Formalitäten zur Anmeldung laufen reibungslos, und so steht dem Event fast nichts mehr im Wege.
Nur mein Goldstück, meine XT350 ist noch nicht ganz soweit. Mittlerweile springt sie zwar einwandfrei an, aber schon seit dem Urlaub im Juni in den Pyrenäen fahre ich die neuen hinteren Bremsbeläge spazieren, und neue Reifen wären eigentlich auch dringend notwendig. Der vordere ist kein Problem, Wolfi borgt mir einen von ihm und hilft mir auch noch bei dessen Montage und dem Wechsel der Bremsbeläge. Sorgen bereitet also nur noch der hintere Reifen, etliche Telefonate und Hilferufe auf diversen Mailing-Listen bleiben erfolglos. Dann, kurz vor der Abfahrt am Freitag Nachmittag, kommt überraschend noch einmal Hoffnung auf, ich finde doch noch einen passenden, wenn auch nimmer ganz neu, so doch immerhin besser als der jetzige. Nur zur Montage bleibt keine Zeit mehr. Kurzerhand schnalle ich ihn aufs Gepäck und nehme ihn mit. Bestimmt hat irgendwer genug Werkzeug dabei, um mir vor Ort helfen zu können.
Etwas verspätet komme ich von München weg, die Fahrt verläuft problemlos, und es reicht noch, um nach etwa 4,5 Stunden kurz hinter Schweinfurt an der Cross-Strecke "Schwarze Pfütze" anzukommen, und auch mein Zelt noch aufzubauen, bevor wir es uns am Lagerfeuer gemütlich und uns bei Rotwein untereinander bekannt machen.
Als ich am Samstag früh aus dem Zelt krieche und die ganze Szenerie bei Tageslicht vor mir sehe, traue ich meinen Augen kaum: ‚Kann ja wohl nicht wahr sein, wo bin ich hier, das sieht ja aus wie im Profi-Lager!' Bis auf einen weiteren XT-Fahrer, -immerhin, ich bin nicht ganz so alleine, der wird mein Freund-, haben alle anderen ihre KTM's und Husabergs per Wohnmobil und Hänger bzw. Servicewagen hergefahren. Dementsprechend die Ausrüstung der Fahrer. Mich überkommt das leichte Gefühl, hier fehl am Platz zu sein. Erst recht, als ich dann einen ersten Blick auf die Strecke werfe:
'Oh mein Gott, hier soll ich fahren?!! Nein danke, das ist nichts für mich, ich fahre lieber wieder heim.'
Sollten die andern bei meinem Anblick genauso denken, sie lassen es mich nicht merken, und überzeugen mich schliesslich davon, dass ich ja dazu hier bin, um zu lernen. Wirklich nett, zuvorkommend und rücksichtsvoll sind die zu mir. Hmmm, seltsam, ich bin doch noch gar nicht wieder in Chile... Ausserdem, wie nicht anders zu erwarten, haben sie natürlich auch alles für einen Reifenwechsel dabei. Die Sache ist dank Carstens Einsatz binnen weniger Minuten erledigt, und mir gehen somit die Ausreden aus.
Um 10.00 geht's los, wir sammeln uns alle am Startplatz, es ist mächtig laut, als etwa 30 Leute anfangen, an ihren Gashebeln zu drehen. Noch müssen wir uns aber in Geduld üben, denn zuerst stellen sich die Trainer vor. Da haben wir Charly Wiedmann, Oliver 'Olli' Wengler, und Andreas 'Mücke' Muck. Er hat den Fuss im Gips. Nein, es ist nicht beim Motorradfahren passiert, sondern beim Fussballspielen. Nie wieder solch gefährliche Sportarten, verspricht er.
Dann werden als erstes bei jedem noch die Hebel kontrolliert und richtig eingestellt. Bei meinem Hobel ist natürlich mal wieder Hopfen und Malz verloren. Gut, den Kupplungshebel kann ich noch ein bisschen verstellen, und den Lenker auch, das war's dann aber auch schon. Na gut, immerhin weiss ich, worauf ich zu achten habe, wenn ich mir in Santiago das Mopped suche, das mich durch ganz Lateinamerika begleiten soll. Anschliessend werden wir zur Gruppeneinteilung gleich auf die Strecke geschickt. 'Ist das jetzt wirklich nötig?! Ich weiss auch so, dass ich in die letzte Gruppe gehör. Na gut, probier ich's halt auch, dazu bin ich schliesslich hier. Ausserdem, alles geht, und wenn die andern das können, schaff ich das auch, irgendwie', versuche ich mir einzureden.
Die meisten können es gar nicht erwarten, endlich losgelassen zu werden. Das Chaos ist erst einmal perfekt. Alle rasen los, keiner weiss wohin, die Trainer müssen erst noch einmal zu etwas Disziplin und Ordnung aufrufen. Beim 2. Anlauf klappt's dann schon ganz gut. Nur gut, dass ich nur einen winzigen Teil der Strecke gesehen hatte, und keine Ahnung hatte, was mich da draussen noch erwartet: es geht rauf - runter, tief runter - um die Ecke - einen Buckel hoch, gleich dahinter noch ein Buckel - wieder Kurve, mann ist die eng! - und wieder runter, vor mir tut sich ein Abgrund auf, dabei bin ich doch noch gar nicht mit der Kurve fertig! Oh gott ist das steil, und dann auch noch so ewig lang! Aber bremsen? Vergiss es, geht jetzt nicht - danach genauso steil wieder hoch, scheisse, wie soll das denn gehen?!! - oben die Kuppe, Gas weg, weil nein, ich will definitiv hier nicht springen - mist, zu spät! Mami, hilf mir! - wow, es geht sogar!! - weiter, keine Zeit zum nachdenken, und erst diese fürchterlichen Rillen überall - ups, ausgerutscht, verdammt, grad noch mal gut gegangen, also weiter... So geht das 3 km lang, und 3 km können ganz schön verflucht endlos lang sein! Keine Sekunde bleibt mir zum Atem holen, und irgendwann hab ich aufgehört zu zählen, wie oft es mich fast hingeschmissen hätte. Am Ende bin ich mir nicht sicher, wer nun eigentlich mit wem gefahren ist, ich mit meinem Goldstück, oder mein Goldstück mit mir?

Jedenfalls werden wir in 3 Gruppen zu jeweils etwa 10 Leuten aufgeteilt, und siehe da, ich bin in der schwächsten. Na bitte, ich sagte es doch! Während die anderen beiden Gruppen wohl gleich irgendwo auf der Piste verschwinden, versucht Mücke geduldig, uns erstmal die Basics beizubringen: die Grundhaltung beim Gasgeben im Sitzen, im Stehen, und auch noch richtiges Aufstehen während dem Gasgeben... klingt alles total banal, ist es aber gar nicht. Ein Wahnsinn, worauf man da alles achten muss! Wenn ich an die richtige Stellung der Füsse gedacht hab, habe ich wieder die Ellbogen vergessen, hab ich an die Ellbogen gedacht, hatte ich die Knie nicht am Tank,... Den meisten anderen geht es scheinbar ähnlich. Ein Trost! Aber Mücke gibt nicht auf, unermüdlich erklärt er uns immer wieder, was nun gerade wieder falsch war, bis zur Mittagspause. Endlich verschnaufen, Durst stillen, Kraft schöpfen, erste Erfahrungen austauschen.

Danach Trainerwechsel, gar nicht dumm, sollte man mit einem nicht zurecht kommen, obwohl dazu eigentlich wirklich kein Grund besteht, hat man die Chance auf ein besseres Auskommen beim andern. Trotzdem find ich's schade, denn Mücke kann supergut erklären. Meine Sorge ist aber unbegründet, Olli kann das genauso gut. Nun muss man ja bekanntlich nach dem Gasgeben auch irgendwann wieder zum Stehen kommen, und so soll Olli uns das richtige Bremsen beibringen. Erst nur vorne, dann zum Vergleich nur hinten, dann grösstmögliche Verzögerung mit beiden gleichzeitig. Das hatte ich doch unlängst so ähnlich erst alles in der Fahrschule, und hab es dort schon gehasst. Aber ich seh' ein, es muss sein, und prompt legt's mich dabei auch das erste Mal hin. Es ist nichts passiert, der Lenker ist halt noch krummer als vorher, was soll's. Ich werde mir wohl doch demnächst einen neuen zulegen müssen, denn meiner ist ja angeblich eh nicht so doll geeignet aufgrund seiner seltsamen Krümmung, hatte ich mir am Vormittag schon erklären lassen. Wie auch immer, weiter geht's. Gasgeben und fahren mit blockiertem Vorderrad. Klappt bei mir natürlich auch wieder nicht gscheid, ich krieg die Bremse nicht genug gezogen, wenn ich gleichzeitig dabei gasgeben soll. Aber ich merke dennoch, dass es durchaus funktioniert. Klasse! Und die andern kriegen das sogar noch viel besser hin. Pah, da stehe ich doch drüber!
Was fehlt jetzt noch? Fahren von Kurven und Anliegern. Auch Charly, der 3. im Bunde, beherrscht sein Metier nicht nur in der Praxis, sondern er versteht es wie die anderen, selbst den Nichttechnikern unter uns auch die Theorie plausibel zu machen. Er erklärt uns, was in Kurven so alles passiert, physikalisch versteht sich, was also dabei zu beachten ist, und warum. Hatte ich schon erwähnt, dass all das in der Praxis dann natürlich im Stehen passieren sollte? Also zumindest das Anfahren auf die Kurve zu, dann hinsetzen. Aber nein, doch nicht einfach nur so, auch das will gelernt sein! Und den in der Kurve ausgestreckten Fuss rechtzeitig vor den ersten Wellen wieder auf die Raste setzen! Hatte ich mich am Vormittag schon schwer getan, so fühle ich mich inzwischen endgültig überfordert. Ganz klar, war ich doch bisher allenfalls zum Ankicken auf die Rasten gestanden. Soviel neues auf einmal kann man doch gar nicht aufnehmen, geschweige denn auch noch gleich richtig umsetzen. Noch dazu ist es elend heiss, - oder kommt es etwa nur mir so vor, in meiner Gore-Tex-Tourenausrüstung? Ich gebe zu, ich schwächele, als wir zum Abschluss noch einmal eine ganze Runde über die Strecke fahren sollen. Ich lasse es lieber bleiben, denn inzwischen bin ich fix und fertig. Und frau weiss halt einfach, wann es Zeit ist, aufzuhören. Im Gegensatz zu Carsten, der es nicht lassen kann, und anscheinend zu dicht hinter Charly herfährt, in dessen Staubwolke den im Weg liegenden Stein nicht erkennt und sich daran das Knie verdreht. Das sieht schwer nach Bänderverletzung aus.
Für mich ist aber doch noch nicht alles überstanden für heute. Ulrike und ich bekommen anschliessend noch unser Special-Coaching, ganz wichtig: Aufheben des Motorrades von vorne, von links, von rechts, wenn man drunter liegt, im Schlamm,...und zwar alleine, ohne Fremdeinwirkung. Lässig anzusehen, wie Charly und Steffen die DR 350 mit ihren 140 kg lupfen als wäre sie aus Watte. Sieht aber leider nur so aus, denn ich kriege sie, trotz Hilfestellung von Steffen, nicht weiter als 10 cm vom Boden. Ulrike ergeht es auch nicht viel besser. Frustrierend! Allerdings, die andern drum herum scheint es köstlich zu amüsieren, wie soll man sich denn da auch konzentrieren können! Immerhin, im Ernstfall weiss ich jetzt was zu tun ist.
Endlich ist es dann soweit, ich darf aus den nassen Klamotten raus! Welche Wohltat! Nach dem gemeinsamen Abendessen im nahegelegenen Gasthof lassen wir den Tag wieder am Lagerfeuer ausklingen. Es ist richtig gemütlich, und eigentlich fehlt nur noch eine Gitarre. Arg lang harrt aber nach diesem anstrengenden Tag kaum einer aus, und am kommenden Morgen wollen wir ja auch wieder fit sein.
Sonntag Morgen. Wieder herrliches Wetter. Der Schädel brummt ein wenig. Seltsam, soviel Rotwein war das doch nun auch wieder nicht?! Aber nach dem Frühstück geht's schon wieder, einigermassen. Ausser bei Carsten. Sein Knie hat sich noch mehr verschlechtert. Das war's dann leider für ihn. Aber bis Mittag will er noch bleiben und zuschauen, wie wir uns plagen.
Erstmal sollen wir uns alle auf der Strecke warmfahren. Da kann ich doch gleich mal ausprobieren, was ich am Tag vorher so alles gelernt habe. Uih, Tatsache, ein Zuckerschlecken ist es zwar immer noch nicht, aber es geht doch wirklich schon viel leichter und ich fühle mich wesentlich sicherer. Wer hätte das gedacht!

Danach dann neue Gruppeneinteilung. Die Crosser gehen wieder auf die Piste und lernen springen, wir Enduristen hauen mit Olli ab ins Gelände. Steilauf- und abfahrten stehen auf dem Programm. Klingt gut, aber gleich die erste Strecke, die Olli sich für uns ausdenkt, birgt auf Anhieb mehrere Schwierigkeiten in sich. Wir gehen die Strecke zunächst theoretisch durch. Es geht schon mal damit los, dass die Anfahrt an das erste Steilstück ziemlich unangenehme Rillen hat denen es auszuweichen gilt, und noch dazu in recht engem Bogen gefahren werden muss. Sollte man dann tatsächlich den Steilhang überwunden haben, so schliesst sich gleich dahinter eine enge Kurve im Schräghang an, danach folgt noch die Steilabfahrt zurück. Ein paar Steine liegen da auch noch rum, über die man nicht unbedingt drüber sollte. Kein Wunder also, dass sich hier gleich mehrere von uns ablegen.

Ulrike kippt auch noch genau im Steilstück um, aber damit nicht genug, nein, sie muss ihr Mopped auch noch alleine da wieder rausholen. Die ärmste, es sieht ziemlich aussichtslos aus, aber 'geht nicht' gibt's nicht, und sie hat es schliesslich geschafft! Wahrlich keine unwichtige Übung, mir wird das schliesslich mehr als einmal bevorstehen, wenn ich in ein paar Monaten allein unterwegs sein werde.
Naja, Olli hat dann aber zu Recht erkannt, dass wir zunächst besser doch noch das Fahren von engen Kurven üben sollten. Das ist zwar weniger spektakulär, dafür aber umso sinnvoller und effektiver.
Nach der Mittagspause wird unsere Gruppe nochmal gesplittet, um besser auf jeden von uns eingehen zu können. Steffen, er hätte sicher viel lieber selber mit den anderen mittrainiert, gibt sich dazu her und fährt mit uns absoluten Anfängern den 'Kinderparcours', der es mit seinen richtig engen Kurven durchaus in sich hat. Keiner, der sein Mopped nicht wenigstens einmal hinlegt. Und wir kommen wieder alle mächtig ins Schwitzen, ich brauche sicher nicht zu erwähnen, dass ich unter meinem Anzug schon wieder klatschnass bin.

Nicht ganz so anstrengend sind dann die Steilhänge, die wir uns danach noch vorknöpfen. Dafür kosten sie umso mehr Überwindung, denn es geht schon ordentlich tief runter, und dazu noch die Furchen und Rillen! Eklig!! Ausserdem, eh klar, dass wir auch das im Stehen fahren sollen. Scheisse!! Noch einmal gilt es, den ganzen Mut zusammenzuraufen. Aber zu meiner eigenen Überraschung läuft es nach ersten anfänglich zögerlichen Versuchen doch sogar recht gut, da kommt richtig Freude auf.
So geht schliesslich auch der zweite Tag rasch seinem Ende zu. Viel zu schnell kommt der Moment des Aufbruchs und des Abschieds. Irgendwie hat es aber keiner so recht eilig. Trotz der kurzen Zeit, die wir zusammen verbracht haben, war doch schon sowas wie ein Gefühl der Zusammengehörigkeit aufgekommen, so wie wir uns hier zwar jeder für sich, aber doch auch irgendwie gemeinsam durch das Gelände gekämpft hatten. Doch wer weiss, vielleicht trifft man sich ja auf einem anderen Lehrgang wieder. Denn über eines sind wir uns alle einig: es hat jede Menge Spass gemacht, und wir haben alle was dazugelernt, die Cracks genauso wie die Einsteiger.

zurück zur letzten Seite


start   das bin ich   kindernothilfe   vorbereitungen   ausrüstung   die tour   links   back to top