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vom 10. März 2001

neuer Look

Violetas Zoo

ziemlich träge,...

...die Seeelefanten...

... am Strand von Punta Delgada

jede Menge Seelöwen

Puerto Piramides

nächtlicher Besuch

Plattfuss

Lager in der Pampa

Valle de Las Plumas

Wir haben es fast geschafft, es fehlen nur noch 350 km. Bei dem guten Wetter und mit dem Rückenwind fährt es sich heute auch ganz angenehm. Ein letztes Mal tanken in Trelew, dann geht es an den Endspurt. Kurz hinter Puerto Madryn biegt die Strasse nach Osten ab auf die Halbinsel Valdes, und nach weiteren 80 km erreichen wir dort endlich Puerto Piramides, vorläufiges Endziel.
Als wir am Campingplatz unsere Moppeds abstellen, werden wir schlagartig von der hier herrschenden Hitze überfallen. Jetzt erst fällt uns auch auf, dass die Leute hier im Badeanzug und in Shorts rumlaufen. Wir können unser Glück noch gar nicht fassen, wir sind wieder im Sommer! Als allererstes schälen wir uns aus den unzähligen Schichten an Klamotten, und machen ausgiebig Brotzeit am Strand.
Das ist endlich ein Wetter, bei dem man sich an die aufgrund der Kälte bisher vernachlässigten und inzwischen überfälligen Wartungsarbeiten machen kann. Mein Cockpit bekommt einen neuen Look, und seit ein paar Tagen schon scheppert Violetas Kette. Es ist an der Zeit, sie zu spannen. Zum ersten Mal ist das nun notwendig, seit ich vor 9030 km in Santiago aufgebrochen bin.
Mein Zelt habe ich genau richtig positioniert, dass am Abend die Sonne exakt durch den Eingang hineinfällt. Wir freuen uns schon darauf, morgen den lang ersehnten Badetag am Strand einlegen zu können.
Wir brauchen gar nicht weiter zu fahren um mit der hier ansässigen Tierwelt Bekanntschaft zu machen, denn auf dem Campingplatz haust eine ganze Kolonie von Katzen. Sie sind zwar alle sehr scheu, streichen aber ständig um die Zelte herum und lauern auf Beute. Vor allem Michis Zelt hat es ihnen angetan, dort werden sie auch immer fündig. Als wir vom Abendessen zurückkehren, findet er statt seinen Broten nur noch eine leere Tüte mit Krümeln vor.

11.03.2001
Beim genüsslichen Frühstück im Freien beschliessen wir, die Inselrundfahrt erst morgen zu machen, denn vom Moppedfahren haben wir fürs erste noch genug.
Der Morgen ist noch vielversprechend, aber schon bald ziehen Wolken auf. Es ist zwar immerhin bedeutend wärmer als bisher, aber dennoch recht frisch. Aus dem sonnigen Badetag wird nun wohl doch nichts. Das ist nicht weiter schlimm, wir haben auch so noch genug zu tun. Mein Rucksack ist schon vor Wochen an einer weiteren Stelle eingerissen und muss wieder genäht werden, meinem Tankrucksack verpasse ich einen Klickverschluss, damit ich ihn beim Tanken leichter abmachen kann.
Michi experimentiert an seinem Mopped. Um den Spritverbrauch zu senken, will er den zweiten Vergaser abschalten. Die Testfahrt ergibt aber lediglich einen Leistungsabfall bei gleichbleibendem Verbrauch. Das war wohl nix.
Stattdessen montiert er erfolgreich eine Halterung für Ersatzkanister an meine Packtaschen von Ortlieb. Jetzt brauche ich bloss noch einen geeigneten Kanister. Cool!

12.03.2001
Die ganze Nacht durch und auch am Morgen noch regnet es. Es ist nicht zu fassen, wo auch immer wir hinkommen, holt uns das schlechte Wetter ein. So trocken wie hier alles ausgesehen hat, erwischen wir wahrscheinlich die einzigen Regentage im Jahr. Wie auch immer, das Frühstück verschieben wir auf später, und geben dem Wetter noch eine Chance. Tatsächlich wird der Regen bald dünner, und wir können es wagen, aus unseren Zelten hervorzukriechen. Dennoch, auf Dauer ist selbst dieses feine, fast unmerkliche Nieseln eine nasse Angelegenheit, und wir ziehen doch den Schutz im Zelt vor.
Gegen Mittag reisst die Wolkendecke auf und es wird trocken. Noch ist es nicht zu spät für den Inselausflug. Es dauert nicht lange, und wir sind startklar. Ich muss nur noch zur Tankstelle. Doch, oh je, was ist denn das? Michi stellt fest, dass nun auch ich hinten einen Platten habe. Tatsächlich, da ist nur noch verdächtig wenig Luft drinnen, hab ich noch gar nicht gemerkt gehabt. Wir testen erstmal, was passiert, wenn wir ihn wieder auffüllen.
In der Zwischenzeit nieselt es auch schon wieder. Was soll's, wir wollen erstmal ein paar km fahren, dann sehen wir schon. Der Nieselregen wird stärker, vor uns nur noch Nebel, wir sind noch keinen km gefahren als wir lieber wieder umkehren, bevor wir völlig nass werden. Wir halten erneut an der Tankstelle, um den Luftdruck zu prüfen. Viel hat er noch nicht wieder verloren. Trotzdem, lieber lasse ich ihn richten, ich steh ja hier gleich an der Gomería.
Wir schauen auf, und der Regen hat doch wirklich wieder aufgehört! Aber nein, wir lassen uns nicht verarschen, wir fahren nicht nochmal wieder los. Um 15.30 ist die Mittagspause vorbei, bis dahin lasse ich das Mopped hier stehen und vertreibe mir die Zeit lieber anderweitig.
Wir sind noch nicht wieder am Campingplatz, als es schon wieder nieselt. Den Rest des Nachmittags verbringen wir daher nun endgültig im Zelt, bis irgendwann der Himmel blau wird, die Sonne hervorkommt und es wieder Sommer wird. Erstaunlich, die Temperatur steigt schon bald auf 26°, und wir können uns wieder ausziehen.
Als wir schliesslich an der Werkstatt vorbeischauen, stellt sich heraus, dass der keine Motorradreifen repariert. Angeblich zu gefährlich. Die nächste Gomería ist in Puerto Madryn, 100 km zurück. Mal sehen, ob der Reifen bis dahin durchhält.
Dann müssen wir noch zum Einkaufen, denn bei diesem Wetter können wir mal wieder selber kochen. Wir sind gerade mit dem Essen fertig und wollen noch bei Kerzenschein die laue Nacht geniessen, als es erneut zu tröpfeln beginnt. In der Ferne blitzt es auch schon. Es bleibt uns gerade noch Zeit genug, unsere Sachen ins trockene Zelt zu retten, als der Regen auch schon richtig losprasselt. Langsam kommt das Gewitter näher, die Blitze erhellen die Nacht, und das laute Donnern folgt in immer kürzerem Abstand. Ob wir wohl morgen endlich die Inselrundfahrt machen können?

13.03.2001
Jawohl, einwandfrei!! Das sieht sehr gut aus, nicht ein Wölkchen trübt den blauen Himmel. Der Sommer ist wieder da. Also nichts wie los, der Inselrundfahrt dürfte heute nichts mehr im Weg stehen, wir versuchen den 2. Anlauf, blasen meinen Reifen nochmal richtig auf, und hoffen das Beste.
Die Landschaft sieht kaum anders aus als bisher, Steppe soweit das Auge reicht. Wenigstens fahren wir hier über eine Mischung aus Lehm-, Sand- und Schotterpiste, die auch schon fast wieder trocken und somit ohne Probleme zu fahren ist.
Nach knappen 100 km erreichen wir Punta Delgada. Angeblich kann man hier Seeelefanten sehen. Dem ist dann wohl auch tatsächlich so, bloss darf man nicht alleine ohne Führer an den Strand, weil es ein Reservat ist und die Tiere nicht von Hinz und Kunz gestört und dadurch vertrieben werden sollen. Das leuchtet ein. Die Führung ist zwar nicht gratis, aber im Preis inbegriffen, falls man sich dazu entschliessen sollte, hier zu Mittag zu essen. Das bietet sich für uns durchaus an, wir wollten eh bald Brotzeit machen.
Nach dem Essen geleitet uns unsere Führerin Claudia also hinunter an den Strand. Sie meint, wir hätten heute Glück, weil die ganze Herde hier versammelt ist. Gestern wären wohl nur ein paar einzelne Tiere an Land gewesen. Kein Wunder, bei dem Wetter! Geduckt und langsamen Schrittes nähern wir uns diesen riesigen Brocken vorsichtig bis auf 5 m, wo wir uns vor sie in den Sand setzen. Während uns Claudia ihre Lebensweise erklärt, beobachten wir belustigt, wie sie ab und zu aufwachen, sich räkeln und sich kratzen, und sich von uns nicht weiter stören lassen. Trotz ihrer Grösse und Mächtigkeit sind es ganz knuffige Kerle. Sie sind gerade dabei, ihr Fell zu wechseln, um sich auf ihre Tauchgänge 500 m vor der Küste vorzubereiten. Draussen auf hoher See ernähren sie sich von grossen Tintenfischen, legen einen Vorrat an, um dann an Land 30-40 Tage ohne Nahrung auskommen zu können. Daher liegen sie in dieser Zeit auch nur so apathisch herum, um sich nicht anzustrengen und unnötig Energie zu verbrennen.
Ab jetzt geht unsere Fahrt nun etwas abwechslungsreicher an der Küste entlang weiter. An einem Steilhang können wir, leider nur von oben, Unmengen von Seelöwen bei ihrem Spiel beobachten. Diese Racker sind weitaus fideler und aufgeweckter als ihre grossen Verwandten.
Entgegen unserer ursprünglichen Absicht entscheiden wir uns nun doch nur für die kleine Runde, denn in Punta Norte gibt es zwar wohl weitere Seelöwen, die hätten wir aber wegen der Ebbe besser schon am Morgen besucht. Ansonsten gibt es dort noch eine Pinguinkolonie, aber das kennen wir ja nun schon. Die Landschaft gibt auch nichts her, also biegen wir bei der Estancia Valdes landeinwärts ab und durchqueren die ganze Insel, um nach 75 km wieder auf die Hauptpiste zurück nach Puerto Piramide zu stossen. Nur gut, dass es heute schon wieder trocken ist, denn gestern war der Weg wohl nicht so gut zu fahren, noch deutlich sind die durch den Schlamm schlingernden Fahrspuren zu erkennen.
Richtig gegessen haben wir heute ja schon, also gibt es jetzt am Abend nur noch eine Brotzeit in der Abendsonne, und zum Abschluss dieses herrlichen Tages noch einen kühlenden Strandspaziergang bei klarem Sternenhimmel.

14.03.2001
Als ich noch vor Sonnenaufgang frühmorgens aufwache, beginnt irgendetwas neben mir auch langsam sich zu räkeln, und jagt mir zunächst einen gehörigen Schrecken ein. Dabei ist es nur die schwarze Katze mit den weissen Pfoten, die als einzige nicht scheu davonläuft, wenn man sich ihr nähert. Ich hatte mal wieder mein Zelt nicht richtig zu, und irgendwann in der Nacht muss sie den Spalt entdeckt haben und hat sich zu mir gelegt. Natürlich darf sie auch noch bleiben, bis es wirklich Zeit wird, aus dem Schlafsack zu kriechen.
Wir wollen zeitig los, denn wir müssen doch im 100 km entfernten Puerto Madryn erst noch eine Gomería suchen, um meinen Reifen flicken zu lassen. Natürlich wollen wir dort nicht ausgerechnet während der Mittagspause, die hier bis 16.00 geht, ankommen. Das klappt auch ganz gut, der Reifen hält durch, und der erste Reifendienst ist schnell gefunden. Allerdings schicken die uns gleich weiter zur Werkstatt um die Ecke, die hätten das geeignetere Werkzeug dafür. Zu unserer Verwunderung ist aber auch hier die Antwort negativ. Unglaublich! Motorradreifen flicken sie nicht, zu kompliziert und zeitaufwendig, das würde sich nicht rechnen. Sowas!! Das kann ja wohl nicht sein, wir bleiben hartnäckig und bieten an, den Reifen selber auszubauen. Nichts zu machen. Sie nennen uns dann immerhin eine 3. Werkstatt, gar nicht so weit weg, die würden das wohl machen. Also gut, uns bleibt eh kaum eine andere Wahl, wir probieren es dort. Und tatsächlich, ich hatte ja schon nicht mehr daran geglaubt, aber kaum habe ich dem Burschen mein Problem geschildert, macht er sich auch schon an die Arbeit. Dabei können wir nun selber sehen, warum hier alle anderen sich weigern: durch das schwüle Klima und den Sand ist alles so festgegammelt, dass sich die Schraube der hinteren Bremse und die Radachse kaum noch herausnehmen lassen. Eine ganz schön schweisstreibende Angelegenheit, noch dazu in dieser Hitze. Gut, dass wir nur zuschauen brauchen, denn dabei hätten wir wenig Spass gehabt, wenn wir selber hätten Hand anlegen müssen. Nachdem dann der Reifen endlich ab ist, geht alles recht flott. Das winzig kleine Loch ist schnell gefunden und gedichtet, statt Spülmittel und Montierhebel benutzt er nur einen Hammer, und auch der Einbau ist bald erledigt. Das ganze kostet mich schlappe $ 5,-
Bislang konnten Michi und ich uns nicht einigen, welcher wohl der schönere Weg ist um ans nächste Ziel quer rüber an die Anden nach Esquel zu kommen. Daher war es im Grunde schon beschlossene Sache, dass wir uns nun trennen. Ich nehme die in meinem Reiseführer mit 3 von 5 Attraktivitätssternen ausgezeichnete Route über die asphaltierte Ruta 25, Michi will lieber 50 km nördlich parallel dazu über die geschotterte Ruta 4 fahren.
Mehr aus Neugier frage ich den Werkstattmeister, ob er sich wohl auskenne in der Umgebung und uns sagen könnte, welchen Weg wir am besten nehmen sollten. Ohne lange nachzudenken antwortet er so eindeutig, dass selbst Michi, der sonst nie was glaubt bevor er es nicht selbst gesehen hat, sich von ihm überzeugen lässt und sich schlussendlich doch mir anschliesst, um über die Ruta 25 zu fahren. Schön! So fahren wir nun doch noch zusammen weiter. Erst geht es ein Stück zurück nach Süden, wo wir herkamen, bis Trelew. Dort biegen wir landeinwärts auf die 25, die uns ins 650 km entfernte Esquel führen soll.
Auch hier ändert sich die Landschaft zunächst nicht, es bleibt genauso flach wie bisher. Immerhin, es ist jetzt wärmer, ich kann wieder auf die Fleece-Jacke und die Innenhandschuhe verzichten. Der Gegenwind ist zwar recht frisch, bremst auch ordentlich und treibt den Spritverbrauch in die Höhe, stört hier aber sonst nicht weiter.
Kurz vor Las Plumas wird die Umgebung langsam interessanter, und das ist gut so, denn ich muss mich schon echt konzentrieren, damit mir nicht während der Fahrt die Augen zufallen. Die ersten Felsen tauchen auf, die Erde wird rot, und die Strasse geht nicht mehr nur noch geradeaus, wenngleich es übertrieben wäre, sie als kurvig zu bezeichnen. Immerhin werde ich wieder etwas munterer, die Zeit scheint schneller zu vergehen, und so erreichen wir schon bald Las Plumas. Da wir hier auch für heut Abend einkaufen können, wollen wir nur noch fahren, bis wir ein nettes Lagerplätzchen finden, denn es ist schon wieder recht spät am Nachmittag.
Michi wird auch schon bald fündig, der Platz ist derart versteckt, dass er seinen eigenen Spuren folgen muss, um mich dorthin zu führen. Querfeldein geht es über die holprige, stachelige Weide, über umgelegte Drahtzäune, zwischen den engstehenenden dornigen Büschen hindurch mitten auf eine Schafweide umgeben von hohen Büschen, die vor dem Wind schützen. Weiter weg umschliessen uns die bizarren Felswände, hinter denen die wärmende Abendsonne schon fast untergeht. Welch ein Panorama!! Nur die dazugehörigen Schafe machen sich leider eilig aus dem Staub, und wir sehen sie nicht wieder. Ab jetzt sind wir hier völlig allein. Nichts trübt hier die Luft, und so bestaunen wir noch lange vor dem Zelt auf dem Rücken liegend den intensiven Sternenhimmel, und zählen die Sternschnuppen, bis wir uns erschöpft in den Schlafsack kuscheln.


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