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vom 05. März 2001

Plattfuss

Feuerland

Estancia Maria Behety

der Schafstall

Notlösung an der Autobahn

die Pampa

im Bachbett

versteinerte Bäume

Vulkanlandschaft

noch mehr Pampa

Die Nacht ist lang und unruhig. Im Refugio geht es ziemlich laut zu, ich kann daher kaum einschlafen. Dunkle Gedanken quälen mich, ob ich nicht besser wieder nach Hause fliegen sollte, weil ich eigentlich gar keine Lust mehr habe, weiterzufahren. Allerdings, wo ist zuhause? Und vor allem, was sollte ich dort? Ich verschiebe die Lösung dieses Problems auf später, denn nachts erscheint immer alles düsterer als es in Wirklichkeit ist.
Am Morgen wache ich entsprechend spät erst auf. Das macht aber gar nichts, denn wir haben es nicht eilig. Wir sind uns noch nicht mal sicher, ob wir überhaupt heute schon weiterfahren wollen. Ich hab auch noch jede Menge zu tun. Vor allem brauche ich erst einmal Bargeld. Das ist nicht ganz einfach, die Automaten wollen kein Geld rausrücken. Immer wieder bekommen wir die Meldung, dass 'diese Operation derzeit nicht ausgeführt werden kann'. Hmmm, seltsam, an der Karte kann's nicht liegen, denn es funktioniert keine einzige von denen, die wir dabei haben. Merkwürdig nur, dass die anderen Leute, die wir erstmal vorlassen, erfolgreich sind. Ahaaa! Da fällt mir ein, dass der Automat vielleicht lediglich keine Dollars mehr hat, jetzt nach dem Wochenende. Vielleicht sollten wir es mit der Option 'Pesos' versuchen. Tatsache!! Es rattert im Automaten, und da kommen auch schon die Scheine. Na bitte!! Jetzt kann ich endlich wieder Geld ausgeben.
Und nun? Bis Mittag müssen wir im Refugio auschecken, wenn wir nicht noch eine weitere Nacht zahlen wollen. Wir sind uns zwar immer noch nicht sicher, aber wir räumen für alle Fälle lieber mal das Zimmer, wieder einziehen können wir immer noch.
Die Session im I-Cafe fällt kürzer aus als erwartet. Nun wären wir eigentlich startklar, und entschliessen uns, tatsächlich aufzubrechen.
Weit kommen wir allerdings nicht. Kaum haben wir die Stadt hinter uns gelassen, als Michi nach 12 gefahrenen km einen Plattfuss hat. Und das ausgerechnet jetzt, wo unser Reifenflickspezialist Gerhard nicht mehr dabei ist!
Noch so nah an der Stadt ist es wohl gescheiter, das Rad nur auszubauen und zurückzubringen in eine Gomería, wo es wieder gerichtet werden kann. Also gut, Michi versteckt unser Gepäck sicher im Gebüsch, wir werden zurückfahren und bleiben nun halt doch noch eine Nacht. Erst recht, wo gerade wieder ein Schneesturm loslegt. Daher versuchen wir erst gar nicht mehr, ob wir wohl trotz Gepäcktaschen und dem kaputten Reifen noch zu zweit auf mein Mopped passen. Besser halten wir ein Auto an.
Wow, gleich der erste hält an und nimmt Michi mit, während ich allein mit dem Mopped schon mal zurückfahre ins Refugio. Hier ist unser 4-Bett-Zimmer, das wir die ganze Zeit schon für uns alleine hatten, immer noch frei, und wir können es wieder belegen. Ich habe es mir schon richtig gemütlich gemacht, als Michi kommt und zu seinem Mopped gefahren werden möchte.
Er erzählt, dass der Fahrer total hilfsbereit war und ihn gleich zur Gomería gefahren hat. Dort hätte er mit ihm gewartet, bis der Reifen wieder geflickt war, und hätte ihn nochmal wieder rausgefahren zum Mopped. Erst dort fiel Michi wieder ein, dass er ja die Achse in den Rucksack gesteckt hatte, den wiederum ich mitgenommen habe. Also musste er erst zu mir, und der Fahrer brachte ihn bis vor die Tür vom Refugio. Und nun ja, jetzt bin ich wieder dran, muss nochmal raus in die Kälte und ihn hinbringen, hmmpf...also gut, ich will mal nicht so sein...
Der Wind ist eisig kalt, lang kann man hier nicht rumbasteln, ohne dass einem die Finger abfallen. Zum Glück geht alles reibungslos, das Rad ist schnell wieder eingebaut und wir können mit beiden Moppeds in die Stadt einfahren. Der kontrollierende Polizist am Ortseingang wundert sich sicher, was wir da treiben, aber er winkt uns jedes Mal freundlich zu.
Auch nicht schlecht, noch eine weitere Nacht im Refugio zu verbringen, viel besser als mit dem Zelt irgendwo draussen in der Kälte. Wir leben hier wie Gott in Frankreich, denn wir lassen den Regen Regen sein und gönnen uns nochmal die leckeren Tortellini von neulich. Köstlich!!

06.03.2001
Zweiter Versuch, nach Norden zu flüchten. Heute ist das Wetter auch viel angebrachter, wobei es hier bisher meistens morgens schön war, und am Nachmittag kam dann plötzlich der Wetterumsturz. Nicht umsonst heisst es, dass sich in Ushuaia die 4 Jahreszeiten innerhalb eines Tages abwechseln.
Zuerst müssen wir natürlich unser Gepäck erst wiederfinden und aufladen. Es ist zum Glück noch alles da.
Trotz wolkenlosem Himmel hat die Sonne keine Chance gegen den Wind, es bleibt einfach nur kalt. Es ist so eisig, dass wir sogar den geplanten Abstecher nach Cabo San Pablo ausfallen lassen. Wir wollen nur noch auf dem schnellsten Weg nach Norden ins Warme. Unser nächstes Ziel ist die Peninsula Valdes, etwa 1.600 km nördlich, am Atlantik. Dorthin führt die Ruta Nacional 3, genauso berüchtigt wie die Ruta 40. Sie ist zwar asphaltiert, aber der Wind soll hier noch stärker sein. So stark, dass er mitunter ganze LKWs umwirft.
Zunächst hängen wir uns auf der Asphaltstrasse hinter einen LKW, und nutzen dessen Windschatten. Das mag für Violeta vielleicht leichter sein, ich selber finde das ganz schön anstrengend, und komme mir in dessen Luftwirbeln vor wie in einer Wäscheschleuder. Daher bin ich ganz froh, als wir von der Hauptstrasse abfahren und die alternative Piste über die Estancia Maria Behety nehmen können. Hier landeinwärts ist auch auf einmal der Wind nicht mehr so heftig, es ist wieder angenehm zu fahren, und wir können die für Feuerland typische Landschaft der endlosen Schafweiden geniessen.
An der Estancia machen wir Pause. Hier können wir den grössten Schafstall der Welt besichtigen. Er hat Platz für 5.000 Schafe, die immer im Januar geschoren werden. Schade, das haben wir verpasst. Der Besitzer der Estancia erklärt uns noch, dass ein Stall dieser Grösse eigentlich unwirtschaftlich ist. Viel rentabler wäre es, mehrere kleine Ställe an strategisch günstigen Plätzen auf dem riesigen Land verteilt zu haben und nur die geschorene Wolle einzusammeln, statt alle Schafe zu dem einen Stall bringen zu müssen. Schwer vorzustellen, aber bei 40.000 Schafen, die die Estancia besitzt und die jeweils ca. 5 kg Wolle geben, ergibt die einfache mathematische Rechnung einen Ertrag von 200.000 kg Wolle, die innerhalb einer Woche geschoren wird, falls es nicht regnet. Ich bin total beeindruckt von diesen Ausmassen, aber Michi fasziniert mal wieder vielmehr die langweilige, alte Dampfmaschine, die in uralter Technik die gesamte Scheranlage im Stall antreibt.
Wir verabschieden uns und fahren weiter, vorbei am nächsten Nachbarn, der Estancia de los Flamencos, etwa 40 km entfernt. Dazwischen nichts als Schafe. Verkehr gibt es hier auch keinen. Daher sind wir an den 2 oder 3 Kreuzungen froh, dass der richtige Weg einigermassen gut an den Fahrspuren erkennbar ist. Denn ausgeschildert ist nichts, weit und breit keine Menschenseele, die man fragen könnte. Der Kompass nutzt auch nicht viel, denn die Strasse, die vermeintlich in die richtige Richtung führt, kann nach etlichen km plötzlich einen Haken schlagen und dann ganz woanders hinführen. Daher sind wir richtig erleichtert, als wir wieder auf die Asphaltstrasse kommen.
Noch dazu schlägt das Wetter schon wieder um. Es dauert nicht lange, bis es auch schon wieder zu regnen beginnt. Langsam werden diese ständigen Wetterwechsel nervig, raus aus dem Regenzeug, rein ins Regenzeug, Sonnenbrille auf, Sonnenbrille ab... Gerade noch 12 km bis zur der Grenze in San Sebastian, und wir werden noch klatschnass.
Wir wollen nochmal billigen argentinischen Sprit tanken, bevor wir über die Grenze gehen. Aber in San Sebastian ist gerade der Strom ausgefallen. Weit wollen wir heute nicht mehr, also warten wir erst eine Weile im Trockenen. Vielleicht hört ja bis dahin auch der Regen auf. Von wegen, nichts dergleichen passiert, es ist aussichtslos. So machen wir uns auf und erledigen erst mal die Zollformalitäten. Die Grenzer wundern sich zwar, dass wir bei der Ausreise keinerlei Papiere bekommen haben. Das ist aber weiter kein Problem, bekommen wir halt auch diesmal die gleichen Zettelchen, die sie uns genauso wieder abnehmen, bevor sie uns durchlassen.
Auch auf der chilenischen Seite sind die Zöllner sehr zuvorkommend, einer von ihnen lässt es sich nicht nehmen und stülpt mir sogar noch die Regenhandschuhe über, nachdem der Papierkram erledigt ist. Das lässt frau sich natürlich gerne gefallen.
Nun haben wir es gleich geschafft, bis zur Hostería sind es noch 500 m. Es ist inzwischen 20.00, wir sind den ganzen Tag gefahren, und dabei gerade mal 340 km weit gekommen. Wir sind ziemlich erledigt, nass und durchgefroren. Unter diesen Umständen sind wir bereit, jeden Preis für ein trockenes Zimmer und ein warmes Bett zu zahlen.

07.03.2001
Immerhin, es scheint wieder die Sonne, und auf der chilenischen Seite ist die Strasse nur geschottert. Wir biegen ab nach Bahia Azul, und weiter geht's, Richtung Norden, und dann immer geradeaus. Nur ab und zu macht die Strasse einen fast rechtwinkligen Schlenker. Der Grund dafür erschliesst sich mir nicht ganz, hier gibt es nun wirklich keinerlei Hindernis, das man umgehen müsste. Vermutlich folgt die Strasse irgendwelchen Grundstücksgrenzen und trennt die Estancias voneinander. Oder man hat ganz einfach an die armen Moppedfahrer gedacht, damit diese keine Genickstarre bekommen, wenn der Wind sie ständig aus derselben Richtung erwischt.
Die Landschaft ist immer noch dieselbe, flach ziehen sich die Schafweiden dahin. Langsam mischen sich auf diesem Teil der Insel die ersten Ölpumpen zwischen die Schafe.
Nach 140 km erreichen wir um 13.30 Bahia Azul, wo wir wieder auf's Festland übersetzen werden. Wir müssen allerdings eine Zwangspause einlegen, denn die Fähre muss die Flut gegen 16.00 abwarten, bevor sie den Betrieb wieder aufnehmen kann. Das bedeutet für uns, dass wir heute auch wieder nicht sehr weit kommen werden. Die Überfahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Wir werden nie erfahren, ob wir einfach nur vergessen haben, die Fähre zu bezahlen, oder ob sie vielleicht gratis ist, und deswegen niemand kassiert hat.
Wir lassen Feuerland hinter uns, der Kontinent hat uns wieder. Es geht noch eine Weile über chilenischen Boden, bevor wir erneut die Grenze passieren und uns die argentinische Pampa mit ihrem pfeifenden Wind erwartet. Es ist kaum zu glauben, aber es gibt doch tatsächlich noch eine Steigerung von 'flach'! Nur Steppe, so weit das Auge sehen kann! Nichts ausser Tausende von weidenden Schafen, einzelne Guanacos, die gelegentlich unseren Weg kreuzen, ein paar Nandus, die eine Weile neben uns herlaufen, und ab und zu ein einsamer Gaucho auf seinem Pferd. Und hier führt die asphaltierte Strasse nun wirklich nur noch geradeaus.
Es wird spät, langsam ist es an der Zeit, nach einem Zeltplatz zu suchen. An Río Gallegos sind wir schon vorbei, der nächste Ort ist noch zu weit entfernt, und weit und breit gibt es nicht mal einen Busch, der einem etwas Windschutz bieten könnte. Das beste ist wohl, an der nächsten Estancia zu fragen, ob wir dort unser Zelt aufstellen dürfen. Wir fahren und fahren, aber da kommt einfach nichts. Da, endlich, die Einfahrt zu einer Estancia. Aber das Gatter ist verschlossen, und wir müssen weiter, wohl oder übel. Inzwischen wird es schon fast dunkel, es bleibt uns schliesslich nichts anderes übrig als mit einem wozu auch immer ausgegrabenen Becken am Strassenrand vorlieb zu nehmen. Es als Unterschlupf zu bezeichnen wäre übertrieben, aber immerhin bietet es Wind- und Sichtschutz.
Nachdem es tagsüber schon wieder relativ warm war, ist es jetzt am Abend wieder richtig kalt. Zu kalt, um noch grossartig mit kochen anzufangen. Wir stillen den ärgsten Hunger mit belegten Broten, dann schlüpfen wir schnell in den wärmenden Schlafsack.

08.03.2001
Der Morgen empfängt uns mit Sonnenschein und totaler Windstille. Sehr gut, so können wir gut vorankommen. Eilig laden wir unser Zeug auf die Moppeds und machen uns auf den Weg. Wir machen nur Halt zum Tanken, zum Glück gibt es entgegen der Aussage des Tankwarts in Rio Gallegos doch noch eine Zapfsäule unterwegs an einem Hotel, denn bis Piedra Buena wäre es für mich schon wieder etwas eng geworden. Die Distanz nach San Julian, dem einzigen Ort entlang der weiteren Strecke, ist unproblematisch.
Gerne würden wir uns wieder an einen LKW hängen, aber da ist nirgends einer da!! Bis am späten Nachmittag müssen wir warten, bis uns endlich einer überholt, und mit sich zieht bis Tres Cerros, dem letzten Boxenstopp für heute. Kurz danach biegen wir schliesslich ab, landeinwärts zum Monumento Nacional Bosques Petrificados, dem versteinerten Wald. Das sind nochmal 50 km Schotter, und mit dem am Nachmittag wieder aufgekommenen Wind ist das für mich wieder wie Ruta 40 pur. Zweimal lande ich wieder neben der Strasse. Und dann fängt es auch noch zu nieseln an! Scheisse! Wär ich bloss in Tres Cerros geblieben. Aber nun gut, es ist ja nicht mehr weit, das schaffe ich jetzt wohl auch noch.
Als wir schliesslich ankommen, erklärt uns gleich der Parkwächter, dass es den in unserem Führer angegebenen Campingplatz schon lange nicht mehr gibt, und campen hier nicht erlaubt ist. Auch das noch!! Und jetzt?? Zuerst schauen wir uns noch diese versteinerten Bäume an, obwohl ich mittlerweile wirklich überhaupt keinen Nerv mehr dazu habe.
Zu allem Überfluss will Michi auch noch einen Platz zum Wildcampen suchen, statt die 25 km zurückzufahren zu dem andern Campingplatz an dem wir vorbeigefahren sind. Wo bitte schön soll man hier einen Platz finden, mitten in dieser Vulkanlandschaft, auf diesem Steinboden, wo kein Hering halten wird?!! Mir ist zum Heulen, 530 km, davon zum Schluss nochmal diese ekelhafte Kombination aus Schotter und Wind, das ist einfach zuviel für mich. Zu spät, jetzt muss ich die Zähne zusammenbeissen. Michi findet einen Platz etwas abseits der Strasse in einem ausgetrockneten Bachbett. Hmm, ok, eigentlich gar nicht so übel. Also gut, ich reiss mich zusammen, stelle am besten gleich mein Zelt auf, bevor es vollends dunkel ist und vielleicht auch noch wieder zu regnen anfängt, so finster wie das schon wieder ausschaut.
Allerdings, ich wusste es doch, keine Chance mit den Heringen! Entweder sie versinken nur weich im Sand und es reicht ein leichtes Ziehen, um das ganze Zelt umzuwerfen, oder sie stossen schon nach wenigen cm auf harten Stein. So, das war's!! Ich hab endgültig die Nase voll! Ich hasse es, oder vielmehr mich selbst, dass ich immer noch mehr auf andere statt auf mich selber höre, wenn ich merke, dass meine Grenzen überschritten werden. Wäre es nicht schon so spät, ich würde mein Zeug wieder einsammeln und abhauen. Was weiss ich wohin, völlig egal. Aber ich habe keine andere Wahl mehr, ich muss zusehen, das Zelt irgendwie aufgestellt zu bekommen. Es geht auch irgendwann, und irgendwie, es darf halt bloss nicht anfangen zu stürmen. Ohne essen, nur mit dem Walkman verkrieche ich mich ins Zelt, vielleicht kann der mich wieder aufpeppeln.

09.03.2001
Es hat ab und zu leicht getröpfelt, aber das Wetter hat zum Glück durchgehalten. Die Nacht war mild, und am Morgen herrscht wieder Windstille. So schaut die Welt schon wieder viel besser aus, und ich kann zum ersten Mal diese Mondlandschaft richtig geniessen, in der wir uns befinden, umgeben von unzähligen erloschenen Vulkankegeln. Genauso wie den versteinerten Wald, zu dem wir extra nochmal hinfahren.
Vor 130 Mio. Jahren hat ein Vulkanausbruch die etwa 1000-jährigen Bäume gefällt und unter Asche begraben. Das subtropische Klima -die Anden gab es damals noch nicht und der Wind brachte ungehindert Feuchtigkeit vom Pazifik her- in Verbindung mit der Asche führte im Lauf der Zeit zur Versteinerung dieser Bäume. Der Wald erholte sich wieder, bis zum nächsten Vulkanausbruch. So gibt es hier viele verschiedene Schichten von versteinerten Wäldern übereinander, die der Wind und die Erosion wieder ans Tageslicht bringen. Unglaublich! Eigentlich fehlt in dieser fantastischen Gegend nur noch der Steinbeisser aus der Unendlichen Geschichte.
Dieselben 50 km Schotter zurück machen mir heute, ohne Wind, überhaupt nichts aus. Auf der Ruta 3 hingegen gibt es keinerlei Unterschied zu gestern. Langsam kommt mir sowieso der Verdacht, dass wir die ganze Zeit nur im Kreis fahren, denn die Landschaft will sich einfach nicht ändern, obwohl wir fahren, und fahren, und fahren.
Immerhin, heute überholt uns schon recht bald ein LKW, an den wir uns hängen, bis wir leider halten müssen, um wieder unser Regenzeug anzulegen. Wir können ihn aber einholen, diesmal geben wir seinen Windschatten nicht mehr auf, obwohl wir dabei doppelt nass werden, vom Regen von oben, und von dem Wasser, das der Laster hinter sich aufwirbelt. Egal, wir bleiben dran. Es macht auch nichts, dass ich ständig nur die Rückwand des Lasters vor mir sehe, das ist auch nicht eintöniger als die Landschaft. An der Tankstelle in Fitz Roy klinken wir uns aus.
Wir halten uns gar nicht weiter auf, Pause machen wir erst in Comodoro Rivadavia, eine hässliche Stadt, wo wir auch nur kurz verschnaufen und uns mit Proviant versorgen. Dabei wird es schon wieder 17.00, und heute sollten wir uns sicherheitshalber etwas früher nach einer Möglichkeit der Übernachtung umschauen, bevor uns wieder die Dunkelheit inmitten des Nichts überrascht. Es sind noch 150 km bis Garayalde. Diese auf der Karte eingezeichneten Orte sind meist nicht mehr als eine Raststätte. Mal sehen, ob wir die noch erreichen und dann dort irgendwo unterkommen können, falls wir nicht schon vorher unterwegs eine Estancia finden.
Wir erwischen wieder einen unserem Tempo angepassten Laster. Erst überholen wir ihn noch im Glauben, schneller zu sein. Das stellt sich jedoch schnell als Trugschluss heraus. Der Schotter am Strassenrand sieht schön fest aus, da kann ich reinfahren und mich wieder hinter ihn zurückfallen lassen. Dachte ich! Tatsächlich komme ich dabei in arge Bedrängnis, und erschrecke mit meinem Schlingern wohl selbst den Trucker derart, dass er sich kaum noch traut, an mir vorbeizufahren. Aber ich gewinne schliesslich die Kontrolle wieder, und das restliche Stück Weg kleben wir an ihm.
Wir erreichen endlich Garayalde, ohne auch nur eine Estancia unterwegs begegnet zu haben. Wir sind beide so erledigt, dass wir unser Zelt direkt an der Raststätte aufstellen. Mehr gibt es hier eh nicht. Immerhin können wir hier im Warmen sitzen, unser Zeug an der Heizung trocknen und was Ordentliches essen.


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