zur startseite

kindernothilfe

ausrüstung

guestbook
portrait vorbereitungen
die tour
links

Chile

Bolivia
Peru
Ecuador
Colombia
Venezuela

unterwegs in




vom 15. Mai 2001

wieder im Regenwald...

...und im Kakteenland

in Purmamarca,...

...am Cerro Colorado

bunte Felsen,...

...wohin man schaut

...oder auch nur rot

der Friedhof von Purmamarca

geschichtsträchtiger Algarrobo

das Tal von Purmamarca

die andere Seite vom Gipfel

nein, kein Schnee,...

...sondern Salz,...

...und Guanacos,...

...und wieder Kakteen,...

..und Wasser,...

...an dem es kein Vorbei gibt

die alte...

..und die neue Kapelle von Susques

frühmorgens bei -6°

mitten durch den Salar

no llores por mi, Argentina

An Violeta wird noch fleissig gearbeitet, als ich sie gegen 10.00 abholen will. Während ich nun noch warten muss, macht sich Martin aus Würzburg schon auf den Weg. Er ist mit dem Fahrrad unterwegs und strampelt jetzt Richtung Bolivien. Wir haben also vorerst denselben Weg vor uns, und ich hole ihn sicher später wieder ein.
In der Zwischenzeit schicke ich sicherheitshalber noch ein Mail an Michi, damit der sich keine unnötigen Gedanken macht, falls ich erst übermorgen in San Pedro aufkreuzen sollte, da ich heute erst so spät hier aus Salta wegkomme, und es somit wahrscheinlich nicht mehr bis Susques schaffen werde. Denn bevor ich riskiere, wieder in die Dunkelheit zu geraten, lege ich lieber noch eine weitere Zwischenstation ein.
Es wird schliesslich Mittag, als ich mich -hoffentlich zum letzten Mal- von Sergio und Alfredo verabschiede. Doch kaum sitze ich auf und hab Violeta aus ihrer Parkposition in den fliessenden Verkehr gelenkt, fängt sie wie ein wildgewordenes Pferd laut zu scheuen an: knatter-peng-plopp-ruckel-peng-ruckel-plopp-peng-peng!!
Als erstes denke ich an Benzinmangel, aber das geht so weiter auch nachdem ich schnell auf Reserve umgestellt habe. Über 2 Kreuzungen kann ich mich noch hinüberretten, an der dritten geht dann endgültig der Motor aus. Zweimal springt er zwar wieder an, aber es reicht nicht mal zum Anfahren, schon stirbt er wieder ab. So ein Scheiss, was ist denn nun das schon wieder?!! Keine Ahnung, mir fällt nichts ein. Da steh ich nun, schwitze schon, und krieg das Mopped trotzdem nicht bewegt. Hmmm, was mach ich denn jetzt? Kann ich es, bepackt wie es ist, einfach hier an der Kreuzung stehen lassen und die paar Strassen zur Werkstatt zurücklaufen? Ob ich überhaupt jemals wieder aus Salta wegkomme??... Wie ich noch so dasitze und überlege, kommt aus der Queerstrasse gerade Sergio auf mich zu. Welch ein Glück!!
Zielstrebig tauscht er gleich die Zündkerze, die bei der Knallerei das Zeitliche gesegnet hat, und erst in zweiter Instanz entdeckt er den losen Zündkerzenstecker. Da hätt ich aber eigentlich auch selber draufkommen können!! Anyway, darf ich jetzt endlich weg aus Salta?!!
Immerhin meint das Wetter es gut mit mir, die Wolkendecke wird löchrig und lässt den blauen Himmel durchblitzen. Wenn auch nicht im Norden, wo ich hinwill, aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Den Weg aus der Stadt finde ich problemlos, jetzt muss ich nur noch tanken. Und natürlich gleich das Öl kontrollieren. Bitte, bitte, lass kein Wasser mehr drinnen sein!!... Ich trau mich kaum, aber vorsichtig schraub ich den Deckel ab, und dreh ihn rum. Und?... Scheisse! Schon wieder dieses weisse Zeug!!... Aber nicht viel, vielleicht ist es ja diesmal wirklich nur ein Rest von vorher. Hmmm, bin mir nicht sicher, Violeta wird zwar nicht mehr so heiss wie zuletzt, aber trotzdem heisser als früher. Und jetzt? Soll ich lieber gleich wieder zu Sergio zurück? Nein, ich hab keine Lust mehr darauf, und ich muss doch Martin noch einholen, ausserdem ist es eh gleich 1.00, und somit Mittagspause. Ich probier's erst mal und fahr noch ein Stück weiter, und wenn's nicht besser wird, dann kann ich immer noch umkehren, um rechtzeitig nach der Pause um 16.00 wieder in der Werkstatt zu sein. Ja genau, so mach ich's, also weiter geht's.
Regenwald, die dritte. Diesmal endlich auch hier bestes Wetter. Wenngleich das hier lediglich gleichzusetzen ist mit 'trocken und gute Sicht'. Aber die Wolken hängen immer noch bedrohlich darüber, und es ist ziemlich kalt. Bin ja schon mal neugierig, wie weit Martin mittlerweile schon gekommen ist. Bei den Kurven hier bin ich sicher auch nicht viel schneller als er... Ach doch, da vorne ist er ja schon!! Wir halten eine kurze Pause, die Ölkontrolle zeigt eine leichte Besserung, das lässt hoffen. Noch ein gemeinsames Foto, dann trennen sich unsere Wege. Bis auf weiteres.
Auch die weitere Strecke kenne ich ja schon. Hinter Jujuy, da, wo man plötzlich ins Land der Kakteen einfährt, müsste sich nun bald das Wetter bessern. Und tatsächlich, da vorne wartet schon der blaue Himmel auf mich. Allerdings, was ist das denn?? Die Sonne kommt nicht allein, sie geht heute einher mit einem heftigen Wind, der dem auf der Ruta 40 in nichts nachsteht. Noch dazu wirbelt er in dieser trockenen Gegend ordentlich Sand und Staub auf, die ganze Luft ist richtig trüb!! Hoffentlich ist das nicht die Ankündigung eines Wetterumschwunges, nicht dass ich morgen bei Schneesturm über den Pass muss?!! Aber es hat ja geheissen, es wäre in dieser Gegend zu trocken zum Schneien.
Obwohl der Wind mal wieder richtig bremst, komme ich schon bald an den Abzweig zum Pass. Von hier sind es noch 4 km bis Purmamarca. Da es inzwischen nach 16.00 ist, will ich versuchen, hier zu übernachten. Gar nicht so einfach. Das 1. Hostal hat geschlossen, das 2. ist ein sündhaft teures Hotel, das 3. hat wiederum geschlossen, und erst beim 4. und letzten, dem Casa Encantada de Bebo Vilte, komme ich gut und preisgünstig unter. Fein! Na bitte, klappt doch einwandfrei!! Überhaupt tut es richtig gut, zwischendurch eine kleine Michi-Pause einzulegen, und auch mal ein paar Tage allein unterwegs zu sein.
Nun will ich's aber doch wissen, ich will sehen, ob's auch wieder Öl in der Kühlflüssigkeit hat, und lasse sie ab. Gleich am Anfang schon kommen ein paar fette schwarze Perlen geflossen. Das ist aber bestimmt noch Restöl von vorher, denn danach kommt nur noch schön grüne Sosse raus. Oder etwa doch nicht nur? Weia, am Ende kommt auch nochmal ordentlich viel Öl. Verflucht! Wo kann das denn jetzt noch herkommen? Ob wohl soviel noch im Kühler geblieben sein kann?? Schliesslich, das Öl im Fensterchen sieht gut aus, und auch im Deckel ist jetzt nichts mehr.
So gut es geht schöpfe ich das Öl ab und schütte das Wasser zurück. Auch der Wasserstand scheint ok, viel kann nicht fehlen. Trotzdem telefoniere ich lieber nochmal mit Sergio, denn die Temperatur beunruhigt mich schon noch etwas. Er meint aber, das könne auch wegen der neuen Ringe sein, und da die KLR 2 Kühler hat, könne es schon sein, dass da noch reichlich Öl zurückgeblieben ist. Ok, ich bin beruhigt, und werde morgen weiterfahren.
Heute schaue ich mir noch den idyllischen Ort an, der eng an den dahinterliegenden Cerro Colorado, dem Felsen mit den 7 Farben, gebaut ist. An der Plaza, neben der Kirche mit dem typischen Friedhof dahinter, gibt es noch einen 1000-jährigen Baum, an dem schon 1600 der Senor Viltipoco weitere Stammesoberhäupter versammelt hat, um sich gemeinsam gegen die Spanier zur Wehr zu setzen.
Ansonsten ist es ziemlich ruhig, wohl früher als gewöhnlich packen die Handwerksfrauen ihre auf den Ständen an der Plaza feilgebotenen Waren zusammen, bevor der Wind sie davonträgt. Und keines der doch relativ zahlreichen Restaurants hat geöffnet, ich muss mich vom eigenen Proviant verköstigen.

16.05.2001
Auch in der Nacht bläst der Wind derart heftig, dass ich mir direkt Sorgen um Violeta mache, und extra aufstehe um mich von ihrem sicheren Stand zu überzeugen, und lieber mal noch den Benzinhahn zudrehe.
Am Morgen ist alles in bester Ordnung, Violeta steht noch, der Himmel ist strahlend blau, und der Wind macht eine kurze Atempause.
Mit ca. 160 km hab ich heut eine recht kurze Etappe vor mir, ich hab also Zeit genug, um noch den 3 km langen Camino Colorado um die bunten und roten Felsen herumzulaufen.
Nachdem ich mich von der Wirtin verabschiedet und von ihr zum Andenken noch ein Fläschchen mit allen hier vorkommenden farbigen Erden mitbekommen habe, mache ich mich auf den Weg. Gestern hab ich Violeta extra schon so am Abhang geparkt, dass ich mir heute das Antreten sparen kann. Und das ist gut so, denn selbst so tut sie sich enorm schwer. Aber, alles geht!!
Gleich hinter Purmamarca führt die Schotterpiste in unzähligen Serpentinen schnell himmelwärts. Der kräftige und eisige Wind ist nach wie vor unser steter Begleiter und sorgt dafür, dass wir uns nur seeeehr langsam an die zunehmende Höhe gewöhnen müssen. Im Schneckentempo kriecht Violeta vorwärts, fast geht ihr dabei die Puste aus. Aber immerhin, es geht ihr gut, sie hat keine übermässige Temperatur mehr.
Endlich oben angekommen, werden wir entschädigt mit einer herrlichen Aussicht, mit den Salinas Grandes bereits im Hintergrund. Bis dorthin sind es aber noch etliche km, und je näher die noch davor liegende Kreuzung mit der Ruta 40 rückt, umso sandiger wird die Piste. Ähnlich der ekligen Strecke hinter Tinogasta, mein Adrenalinspiegel steigt entsprechend, und ich bin heilfroh, als ich das Stück hinter mir habe und endlich der Salzsee vor mir auftaucht. Darauf lässt es sich doch weitaus angenehmer fahren.
Aber erst legen Violeta und ich hier unsere wohlverdiente Pause ein. Es ist richtig schön angenehm warm hier oben, und keine Menschenseele weit und breit. Wir sind hier ganz allein, inmitten dieser weissen Pracht. Ok ok, ganz richtig ist das nicht, ein paar Vicunas sind auch noch da. Trotzdem, woww, welch ein Gefühl!!
Der Rest ist eigentlich ein Klacks. Ab jetzt geht es nur noch sachte auf und ab, manchmal durch recht enge Schluchten hindurch, aber meistens geht es über weite Hochtäler dahin. Einzig der Wind lässt uns immer noch nicht in Frieden und quält uns immer wieder mit heftigen Böen. Aber ich lasse mich nicht ärgern, soll er ruhig, ich hab's ja heut nicht eilig.
Ein Schild verrät schliesslich irgendwann, dass wir uns Susques nähern, und da sehe ich den Ort auch schon vor mir liegen, als ich um die letzte Kurve biege. Klasse, ich hab's geschafft, ich bin da!! Doch, upps, nein, muss das denn jetzt noch sein, zum Abschluss?!! Da liegt doch tatsächlich auf einmal noch ne recht lange Wasserfurt vor mir. Schluck! Da muss ich noch durch, hilft alles nix. Sie ist auch ganz leicht, nur an einer Stelle etwas tiefer, aber mit gutem Untergrund und ohne viel Strömung. Es spritzt nur ordentlich, so eine Sauerei, diese braune Brühe, und ganz schön kalt, das hätt jetzt echt nicht mehr sein müssen.
Michi hatte nicht ganz unrecht, einen Schönheitspreis gewinnt der Ort sicher nicht. Es ist halt ein einfaches Dorf der Puna, der argentinischen Hochebene, und die Häuser sind allesamt aus dem braunen Lehm gebaut. Noch dazu wird hier kräftig gebaut, mit dem Ausbau der Passstrasse wächst auch der Ort, und überall stehen und fahren Baumaschinen herum. Ausserdem ist Susques der einzige Ort an der ganzen Passstrasse, und hier ist auch die Zollkontrolle, somit ist das hier auch Zwischenstopp für all die Trucker, die zwar hier haufenweise herumstehen, von denen man unterwegs aber kaum einem begegnet.
Mein erster Weg führt zur Tankstelle, an der ich allerdings erst zweimal vorbeifahre, weil sie ziemlich versteckt und unscheinbar hinter einem Hügel liegt. Als dann der Tank wieder voll ist, trifft mich fast der Schlag. Boahh, das ist über $ 1,50/l das teuerste Benzin, das ich jemals in meinem Leben gekauft hab!! Nur gut, dass ich den Ersatzkanister schon vorher voll gemacht hab.
Nach der Herberge, die man mir schon empfohlen hat, muss ich nicht lange suchen, die ist gleich 2 Häuser weiter. Oh je, einen besonders einladenden Eindruck macht sie ja nicht gerade, und das soll die beste vom ganzen Ort sein?! Sieht nach einer schäbigen Indio-Hütte aus, die Tür lässt sich schon kaum öffnen und schürft über den kahlen Boden. Drinnen ist der Raum fast leer, da liegt nur eine Matratze auf dem Boden, auf der ein kleines in Decken gewickeltes Baby liegt und schreit. Es riecht sehr streng und undefinierbar, dass einem fast schlecht werden könnte davon. Eine eher wortkarg und abweisend wirkende Indio-Frau führt mich weiter nach hinten. Oh Gott, in diesem armseligen, dunklen Dreckloch soll ich die Nacht verbringen? Bleibt mir wohl nichts anderes übrig.
Die Gästezimmer, die um den Innenhof herum verteilt liegen, sind aber gar nicht so schlecht. Es riecht nicht mehr so übel, es ist alles sauber und die Betten sind ok, es gibt Licht und Strom. Also doch nicht so schlimm wie befürchtet. Nur das Bad ist wiederum sehr bescheiden. Ich bezweifle, dass das Duschwasser, das aus einem 10-l-Kanister kommt, auch warm sein wird, und beschliesse, eine Dusche lieber auf morgen aufzuschieben. Sowohl aus der Kloschüssel als auch aus dem Waschbecken schiesst mindestens die Hälfte des Wassers schon vorher aus undichten Stellen direkt auf die Erde. Aber zum Zähneputzen reicht das, was noch ankommt, allemal.
Die Zollformalitäten, die ich gerne heute schon erledigen möchte, kann ich erst am Abend regeln, damit ich oben bei der Kontrolle direkt am Pass keinen Ärger bekomme. Denn ich werde hier ein Papier ausgestellt bekommen, welches besagt, dass ich innerhalb von 8 Stunden Argentinien verlassen muss. Also gut, komme ich halt später nochmal wieder. In der Zwischenzeit schaue ich mir den Ort an, wobei das einzig nette daran derzeit wirklich nur die beiden Kapellen sind, die alte und die neue.
Es wird langsam kalt, und weil es kein Lokal gibt, wo man sich gemütlich reinsetzen könnte, verkrieche ich mich lieber unter die warmen Decken in meinem Zimmer. Zu tun habe ich ja genug. Ab und zu schaut der Hausherr vorbei, der ist sehr freundlich, erkundigt sich nach mir, und kümmert sich um Violeta. Seinen Vorschlag, sie zur Sicherheit über Nacht ins Haus reinzustellen, lehne ich dankend ab, weil ich schon weiss, dass ich sie da nie wieder rausbekäme. Daraufhin zieht er los und deckt sie voll mit einer Plastikplane ab, die er noch mit einer dicken Wollschnur umwickelt und zuschnürt. So ist sie auch noch etwas gegen die Kälte isoliert, die in der Nacht über sie hereinbrechen wird.
Wie schon auf dem Paso San Francisco tue ich mich hier oben etwas schwer mit dem Einschlafen, und mich plagen auch wieder Kopfschmerzen. Allerdings nicht so schlimm wie beim letzten Mal. Zum einen weil Susques mit 3.900 m noch lange nicht so hoch liegt, und zum anderen bin ich inzwischen schlauer und weiss, dass man viel trinken muss, weil hier oben das Blut dicker wird und daher den Kopf nicht so gut durchbluten kann. Kann angeblich ziemlich gefährlich werden.

17.05.2001
Da ich heute knappe 300 km, davon ca. 250 km auf über 4.000 m Höhe vor mir habe, will ich mal lieber früh losfahren. Wer weiss, wielange ich dafür brauche. Um 8.30 bin ich selber startklar, nur Violeta noch nicht. Kein Wunder, obwohl die Sonne schon zwischen den umliegenden Gipfeln hervorlugt, haben wir immer noch -6°, und der Hausherr meint, dass es in der Nacht mindestens -15° gehabt hätte. Nach meinen ersten kläglich scheiternden Kickversuchen, wobei ich auf dieser Höhe schon wieder richtig ins Schwitzen und ausser Puste gerate (und wobei der Kickstarter auch wieder einfach durchfällt), holt er eine grosse Schüssel und zündet darin ein Feuer an, um den Motor und auch uns selber etwas aufzuwärmen. Trotz allem muss Violeta mal wieder angeschoben werden, zum Glück geht es hier leicht abwärts, und das ist nicht allzu anstrengend.
Hinter Susques geht es noch eine Weile aufwärts, danach fahre ich ewig auf über 4.000 m auf etwa gleichbleibender Höhe dahin, vorbei an Salzseen, durch manche geht es direkt hindurch, in der Ferne ragen die schneebedeckten Gipfel noch höher hinaus. Nur, so richtig geniessen kann ich das jetzt am Vormittag leider noch nicht, denn es ist einfach nur schweinekalt, mir sterben fast die Finger ab, und immer wieder muss ich anhalten, um sie am heissen Motor wieder etwas aufzuwärmen. Selbst der Kamera ist es zu kalt, und sie versagt ihren Dienst. Ausserdem hat mein eben erst von Sergio in Salta neu gerichteter Tacho schon nach wenigen km seinen Geist wieder aufgegeben, dieses Scheissteil!! Jetzt weiss ich wieder nicht, wieviel ich schon gefahren bin, und was ich noch vor mir habe!! Ich kann nur noch schätzen, dass ich die 137 km bis zum Grenzposten bis etwa gegen 11.00 erreicht haben müsste.
Und tatsächlich, nach etwa 2,5 Stunden sehe ich ein paar km weiter vorne ein Gebäude stehen. Das muss es sein. Mit neugierigen Blicken werde ich von den Grenzern empfangen, und sie rechnen wohl gar nicht damit, dass ich ihre Frage, ob ich allein unterwegs bin, bejahen könnte, denn sie schauen trotzdem weiter die Piste zurück und warten darauf, dass da gleich noch jemand aufkreuzt. Als sie endlich doch begriffen haben, dass da sonst keiner mehr nachkommt, laden sie mich ein, mich an ihrem Kaminfeuer wieder aufzuwärmen, und ich bekomme einen heissen Kaffee serviert. Das lässt frau sich gerne gefallen, vielleicht sollte ich überhaupt ab jetzt alleine weiterreisen!! Und hätte ich vorher schon gewusst, dass ich hier so von den netten Beamten verwöhnt werde, dann wäre ich gestern schon bis hierher weitergefahren und hätte hier übernachtet.
Heute kann ich mich leider nicht mehr allzu lange hier aufhalten, ich muss weiter. Bis zum Pass sind es jetzt nur noch ein paar Serpentinenkurven. Eine davon allerdings überraschend sandig, fast legt es mich dabei noch auf die Nase. Aber nein, ich streng mich an, denn so kurz vor dem Asphalt, der auf chilenischer Seite auf mich wartet, muss das jetzt auch nicht mehr sein!
Dann bin ich da, und fahre unter dem Schilderbogen durch wieder nach Chile ein! Aber eigentlich, wo ich doch jetzt Argentinien endgültig verlasse, sollte ich hier nochmal ein Foto machen. Ich wende also, mache das Bild, steige wieder auf und kicke. Aber, nix passiert!...Halb so schlimm, ich kann ja anrollen lassen. So laufe ich langsam wieder auf den argentinischen Schotter ein, bis Violeta schon nach wenigen Metern anspringt. Ok, jetzt muss ich nur noch wenden. Und dabei passiert es. Total bescheuert und völlig überflüssigerweise, nachdem ich nun sonst alles mehr oder weniger problemlos vollbracht habe, lege ich Violeta hier bei dem Vor und Zurück des etwas unglücklichen Wendemanövers einfach zur Seite um. Wegen leichter Schräglage kann ich sie nicht mehr halten, und da liegt sie nun, keine 10 m vom Asphalt entfernt!! Und das teure Benzin läuft wieder mal aus. Aber ich weiss ja inzwischen, wie es geht. Erst muss alles Gepäck ab, dann kräftig ziehen und stemmen. Ganz einfach ist es eh nie, aber hier auf 4.000 m scheint Violeta auf einmal doppelt so schwer. Und ich muss erst eine Weile verschnaufen, bevor ich mich daran machen kann, das Gepäck wieder aufzuladen.
Immerhin springt sie gleich wieder an, und ich muss die Szene nicht nochmal wiederholen, sondern kann Argentinien nun wirklich hinter mir lassen und gleich weiterfahren...


zur ersten etappe zur vorigen etappe zurück zur übersicht
zur nächsten etappe


start portrait kindernothilfe vorbereitungen ausrüstung die tour links back to top