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unterwegs in




vom 02. Mai 2001

San Francisco talwärts

Kakteen

Quebrada de Cafayate

Valle de Lerma

rote Felsgebilde

perfekt eingefügte Siedlungen

grüne Oase

Las Ventanas

Anfiteatro

skurrile Ansichten

La Yesera

Wiedervereinigung

El Cabildo

Basilica San Francisco

salteñische Peña

die Werkstatt von...

...Violetas Doktor

Ein schlichtes Schild weist auf die Grenze hin, sonst ist hier oben nichts. Ab jetzt geht es abwärts und die Strasse ist wieder asphaltiert. Auch schön, ich bin heut eh nicht so fit und fahre fast wie in Trance, und so brauche ich mich nicht sonderlich zu konzentrieren, und kann voll die immer noch schöne Landschaft geniessen: weiche Felshügel, die in der Sonne in allen Farben leuchten, als hätte man lauter Farbeimer darüber ausgeschüttet, und noch mehr Hochebenen mit noch mehr Salzseen. Nur langsam und unmerklich verlieren wir an Höhe, schliesslich erreichen wir nach 474 km in Fiambalá wieder die Zivilisation und auch die erste Tankstelle. Der Ort gibt aber nicht viel her, es ist auch noch nicht so spät, die nächsten 60 km bis Tinogasta schaffen wir auch noch leicht.
Hier bleiben wir nun, suchen uns nur noch ein Zimmer, das wir den ganzen restlichen Abend nicht mehr verlassen. Die vergangene Nacht war doch ziemlich anstrengend.

03.05.2001
Als erstes baue ich meinen Luftfilter wieder ein. So gut wie Violeta da oben lief, wäre es wahrscheinlich eh gar nicht notwendig gewesen, ihn überhaupt rauszunehmen.
Eigentlich ist Salta, noch weiter im Norden, unser nächstes Ziel. Das schaffen wir heute aber noch nicht, mal sehen, wie weit wir kommen. Die Ruta 3 direkt nach Belén ist nicht passierbar, wir müssen einen Umweg von 70 km in Kauf nehmen, und kommen wieder auf die Ruta 40, die wir ja schon aus Patagonien kennen. Hier ist sie erst noch asphaltiert, bis Belén.
An der Tankstelle fällt mir gerade ein, dass wir seit Santiago schon wieder weit über 1.000 km gefahren sind, und auch meine Gangschaltung mittlerweile keinerlei Probleme mehr macht. Es könnte also nichts schaden, mal wieder nach dem Ölstand zu schauen. Und tatsächlich, im Fensterchen ist nichts zu erkennen. Ist der etwa schon wieder so weit unter Minimum?? Mal die Maschine weiter kippen. Sowas! Das hilft auch nichts, da tut sich gar nichts, da ist kein Öl mehr drin!!! An Ort und Stelle kauf ich mir, etwas überteuert zwar, aber was soll's, einen Liter Öl. Als ich den Deckel am Mopped aufschraube, wundern wir uns über die weissliche Ablagerung darin. Iihhh, was ist das denn??! Und als ich schon einen halben Liter nachgekippt habe, kommt Michi drauf, dass ich ja wohl keinen Frostschutz im Kühlwasser habe, und somit dieses oben am Pass gefroren ist, wodurch irgendwas geplatzt sein muss, und sich nun das Wasser mit dem Öl vermischt.
Aha, deshalb also stieg gestern schon die Temperaturanzeige bis fast in den roten Bereich, jetzt fällt es mir wieder ein. Oh oh, das ist nicht gut. Was mach ich denn jetzt?? Violeta muss in die Werkstatt, ganz klar. Etwas Öl habe ich ja nun schon nachgekippt, und somit das Verhältnis des Öl-Wasser-Gemisches verbessert. Bleibt nur zu hoffen, dass das reicht, um in die nächste Stadt zu kommen. Werde halt nur vorsichtig und langsam weiterfahren, ab und zu anhalten, um den Motor abkühlen zu lassen.
Ab hier ist die Ruta 40 wieder bloss eine verlassene Piste. Ziemlich sandig, womit ich so meine Probleme habe. Ich warne Michi schon mal, dass ich diesen Tag wohl nicht sturzfrei überleben werde, denn das fährt sich hier nicht viel anders als auf dem Schnee oben am Pass. Dazu auch noch die Flüsse, die hier ganz legal die Strasse überqueren. Derzeit sind zwar die meisten Furten ausgetrocknet, und nur daran zu erkennen, dass der Sand hier halt noch tiefer ist, aber dreimal sind die Flüsse noch da. Zum Glück nicht sehr tief, ich komme ganz gut durch, die ersten beiden Male. Und auch das dritte Mal bin ich eigentlich schon durch's Wasser durch. Bloss dahinter geht es etwas bergan durch tiefen, nassen Sand mit fast ebenso tiefen Spurrillen. Violeta gibt alles was sie hat, aber sie verheddert sich in einer der Spuren, und schon liegen wir wieder da. Auch dieses Mal ist nichts passiert, Michi hilft Violeta wieder aufzustellen, den Rest krieg ich alleine hin.
Dabei haben wir hier eh noch Glück, bei Regen geht es hier ganz anders zu. Birgit und Jo, die wir vor Monaten im Süden von Chile getroffen hatten, und die uns nun ein paar Wochen voraus sind, erzählen folgendes:

...Das Wetter spielt in diesem Sommer eh verrueckt. Ueberschwemmungen in der Atacama-Wueste, der trockensten Region der Erde. Im chilenischen Seengebiet und auf der Insel Chiloe schifft und stuermt es 5Tage, reisst Bruecken und Haeuser weg, in manchen Gebieten wird der Katastrophenzustand ausgerufen. Das Gleiche vier Wochen vorher in Patagonien. Im NW von Argentinien (da wo wir jetzt sind) schwimmen die Strassen davon, die Traubenernte ist ersoffen. In Buenos Aires stuerzen an einem Nachmittag 120mm Regen vom Himmel, in Bolivien und Peru sind Doerfer nach wochenlangem Regen von der Aussenwelt abgeschnitten. Und wir mitten drin. Oder vielmehr knapp daneben. Denn bisher hatten wir verdammt viel Glueck, haben zwar die Spuren des grossen Regens gesehen, sind aber verschont geblieben. Wie auf der Ruta 40, der wir vom Paso San Francisco nach Norden gefolgt sind. Die Polizisten hatten uns gewarnt. Viel Regen, reissende Fluesse, nicht mehr vorhanden Strassen. Das machte doch neugiereig, also nix wie hin. Tatsaechlich konnten wir abends die geilsten Gewitter erleben (wo man zwischen den einzelnen Blitzen nicht bis 2 zaehlen kann) , zum Glueck immer soweit entfernt, dass sie uns nichts tun konnten. Die Strassen waren tatsaechlich an vielen Stellen einfach weg, wo sonst trockene Fluesse nach so einem Gewitter innerhalb kurzer Zeit so anschwellen, dass sie alles mitnehmen, was im Weg steht. Eine Strasse ist da ein eher kleines Hinderniss. Meist konnten die fehlenden Stuecke irgendwie umfahren werden, nur zweimal waren da noch Fluesse. Der erste an der Ruta 40 vor Hualfin schien das vorlaeufige Ende des Tages zu bedeuten: 5 oder 6 Wasserarme, etwa 80 m breit, eine Farbe wie fluessige Schokolade und dazu eine arg zuegige Stroemung. Zum Glueck nur knietief. Ich also Sandalen an und rein ins Vergnuegen. Wenigsten schoen warmes Wasser, nicht so eiskalt wie die Fluesse in Island, wo sich die Zehennaegel vor Kaelte immer aufrollen. Aber in der Stroemung war schon das einfache Stehen kaum moeglich. Trotzdem, je laenger ich im Fluss rumspaziert bin, desto mehr hatte ich das Gefuehl, die Motorraeder wuerden sich bei 30 Grad auch ueber eine Abkuehlung freuen. Diese Erkenntnis schockierte Birgit ein wenig, die viel eher gedachte auf die naechste Faehre zu warten. Alles Zaudern hilft nichts, Schuhe an, Moped ans Ufer rollen, die vorher genau ausgesuchte Route durch den Fluss nochmal taxieren, ersten Gang rein.....ohhoohhoo, das ist der Moment wo der Elefant sein Wasser laesst, wo du merkst, jetzt wirds ernst, richtig ernst, die Angst des Torwarts vorm Zehnmeterturm (oder so, haeh?). Also nochmal tief Luft holen, und los. Ratzfatz bin ich auf der ersten Insel, habe den schlimmsten Teil schon hinter mir, weil wir so schraeg durch die starke Stroemung fahren konnten, dass die kaum Angriffspunkte hatte. Der Rest ist vergleichsweise easy. Birgit sucht noch immer den Fahrplan der Faehre. Vergeblich, also rein in den Pool. Die Suzi freut sich ueber ihr erstes Bad und Birgit, dass der Fluss gar nicht so schwer war. Aber zu frueh gefreut. Kaum 10km spaeter weiter die naechte Furt und davor ein Stau von locker 4 Autos (auf der Ruta 40 ist das gaaaanz lang). Nee, dadurch fahren wuerden die Jungs nicht , harte argentinische Maenner reden offen (aber ganz leise) von Angst. Na prima. Die Furt ist zwar nur 30m breit, aber irgendwer hat die Inseln vergessen einzubauen. Oha. Schuhe aus, Hosen runter (nein, nicht alle) Sandalen an und wieder rin inne Rinne. Schoen warm. Und schnell. Ziemlich haarig, weil schneller und tiefer als die letzte Furt (Wieso ist hier keine Insel?). Ich habe Zweifel, aber Birgit packt der Mut der Verzweifelung, bekommt nicht mit wie ich zu Fuss gegen die Stroemung zu kaempfen habe, denkt nur hier muss ich noch durch, dann ists nicht mehr weit bis zur naechsten Teerstrasse. Gut, gut, wenn Frau will, dann lasse ich ihr eben den Vortritt (weiss ich, was sich gehoert, haeh?). Eh ich mich versehe, parkt Birgit die Suzi im Schlamm des Ufers, ein paar letzte Tips, und los. Gaaaas, das Wasser rauscht, die Suzi strauchelt ein wenig rum (waah, sooo tief?), aber Birgit faengt sie wieder und schiesst am anderen Ufer die Strasse hoch, dass die Jungs, die neugierig auf unsere Versenkung gewartet haben, begeistert applaudieren. Nun gut, jetzt trennt uns also dieser Fluss. Ein Blick zu meiner Honda, die scheint das zu merken und schielt angestrengt in die trockenen Berge. Nix, hier wird nicht gescheut. Also ans Ufer, noch etwas den Motor laufen lassen, das beruhigt Ross und Reiter, Gang rein und durch. Heiliger Strohsack, die Stroemung bremst besser als ein Anker. Also noch mehr Gas, wofuer schleppt man denn 44 PS mit sich rum. Geschafft. Bleibt nur noch die randvollen Stiefel auszuleeren und weiterzufahren. Die kleinen Furten, die jetzt noch kommen sind kaum die Rede wert. Beim naechsten Gewitter koennen aber auch die ganz schnell wieder zu unpassierbaren Fluessen werden...

Bin ich froh, dass es jetzt schon länger nicht mehr geregnet hat!! Und dass die Sandpiste schon eher in Asphalt übergeht als auf der Karte eingezeichnet. So erreichen wir trockenen Fusses Santa Maria. Auch Violeta geht es scheinbar noch recht gut.
Wir kommen immer noch tiefer runter, die Vegetation wird wieder reicher, die Landschaft, aber auch die ärmlichen Dörfer, erinnern schon ein bisschen an das subtropische Iguazú. Wir sind inzischen im Land der Inkas, und auch der roten Erde.
Santa Maria wirkt nicht sonderlich einladend. Bis Cafayate sind es nur noch 80 km. Das soll laut Führer ein ganz netter Ort sein. Vielleicht auch schon gross genug, um eine vernünftige Werkstatt zu finden? Allerdings beginnt es schon langsam zu dämmern. Sollen wir trotzdem noch weiterfahren? Hmmm, die Strasse ist angeblich komplett asphaltiert, ... also gut, wir wollen weiterfahren.
Schneller als erwartet ist es auf einmal dunkel. Mir wird schlagartig wieder klar, warum man hier nicht im Dunkeln fahren sollte, ich erinnere mich an Hunde, Hühner, Schafe und Ziegen, unbeleuchtete Fahrräder, Handkarren, Pferdefuhrwerke - alles ohne jegliche Reflektoren oder Lichter - , sogar Autos ohne jegliches Licht. Oft genug kann ich sogar den Strassenverlauf nur schlecht erkennen. Reflektierende Pfosten gibt es hierzulande natürlich auch keine. Zum Umkehren ist es aber nun schon zu spät, also wird schön vorsichtig und angestrengt ins Dunkel schauend weitergefahren.
Dreimal begegnen wir auch ziemlich unvermittelt ein paar Eseln, die jetzt in der Nacht natürlich gut getarnt sind und uns mitten auf der Strasse neugierig entgegensehen. Einer davon hat sowas nicht überlebt und liegt am Strassenrand, umgeben von unzähligen blitzenden Augenpaaren. Irgendwelche undefinierbaren, flinken Viecher laben sich schon daran, flüchten aber zum Glück in die richtige Richtung, von der Strasse weg.
Ich erschrecke selbst schon vor Fussgängern und Radfahrern, die wie aus dem Nichts heraus plötzlich fast neben mir auftauchen. Aber schliesslich erreichen wir doch noch Cafayate, fast hätte ich schon nicht mehr daran geglaubt. Das war dennoch eine ziemlich üble Aktion, sie soll mir für die Zukunft eine Lehre sein. Zugegebenermassen bin ich trotzdem froh, nun schon hier zu sein. Nicht nur der Ort wirkt gleich auf den ersten Blick viel freundlicher als alle anderen durch die wir gekommen sind, auch die Herberge, in der wir unterkommen, ist sehr gemütlich.

04.05.2001
Am Morgen werde ich geweckt von einem Geräusch, das klingt, als würde draussen im Hof, wo unsere Moppeds vor unserer Tür stehen, jemand mit einem Kanister Fussball spielen. Damit liege ich gar nicht so falsch, wie sich wenig später herausstellt. Der zum Haus gehörende junge Rottweiler hat meinen schönen blauen Benzinkanister als Spielzeug entdeckt!! Ausgerechnet, wo ich ihn ausnahmsweise mal nicht verloren habe, muss er ein solches Ende finden! Denn er ist total durchlöchert. Aber ich bin es ja langsam gewohnt, mir immer wieder einen neuen zu suchen.
Nach dem Frühstück setze ich mich als erstes ins I-Cafe. Mal sehen, was man in Deutschland zu Violetas Problem meint. Denn eigentlich würde ich schon lieber noch die 250 km bis Salta fahren, bin mir aber nicht sicher, ob ich das wohl riskieren kann. Ich bekomme ein paar ganz nützliche Hinweise und Tipps. Etwas später kommt in der Herberge zufällig ein Freund des Besitzers vorbei, der sich angeblich mit solchen Motorrädern auskennt. Der meint, es könne nur der Simmering der Wasserpumpe sein, es wäre nicht so tragisch. Ich könne durchaus noch weiterfahren. Das hört man gerne. Sicherheitshalber mache ich noch einen Ölwechsel, damit dürfte dann eigentlich nichts mehr schiefgehen.
Das ist schnell erledigt, jetzt kann ich mich um die anderen wichtigen Dinge des Lebens kümmern. Meine Mama hat in einer Woche Geburtstag. Da trifft sich ganz gut, dass Cafayate eine recht aktive Handwerkskunst besitzt. Bei der reichen Auswahl ist es nicht leicht, das Passende zu finden. Vor allem muss es ja auch den Postweg überleben. Bis ich eine Entscheidung getroffen habe, hat die Post leider schon wieder zu. Das muss ich also auf morgen verschieben, sowieso muss ich auch noch eine geeignete Verpackung auftreiben. Aber nicht mehr heute. Wie immer vergeht der Tag wie im Flug, Michi und ich gehen nur noch zum Essen aus, und geniessen selbst am Abend noch die hier auf nur mehr 1.600 m wieder angenehm warmen Temperaturen.

05.05.2001
Viel lieber würde ich mich noch in die warme Decke kuscheln, aber die Pflicht ruft. Ich mache mich auf die Suche nach einem Karton für das Paket nach Hause. Könnte schwierig werden. Ich überlege noch, wo ich wohl am besten nachfrage, als ich gerade an einem Schuhladen vorbeispaziere. Darinnen sitzt hinter der Theke eine alte, schon sehr indianisch aussehende Oma. Sie ist ganz begeistert von der Idee, meiner Mutter in Deutschland zum Geburtstag etwas von hier schicken zu wollen, und sucht eifrig nach einem passenden Karton. Der muss natürlich noch zurechtgeschnitten und geklebt werden, und sie lässt es sich nicht nehmen, das selbst zu erledigen. Mit einem perfekt verpackten Paket und mit den besten Wünschen entlässt sie mich auf den Weg direkt zur Post.
Nachdem nun also das Paket sicher auf dem Weg nach Deutschland ist, können auch wir uns wieder aufmachen. Der Herbergsleiter gibt uns noch einen Zettel mit an den Leiter des Turismusbüros in Salta, damit der uns dort eine gute Werkstatt empfiehlt.
Obwohl in unserem Reiseführer die Ruta 68 schon mit 5 Attraktivitätssternen ausgezeichnet ist, hätten wir mit einer derart schönen Landschaft hier gar nicht gerechnet. Vor uns tauchen auf einmal intensiv rote, durch die Erosion eigenwillig geformte Felsgebilde auf, die der Fantasie freien Lauf lassen. Hinter jeder Kurve blickt man auf neue Figuren, die alle ihren Namen haben: Los Castillos (die Schlösser), El Sapo (der Frosch), Anfiteatro, Garganta del Diablo (Teufelsschlund), Las Ventanas (die Fenster), La Yesera. Die wenigen Siedlungen unterwegs fügen sich perfekt in die Umgebung ein. Nur schade, dass das Wetter heute nicht so recht mitspielt, es ist sehr bewölkt und kalt, mitunter nieselt es sogar etwas. Für Violeta ist es natürlich besser so.
Am frühen Nachmittag fahren wir in Salta ein und fragen uns durch zur Jugendherberge, von der wir die Adresse schon haben. Es sind nur noch ein paar Strassenblöcke, dann sind wir da. Doch was sehen unsere Augen, als wir hier vorfahren?? Es ist kaum zu glauben, aber da steht doch tatsächlich Gerhards Mopped!! Schon länger haben wir nichts mehr von ihm gehört, und haben uns schon gefragt, wo er wohl steckt. Nun ist er also auch hier, nicht zu fassen!!
Wir laden nur schnell unser Zeug ab, dann ziehen wir gleich wieder los, auf der Suche nach einer Werkstatt. Der erste Mechaniker meint auch, dass der Simmerring die einzige Möglichkeit ist, wo das Wasser zum Öl durch könne, aber er hätte das entsprechende Ersatzteil nicht da. Er hat wohl auch keine grosse Lust, denn er schickt uns gleich um die Ecke zum nächsten Laden. Die wiederum brauchen das Originalteil als Vorlage, haben aber keine Werkstatt. Immerhin empfehlen sie mir einen guten Mechaniker, wie sich gleich herausstellt, nur eine Strasse von der Herberge entfernt. Bloss, der hat geschlossen, arbeitet wohl nicht am Samstag Nachmittag. Na gut, ich hab jetzt auch keine Lust mehr, noch länger rumzusuchen, und verschiebe alles auf Montag. Ich freue mich schon auf eine heisse Dusche, und dann mache ich es mir lieber am Kamin im Leseraum der Herberge gemütlich.
In der Küche treffen wir dann am Abend auch Gerhard. Er hinkt etwas, ob er etwa einen Unfall gehabt hat?!!
Er erzählt, dass es ihn auf derselben sandigen Ruta 40, nur weiter nördlich, wo die Sandlöcher wohl noch schlimmer werden, geschmissen hat, und er sich den Fuss unter dem Mopped verdreht hat. Natürlich hat er nach dem gemeinsamen Abendessen, beim gemütlichen Kaminfeuer noch jede Menge zu erzählen, wo er inzwischen überall gewesen ist und wie es ihm dort ergangen ist.

06.05.2001
Das Wetter ist immer noch gleichbleibend unfreundlich, es zieht uns daher nicht sonderlich hinaus. Mit Gerhard gehen wir um die Ecke zum Mittagessen, es gibt leckere, typisch saltenische Empanadas. Anschliessend machen Michi und ich den obligaten Stadtrundgang. Wir laufen durch das am Sonntag fast ausgestorbene Stadtzentrum, und schauen uns dabei die wichtigsten Gebäude an. Das Cabildo ist das älteste Gebäude der Stadt, und das best erhaltene von ganz Argentinien. Das eiserne Teufelchen an der Spitze des Turmes rührt von zahlreichen lokalen Legenden her. Die Basilika musste aufgrund von aufeinanderfolgenden Bränden dreimal wieder aufgebaut werden. Ihr Turm wird als einer der höchsten von ganz Lateinamerika angesehen.
Schnell haben wir schon wieder genug, und verkriechen uns lieber wieder ins Warme. Endlich kann ich in aller Ruhe meinen seit Tagen vernachlässigten Schreibarbeiten nachkommen.

07.05.2001
Die Spannung steigt, heut wird sich ja wohl rausstellen, woran Violeta leidet. Ich schiebe sie die paar m zur Werkstatt, und erkläre dem Mechaniker die Symptome. Auch er meint, es sei vermutlich die Wasserpumpe, oder die Zylinderkopfdichtung. Im Lauf des Vormittags will er sie sich ansehen, ich soll gegen Mittag wieder vorbeischauen.
In der Zwischenzeit kümmere ich mich um die Fotokamera, die Probleme damit hat, die Filme zurückzuspulen. Nachdem ich auch hier wieder von einem Laden zum nächsten geschickt werde, stellt sich heraus, dass wohl irgendwelche Zahnräder klemmen, und mich der Spass $ 35,- kosten würde. Das ist mir dann doch zuviel, lieber nehme ich weiterhin die Filme manuell im Dunkeln heraus.
Mittlerweile hat Sergio, der Mechaniker defintiv festgestellt, dass es die Wasserpumpe ist. Ich bin erleichtert, denn das ist wohl schnell und leicht zu beheben. Er schickt mich los, das Ersatzteil zu besorgen. Nur, das ist leichter gesagt als getan, und ich hab mich wohl zu früh gefreut. Wieder laufe ich von einem zum anderen, aber das Teil ist nirgends aufzutreiben. Es könne wohl bestellt werden, das würde etwa 1 Woche dauern. Weia, ich hab ein Déjà-Vu, und mir schwant Böses!!
Auch Sergio, der sich nun selber darum kümmern will, bleibt erfolglos. Immerhin bietet er eine Alternative an, die in der Vergangenheit schon erfolgreich eingesetzt worden sein soll. Das erscheint mir aber doch zu sehr eine Notlösung, lieber bleibe ich auf der sicheren Seite und lasse das richtige Teil bestellen, schliesslich habe ich noch jede Menge km vor mir, und die ärgsten Länder stehen mir erst noch bevor. Er meint, es innerhalb eines Tages aus Tucumán besorgen zu können. Morgen gegen 11.00 könne er mir genaueres sagen. Warten wir es also weiter ab.

08.05.2001
Gerhard fährt heute weiter, grob Richtung Antofagasta in Chile, wo er seinen Onkel besuchen will. Vielleicht holt er uns danach wieder ein.
Michi macht einen Tagesausflug und begleitet ihn auf der ersten Etappe, bis San Antonio de los Cobres, von dort über den höchsten Pass von Südamerika, den Abra de Acay nach Cachi und wieder zurück.
Violeta und ich warten derweil auf das Ersatzteil. Gegen 15.00 soll es ankommen, angeblich. Als ich nach der Mittagspause um 16.00 nachfrage, erklärt Sergio, er hätte sich vertan, um 15.00 ist erst der Bus in Tucuman losgefahren, der käme dann um 20.00 hier an. Angeblich wär das aber weiter kein Problem, er könne Violeta trotzdem heute noch wiederherstellen. Na gut, warten wir also weiter. Ich hab ja mit dem Update der Homepage noch genug zu tun.
Um 20.00 ist das Teil tatsächlich angekommen. Bloss, es ist nicht das richtige, es ist zu gross!! Und nun??? Sergio geht nochmal telefonieren, erfragen, ob denn das richtige Teil vorrätig ist. Immerhin, gleich morgen in der Früh würde man es aus Tucuman losschicken, das heisst, gegen Mittag wäre es hier. Langsam wird's langweilig, aber was soll ich machen, muss ich halt noch einen Tag warten.

09.05.2001
Das alles hat doch auch sein Gutes, so habe ich wenigstens Zeit, mich wieder gescheit auszukurieren, und ich erledige die Dinge, die ich schon länger vorhabe, zu denen ich aber bisher noch nicht gekommen war. Ich schichte mein Gepäck um, da wir das ganze Campingzeug nun kaum noch brauchen werden. Zum einen wird es zu kalt, wir werden die nächste Zeit in recht grosser Höhe verbringen, noch dazu im Winter, zum anderen sind bald die Gebiete so dicht besiedelt, und Unterkünfte dann so günstig, dass Campen sich nicht mehr auszahlen wird. Mal abgesehen davon, dass es kaum noch Spass macht, wo es jetzt immer so früh dunkel wird.
Das richtige Ersatzteil ist auch am Nachmittag noch nicht da. Selbst in Tucuman wäre es schwierig aufzutreiben gewesen, daher konnte es nicht so früh losgeschickt werden. Nun kommt es wohl genau wie gestern gegen 20.00 an. Trotzdem meint Sergio, heute noch fertig zu werden.
In der Jugendherberge steht heute Grillparty auf dem Programm. Wir flüchten vor den ganzen überdrehten Amis, und verbringen den Abend lieber in einer lokalen Peña mit Live-Musik. Auf dem Weg dorthin schauen wir bei Sergio vorbei. Der hat wieder eine unangenehme Nachricht, jetzt hat nämlich auch noch der Bus Verspätung. Selbst wenn dasTeil dann das richtige ist, wird er es unter diesen Umständen nun heute leider trotzdem nicht mehr schaffen. Das bedeutet mal wieder, dass Violeta erst 'mañana' wieder einsatzbereit sein wird. Immerhin gleich in der Früh, sodass wir dennoch morgen schon weiterfahren können.
Das Lokal ist noch fast völlig leer, als wir gegen 1/2 10 dort aufkreuzen. Wir stillen erstmal unseren Hunger mit den leckeren, hier typischen Empanadas und Tamales, ähnlich wie die Humitas ins Maisblatt gewickelter Maisbrei. Erst danach wird es langsam voller, und als gegen 23.30 die Folklore-Gruppe zu spielen beginnt, ist kaum noch ein Tisch frei. Die sind überwiegend von Einheimischen, und, besonders auffällig, fast ausschliesslich von Männern belegt. Ob die Frauen hier nicht ausgehen wollen oder nicht dürfen?? Wie auch immer, Michi und ich stossen auf Violetas rasche Genesung und auf die morgige Weiterfahrt an.

10.05.2001
Wir packen schon mal fröhlich unseren Kram zusammen, denn Sergio ist fast fertig und dreht dann nur noch eine Proberunde. Es ist nur noch eine Sache von ner halben Stunde. In voller Montur stehe ich also pünktlich wieder in der Werkstatt. Sergio aber bastelt immer noch an Violeta rum. Oder besser gesagt, schon wieder. Die Probefahrt zeigte leider, dass immer noch Wasser ins Öl kommt. Das teure neue Öl, gleich schon wieder versaut!! Der Simmerring war es also nicht allein, das kann jetzt nur die Zylinderkopfdichtung sein. Sergio ist daher gerade schon dabei, den Motor auszubauen, und wird mir Bescheid geben, wenn er soweit ist, um dann die erforderlichen Ersatzteile zu besorgen. So ein Mist, demnach wird das heut doch noch nichts mit der Weiterfahrt!!
Viel schlimmer allerdings sind Sergios weitere Nachrichten. Beim Ausbau vom Motor hat er nämlich jetzt die beiden Einlassventile entdeckt, die schon völlig hinüber sind. Damit wäre ich allenfalls noch 200 km weit gekommen, meint er. Die müssen nun auch noch ersetzt werden. Gemeinsam fahren wir zu dem Laden, wo man mich inzwischen schon kennt, uns besorgen die Teile. Zu meiner grossen Erleichterung haben sie diese wenigstens alle vorrätig:
- 2 Ventile,
- 4 Ventilsimmerringe,
- 1 Satz Kolbenringe,
- 2 Dichtungen,
- nochmal neues Öl (inzwischen das dritte Mal),
- neue Kühlflüssigkeit.
In Summe macht das allein schon $ 150,-, trotz Rabatt. Schmerz lass nach! Da ist es momentan auch nur ein schwacher Trost, dass Sergio bis zum Abend alles gerichtet hat, sodass wir diesmal wirklich morgen aufbrechen können. Denn auch die Probefahrt war positiv: kein Wasser mehr im Öl!


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