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unterwegs in




vom 08. Februar 2001

Ruta 40

windstill unterm Apfelbaum

Cerro Fitz Roy

Cerro Torre

el Condor pasa

An der argentinischen Grenzkontrolle von Los Antiguos funktioniert es umgekehrt. Erst werden unsere Pässe kontrolliert. Am nächsten Schalter werden meine Papiere abgestempelt. Fertig. Die nächsten beiden sind dran. Wo sind deren Papiere? Wieso die keine hätten, wenn ich doch welche habe?? Es fällt etwas schwer, dem Beamten klar zu machen, dass man ihnen bei der Ausreise aus Chile gerade die letzten Durchschläge, die sie hatten, abgenommen hat. Er schaut etwas verstimmt, aber wohl nur, weil er eigentlich gerade gar keine Lust hat, selber solche Papiere zur Einreise nach Argentinien auszustellen. Aber er tut brav seine Pflicht und greift zum Block. Nach einer Weile sind alle Felder ordnungsgemäss ausgefüllt, noch ein Stempel drauf, Unterschrift, und fertig. Das war's. Wir sind in Argentinien!! Und haben erst mal wieder Asphalt unter den Reifen. Wir fahren aber nicht mehr weit, nur die paar km bis in den Ort, wo wir uns den schönsten Campingplatz suchen und die argentinische Küche testen. Hier ist ja nun wieder mehr Fleisch angesagt, worüber sich Gerhard am meisten freut.

09.02.2001
In der Nacht hat es nochmal kurz geregnet, allerdings nur ein paar Tropfen, kaum der Rede wert. Dennoch hole ich sicherheitshalber die Wäsche ins Zelt, die ich zum trocknen aufgehängt hatte. Sie ist eh schon trocken, bei dem hier herrschenden Wind geht das ja schnell.
Zeitig stehen wir auf und machen uns fertig, wir wollen früh los, weil der Wind morgens am schwächsten zu sein scheint. Das wollen wir ausnutzen.
Die ersten 60 km sind noch asphaltiert, im Nu sind wir in Perito Moreno, wovon Fernando erzählt hatte, dass es hier nichts gab ausser einer Tankstelle, als er vor ein paar Jahren hier war. Inzwischen ist der Ort gewachsen, es gibt 2 Banken, eine davon mit Automaten, aus dem wir sogar Dollar ziehen können, denn der argentinische Peso entspricht genau dem Dollar, und beide Währungen sind gleichwertig im Umlauf.
Wir tanken nochmal voll, dann sind wir bereit, uns dem Kampf zu stellen. Wir biegen ab, und vor uns liegt die berüchtigte Ruta 40, eine insgesamt 4600 km lange Piste aus losem Schotter, der sich zwischen den Fahrspuren hoch auftürmt. Das alleine wäre gar nicht so tragisch, schlimm wird es erst durch den unbarmherzigen, stürmischen Wind, der einen immer wieder aus der Spur und in den Schotter abdrängt, und der einen auch leicht mal ganz von der Strasse fegen kann.
Aber wir haben Glück, wir erwischen einen der wenigen Tage, an denen er nicht so kräftig bläst, und kommen ganz gut voran. Die ersten 100 km zumindest. Dann legt er auf einmal los und bläst zum Kampf. Zunächst kommt er von vorne, und bremst mich von 90 auf 60 km/h herab. Schneller geht es einfach nicht. Aber ich wäre schon froh, wenn es nur dabei bliebe. Denn auf einmal kommt er von der Seite und schiebt mich mit aller Gewalt immer weiter nach links. Nur gut, dass es hier keinen Gegenverkehr gibt, denn ich bringe kaum die Kraft auf, den Lenker dagegen zu stemmen und wieder nach rechts in meine Spur zu gelangen. Mehr als einmal komme ich völlig von der Strasse ab.
Alle paar km sind Viehgitter in die Strasse eingelassen, hier verengt sich der Übergang ein wenig. Einmal, als mich der Wind gerade mal wieder links abseits der Strasse hält, fahre ich voll auf den Graben unter solch einem Gitter zu. Und keine Chance, wieder einzulenken und auf die Strasse zu gelangen. Ich sehe mich schon neben dem Gitter im Graben landen, als auf einmal wie von Geisterhand gelenkt genau im rechten Moment einen Augenblick lang Windstille herrscht, wodurch es mich in letzter Sekunde wieder auf die Strasse reisst und ich in die Spur treffe. Richtig unheimlich! Kaum gelange ich sicher über das Gitter, legt der Wind auch schon wieder los, gnadenlos. Wieder und wieder drängt er mich ab, kaum habe ich mich mühsam wieder in die richtige Spur manövriert, finde ich mich erneut wieder links abseits der Strasse. So geht das, bis wir kurz vor dem nächsten Ort zum Abzweig zu den Cuevas de las Manos kommen. Gerhard will sich diese Höhlen unbedingt anschauen. Zu gern würde ich ihn begleiten, aber ich kapituliere vor dem übermächtigen Wind. Vielleicht ein ander Mal. Michi, der mal wieder -diesmal zu meinem Glück- weder an Kultur noch an der reizvollen Landschaft interessiert ist, fährt mit mir weiter. Wir vereinbaren einen Treffpunkt an einem in der Karte angegebenen Ort an einer Weggabelung. Spätestens morgen abend wollen wir uns hier wieder treffen.
In Bajo Caracoles tanken wir wieder auf, denn in dieser Gegend der langen Distanzen darf man dazu keine Gelegenheit auslassen. Wir verschnaufen erst noch eine Weile bei einer Tasse Kaffee, bevor wir uns zur Weiterfahrt aufraffen. Der Wirt versichert uns, dass das heute ein selten schöner und windschwacher Tag ist. Daher wollen wir heute so weit wie möglich kommen. Ausserdem gibt es hier nichts, was zum Bleiben einladen würde. Reine Pampa, soweit das Auge reicht. Alles flach, nur Stein und Felsen, kein Strauch, kein Baum, nichts, was dem pfeifenden Wind Einhalt gebieten könnte. Die Strasse geht bis zum Horizont, und scheint endlos. Wir sind mitten im Nichts, ausser dem tosenden Rauschen des Windes hört man hier gar nichts. Ab und zu ist weiter vorn auf der Strasse ein kleiner dunkler Fleck zu sehen. Könnte ein Radfahrer sein. Minuten später stellt er sich als LKW heraus, der nur so winzig aussah, weil er noch ewig weit weg war.
Die Aussicht vor einem ändert sich nie. Unendliche Weite, wohin man schaut. Wir fahren und fahren, und scheinen uns kaum fortzubewegen. Erst recht nicht, als auf einmal mein Tacho versagt. Jetzt hab ich überhaupt keinen Anhaltspunkt mehr. Sind es noch 100 km bis zur Estancia, die wir zum Ziel haben, oder nur noch 50?? Noch 3 Stunden oder bloss noch eine?? Da, ein Schild! Noch 23 km bis Tamel Aike. Die schaffe ich jetzt wohl auch noch! Das einzige, was mich mittlerweile überhaupt noch zum Weiterfahren motiviert, ist der schmale Streifen sonnigen Himmels am Horizont. Irgendwo da vorne muss es wieder schöner und wärmer werden. Aber der Schein trügt.
Tamel Aike ist eine ähnliche Enttäuschung wie schon Puerto Yungay vor ein paar Tagen in Chile. Hier steht nur ein einzelnes bewohntes Haus, und gegenüber ein verfallenes, das aber zu wenig Windschutz bietet, um hier unser Lager aufzustellen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, wir müssen weiter. Es dürften noch 33 km sein bis zur Estancia, die uns der Wirt in Bajo Caracoles empfohlen hat, und die gleichzeitig an der Kreuzung liegen soll, an der wir uns mit Gerhard treffen wollen.
Inzwischen kann ich schon nicht mal mehr richtig schauen, die Strasse verschwimmt mir vor Augen, und ich kann die Fahrspur kaum noch von den Schotterhaufen trennen.
Endlich haben wir es geschafft, wir sind an der Gabelung. Aber was ist das?!! Ausser einer weiteren Ruine ist nicht ein einziges Haus weit und breit! Und das im wahrsten Sinn des Wortes, denn hier kann man unzählige km leicht überblicken. Ein Blick auf die Landkarte verrät auch noch, dass wir längst am ausgemachten Treffpunkt vorbei sind. Schöne Scheisse!! Was jetzt? Zurück kommt nicht in Frage, das ist einfach zu weit. Michi inspiziert wieder die Ruine, während mir ein Feldweg auffällt, der zu einer Gruppe von Bäumen führt. Bingo!! Ich komme an eine Wiese von Margariten und Raps, umrandet von hohen, schützenden Bäumen, und direkt an einem Fluss gelegen. Eine Oase!! Hier ist auf einmal nichts mehr zu spüren von dem grässlichen Wind. Er ist nur noch zu hören weit über uns in den Bäumen. Es ist eine ganz neue Erfahrung, wie wertvoll so ein paar Bäume werden können, wenn man Zuflucht wor dem ewigen, unaufhörlichen Wind sucht. Hier bleiben wir! Dankbar für den Schutz stelle ich mein Zelt direkt unter einem Apfelbaum auf.
Bloss, wie soll uns Gerhard hier jemals finden, so versteckt abseits der Strasse? Eigentlich müsste es reichen, die Moppeds draussen vor die Bäume zu stellen, in dieser Einöde müssten die schon von weitem leuchten und zu erkennen sein, auch wenn sie nicht wie verabredet gleich an der Strasse stehen. Gesagt, getan, obwohl wir so bald gar nicht mit Gerhard rechnen, schliesslich hat er knappe 100 km mehr zu fahren, und will sich sicher die Höhlen dort in Ruhe anschauen.
Kaum haben wir aber unser Lager aufgeschlagen, uns eingerichtet und zu kochen begonnen, da hupt es auch schon aus der Ferne, und Gerhard hat uns wiedergefunden. Das ist ja nochmal gutgegangen.

10.02.2001
Die Nacht ist ziemlich stürmisch, was sonst. Hier unter den Bäumen spüren wir das zwar nicht, aber wir hören das stetige Rauschen. In der Früh dann auf einmal Totenstille. Was ist jetzt los?? Richtig unheimlich. Irgendwo lauert der Wind bestimmt schon, wartet nur darauf, dass wir losfahren, um dann aus dem Hinterhalt anzugreifen.
Bevor wir aufbrechen, gibt Michi mir noch etwas Benzin ab aus seinem Ersatzkanister, denn ich käme andernfalls nicht mehr bis zur nächsten Tankstelle, ohne einen Umweg von 70 km zu machen. Und meine beiden Flaschen habe ich natürlich längst unterwegs irgendwo verloren.
Die heutige Etappe könnte eine Wiederholung der gestrigen sein, es gibt dem fast nichts hinzuzufügen. Ich beginne lediglich langsam daran zu zweifeln, dass wir tatsächlich soviel Glück haben sollen. Denn angeblich ist es einfacher, von Norden nach Süden zu fahren, so wie wir es tun. Dennoch haben wir nur ganz selten mal kurz Rückenwind, fast ausschliesslich kommt er uns entgegen. Hielt ich den Gegenwind anfänglich noch für erträglicher als den von der Seite, so bin ich mir inzwischen dessen auch nicht mehr sicher. Es ist ziemlich zermürbend, mit Vollgas zu fahren und sich mit aller Kraft gegen den Wind zu stemmen, und trotzdem kaum von der Stelle zu kommen. Ausserdem kommt er ja nie genau von vorne, sondern mal leicht von links, dann wieder von rechts, und man wird hin- und hergeschaukelt, dass man davon seekrank werden könnte. Und da sind immer noch die Schotterhaufen auf allen Seiten, streckenweise heute viel schlimmer als gestern. So komme ich auch heute immer wieder ins Schlingern. Das mag etliche Male gut gehen, aber irgendwann muss es passieren, ich wusste es... Wuschhhh!! Mich erwischt eine Böe und fegt mich in den Schotter. Es geht alles so schnell, dass ich nicht mal Zeit habe zu erschrecken, und schon finde ich mich neben Violeta auf der Strasse liegend wieder. Die hinterlassene Reifenspur besagt, dass ich wohl noch versucht hab, zurück in meine Spur zu kommen, aber das habe ich offensichtlich nicht mehr geschafft.
Gerhard, der mit nur wenig Vorsprung vor mir fährt, hat nichts mitbekommen und fährt davon. Michi macht noch Picknick weiter hinten, das kann dauern. Mit vollem Gepäck habe ich keine Chance, Violeta wieder aufzustellen, also mache ich mich daran, alles abzuschnallen. Ich hab noch gar nicht alles unten, als Gerhard auch schon wieder zurückkommt. Zusammen richten wir Violeta wieder auf. Es ist nichts passiert, alles ist noch heil.
Während wir danach noch am Strassenrand verschnaufen, kommt auch Michi an und meint, er hätte wohl nicht mehr genug Sprit, um bis zur nächsten Tankstelle zu gelangen. Er fährt erst mal noch so weit er halt kommt.
Wenig später steht er da am Strassenrand. Also gibt Gerhard ihm aus dessen Tank etwas Benzin ab. Auch ich muss kurz danach auf Reserve schalten, und bis Tres Lagos sind es noch 45 km. Bei dem Gegenwind kann das ganz schön eng werden. Aber wir schaffen es doch noch alle drei. Puh, Glück gehabt! Das ist uns eine Lehre, und diesmal füllen wir auch alle Ersatzkanister, die wir dabei haben. Denn bei dem seltenen Verkehr, der hier herrscht, kann es Stunden dauern, bis wer vorbeikommt und aushelfen kann.
An der Tankstelle nutzen wir deren Windschatten für unsere Mittagspause, bevor wir die letzte Etappe nach El Chaltén angehen. Bis zum Abzweig sind es noch 35 km, dann geht es wieder knappe 100 km gen Westen auf die Berge zu. Die Strasse ist hier in besserem Zustand und ist etwas einfacher zu fahren, aber dafür haben wir jetzt halt nur noch Gegenwind, der von den Bergen kommt und über die Pampa pfeift. Daher zieht sich das Stück ewig lang, es wird auch zunehmend kälter, und ich bekomme meine erste ernste Krise. Ich hab's satt, bin nur noch am Fluchen und werde richtig unausstehlich. Die Jungs machen nochmal Halt, als man zum ersten Mal den Gletscher Viedma sieht, aber nicht mal das kann mich noch beeindrucken. Ich trete Violeta mit Füssen, als sie nicht mehr anspringen will, oder wenn ich sie schieben will, und sie sich keinen Millimeter bewegt, weder vor noch zurück!! Scheiss Kiste! Saukalt ist es auch noch! Und überhaupt, was will ich eigentlich hier in dieser unfreundlichen Gegend?!! Ich fahr jetzt keinen Meter mehr weiter und bleib hier sitzen, bis der elende Wind nachlässt! Mein letzter Rest Verstand sagt mir aber, dass ich dabei eher hier verhungern würde, und dass das sowieso auch nicht viel angenehmer ist als aufzusitzen und die letzten paar km auch noch zu fahren. Also gut!!
Und tatsächlich, erst geht es noch über eine Holzbrücke, die beim Befahren so laut ist, man könnte meinen, die einzelnen Bretter liegen alle lose auf, und dann auf einmal taucht der Ort El Chaltén vor uns auf. Ich freue mich nur noch auf eine heisse, entspannende Dusche. Aber Michi und Gerhard wollen auf den Wildcampungplatz. Das ist nun das letzte, worauf ich heut noch Bock habe, kommt nicht in Frage. Ich klappere die anderen Campingplätze ab, die sind mir aber wiederum zu teuer. An die argentinischen Preise muss ich mich wohl auch erst gewöhnen. Aber nicht mehr heute, ein ander Mal! Die Jugendherberge ist schon voll. Widerwillig nehme ich also auch vorlieb mt dem kostenlosen Zeltplatz. Lustlos stelle ich in aller Eile mein Zelt hin und verkrieche mich darin in meinen Schlafsack. Da würde ich heute auhc nicht mehr rauskommen, würden die andern beiden nicht irgendwann nach Essen schreien. Wir laufen in den Ort, der mir auch auf den 2. Blick nicht gefällt. Zu kommerziell, zu touristisch. Alles ist auch in englisch angeschrieben überall, im Supermarkt und in den Restaurants läuft angloamerikanishce Musik, damit sich die Turis wie zuhause fühlen können. Auch Gerhard zieht es zur heimischen Küche, er hat Lust auf Pizza. Ich ziehe zwar normalerweise die nationale Küche vor, aber heut ist es mir wurscht. Meinetwegen. Auch im Restaurant erscheint uns alles masslos überteuert, und so teilen wir uns schliesslich eine Pizza zu dritt, ich brauch heut eh nicht viel.

11.02.2001
Obwohl es immer noch leicht regnet, brechen die Jungs gleich in der Früh schon auf zur Wanderung zum Fitz Roy, dem 3.400 m hohen Felsgipfel, eine der weltschwersten Herausforderungen für die Kletterer. Mir ist das zu stressig, ich bin noch nicht wieder soweit, brauch erst mal noch ne Pause und verschiebe diese Aktion auf morgen. Ich kuschele mich in meinen Schlafsack.
Erst später, die beiden sind längst unterwegs, rappele ich mich so langsam auf und frühstücke erst mal noch genüsslich. Ich schmeiss sogar extra meinen Kocher an, um einen heissen Kaffee zu bekommen. Das Wetter ist allerdings immer noch nicht besser, also leg ich mich danach nochmal hin, und setz dabei den Walkman auf. Die Musik holt mich endlich wieder ins Bewusstsein zurück, und am frühen Nachmittag, inzwischen kommt auch langsam die Sonne raus, bin ich wieder zu allen Schandtaten bereit, und beschliesse, den beiden entgegenzulaufen.
Hier auf dem Wanderweg geht es zu wie auf der Zugspitze. Wie ein Kanal ist der Pfad oft einen halben Meter tief in die Erde eingestampft. Überall gibt es schon abgesperrte Zonen, de sich wieder regenerieren sollen. Hier herrscht ein verkehr wie auf einer Ameisenstrasse.
In zwei Stunden marschiere ich hoch zum Campamento Poincenot, dem ersten Basislager. Von hier hat man schon einen herrlichen Blick auf den Fitz Roy. Das reicht mir durchaus schon für's erste. Den beiden Jungs bin ich aber nicht begegnet, eigenartig, eigentlich hätten sie mir irgendwann entgegen kommen müssen. Egal, lauf ich halt alleine wieder zurück, ist eh viel besser, so brauch ich niemandem so stressig hinterherzuhecheln. Gerhard und Michi trudeln eine Viertelstunde nach mir ein, sie waren noch ein Stück weiter als geplant und haben daher länger gebraucht. Kein Wunder also, dass ich sie nicht getroffen habe.

12.02.2001
In der Nacht geht es richtig zur Sache, es wütet ein heftiger Windsturm, und rüttelt an unseren Zelten, als wolle er sie mitsamt den Heringen davontragen. Aber sie halten Stand, bei meinem knickt etliche Male die Stange ein, sie richtet sich aber immer wieder von alleine auf. Am Morgen herrscht dann herrlichstes Wetter, keine Spur mehr vom nächtlichen Treiben, und kurz nach dem Anziehen ziehen wir uns schon wieder aus. Es ist doch tatsächlich nochmal richtiges Bikini-Wetter! Klasse!!
Erst wollen wir uns alle drei splitten heute. Gerhard will auf jeden Fall das Tal entlang fahren zum Lago del Desierto. Ich will den 3-stündigen Trail hochwandern zum Lago Torre am Cerro Torre, dem 2.-höchsten Gipfel neben dem Fitz Roy. Michi ist sich noch nicht ganz schlüssig, er will einen anderen Weg nehmen, weil ich lieber in Ruhe alleine laufen will. Davon bin ich aber gar nicht mehr so überzeugt, als er mich am Einstieg absetzt, und schliesslich meine ich zu ihm, er könne ja nachkommen, wenn er wolle. Tut er dann auch, aber ich hab soviel Handicap, dass er mich erst einholt, als ich oben am See schon meine Jause mache. Wir bleiben noch eine Weile da sitzen, lassen uns von der sonne wärmen und bewundern die Aussicht auf den Gletscher, auf den wir gleich noch rüber wollen. Jedoch, oh je, was ist das?!! Über den Fluss drüber gibt es nur ein gespanntes Seil, über das man sich rüberhangeln muss. Ein Schild warnt davor, es ohne Kletterhaken zu versuchen, eine Frau wäre schon mal bei solch einem Versuch um's Leben gekommen. Enttäuscht machen wir uns auf den Rückweg. Ohne diesen letzten Ausflug auf den Gletscher hat sich die Wanderung eigentlich nicht gelohnt. Hätten wir das gewusst, dann hätten wir uns 2/3 des Weges sparen können, denn vom Mirador (Aussichtspunkt) aus hat der Gletscher viel besser ausgesehen.
Wieder zurück im Tal treffen wir auf Gerhard, der auch schon lang wieder da ist, weil die Strasse schon nach wenigen Kilometern durch vom Sturm der letzten Nacht umgefallene Bäume blockiert war.


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