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Urlaub in

POUYGARIN - Südfrankreich
- Töpfern, Reiten, Tanzen -

19.07. - 03.08.2005


vom 19. Juli 2005

Pouygarin

das Atelier

an der Scheibe

auf der Koppel

die Isländer

die schwarze

Benji

unterwegs

nach dem Drehen

Abend-Picknick

im Atelier

beim Trocknen

Paula räumt den Ofen ein

am Badesee

Sonnenuntergang

Nachdem das, was letztes Jahr eigentlich der erste richtige Urlaub nach der „grossen Reise“ werden sollte (Motorrad- und Kanufahren in Südfrankreich) ein totaler Reinfall wurde (die doch arg belebten Strassen und auch Flüsse Europas sind einfach nichts für mich) und ich sogar wieder eine Woche früher als geplant nach Hause gefahren bin, hab ich es heuer nochmal mit Südfrankreich versucht. Diesmal aber auf ganz andere Art und Weise, und es wurde richtig toll! Obwohl ich anfangs auch sehr skeptisch war, hatte ich doch bisher noch nie Urlaub gemacht, indem ich ganze 3 Wochen an ein und demselben Ort bleiben sollte. Ob das wohl das richtige für mich sein würde? Ausserdem hat München gerade jetzt im Sommer selber soviel zu bieten, dass man eigentlich gar nicht weg muss, selbst wenn das Wetter nicht so richtig mitspielen will. Es geht mir also derzeit prächtig, und ich bin viel unterwegs. Kein Wunder also, dass der Urlaub also völlig ungelegen kommt. Aber es ist alles bereits seit langem gebucht und angezahlt, und unausweichlich kommt der Tag des Abflugs. Es hilft also nichts, ziemlich gleichgültig packe ich meine 7 Sachen zusammen und mache mich auf den Weg. Auch am Flughafen finde ich es noch irgendwie seltsam, und gleichzeitig auch traurig, dass ich „nur“ nach Frankreich fliegen soll. Wenn ich in den letzten Jahren irgendwohin geflogen bin, dann war es immer richtig weit weg, irgendwo in Südamerika, und wenn schon weg, dann würde ich jetzt auch viel lieber dorthin fliegen statt in die Gascogne. Aber wie gesagt, die Suppe hab ich mir selber eingebrockt, und ich wollte es so haben, also muss ich sie jetzt auch auslöffeln:
Der Flug verläuft ruhig und problemlos. In Toulouse muss ich zur Weiterreise noch den Zug nehmen. Von Paula, der Gastgeberin, weiss ich schon, dass es vom Flughafen aus einen Shuttle-Bus zum Bahnhof gibt. Auch das klappt alles wunderbar, mein sehr verkümmertes Französisch reicht gerade noch, um mich ohne grosse Zeitverluste durchzufragen, und so erwisch ich auch rechtzeitig den Anschlusszug nach Auch, wo ich von Georges – Paulas Mann- am Bahnhof abgeholt werde. Jetzt ist es nicht mehr weit, nochmal etwa 20 Autominuten, dann sind wir am Ziel. Paula hatte mich bereits vorgewarnt, dass ich in der ersten Woche der einzige Gast bin, und daher wohl alles recht familiär ablaufen würde. So bin ich nicht weiter überrascht, dass wir nicht gleich nach Pouygarin fahren. Georges erklärt mir, dass wir alle heute Abend bei seinem Bruder eingeladen sind, der hier in der Nachbarschaft sein Feriendomizil hat und auch gerade aus der Schweiz angekommen ist. So platzen wir mitten in die grosse Gesellschaft, gerade rechtzeitig zum Essen. Es sind zu viele Leute, als dass ich gleich durchschauen würde, wer wie zu wem gehört. Aber egal, es ist trotzdem sehr lustig, und ich lasse mich mehr oder weniger berieseln vom französischen Geplapper, an das ich mich erst mal wieder gewöhnen muss. So merke ich gar nicht, wie die Zeit vergeht, ausserdem ist es immer noch angenehm warm draussen, daher bin ich umso überraschter, dass es schon nach 23.00 Uhr ist, als wir den Heimweg antreten nach Pouygarin. Dann überkommt mich aber doch schlagartig die Müdigkeit, und ich bin froh, dass ich mein Zimmer beziehen kann, das für die kommenden fast 3 Wochen mein Zuhause sein wird.

20. Juli 2005
Das Zimmer liegt praktischerweise direkt hinter der Küche, wo wir morgens um 9.00 alle zum gemeinsamen Frühstück gemütlich zusammentreffen: Paula mit ihren beiden Kindern Matilda und Batiste, Susanna, Franziska und Barblina, die drei Schweizer Mädels, die Paula gegen Kost und Logis zur Hand gehen, und ich. Ob Kaffee mit der frischer Kuhmilch, Brot oder Müsli, natürlich gibt es alles aus hausgetöpfertem Geschirr, genau die richtige Einstimmung auf den bevorstehenden Tag.
Um ½ 10 Uhr ist Kursbeginn, Treffpunkt im Atelier an der Rückseite des Hauses. Heute ist Barblina mit dabei, so bin ich nicht ganz so allein die Dumme, die noch nix kann. Paula zeigt uns als erstes, wie man den Ton richtig knetet: ein bisschen wie Kuchenteig. Eigentlich mehr rollen als kneten. Sieht einfach aus, aber selbst das will gekonnt sein. Wir arbeiten mit Portionen von 800 g, die wir uns auf einer alten Waage abwiegen, wie in der Apotheke. Damit geht’s an die Scheibe. Hier muss die Kugel erst zentriert werden. Der Tonklumpen muss zu einer schmalen Kerze in die Höhe geformt, und wieder nach unten gedrückt werden. So oft, bis er ruhig und rund läuft. Erst danach kann mit dem eigentlichen Drehen und Formen begonnen werden. Grundform ist immer ein Zylinder. Dazu wird erst mit den Daumen in der Mitte ein Loch gebohrt, so tief, dass gerade ein etwa 1 cm dicker Boden bleibt. Dann wird der innere Rand gezogen und der Boden geglättet. Nun kann die Wand hochgezogen werden. Das ist die Theorie. Und genauso einfach wie es sich anhört, sieht es auch aus, als Paula es uns vormacht. Bei meinen eigenen ersten Versuchen entstehen allerdings eher etwas unförmige Schalen als Zylinder. Aber immerhin, schliesslich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Wie im Flug vergeht dabei die Zeit bis Mittag, und schon wird wieder zum Essen gerufen, das die Mädels in der Zwischenzeit zubereitet haben, mit viel Gemüse aus dem eigenen Garten, und das wir wieder alle gemeinsam unter dem grossen Schatten spendenden Baum auf der Terrasse einnehmen.
Am Nachmittag ist es im Freien fast unerträglich heiss, und so nutze ich die Zeit, um in aller Ruhe im angenehm kühlen Atelier noch ein paar weitere Versuche zu machen. Das meiste davon landet allerdings wieder im grossen Eimer mit dem nassen Ton, der der Wiederverwertung zugeführt wird.

21. Juli 2005
Am Vormittag wiederholen wir das gestern Gelernte, wobei wir jetzt auch ganz bewusst die Schalen- und Tellerform anstreben.
Auch den Nachmittag verbringe ich wieder weitgehend im Atelier. Ich kann gar nicht genug kriegen, und ich geniesse die entspannte und beschauliche Atmosphäre im Atelier, zumal es draussen sowieso zu heiss ist für sonstige Aktivitäten. Den Abend lasse ich über meinem Buch im Liegestuhl im Garten ausklingen.

22. Juli 2005
Heute ist Markttag in Vic-Fezensac. Deswegen tauschen wir und verlegen den Unterricht auf den Nachmittag. Susanna und ich nutzen die Gelegenheit, um gleich in der Früh mit den Pferden rauszugehen, bevor die grosse Hitze kommt. Um 8.30 treffen wir uns auf ein schnelles Frühstück in der Küche, dann geht’s gleich auf die Koppel. Von den 5 hier lebenden Islandpferden können eigentlich nur 3 geritten werden. Die beiden jüngsten, die schwarze und die weisse, sind noch nicht zugeritten.
Wie überall wollen auch hier die Pferde erst geputzt und ihre unbeschlagenen Hufe ausgekratzt sein, bevor es ans Satteln geht. Und zu guter Letzt, nicht vergessen, hier besteht Helmpflicht. So gerüstet kann es schliesslich losgehen. Es ist etwas ungewohnt auf einem solch kleinen Pferdchen und mit normalem statt einem Western-Sattel, aber ich komme zurecht. Nur einmal will Leta partout lieber wieder nach Hause, und ich habe Mühe, sie in die richtige Richtung zu bewegen, aber ansonsten geht’s wirklich gut, auch im Trab und erst recht im Galopp hab ich keine Probleme. Zugegeben, Leta ist nicht mehr die Jüngste und mag es auch lieber etwas ruhiger, aber wir wollen ja eh kein Wettrennen veranstalten. Es wird ein wirklich netter Ausritt über Wiesen –bzw. vielmehr das, was die sengende Sonne davon übrig lässt- und frisch gemähte Stoppelfelder. Um 10.30 sind wir zurück und startklar für den gemeinsamen Ausflug auf den Wochenmarkt. Ein typischer Markt, wie es sie überall auf dem Lande gibt, hier bekommt die Hausfrau alles, was sie für das tägliche Leben ihrer Familie braucht, und es bleibt auch noch genug Zeit für das ein oder andere Schwätzchen.
Zurück auf Pouygarin bleibt nach dem Mittagesen noch etwas Zeit für eine kurze Siesta, bevor wir uns um ½ 3 wieder zum Unterricht im Atelier aufraffen. Heute werden die bereits gefertigten und inzwischen lederharten Teile abgedreht. Zur Abwechslung ist das mal eine relativ leichte Angelegenheit. Trotzdem erfordert sie Konzentration, und ich kann förmlich zusehen, wie die mit der Zeit immer mehr schwindet, denn bis kurz vorm Abendessen um ½ 9 Uhr bin ich damit beschäftigt.

23. Juli 2005
Auf dem Unterrichtsprogramm stehen heute die sich zuspitzenden Formen. Ausgangsform ist auch hier wieder der Zylinder. Allerdings muss beachtet werden, wieviel Material noch für den Hals gebraucht wird, und das muss einfach ausreichend nach oben gebracht werden. Nachdem dann der Bauch ausgearbeitet ist, kann die Öffnung wieder verengt und der Hals geformt werden. Soweit, so gut. Ich selber habe aber, zu meiner eigenen Frustration, immer noch so meine Probleme mit den allerersten Schritten, dem Zentrieren. Nichtsdestotrotz hab ich am Ende des Tages ein paar ganz nette Krüglein zustande gebracht und bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis.
Am Abend gibt’s ein Grill-Picknick auf Gayon, dem neu gekauften Haus gerade mal ein paar km weiter, das Georges derzeit renoviert. Da steckt zwar noch jede Menge Arbeit drin, aber bereits jetzt ist zu erkennen, dass das neue Haus doch weitaus komfortabler sein wird als das jetzige. Noch dazu steht es auf einer kleinen Anhöhe, von der aus wir jetzt einen herrlichen Panorama-Blick haben. Gerade jetzt am Abend, wo es zum einen etwas abkühlt, und zum andern die Sonne langsam untergeht und den Himmel rot färbt, ist es hier wirklich angenehm und wunderschön.

24. Juli 2005
Es ist Sonntag. Und eigentlich gleichzeitig auch ein ganz normaler Unterrichtstag. Aber wir sind faul heute und wollen lieber brunchen. So schlägt Paula vor, einfach alles um einen Tag nach hinten zu schieben. Mir kommt das sehr gelegen. Wegen der Hitze hab ich bislang hier nicht so gut schlafen können, und so bin ich froh, am Morgen mal etwas länger liegen bleiben zu können. Ausserdem kann ich dann für mich allein im Atelier werkeln, und an meiner Technik arbeiten, mit der ich noch gar nicht zufrieden bin. Also frühstücken wir gemeinsam noch genüsslich auf der Terrasse. Danach bin ich dann wirklich den ganzen Tag im Atelier beschäftigt. Manches gelingt ganz gut, anderes wiederum überhaupt nicht, und landet in der Tonne. Am Nachmittag nutzen auch die anderen Mädels die Gelegenheit und die freie Zeit, und setzen sich auch an die Scheiben. So sitzen wir über unserer Arbeit, jeder für sich und doch alle zusammen, und aus der Stereoanlage begleitet uns Gotan Project oder Buena Vista Social Club. Eine friedliche und ruhige Atmosphäre, bei der man gar nicht merkt, wie die Zeit verrinnt.

25. Juli 2005
Es herrscht Aufregung, denn heute wird das Kalb abgeholt, um es zum Metzger zu bringen. Wäre es eine Milch gebende Kuh geworden, hätten sie es behalten, aber mit einem Stier können sie auf dem Hof nichts anfangen. Ich kriege von der ganzen Geschichte allerdings nur am Rande was mit, morgens beim Frühstück, als Georges draussen versucht, das Kalb von der Mutter zu trennen und es einzufangen. Alles weitere passiert, während ich im Atelier lerne, wie man die Teile mit schmäleren Hälsen abdreht – nämlich indem man sie kopfüber in eine passende Form hineinstellt. Ausserdem geht es um gezogene Henkel, und wie man sie anbringt. Auch damit bin ich den ganzen Tag beschäftigt, bei all den Teilen, die inzwischen entstanden sind. Und die Schnellste bin ich auch nicht gerade, Paula hat mich schon gleich am 1. Tag als Perfektionistin entlarvt.
Am Abend nutzen wir die Tatsache, dass es heute nicht so heiss ist wie zuletzt, für einen weiteren Ausritt durch die Umgebung. Wir kommen allerdings nicht weit. Wir haben heute Coyote, den Hund, dabei, und der heult auf einmal auf und humpelt auf drei Pfoten auf und zu. Wir haben keine Ahnung, was passiert ist, aber angeblich sind heuer schon Giftschlangen gesichtet worden, daher kehren wir lieber um.

26. Juli 2005
Wieder herrscht Aufregung, nachdem das Kalb nun nicht mehr da, wird die Mutterkuh heute zum 1. Mal gemolken. Ausserdem schreit sie den gnazen Tag ganz herzzerreissend nach ihrem kalb. Man darf gar nicht dran denken. Das Kursprogramm haben wir im Grunde weitgehend durch. Paula zeigt noch das Drehen vom Stock für kleine Teile wie Griffe, Deckel, Tüllen für Teekannen, Eierbecher etc. Ich habe das Gefühl, diese pingelige Futzelarbeit liegt mir überhaupt nicht. Ich bin gar nicht scharf drauf, das zu probieren, stattdessen ziehe ich es vor, lieber an die Basis zurückzukehren, und die Grundtechniken zu vertiefen und zu verbessern, und dies vielleicht auch mit grösseren Tonmassen. Allein schon das Zentrieren fällt mir immer noch schwer genug, da gibt es also nach wie vor noch genug zu tun.

27. Juli 2005
Ein ruhiger Tag, den ich damit verbringe, die letzten Schüsseln abzudrehen und abschliessend an einem schattigen Plätzchen unter einem Baum draussen im Freien -um den Tonstaub nicht einzuatmen- alles zu polieren, bevor Paula am Abend für den ersten Rohbrand den kleineren Ofen einräumt und einschaltet. Zur Abkühlung fahren wir nach dem Abendessen an einen nahegelegenen Badesee. Eine angenehme Erfrischung und eine nette Abwechslung. Allerdings sind wir noch gar nicht lange wieder aus dem Wasser raus, als ausgerechnet heute auf einmal ein Gewitter über uns hereinbricht, und wir müssen den Sandstrand fluchtartig verlassen. Es dauert zum Glück nicht allzu lange, sodass wir auf der Rückfahrt noch einen herrlichen Sonnenuntergang erleben.

28. Juli 2005
Die erste Kurswoche ist beendet, und im Grunde hab ich die nächsten Tage, bis am Montag die zweite, und diesmal voll ausgebuchte Kurswoche beginnt, zur freien Verfügung. Ich könnte also eigentlich sonst was unternehmen, aber ich kann auch weiterhin das Atelier benutzen und weiter arbeiten. Und das reicht mir voll und ganz, ich brauch gar nichts anderes mehr. Selbst das 4-tägige Salsa-Festival, das heute in Vic beginnt, ist mir inzwischen ziemlich gleichgültig geworden.
Ausserdem muss am Nachmittag ja auch noch alles glasiert werden, damit es dann fertig gebrannt werden kann. Damit bin ich bis in den Abend hinein beschäftigt. Daher bin ich gar nicht traurig darüber, dass auf einmal wieder ein Gewitter heraufzieht und es zu regnen beginnt, weswegen natürlich auch dieser erste Abend des Salsa-Festivals im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser fällt. Und es stört mich überhaupt nicht. Ich wäre dazu eh viel zu erschöpft und bin auch so gar nicht mehr darauf eingestellt.

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