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1 Woche Kurzurlaub in

GENSLEITEN - Niederbayern
- Reiten wie in Argentinien -

Oktober 2004



Gensleiten

drinnen

unsere Pferde

Herbert

Merlin

im Wald

Tango

Schon länger spukt mir die Idee im Kopf herum, mir die Welt vom Rücken eines Pferdes herab anzusehen. Sicher liegt mir das viel besser als Motorrad fahren
Ich habe noch ein paar Tage Urlaub übrig, die will ich nutzen, um es einmal auszuprobieren. Im Internet habe ich auch schnell gefunden, was ich suche: ein Einsteigertraining in Niederbayern bei Herbert und Petra auf der Gensleiten, wo man auf argentinischen Criollos die Umgebung erwandert. So kann ich immerhin meiner Vorliebe für den südamerikanischen Kontinent treu bleiben.
Mitte Oktober ist es dann soweit. Es ist zwar bereits Herbst, und wer weiss, ob das Wetter mitspielt, aber was soll`s, schliesslich gibt es gar kein schlechtes Wetter, und vielleicht hab ich ja auch Glück.
Sonntag Abend ist Anreise. Ich fahre mit dem Zug, und werde von Herbert am Bahnhof abgeholt. Von hier sind es nur noch ein paar Minuten zum Hof, der sehr idyllisch und abgelegen inmitten von Weiden und Pferdekoppeln steht. Als wir ankommen ist es zwar bereits dunkel, aber es ist trotzdem schon zu erkennen, dass alles mit sehr viel Liebe hergerichtet ist. Ungeduldig wartet im Hof der junge Skippy, ein Australian Shepherd.
Drinnen, ganz in argentinischem Stil eingerichtet, fühle ich mich auf Anhieb sehr wohl. Ich bin nicht die erste heute. Annika aus Bremen ist schon seit Freitag da, und auch Sabine aus Oberschleissheim ist vorhin bereits angekommen. Die restlichen 4 Münchener mit 2 eigenen Pferden werden erst morgen zu uns stossen. So sind wir heute Abend zum Essen nur eine kleine Truppe.
Ich bin etwas erschrocken, als ich höre, dass alle anderen bereits reiten können, und glaube schon, irgendwie falsch gebucht zu haben, oder dass sonst etwas schief gelaufen ist. Aber Herbert klärt mich auf. Es ist alles in bester Ordnung, und während die anderen zusammen mit Petra ausreiten werden, wird er mich in die hohe Kunst des Reitens einweisen. Ich hab also sogar noch das besondere Glück, Einzelunterricht zu bekommen.
Nach dem Essen bekommen wir unsere Zimmer zugewiesen. Alle drei dürfen wir ein gemütliches und geräumiges Doppelzimmer unser eigen nennen, und brauchen auch mit sonst niemandem das Bad zu teilen. Welch ein Luxus! Dennoch verbringe ich meine erste Nacht recht unruhig. Auf einmal kommen nu doch Zweifel auf, und mich plagen Fragen wie „was will ich eigentlich hier?“ und „was hab ich mir da mal wieder angetan?“.
Das ausgiebige Frühstück in fröhlicher Runde lässt aber das alles schnell wieder vergessen. Außerdem bleibt gar keine Zeit mehr für weitere Sorgen, denn gleich danach geht’s los. Die Pferde müssen sauber gemacht und gesattelt werden. Jeder ist selber verantwortlich für das Pferd, das er reiten wird. Mir ist heute Toni zugewiesen, der ruhigste und geduldigste von allen, und brav lässt er die ganze Prozedur über sich ergehen, obwohl ich so was ja noch nie vorher gemacht habe.
Während die anderen gleich mit Petra ins Gelände ziehen, bekomme ich von Herbert mein ganz individuelles Trainingsprogramm auf der Reitwiese. Es ist gar nicht so schwer und funktioniert auf Anhieb recht gut. Nur die als Hindernisse hingelegten Baumstämme machen Schwierigkeiten: Toni lässt sich von mir partout nicht überreden, darüber zu steigen, und mogelt sich jedes Mal drum rum. Wir verschieben die Übung auf später, und Herbert meint, ich solle doch gleich mal galoppieren. Au weia, das geht mir dann doch etwas zu schnell, das Herz rutscht mir in die Hose, und auf einmal wäre ich gerade doch viel lieber im Büro. Aber es hilft nichts, da muss ich jetzt durch, sonst darf ich später nicht ins Gelände. Das wäre doch zu schade, also packe ich all meinen Mut zusammen, so arg viel hab ich ja auch gar nicht, und lasse Toni laufen. Obwohl der erste Versuch noch nicht richtig gelingt, bin ich dennoch überrascht, dass die Sache nur halb so wild ist, wie ich mir vorgestellt hatte. Also gleich nochmal, diesmal aber richtig! Und rechtzeitig zur Mittagspause hab ich nach etlichen Versuchen den Bogen zumindest soweit raus, dass Herbert mich ruhigen Gewissens ins Gelände mitnehmen kann.
Nach dem Mittagessen – Spaghetti, köstlich gewürzt - geht’s gleich wieder raus. Mein erster Ausritt steht auf dem Programm, und Herbert führt mich durch die herrliche, einsame Landschaft. Toni macht seine Sache sehr gut, ich gewinne immer mehr Vertrauen und kann tatsächlich schon richtig relaxen, wie im Prospekt versprochen. Es ist ein ganz neues und faszinierendes Erlebnis, die Natur mit ihren herbstlich goldenen Wäldern auf diese Weise zu geniessen. Viel zu schnell führt uns die Forststrasse wieder zum Hof zurück. Nur Toni ist froh, jetzt Feierabend machen zu können, und freut sich zunächst auf den grossen Eimer Kraftfutter, bevor er wieder auf die Koppel darf.
Wenig später sind auch die anderen vom nachmittäglichen Ausritt zurück, und beim gemeinsamen Abendessen am knisternden Kaminfeuer lassen wir den Tag gemütlich ausklingen.
Auch am Dienstag spielt das Wetter mit, der morgendliche Frühnebel lichtet sich schnell und gibt herrliche Ausblicke auf die Umgebung frei. Zu meinem Bedauern bekommt Toni heute frei. Aber sicher ist es jetzt am Anfang gar nicht so schlecht, sich gar nicht erst an ein bestimmtes Pferd zu gewöhnen. Also bin ich schon gespannt, wie es heute mit Socke – für seinen Namen kann der Arme nichts, das war Herberts Idee- laufen wird. Und ob ich das gestern Gelernte nicht schon wieder völlig vergessen habe. Die Reitwiese ist passée, wir probieren’s gleich auf den weichen Forstwegen. Aber das Ergebnis ist enttäuschend, irgendwie komme ich heute gar nicht zurecht. Im Trab geht’s ja gerade noch, aber im Galopp wirft mich Socke nur so im Sattel hin und her, dass ich fast von Glück sagen kann, nicht herunter gefallen zu sein. Umso härter trifft mich die Nachricht, dass ich am Nachmittag schon mit den anderen zusammen ausreiten soll. Welch furchterregende Vorstellung! Das Mittagessen lasse ich mir dennoch dadurch nicht verderben, es schmeckt einfach zu gut, was Petra da immer auf die Teller zaubert.
Während Herbert nun anderen Pflichten nachkommen kann, schliesse ich mich also Petra’s Gruppe an. Es läuft auch erstaunlich gut, zumindest solange wir im Schritt durch die Lande wandern. Aber es bleibt mir nicht erspart, irgendwann ist dann doch wieder Galopp angesagt. Petra gibt Zeichen, und dann geht’s auch schon los, mir bleibt noch nicht einmal die Zeit für ein kurzes Stoßgebet. Meine Sorgen erweisen sich jedoch schnell wieder als unbegründet, denn –welch Wunder- auf einmal läuft es wie geschmiert, und ich kann mich wieder völlig entspannt dem Genuss der Natur widmen. Zumindest soweit es meine lahmen Knochen erlauben, denn schon bald spüre ich Muskeln, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe. Und dann noch abends die Ankündigung vom morgigen Programm: ein 6-stündiger Tagesritt ins Rottal!! Wie soll ich den bloss überleben?!
Mittwoch morgen, das Wetter ist unverändert gut, die Sonne kommt raus, und auch ich fühl mich wieder fast wie neugeboren und bin schon gespannt, wie ich mich mit Merlin vertragen werde, der mich heute über Wiesen und Felder tragen wird. Er ist der Jüngste der ca. 20 Criollos, und erst seit diesem Sommer hier bei uns in Deutschland. Er hat sich schon gut eingelebt, nur heute scheint er etwas müde zu sein. Ich muss ihn ununterbrochen antreiben, um nicht den Anschluss zu verlieren. Auf Dauer ist das doch recht anstrengend, sodass ich zur Abwechslung sogar richtig froh bin, wenn es mal ein Stück im Trab oder gar im Galopp weitergeht.
Oder wenn wir aufgrund des unwegsameren oder steilen Geländes absteigen und die Pferde führen. Trotz allem trudeln wir nach 3 Stunden pünktlich um halb zwei im urigen Hof ein, wo das stärkende Mittagessen bereits auf uns wartet. Es ist hier so gemütlich, dass uns der Aufbruch direkt schwer fällt, in der warmen Stube könnten wir noch viel länger sitzen bleiben. Aber wir wollen rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit wieder zuhause sein, also müssen wir notgedrungen wieder raus. Dennoch sind wir spät dran. Ein paar längere Galoppaden lassen uns nicht nur die verlorene Zeit schnell wieder aufholen, sondern lassen auch richtiges Gaucho-Feeling aufkommen.
An diesem Abend werd ich nicht mehr sehr alt, da können selbst die heisse, wohltuende Dusche, das leckere argentinische Essen, die argentinischen Klänge oder das knisternde Kaminfeuer nichts mehr retten. Ich bin fix und fertig, aber zufrieden mit mir und der kleinen Welt; die große hab ich hier draussen längst vergessen.
Am Donnerstag, unserem letzten Reittag, hat sich der Wetterfrosch sicher gedacht, dass zum kompletten Programm auch ein Ausritt bei Regen gehört. Wie gut, dass ich meine Mopped-Regenhose dabei habe, so macht mir das ganze Wasser nur wenig aus. Aber die uns zugeteilten Pferde fragen sich bestimmt, warum sie ausgerechnet heute dran sind. Trotzdem verziehen sie keine Miene, und auch Tango lässt sich bereitwillig sein Zaumzeug anlegen. Zum ersten Mal schaffe ich das heute alleine.
Bei diesem trüben und nassen Novemberwetter mutet der Wald richtig gespenstisch an und zeigt ein ganz anderes Gesicht. Auch das ist durchaus sehenswert, und fast schon bedaure ich, dass der Regen gegen Mittag nachlässt.
Nach dem Mittagessen verlassen uns die Münchener schon wieder, sodass wir am Nachmittag zum Abschluss als kleine Gruppe noch eine letzte gemütliche Runde ziehen. Während ich danach einerseits froh bin, nun alles bestens überstanden zu haben, bin ich andererseits doch viel trauriger darüber, am nächsten Morgen nach dem Frühstück schon wieder abreisen und in die grosse Stadt mit ihren stinkenden und lärmenden Autoschlangen zurückkehren zu müssen. Aber ich bin mir sicher, dass ich schon bald wiederkommen werde, und darauf freue ich mich schon jetzt.

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