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Urlaub in

Bolivia-Chile-Argentina
- CCF, Reiten, Tango -

22.01. - 03.03.2006


vom 26. Januar 2006

Blick auf Oruro

mein Patenkind Dorian

Dorian und ich

Stephanie und ihre Mutter

auf dem Rückweg nach Chile

glitschige Schlammpisten

Wasserfurten

Lamas am Wegesrand

hier geht nichts mehr weiter

hinab in die Atacama Wüste

Sanddünen am Stadtrand

Iquique

an der Plaza von Iquique

am Strand von Iquique

Marisa zuhause bei der Morales-Familiy

Unser Lager auf der Pferdeweide

am Gletscher El Morado

Basislager Refugio Plantat

müder arriero

Flussdurchquerung

blaue Lagune

Thermalbäder Baños Colina

auf dem Weg zum Fossilienfeld

Gratwanderung auf über 3000 m

verdientes Abendmahl

Valparaiso

am Strand von Viña del Mar

Blick auf den Vulkan Chillan

umgeben von Lava

der Obelisk von Buenos Aires

el Caminito

Tango in der Glorietta von Belgrano

Tango auf der Strasse

Einen ganzen Tag war ich von Santiago aus unterwegs, um in Oruro/Bolivien "meine" CCF-Patenkinder besuchen zu können. Die Betreuung durch die Mitarbeiter des CCF vor Ort war sehr gut und vorbildlich, alles hat einwandfrei geklappt. Die Kommunikation –sowohl per email als auch telefonisch- funktionierte sehr gut und prompt, und auch vereinbarte Treffen wurden pünktlich eingehalten, was in Ländern wie Bolivien durchaus nicht selbstverständlich ist.
So wurde ich am vereinbarten Morgen pünktlich um 9:00 abgeholt, um Dorian und seine Eltern in seinem Projekt Renovacion Madre Nino zu besuchen. Obwohl wir erst noch im Büro des CCF in Oruro vorbeifuhren, wo mich der Verantwortliche über alle Projekte von Oruro begrüsste und mir die Arbeit näher erläuterte, war Dorians Familie noch nicht da, als wir im Projekt Renovacion Madre Nino ankamen. Als auch sie eintrafen, war der kleine Dorian zunächst noch sehr schüchtern, da haben auch die mitgebrachten Geschenke nicht viel ausrichten können. Zugegeben, welcher dreijährige Bub ist schon mit Klamotten zu begeistern, noch dazu gebrauchte. Dafür hat sich seine Mutter Katia umso mehr darüber gefreut. Wir haben uns dann das Gebäude und die Räume des Projektes angesehen. Da aber derzeit gerade Ferien waren, konnte man nur erahnen, wie viele Kinder sich sonst hier tummeln. Es wird sicher eng, könnte ich mir vorstellen.
Anschliessend haben wir einen kleinen Einkaufsbummel durch die Stadt gemacht, den man sich natürlich etwas anders als hierzulande vorstellen muss. Es hat mir sehr viel Freude bereitet, zum einen das geschäftige Treiben der örtlichen Märkte kennen zu lernen, und zum andern auf diese Weise den kleinen Dorian und seine Familie zu unterstützen. So hat er ein neues Paar Schuhe bekommen, und mit der 2-kg-Dose Trockenmilch kann die Familie die nächsten 3 Monate auskommen. Richtig gefreut hat sich Dorian selber aber natürlich erst über den neuen Fussball, den es abschliessend noch gegeben hat.
Inzwischen wurde es Zeit fürs Mittagessen. Ich persönlich hätte ein einfaches, typisches Essen im Markt bevorzugt, stattdessen wurden wir von den Projektleuten in eines der besseren Restaurants der Stadt geführt, wo auch entsprechendes Publikum verkehrte. Das Essen war sehr gut und reichlich, dennoch sehr günstig, und ich tröstete mich damit, dass dies sicher ein besonderes und seltenes Erlebnis ist für Dorian und seine Eltern. Trotz des dem Niveau des Restaurants gebührenden etwas kühlen Ambientes taute Dorian hier nun richtig auf, sodass der kurz darauf folgende Abschied noch schwerer fiel. Gerne hätte ich noch mehr Zeit mit Dorian und seiner Familie verbracht, aber im nächsten Projekt Estrella del Sur am anderen Ende der Stadt wartete bereits Stephanie, das Patenkind unserer Firma, mit ihrer Mutter.
Stephanie ist bereits ein paar Jahre älter als Dorian, und so habe ich sie als ein sehr aufgewecktes und aufgeschlossenes, auf ihre Weise aber auch zurückhaltendes und bescheidenes Mädchen kennen gelernt. Sie hat sich wirklich sehr gefreut über die Sachen, die Frau Kissel, eine meiner Arbeitskolleginnen, mir für Stephanie mit gegeben hat. Es war schön zu sehen, wie sie über das ganze Gesicht gestrahlt hat, und auch ihre Mutter hat sich mit gefreut – erschreckend war für mich nur, zu erfahren, dass diese Frau genauso alt ist wie ich, woran wieder mal nur zu deutlich wird, wie hart das Leben hier zu diesen Menschen ist.
Beim Rundgang durch die leeren Räume wich Stephanie nicht von meiner Seite, und hat mir stolz eigene Arbeiten gezeigt, die sie im Lauf des vergangenen Schuljahres angefertigt hat. Stolz und voller Vorfreude sind auch alle über den Neubau, der nebenan gerade errichtet wird und in wenigen Wochen bereits fertig sein und in Betrieb genommen werden soll. Sicher eine grosse Erleichterung für alle. Ein Blick aus dem noch nicht eingebauten Fenster auf die Lebenssituation in der Nachbarschaft zeigt deutlich, wie wichtig die Arbeit ist, die hier geleistet wird, um diesen Menschen zu besseren Bedingungen zu verhelfen!!
Auch für Stephanie soll dies ein besonderer Tag sein, und so besuchen wir anschliessend alle gemeinsam den Zoo von Oruro, wo wir viele der heimischen Tiere wie Lamas, Alpacas, Vicunas, Vizcachas, Flamingos und sogar einen Kondor ganz aus der Nähe sehen können. Sehr interessant ist auch das benachbarte anthropologische Museum, in das wir uns vor dem einsetzenden Regen flüchten. In einer fast einstündigen Führung lernen wir viel über die Geschichte und Kultur der indianischen Andenvölker.
Zuletzt stärken wir uns im Markt mit den beliebten Pasteles de Queso und Api, auf die ich mich schon seit meiner Ankunft in Bolivien gefreut habe. Und zum Abschied bekomme ich im Namen des gesamten Projektes einen in Makramee gefassten Spiegel überreicht, eine ihrer schönsten Handwerksarbeiten, die sie selber herstellen. Ich soll ihn unserer Firma als Geschenk mitbringen. Und ich muss versprechen, bald wieder zu kommen, um dann auch den landesweit grössten und schönsten Karneval zu erleben, dem ich diesmal leider nicht beiwohnen kann. Das Versprechen fällt mir überhaupt nicht schwer, zumal meine Zeit in Oruro, und vor allem bei Dorian und Stephanie, wirklich viel zu kurz war. Trotz allem war es ein besonders interessantes und intensives Erlebnis, die Menschen, die man sonst nur aus der Ferne unterstützt, persönlich kennen zu lernen, und, wenn auch nur am Rande, doch auch ein bisschen am eigenen Leib zu erfahren, unter welchen Bedingungen sie zu leben verurteilt sind. Gerade jetzt in der Regenzeit ist das noch viel deutlicher geworden.

27. Januar 2006
Ich verscherbele gerade meine letzten bolivianos im Internet. Heute nacht um 4:00 geht der Bus zurueck nach Iquique im Norden von Chile, wo er fruehestens um 15:00 ankommen wird. Wahrscheinlich wird er ein paar Stunden laenger brauchen, denn der Weg ist in sehr schlechtem Zustand aufgrund der starken Regenfaelle, hier in Bolivien herrscht gerade Regenzeit. In Iquique werde ich dann noch einen Strandtag einlegen, bevor ich am Montag den Flug zurueck nach Santiago nehmen werde. Seit Mittwoch bin ich hier in Oruro/Bolivien, auf 3700 m Hoehe. Die Luft wird hier schon ganz schoen duenn, jede Bewegung ist anstrengend, und die ersten Tage hat man Kopfschmerzen, bis man sich daran gewoehnt hat. Temperatur ca. 5-15 Grad, also eher frisch. Gleich am ersten Tag wurde mir im Markt mein Geldbeutel aus dem Rucksack geklaut, kurz nachdem ich bolivianisches Geld aus dem Automaten gezogen hatte (ich weiss, ihr meint, ich sollte inzwischen gelernt haben, besser aufzupassen - aber ich hatte aufgepasst, wirklich!!!). Zum Glueck hat der Automat nur weniger ausgespukt als ich eigentlich haben wollte. Der Verlust haelt sich also in akzeptablen Grenzen. Nur, damit war dann auch die EC-Karte weg. Und bis ich meine noch verbliebene Mastercard aktivieren konnte, sind erstmal 2 Tage ins Land gegangen, aber das ist eine andere Geschichte. Und jetzt ist alles wieder gut. Dafuer haben mich die Leute vom CCF umso gastfreundlicher und mit grosser Freude empfangen und aufgenommen. Ich habe also endlich mein Patenkind Dorian und seine Familie sowie auch das Patenkind unserer Firma, Stephanie und ihre Mutter persönlich kennengelernt. Unglaublich, was diese Leute durchmachen muessen, und was fuer ein schweres Leben sie haben!!!

30. Januar 2006
vorgestern war ich also noch im nasskalten Altiplano auf sauerstoffarmen 3700 m. Gestern ging die 13,5-stuendige holprige Busfahrt ueber schlammige und schmierige Pisten und durch Wasserfurten hinab ans Meer, wobei wir auf den geschaetzten (noch nicht mal der Busfahrer konnte mir irgendwelche Distanzen in km nennen) letzten 100 km die Atacama-Wueste durchquert haben. Leider hat hier das Akku meiner Kamera schlapp gemacht, davon gibt es also keine Bilder, aber es sieht genauso aus, wie man sich eine Wueste halt so vorstellt. Und von oben kommend ist die Einfahrt nach Iquique schon sehr beeindruckend: waehrend wir uns die letzten Hoehenmeter hinabschlaengeln, taucht nach und nach die Stadt hinter den Duenen auf. Es ist wie ein messerscharfer Schnitt, und man fraegt sich, wer sich hier an wen quetscht, die Stadt an die Wueste, oder die Wueste an die Stadt? Hier hat jegliches Abenteuer zumindest vorlaeufig sein Ende, denn ich bin mitten in einem modernen Turistenresort gelandet, wie es sie ueberall gibt auf der Welt. Mit zahlreichen Unterhaltungs-, Ausflugs- und Sportmoeglichkeiten. Nur mit dem einzigen Unterschied, dass einem die Wuestenduenen staendig und ueberall im Nacken sitzen. Und das wohl einzige, was dennoch hier nicht angeboten wird, ist ein Ausritt in die Wueste. Was soll´s, ich werde bald sicher lange genug im Sattel sitzen, und einen Tag lang kann man es hier durchaus auch so aushalten. Morgen gehts zurueck nach Santiago, wo inzwischen auch Marisa angekommen sein duerfte. Dort werden wir uns dann um unsere Reitexpedition kuemmern. Bis ich mich das naechste Mal melde, wird also sicher laenger dauern.

14. Februar 2006
Nun wollen wir also zu Pferd durch die Anden, am liebsten von Chile bis rueber nach Argentinien. Auch nach langer Suche ist das so auf die Schnelle aber leider nicht moeglich. Immerhin haben wir private Kontakte nutzen koennen, und haben schlussendlich Arrieros gefunden, die bereit sind, uns 10 Tage lang mitzunehmen und durch die Berge zu fuehren. Den Proviant dazu muessen wir allerdings selbst besorgen, sie sind uns jedoch behilflich und schicken uns eine komplette Einkaufsliste.
Fuer den ersten Tag haben wir Fernando und seine Familie eingeladen, uns zu begleiten, und so treffen wir zur verabredeten Stunde morgens mit voll beladenem Auto in Baños ein, als wuerden wir zu einer Mammut-Expedition aufbrechen. Tatsaechlich haette man da wohl auch nicht viel mehr dabei als wir jetzt, denn auch wenn wir vieles wahrscheinlich gar nicht brauchen werden, so muss man doch gegebenenfalls geruestet sein.
Eilig hat es hier sowieso nie einer, und so vergeht auch noch eine ganze Weile, bis die Pferde gesattelt und gepackt sind, und es ist schon fast Mittag, als die Karawane endlich aufbricht. Geld und Papiere haben wir alles abgeliefert und hinterlegt, denn sowas werden wir die naechsten 10 Tage nicht mehr brauchen.
Gut 4 Stunden sind wir unterwegs, mal mehr mal weniger steil bergauf, bis wir unser erstes Ziel, den Gletscher El Morado erreicht haben und wir mit einer grandiosen Aussicht belohnt werden.
Beim Abstieg trennen sich dann unsere Wege, waehrend die anderen zurueckkehren ins Tal in die Zivilisation, geht es fuer Marisa und mich jetzt erst richtig los, und wir werden von Lucho zu unserem ersten Lagerplatz gefuehrt. Wir staunen nicht schlecht, wie sich die Pferde ueber recht unwegsame, kaum als solche erkennbare Pfade durch Fels und Geroell schlaengeln. Wir ahnen noch nicht, dass uns das ein paar Tage spaeter nur noch ein muedes Laecheln abringen wuerde, weil es noch viel schlimmer kommen wird.
Schiesslich biegen wir an einem Felsen um die Ecke, und da verschlaegt es uns endgueltig die Sprache, als wir unvermittelt auf einen saftig gruenen Corral blicken, mit einem frisch sprudelnden Gebirgsbach und frei weidenden Pferden. Hier werden wir unser Lager aufschlagen. Unter einem Felsvorsprung haben sich die Arrieros einen Unterschlupf und Feuerplatz eingerichtet. Ein traumhaftes Fleckchen Erde, da kann man die Arrieros nur beneiden, die hier ihren Arbeitsplatz haben. Und da bin ich auch gar nicht mehr traurig, dass es mit der Ueberquerung nach Argentinien nicht geklappt hat, und wir oefter hierher zurueckkehren und mehr als eine Nacht hier verbringen werden. Hier kann man es wirklich aushalten.
Tags darauf wollen wir ins Basislager vom Volcán San José. Es soll zeitlich weitaus kuerzer sein als bisher, dafuer aber viel steiler, und wir muessen durch den Fluss, der derzeit ziemlich viel Wasser traegt. Aber erstmal wird gefruehstueckt, dann muessen die Zelte verstaut, die Pferde eingefangen und die Mulis beladen werden. Letzteres zeigt sich als gar nicht so einfach und ist wohl eine Wissenschaft fuer sich. Es wird wieder nach 11 Uhr, bis wir endlich los koennen.
Und wieder koennen wir nur staunen, wo die Pferde ueberall noch durchkommen. Zunaechst geht es noch flach und eben quer durch's Tal, bei einem ersten kurzen, aber umso heftigeren Anstieg muessen wir absteigen, das waere fuer die Pferde dann wohl doch zu rutschig. Danach die Flussdurchquerung. Von weitem sieht das Wasser noch ganz harmlos aus, aber am Ufer entlang laufend wuerde ich selber keine Stelle finden, wo ich durchlaufen wollte. Also einfach Lucho hinterher, der kennt sich ja aus. Und auf dem Pferderuecken geht es dann doch viel leichter als befuerchtet. Nur, jetzt geht es erst richtig los. Auf einmal wird das wahr, was ich von weitem zwar schon befuerchtet habe, wovon ich aber dennoch gehofft habe, dass es nicht sein koenne. Mit den Pferden diesen Hang hinauf, bei dem es mir sogar zu Fuss schon schwindelig wird. Noch dazu sind die Mulis schlecht beladen und die ganze Fracht verrutscht, wodurch es eins der Mulis fast nach hinten den Abhang hinunter zieht. Nur mit Muehe und mit Lucho's Hilfe kann es sich noch halten. Mitten am Hang, wo man kaum noch gescheit stehen kann, leisten die beiden Arrieros ganze Arbeit, um alles wieder aufzuschichten und gerade zu ruecken. Das ist gerade nochmal gut gegangen, aber der Schreck sitzt tief. Wenn ich das alles mal vorher gewusst haette, haette ich sicher gekniffen. Jetzt aber bleibt nichts anderes uebrig, als weiter nach vorne, bzw. nach oben zu laufen.
Es ist Sommer und Hochsaison, daher herrscht oben am Refugio auf 3130 m reges Treiben, jede Menge Trekker sind unterwegs. Marisa und ich verzichten freiwillig auf eine Koje in der Huette und suchen uns lieber ein nettes Plaetzchen, wo wir unser Zelt aufschlagen koennen. Danach bleibt noch genuegend Zeit zum Relaxen, um das Erlebte zu verarbeiten und um uns schonmal mental auf den morgigen Abstieg vorzubereiten.
Am Morgen muessen wir feststellen, dass sich Primavera, Marisa's Pferd, in der Frueh selbstaendig gemacht hat und abgehauen ist. Daher werden vorerst auch nur 2 Pferde richtig gesattelt, und wir muessen erstmal zu Fuss los. Waehrend Lucho und Raul nochmal die Beladung der Mulis ueberpruefen, laufen Marisa und ich voraus, jede mit einem Pferd am Fuehrstrick. Wir sind schon ein ganzes Stueck gelaufen, es ist schon wieder maechtig steil geworden, und ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, dass ein Pferd allein, noch dazu am langen Seil, an dem es eigentlich angebunden war und in dem es sich jetzt leicht verheddern kann, diesen Weg von sich aus und freiwillig hinabsteigen soll. Aber ploetzlich hoeren wir es ueber uns wiehern, und da steht Primavera ganz friedlich und gruesst ihre Kumpane, die auch gleich zurueckgruessen. Ich geb mein Pferd an Marisa ab und steige zu Primavera hinauf, wo sie sich auf der Weide eingerichtet hat und mich neugierig anschaut. Ich bekomme das Seil zu fassen, ohne dass sie irgendwelche Fluchtversuche unternimmt. Sie aber den Hang hinunter zu bewegen auf den Pfad, ist schon nicht mehr ganz so einfach, ich muss ganz schoen ziehen und komme noch mehr ins Schwitzen als eh schon. Bis ich es geschafft habe, haben auch Lucho und Raul uns eingeholt. Primavera wird an Consentida, an meinem Pferd, festgebunden, und so geht es weiter hinab, ich mit gleich 2 Pferden im Schlepptau.
Unten in der Talsenke angekommen sammeln wir erstmal Holz fuer ein Feuer, fruehsteucken in aller Ruhe und warten auf Nano, der heute zu uns stossen und Raul abloesen soll. Es scheint eine halbe Ewigkeit vergangen zu sein, als wir fern am Taleingang die Silhouette eines langsam nahenden Reiters erspaehen.
Als er endlich da ist, fackelt er nicht lange und ruft gleich zum Aufbruch auf. Wir wollen noch um den Volcan San Jose herum bis ans Ende vom Valle La Engorda. Das sieht einfacher aus als es tatsaechlich ist. Es wirkt zwar alles sehr gruen und schaut nach Wiese aus, in Wirklichkeit ist der Untergrund aber doch sehr geroellig, und man muss sich schon seinen Weg suchen durch das Gestrupp und die Felsbrocken. Ausserdem muessen wir wieder einen tosenden Fluss durchqueren. Je weiter wir gelangen, umso einfacher und archaischer wird die Landschaft, und es blaest ein zunehmend heftiger Wind. Eigentlich wollten wir fuer diese Nacht hier unser Lager aufschlagen, aber es gibt in dieser Gegend keinerlei Holz mehr, und ohne Holz gibt es kein Feuer. Obwohl ich ueberzeugt bin, dass wir dennoch hier bleiben koennten und dass Nano bestimmt persoenliche Gruende hat zum Umkehren, folgen wir seinem Vorschlag und reiten zurueck zum Corral.
Am Abend beim Essen am Lagerfeuer erzaehlt uns Nano noch vom toedlichen Unfall seines Cousins, der mit seinem Pferd gestuerzt war, als sie auf dem Rueckweg waren, um mit den Mulis das Gepaeck der Trekker wieder den Berg runter zu schaffen, dort wo auch wir heute unterwegs waren. Gerade mal 15 Jahre war er alt, am 8. Februar haette er Geburtstag gehabt.
Nach all den Tagen in der Wildnis ohne Strom, ohne Licht, ohne Wasserhahn, sind wir schliesslich wieder zurueck in der Zivilisation. Wenngleich grad mal 100 km entfernt, erscheint einem die Stadt auf einmal wie eine fremde parallele Welt, nach dem einfachen Leben mit den Arrieros in den Bergen. Wir haben viel von ihnen gelernt, und auch viel gesehen: Gletscher, Berglagunen, heisse Thermalquellen, Fossilienfelder, die so hoch oben waren, dass der Ritt dort hinauf und am Berggrat entlang schon schwer an die Grenze meiner Berg- und Hoehenfaehigkeit stiess. Unglaublich, was diese Pferde in der Lage sind zu leisten!!! Gestern in der U-Bahn haben wir uns gewundert, warum wohl alle von uns Abstand nahmen. Erst zuhause hat uns Beatriz darauf hingewiesen, dass wir doch sehr nach Pferd riechen wuerden...

23. Februar 2006
Bevor Marisa vor einer Woche neu eingekleidet wieder den Rueckflug angetreten hat, waren wir noch fuer 2 Tage an der Kueste, in der Hafenstadt Valparaiso und an den Straenden von Viña del Mar. Dann musste ich mich erstmal wieder daran gewoehnen, wieder alleine unterwegs zu sein. Fuer ein paar Tage war ich nochmal beim Reiten, diesmal etwas weiter suedlich, in Chillan, so ziemlich die einzige Stadt im Sueden von Chile, wo ich noch nicht gewesen war bisher. Auch wenn wir nicht so hoch hinaus gekommen sind wie im Cajon del Maipo, so sind der Vulkan Chillan und seine Lavastroeme dennoch auch von hier aus sehr beeindruckend!! Heute ist nun mein letzter Tag in Chile, und der Abschied faellt schwer. Wir werden ihn wohl mit Musik und Tanz feiern, gleichzeitig zur Einstimmung auf die bevorstehende Woche in Buenos Aires. Ich muss gestehen, dass ich momentan noch gar keine Lust drauf habe, und ich bin mir nicht mehr so sicher, ob das wirklich eine so gute Idee war. Es ist soviel anders als alles bisher Unternommene, dass es schwerfaellt, sich so schnell umzustellen.

01. März 2006
Inzwischen neigt sich auch meine Zeit hier in Buenos Aires ihrem Ende zu. Schade, denn nun habe ich mich gerade erst so einigermassen eingewoehnt nach einer etwas laengeren Anlaufzeit. Seit Montag habe ich meine taegliche Privatstunde, und mittlerweile hab ich auch ein paar Milongas kennengelernt. Ich hatte das zweifelhafte Vergnuegen, mit ein paar Porteños zu tanzen. Der Stil hier ist allerdings wirklich erst gewoehnungsbeduerftig. Ansonsten trifft man mindestens genauso haeufig auf Islaender, Deutsche, Oesterreicher, Franzosen und Schweizer (Amis sind mir zum Glueck bisher erspart geblieben). Ausserdem hab ich es mir nun doch nicht verkneifen koennen, mir ein Paar neue Schuhe zuzulegen. Die muessen allerdings erst noch angepasst werden, und am Donnerstag Abend kann ich sie abholen. Gerade rechtzeitig, bevor ich am Freitag Mittag am Flughafen sein muss. Das Wetter ist eher wechselhaft, heute ist mal wieder richtig sommerlich, mit tiefblauem Himmel und wohl so knappe 30 Grad heiss.

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